Lernen, gute Tipps von schlechten zu unterscheiden

NAiSE  GPS-Technologie für Indoornavigation

Stellen Sie sich und das Startup NAiSE doch kurz unseren Lesern vor!
Unser Startup, die NAiSE GmbH, besteht aus den vier Gründern Kai Przybysz, Robert Libert, Jens Heinrich und Felicitas Knapp. Wir haben uns dem stark wachsenden Markt der Indoornavigation verschrieben und sind mit zwei Elektrotechnikern, einem Wirtschaftsingenieur und einer Kommunikationsfachfrau vielfältig aufgestellt.

Was wir konkret machen: Wir bringen GPS ins Gebäude. Dazu entwickeln wir Hardware-Systeme, die in ihrer Größe WLAN-Routern ähneln, jedoch echte GPS-Signale aussenden. Ist unser Indoor-GPS-System installiert, kann sich der Nutzer genau wie draußen den Weg im Gebäude auf dem eigenen Smartphone anzeigen lassen, zum Beispiel mit Google Maps oder einer anderen Karten-App.
Die meisten denken jetzt wahrscheinlich an Personennavigation zum Beispiel in Einkaufszentren oder Bürogebäuden. Das ist aber nur ein Teilaspekt: Zum Beispiel kann unser System auch zur Lokalisierung von Maschinen, Fahrzeugen oder Waren in Fertigungsbetrieben eingesetzt werden und so zur Prozessoptimierung beitragen – Stichwort Industrie 4.0. Auch bei anderen Megatrends wie dem Internet der Dinge oder dem autonomen Fahren kann Indoor-GPS eine der Schlüsseltechnologien sein.

Für das autonome Fahren zum Beispiel wird unter anderem GPS benötigt, was unter freiem Himmel ja auch gut funktioniert. In Tunneln, Straßenschluchten oder im Parkhaus wäre nach heutigem Stand damit allerdings Schluss. Unsere Hardware kann in Gebieten, wo bislang kein GPS-Empfang möglich ist, das Netz erweitern und ermöglicht so eine lückenlose Navigation.

Wie ist die Idee zu NAiSE entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Kai Przybysz hat im Rahmen seiner Masterarbeit (2015) Indoormapping-Lösungen untersucht. Dabei beschäftigte er sich zwangsläufig auch mit den Technologien, die für die Positionsbestimmung in Gebäuden zum Einsatz kommen. Da die Nutzung von GPS-Signalen aus seiner Sicht auch indoor die beste Lösung darstellt, hat er diesen Ansatz weiterverfolgt und seinen Kollegen Robert Libert mit ins Boot geholt.

Im Dezember 2015 präsentierte er seine Idee auf dem Startup-Weekend in Stuttgart und lernte dort die beiden anderen heutigen Teammitglieder kennen. Anschließend haben wir neben den Hauptberufen so oft wie möglich an dem Projekt gearbeitet. Seit der Bewilligung des EXIST-Gründerstipendiums im Januar 2017 stecken wir unsere geballte Arbeitskraft in NAiSE und in das Thema Indoornavigation.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Rational ist das gar nicht so einfach zu erklären. Kurz gesagt denken wir, dass die Idee einfach zu gut ist, um es nicht zu versuchen – wir stehen voll und ganz dahinter. Wir arbeiten an einer innovativen Technologie und sind davon überzeugt, dass wir damit einen echten Mehrwert in vielerlei Hinsicht schaffen können.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich die Finanzierung. Wir freuen uns sehr, dass wir durch das EXIST-Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden, allerdings gilt dieses Stipendium nur für ein Jahr und wir müssen natürlich frühzeitig planen, wie es danach weitergeht.
Andere Hürden sind sicherlich die typischen bürokratischen Stolpersteine bei der Unternehmensgründung. Die haben wir bisher aber ganz gut durch die Hilfe anderer Startups bewältigt. Wir haben immer wieder gemerkt: Ein gutes Netzwerk ist das A und O.

Wer ist die Zielgruppe von NAiSE?
Wir sind im B2B-Markt zu Hause. Dabei gibt es zahlreiche Anwendungsfälle, bei denen die Indoornavigation beziehungsweise Positionsbestimmung mit GPS sinnvoll ist: Dazu zählen zum Beispiel komplexe Bürogebäude, Hochschulen oder Museen sowie der Einzelhandel, Messehallen und Parkhäuser. Allen voran sehen wir die Logistik als vielversprechenden Anwendungsbereich, wo mit GPS das Tracking von Waren, Maschinen und Fahrzeugen entlang der gesamten Lieferkette möglich wird.

Wie funktioniert NAiSE?
GPS-Signale werden von Satelliten im Orbit ausgesendet. Allerdings ist die Strahlung so gering, dass sie Wände nicht durchdringen kann. Deshalb gibt es bislang keinen GPS-Empfang in Gebäuden. Mit unserer Hardware entwickeln wir sozusagen kleine Satelliten in einer Box. Ist unser System im Raum installiert, das heißt mit Strom und einem Internetzugang versorgt, kann der Empfänger – zum Beispiel ein Smartphone – bis auf wenige Zentimeter genau lokalisiert werden. Dadurch ist dann in Verbindung mit einer Karten-App Navigation im Gebäude möglich. Das Mapping von Gebäuden bieten wir neben unserer „Satelliten-Box“ ebenfalls an.

Welche Vorteile bietet NAiSE?
Wir nutzen mit GPS die seit mehr als 30 Jahren zuverlässig eingesetzte Standard-Technologie für die Navigation, die einzig zur Positionsbestimmung entwickelt wurde. Indoor-GPS von NAiSE ist daher bereits kompatibel mit handelsüblichen Navigationsgeräten und Smartphones und dadurch besonders benutzerfreundlich. Da wir die bewährte GPS-Technologie für die Indoornavigation einsetzen, die unter freiem Himmel ja ebenfalls verwendet wird, können wir eine lückenlose Navigation von draußen nach drinnen ermöglichen, ohne Anpassungen des Empfängergeräts. Dies ist mit keiner anderen Technologie möglich.

Es gibt viele verschiedene technische Ansätze, bis heute konnte sich aber noch keine massentaugliche Lösung zur Indoornavigation durchsetzen. Im Gegensatz zu anderen Technologien wie WLAN oder Bluetooth, die für die Indoornavigation zweckentfremdet wurden, ist GPS weniger strahlungsintensiv, störungsresistenter und besitzt eine vielfach höhere Reichweite. Es kann mit bestehenden Empfängern und Kartendiensten genutzt werden und erweitert schlichtweg einen zuverlässigen Standard.

NAiSE, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Unser Ziel ist es, die GPS-Technologie als Standard für die Indoornavigation zu etablieren, wie es unter freiem Himmel schon der Fall ist. Andere globale Navigationssatellitensysteme wie das europäische GALILEO, das sich momentan noch im Aufbau befindet, werden dann ebenfalls unterstützt.
Außerdem wünschen wir uns, mit unseren Mitarbeitern ein tolles Arbeitsumfeld zu schaffen, wo kreative und innovative Ideen entstehen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Einfach mal machen:
Risiken abschätzen und Dinge dann einfach ausprobieren. Wenn’s nicht passt, merkt man es früh genug und macht es beim nächsten Mal anders.
2. Klare Rollen im Team verteilen:
Es hilft ungemein zu wissen, wer für welche Bereiche zuständig ist. Nicht nur Aufgaben sind so schneller verteilt, auch Entscheidungen fallen leichter.
3. Lernen, gute Tipps von schlechten zu unterscheiden:
Gerade am Anfang gibt es Tipps von allen möglichen Leuten zu allen möglichen Dingen. Viele sind sehr hilfreich, aber das Startup selbst kennt sein Team, seine Grenzen und Möglichkeiten am besten. Auch Experten haben nicht immer Recht. Also im Zweifelsfall Tipp Nummer 1 anwenden.

Bild:  (v. l.): Jens Heinrich (CEO), Felicitas Knapp (CMO), Kai Przybysz (CTO) und Robert Libert (COO)

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Wir bedanken uns bei Felicitas Knapp für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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