myCleaner professionelle Autoreinigung vor Ort

myCleaner die Autoreinigung der Zukunft

Wie kam es zu der Idee mit myCleaner?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner : Als angestellter Unternehmensberater war ich viel mit dem Firmenwagen unterwegs und hatte kaum Zeit sich um die Sauberkeit meines Autos zu kümmern, obwohl ich vor allem lange Strecken viel lieber im sauberen Auto verbringe. Am Wochenende hatte ich es bevorzugt meine Freizeit mit der Frau und Tochter zu verbringen, als das Auto zu reinigen. In 2006 habe ich auf einem Projekt in Belgien zum ersten Mal die Autoreinigung mit Hol- und Bring-Service ausprobiert. In Deutschland habe ich solchen Service vorher noch nicht gekannt. Ein lokaler Einzelunternehmer hatte die Autoreinigung für im Industriegebiet ansässige Unternehmen angeboten. Ich fand es super bequem mein Auto während meiner Arbeitszeit reinigen zu lassen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war akzeptabel und die meine Firma hat die Kosten für die Reinigung des Firmenwagens übernommen. Vor allem empfand ich die Innenreinigung als sehr bequem. Während man an der Waschanlage noch relativ unkompliziert die Außenwäsche bekommt, bleibt einem die Innenraumreinigung als zeitraubende Pflichtaufgabe überlassen. So dachte ich mir damals, dass dieser Service wesentlich besser organisiert und unter einer starken Marke als mobiler Vor-Ort-Dienstleistung flächendeckend angeboten werden sollte.

Wie habt Ihr Euch als Gründerteam von myCleaner gefunden?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner:  Bis 2010 war die Idee ein Hirngespinst. Vor allem hatte ich mich ab 2007 als Unternehmensberater selbstständig gemacht und hatte keine Zeit für andere Sachen. Auf langen Strecken zu meinen Kunden habe ich immer wieder über die Mitfahrzentrale die Mitfahrgelegenheit angeboten. Es war sehr praktisch und interessant neue Menschen kennen zu lernen und sich während der Fahrt zu unterhalten. So ist Abdula Hamed einige Male auf dem Weg nach Köln bei mir mitgefahren. Ich war damals als Berater bei BwFuhrparkServices tätig und Abdula absolvierte sein Master in Biomedical Engineering. Bei der Autofahrt haben wir uns über unterschiedliche Dinge unterhalten und kamen auf das Thema Selbstständigkeit. Damals war Abdula wie ich selbst einst der Meinung, dass für die erfolgreiche Selbstständigkeit eine geniale Geschäftsidee her muss. Bis dahin habe ich mich schon eines besseren belehren lassen und erklärte Abdula, dass es genügend Geschäftsideen um uns herum gibt und es eher an der Ausdauer, diese zum Erfolg zu bringen, liegt. Als Beispiel nannte ich die Geschäftsidee der Autoreinigung als Vor-Ort-Service, die ich neben einigen weiteren Ideen schon seit einigen Jahren hatte, und mir diese Idee an sich bisher gar nichts bringt. Im weiteren Gespräch kamen wir zum Entschluss es zusammen anzugehen. Abdula brachte als Student etwas Zeit und Initiative mit, um mit dem Business Plan zu starten, während ich mit meiner Erfahrung als Unternehmensberater für Finanzen und Controlling zur Verfügung stellte. Als wir mit Abdula ein gutes Stück voran kamen, war es an der Zeit für unsere Idee einen Namen, ein Logo und eine Webpräsenz zu kreieren. Meine Frau Natalia war bereits seit einigen Jahren als erfolgreiche Grafik-Designerin tätig und hat sich an die Arbeit gemacht. Wenige Wochenspäter kam Mohamed, Bruder von Abdula, der ebenfalls in der Zeit sein Studium zum Wirtschaftsinformatiker absolvierte, hinzu und hat uns bei unterschiedlichsten Aufgaben unterstützt. Nach einigen Monaten war die Zeit reif mit der Entwicklung eines eigenen System, für die automatisierte Disposition unserer Cleaner, zu beginnen. Unser langjähriger Freund, Dmitry Klimensky, hatte zu dem Zeitpunkt für ein Unternehmen ein online-basiertes System fertig gestellt, das als Basis für unser heutiges System diente. Es war klar, dass Dmitry mit ins Boot muss. So war das Gründerteam komplett.

Warum habt Ihr Euch für die Finanzierung über ein Crowdinvesting entschieden?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Crowdinvesting bietet sehr viele Vorteile. Gegenüber üblichen Finanzierungsrunden mit VCs und Privatinvestoren kann je nach Startup die Zeitspanne zwischen Aufnahme der Vorbereitungen der Kampagne und erster Auszahlung deutlich kürzer sein. Für die Vorbereitung und Due Diligence seitens Seedmatch bis zum Start des Fundings hatten wir ca. 8 Wochen benötigt. Die erste Auszahlung erfolgte ca. 4 Wochen danach. Für ein Startup ist die Schnelligkeit ganz wichtig, da es keine Zeit gibt so etwas langfristig zu planen und vorzubereiten. Vor allem entfallen die zeitraubenden Verhandlungsrunden vor und während der Vertragsgestaltung, die man in der Regel mit institutionellen Investoren führt.
Für uns war ebenfalls der PR Effekt und die Reichweite durch die Kampagne ganz wichtig. So wurden durch die Crowdinvesting-Kampagne viele weitere Privatinvestoren und VCs auf uns aufmerksam, die wir anderenfalls selbst mühsam kontaktieren müssten.
Neben dem Kapital gewinnt man aus der Crowd gleichzeitig neue Kunden. Die Investoren geben wichtige Tipps und Empfehlungen.

Wird es eine zweite Finanzierungsrunde über Crowdinvesting geben?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner:  Wir haben unsere erste Runde vor wenigen Tagen abgeschlossen. Noch haben wir uns keine Gedanken gemacht über weitere Finanzierungsrunde. Eine weitere Runde über Crowdinvesting schließen wir auf jeden Fall nicht aus.

Würdet Ihr wieder über Crowdinvesting finanzieren?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner:  Auf jeden Fall. Hoffentlich macht die Regierung mit neuen Gesetzesentwürfen diese für Startups durchaus wichtige Finanzierungsmöglichkeit nicht unattraktiv.

Was unterscheidet myCleaner von anderen Car Care Unternehmen?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: In erster Linie ist es der Vor-Ort-Service. Damit gewinnt der Kunde vor allem Freizeit, weil die Fahrt zur Waschanlage oder der eigene Aufwand für die Autoreinigung entfällt. Die Innenraumreinigung als Vor-Ort-Service ist bei unseren Kunden besonders beliebt. Während man die Außenreinigung an der Waschanlage noch relativ einfach bekommt, bleibt die Innenraumreinigung den Autobesitzern als lästige und zeitraubende Pflichtaufgabe überlassen. Einen großen Vorteil für die Umwelt bietet unsere Außenreinigung ohne immensen Wassereinsatz. Dank unserer Reinigungsmittel können wir die Autos an jedem Ort mit maximal 250 ml umweltfreundlichen Wachsemulsion reinigen. Dabei wird das Auto in einem Arbeitsgang gereinigt, von Hand aufpoliert und bekommt ein Versiegelungseffekt. Dafür wurden wir dieses Jahr für die GreenTech Awards 2014 in der Kategorie Wasser und Abwasser nominiert und waren unter den Top 3.
Auf unserer eigenentwickelten Online-Buchungsplattform hat der Kunde die Möglichkeit den Service zum Wunschtermin am gewünschten Ort zu buchen. Jeder unserer Cleaner hat im Backend einen Kalender mit seiner Verfügbarkeit und seinen Terminen. Der Prozess von der Buchung bis zur Zahlung ist mit unserem Online-System vollkommen automatisiert. Die mittlerweile sehr mächtige Online-Buchungsplattform wollen wir demnächst flexibler gestalten und als „Software as a Service“ für andere Dienstleister mit mobilen und stationären Dienstleistungen bereitstellen. Dadurch können wir zukünftig unser System weiterentwickeln und damit gleichzeitig Geld verdienen.
Wer sein Auto bequem vor der Haustür selbst reinigen will, kann unsere umweltfreundliche Reinigungsmittel in unserem Online-Shop erwerben. Neben den Privatkunden zählen namhafte Autovermietungen zu unseren Kunden. Der Produktvertrieb entwickelt sich zu einer sehr stabilen und interessanten Einnahmequelle.
myCleaner ist somit Dienstleister, Online-Buchungsplattform als auch Hersteller umweltfreundlicher Reinigungsmittel in einem.

In welchen Städten und Regionen ist der Service von myCleaner derzeit verfügbar?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Heute sind wir in 11 Städten (Hannover, Kassel, Marburg, Gießen, Frankfurt a.M., Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart und München) und mit anliegenden Einzugsgebieten in über 90 Städten mobil verfügbar.

Habt Ihr schon in Planung mit myCleaner den Schritt ins internationale Geschäft zu gehen?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Im Sommer 2012 hatten wir bereits ein Pilotprojekt in Moskau innerhalb 3 Wochen auf die Beine gestellt. Der Vor-Ort-Service kam dort sehr gut an. Ebenfalls hatten wir Partner in Athen und in Wien, die den Markt analysiert hatten und erste Vertriebsaktivitäten erfolgreich gestartet hatten. Allerdings haben wir schnell gemerkt, dass wir mit unserem noch kleinen Gründerteam nicht in der Lage sind unser Konzept und die Online-Buchungsplattform zu internationalisieren. So haben wir alle internationale Aktivitäten gestoppt, um uns auf den riesigen Markt in Deutschland zu konzentrieren. Auf jeden Fall planen wir international zu skalieren. Das Geschäftsmodell, unser Konzept, die Plattform und die Reinigungsmittel kommen international sehr gut an. Das merken wir an vielen Anfragen aus dem Ausland myCleaner im eigenen Land aufzubauen.

Euer Produkt funktioniert ohne Wasser gibt es bei starker Verschmutzung nicht Probleme mit Kratzern im Lack?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Diese Frage bekommen wir immer wieder gestellt. Würde es durch unsere Reinigungsmethode zu Schäden und Kratzern am Lack kommen, würden wir den Service niemals anbieten. Das haben wir natürlich selbst lang genug getestet, bevor wir richtig los gelegt haben. In den mittlerweile über 2 Jahren hat es noch keinen einzigen Fall von Kratzern an Kundenautos gegeben, die durch unsere Reinigung zustande kamen. Im Gegenteil ist unsere Art die Autos zu reinigen deutlich schonender als jede herkömmliche Autowäsche. Selbst der unter den Waschanlage schonendsten, der Textilwaschanlage, sind wir weit überlegen. Man muss einfach bedenken, dass vor Ihrem Auto die Textillamellen der Waschanlage hunderte von Autos mit unterschiedlichsten Verschmutzungen gewaschen haben. Diese Textillamellen werden vor Ihrem Auto aber nicht gereinigt. So schmieren diese schwere und bereits verschmutzte Teile den Schmutz Ihres Wagens ohne jeglicher Kontrolle und Gefühl auf dem Lack und verursachen ganz feine Mikrokratzer. Dagegen helfen auch keine Unmengen an Wasser und chemischer Schaum. Wir arbeiten immer mit neuen frischen Tüchern, die sofort ausgetauscht werden, wenn diese schmutzig sind.
Wie unsere Reinigungsmethode im Detail funktioniert und warum es dadurch keine Kratzer am Lack gibt, kann man auf unserer Webseite unter www.mycleaner.com/p/technologie nachlesen.

Ihr habt in den letzten Monaten einige namhafte Großkunden für myCleaner gewinnen können wie wichtig ist dies für ein Startup Unternehmen?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Am Anfang ist es für jeden Startup schwer erste Kunden zu finden. Noch schwieriger ist es mit den Firmenkunden. Diese sind sehr skeptisch und prüfen alles bis ins letzte Detail, weil die Umstellung der Autoreinigung auf einen Dienstleister mit einer neuer Vorgehensweise für ein Unternehmen eine Prozessänderung mit sich bringt. Wir bieten den Unternehmen sehr viele Vorteile und haben sowohl unsere Prozesse als auch die Online-Buchungsplattform auf die Bedürfnisse großer und kleiner Unternehmen ausgelegt, um den Umstieg auf myCleaner ohne großen Aufwand zu gewährleisten.
Auf jeden Fall haben wir gemerkt, dass je mehr bekannte Unternehmen wir zu unserem Kundenstamm zählten, um so einfacher war es neue große und kleine Firmen als neue Kunden zu gewinnen.

Die meisten Startup Unternehmen gehen nach Berlin Ihr seit in Stuttgart zuhause warum? Ist Stuttgart besser als Berlin?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner:  Klar ist Berlin die Stadt der Startups in Deutschland. In unserem Fall war es so, dass alle Gründer in Stuttgarter Umgebung ansässig waren. Mit Porsche und Daimler ist Stuttgart die Autostadt schlecht hin. Wie sparsam die Schwaben sind ist wohl bekannt. So dachten wir, dass wenn wir es im Schwabenländle schaffen unsere Dienstleistung erfolgreich zu verkaufen, dann sollte es in Berlin, Hamburg oder München gar kein Problem sein. Der Test war erfolgreich.
Berlin ist aber auch deshalb eine Startup Stadt, weil sich dort viele Investoren konzentrieren und viele Startups in den ersten Jahren viel Kapital benötigen, um überhaupt los zu legen. Wir haben so gut wie vom ersten Tag an Geld verdient und mit kleinem Gründungskaptial und Umsätzen unsere erste Schritte selbst finanziert.

Wenn ich ein Startup Unternehmen gründe was sollte ich mitbringen?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Auf jeden Fall gute Nerven, Durchhaltevermögen und Willensstärke. Es gibt kaum ein wirklich erfolgreiches Startup und Unternehmen, das in den ersten Jahren keine schwierigen Phasen zu überstehen hatte und um sein Überleben kämpfte. Viele mussten sogar erst scheitern, um im neuen Anlauf erfolgreich zu werden. Das gehört dazu. Vor allem muss die Geschäftsidee dich selbst begeistern, dann kommt alles andere wie Disziplin und Motivation von alleine. Ganz wichtig ist es die Vision stets vor Augen zu haben, immer positiv zu denken und sowohl die langfristigen als auch kurzfristigen Ziele möglichst genau und detailliert vor Augen zu haben. Nur dann hat man das notwendige Glück und plötzlich kommen die richtigen Menschen auf einen von alleine zu.

Habt Ihr ein paar Tipps für Gründer?
Slawa Kister/ Co-Founder und CFO myCleaner: Hört den Skeptikern und Experten aufmerksam zu, zieht aber niemals irgendwelche voreiligen Rückschlüsse. Versucht und testet alles selbst! Jeder Experte ist nur so gut, wie er es sein kann. Unter unseren Freunden und bekannten hatten wir viele davon, die es für niemals möglich gehalten haben mit der Autoreinigung so weit zu kommen, wie wir es heute sind. Wir sind ganz große Freunde von Lean Startup. Man sollte mit seiner Geschäftsidee in der Lage sein, mit minimalem Aufwand erstes Geld zu verdienen und sein Produkt oder Dienstleistung verkaufen können. Wichtig ist es ein komplementäres Gründerteam zu haben, um die meisten Aufgaben selbst erledigen zu können. Wir haben bisher so gut wie alles mit eigenen Kräften und Fähigkeiten auf die Beine gestellt. Selbst die Autoreinigung haben wir als Akademiker monatelang beim unterschiedlichsten Wetter selbst durchgeführt, um jeden Handgriff und jedes Problem genau zu kennen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Slawa Kister für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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