Viele Probleme lösen sich von alleine, andere kommen dafür dazu

nahgenuss Bio-Schweinefleisch direkt von Bio Bauern aus der Region

Stellen Sie sich und das Startup nahgenuss doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Bruder und ich wollen biologische Landwirtschaft fördern; deshalb nahgenuss. Unser Ziel ist es zu zeigen, dass auch kleinstrukturierte Landwirtschaft eine Zukunft hat, besonders wenn es um die Produktion von Fleisch geht. Fleisch soll als das wahrgenommen werden was es ist: Ein besonderes Genussprodukt.
Mit nahgenuss.at haben wir ein Web-Portal für Bio-Bauern und Bio-Bäuerinnen geschaffen, welches die Direktvermarktung von Bio-Schweinefleisch erleichtert. Unsere Bauern und Bäuerinnen können auf nahgenuss.at ganze Bio-Schweine – von der Nase bis zum Schwanz – verkaufen. Wir finden bis zu vier Kunden und Kundinnen die sich das ganze Schwein teilen. Ist das Bio-Schwein ganzheitlich verkauft, wird es küchenfertig zerlegt und von den Kunden am Bauernhof abgeholt. Manche Bauern stellen das Fleisch auch mittels Kühlversand bis zur Haustüre zu.
Durch diesen Weg verkaufen die Landwirte immer alle Teile des Schweines –alles wird verwertet. Durch die Direktvermarktung bleibt mehr Geld bei den Landwirten und gleichzeitig erfahren sie die Wertschätzung der Kunden und Kundinnen.
Durch den Ab-Hof Kauf sehen die Kunden und Kundinnen mit eigenen Augen woher das Fleisch kommt, wer dahinter steht und wie die Tiere gehalten werden. Gleichzeitig ist das Fleisch durch den Ab-Hof Kauf günstiger als im Handel.

Wie ist die Idee von nahgenuss entstanden und wie haben Sie als Gründerteam zusammengefunden?
Schweinefleisch ist das mit Abstand schwierigste Fleisch in der Vermarktung. Viele Konsumenten verbinden Schweinefleisch mit einem billigen Produkt. Im Bio-Bereich ist Schweinefleisch aber ein hochwertig erzeugtes Fleisch. Die Tiere werden artgerecht gehalten und bekommen nur Bio-Futter. Unsere Eltern kommen aus einer Gegend in der es viele Schweinebauern gibt und der Wachstumszwang ein großes Thema ist. Für viele heißt es, wachsen oder zusperren. Die Direktvermarktung von Fleisch ist ein Ausweg, hat aber seine Tücken. In Gesprächen mit Bauern wurde uns schnell klar wie schwierig es ist, alle Teile in der Direktvermarktung zu verkaufen, da die vermeintlichen Edelteileschnell verkauft sind, aber nicht so bekannte Stücke wie Frikandeau oder Bauchfleisch nicht sehr begehrt sind. Dabei sind alle Teile von qualitativem Schweinefleisch schmackhaft, es kommt nur auf die Zubereitung an.
Wir wollten etwas machen, was gut und einfach für die Bauern ist – wir sind daher die Sache vom Blickwinkel der Bauern aus angegangen.

Was waren von der Idee bis zum Start bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir haben ein Produkt am Markt, dass es so in dieser Form noch nicht gab. Am schwierigsten ist es, sowohl genügend Landwirte als auch KonsumentInnen davon zu überzeugen, dass unser Weg Schweinefleisch zu verkaufen bzw. zu kaufen der Bessere ist. Es gibt heute die großen Handelskonzerne und das hat schon einen guten Grund. Es ist ein einfach komfortabel zum Supermarkt um die Ecke zu gehen und Produkte aus der ganzen Welt kaufen zu können. Dahinter steht ein enormer Logistikapparat, den wir nie werden bieten können. Um erfolgreich zu sein muss es uns gelingen KonsumentInnen zu überzeugen, dass beim Kauf von Fleisch unser Weg der Bessere für Mensch, Tier und Umwelt ist; gleichzeitig müssen wir neue Strukturen (z.B. den Postversand von Fleisch) gut nützen.
Bei der Finanzierung haben wir am Anfang aus dem privaten Umfeld etwas Geld bekommen. Mittlerweile haben wir auch vom Staat einige Förderungen bekommen und auch einige Preisgelder gewonnen – gerade am Anfang ein sehr wichtiger Beitrag. Langfristig müssen wir natürlich uns durch den Markt finanzieren. So idealistisch wir auch sind, auch wir müssen schwarze Zahlen schreiben. Wir investieren einfach viel Zeit und Energie in nahgenuss; davon leben können wir noch nicht.

Wer ist die Zielgruppe von nahgenuss?
Zum einen natürlich Bio-Bauern; ohne diese hätten wir kein Angebot.
Die Kunden und Kundinnen sind bewusste Konsumenten, die auf hochwertiges Fleisch großen Wert legen und die wissen wollen woher das Fleisch, welches auf ihren Tellern landet, kommt. Es gilt: lieber weniger Fleisch, dafür aber sehr hohe Qualität. Für viele spielt auch der Gesundheitsaspekt eine große Rolle. Bio-Fleisch ist nachweislich gesünder. Und bei Fleisch gilt: Weniger ist mehr. Durch die Mindestbestellmenge von einem ¼ Schwein, was ungefähr 20 kg Fleisch sind, sind es vor allem Familien und Mehrpersonenhaushalte, die auf nahgenuss.at bestellen. Wir haben ungefähr gleich viele Kunden aus der Stadt, wie vom Land.

Wie funktioniert nahgenuss?
Der Kunde, die Kundin sucht nach Bio-Schweinebauern auf www.nahgenuss.at. Man kann sich die einzelnen Bauern anschauen – es gibt Fotos und Texte über die Bauern. Hat man sich für einen Bauern entschieden, bestellt man mindestens ein ¼ Bio-Schwein. Das sind ungefähr 20 kg Fleisch oder 2 Schubladen im Gefrierschrank. Das Fleisch ist küchenfertig zerlegt und meist auch verpackt – es lässt sich sehr gut tiefgekühlt lagern.Zum vorgegebenen Tag kann man das Fleisch am Bauernhof persönlich abholen,beziehungsweise es wird per Kühlversand bis zur Haustüre zugestellt.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback ist wirklich super. Wir haben viele Sympathisanten und Sympathisantinnen, und immer mehr und mehr Kunden und Kundinnen. Positives Feedback gibt nicht nur uns Auftrieb, sondern auch den Bauern und Bäuerinnen – Anerkennung ist auch eine gute Währung.

nahgenuss, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ziel ist es, bis zum Sommer 2017 30 Bio-Bauern und Bio-Bäuerinnen in ganz Österreich auf nahgenuss.at zu haben. Der Anteil an Bio-Schweinefleisch soll zunehmen. Langfristig ist auch eine Ausweitung auf andere Produkte geplant. Lamm- und Rindfleisch würden sich gut anbieten. Auch eine Ausweitung auf andere Länder ist denkbar.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Jeder noch so gute Plan hat Unsicherheitsfaktoren. Irgendwann muss man es einfach probieren, auch wenn man nicht weiß, wie es ausgeht. Viele Probleme lösen sich von alleine, andere kommen dafür dazu. Es ist wichtig, einfach mal loszulegen. Und:Geld alleine ist ein schlechter Antrieb; man sollte auch mögen, was man macht.

Bildquelle  (c) Julia Rauchenberger

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Wir bedanken uns bei Micha und Lukas  Beiglböck für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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