Man nehme zwei Megatrends und kombiniere sie

MyBetter.World YouTube für Nachhaltigkeit: Videos mit nachhaltigem Inhalt

Stellen Sie sich und das Startup MyBetter.World doch kurz unseren Lesern vor!

Ich bin Konrad Kappe, seit 25 Jahren selbstständig und immer auf der Suche nach der richtigen Idee zum richtigen Zeitpunkt, um sie dann mit begeisterten Teamplayern umzusetzen (kein Spruch!).

MyBetter.World ist das YouTube für Nachhaltigkeit…demnächst. 

Wir sind ein Sustainability-Start-up aus Berlin und haben die erste Videoplattform für Nachhaltigkeit gebaut. Dort präsentieren wir ausschließlich Videos mit nachhaltigen Inhalten und Angeboten. Wir zeigen das komplette Nachhaltigkeitsspektrum, von nachhaltiger Ernährung, Kleidung, Kosmetik, sozialen Projekten bis hin zu regenerativen Energieoptionen. Kleine, lokale Initiativen berichten hier gleichberechtigt neben internationalen Organisationen. 

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Angeregt durch die unermüdliche Arbeit zahlreicher großer und kleiner Organisationen zum Klimaschutz und zu mehr sozialer Gerechtigkeit, entstand der Wille, auch einen werteorientierten Beitrag zu leisten. Die 30-jährige Erfahrung als Interim-Manager für die Kappe & Company GmbH war da natürlich hilfreich, um gute von schlechten Ideen zu unterscheiden. 

Während dieser Überlegungen, haben wir uns Videos von nachhaltigen Unternehmen angeschaut und waren über die Vielzahl und Innovationsstärke dieser Anbieter verblüfft. Auffällig war, dass es bereits viele kleine Initiativen mit guten Videos gibt, die allerdings auf großen, undifferenzierten Plattformen kaum zu finden sind und daher nur selten gesehen werden. Dabei wurde uns auch bewusst, dass nur in Videos Bewegtbilder, Musik, Töne, Sprache, Texteinblendungen und Spezialeffekte miteinander kombiniert werden können. Dies erzeugt Stimmungen und Emotionen, wodurch sich die Botschaften von Videos besser einprägen und zu gewünschten Verhaltensweisen, wie z. B. nachhaltiger Ernährung, motivieren. 

Welche Vision steckt hinter MyBetter.World?

Schnell war klar, dass kein weiteres Produkt benötigt wird, sondern die vielen innovativen Ideen im Nachhaltigkeitssektor eine gebündelte Power brauchen und somit ein Treiber des Wandels zu mehr Nachhaltigkeit entstehen sollte. Skalierbarkeit war dabei von Anfang an Programm.

Der Rest war reine Kombinatorik. Man nehme zwei Megatrends und kombiniere sie. In unserem Falle also die stetig steigende Bedeutung von Videos für die Vermarktung von Produkten und der dynamisch wachsende Markt für nachhaltige Produkte und Initiativen. Fertig!

Mit unserem Ansatz wollen wir erreichen, dass nachhaltige Initiativen und Unternehmen sichtbarer und dadurch erfolgreicher werden. So tragen wir dazu bei, dem Thema Nachhaltigkeit (im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen) zu mehr Nachhaltigkeit (im Sinne von ökonomischem Erfolg und Bekanntheitsgrad) zu verhelfen.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die formelle GmbH-Gründung erfolgte im Mai 2019. Die Finanzierung erfolgte ausschließlich durch unsere Alleingesellschafterin. Danach wurde viel Geld und Arbeit in die Entwicklung der Videoplattform und in die weitere Präzisierung der Geschäftsidee investiert. Seit Oktober 2019 sind wir online. 

Zunächst lag der Fokus auf der Akquisition von Content. Die ersten Monate lief es sehr langsam an. Wer möchte sich schon auf einer leeren Plattform präsentieren? Potenzielle Kunden*innen fragten nach unseren Besucherzahlen oder unserem Mediadaten-Kit, da sie intern jegliche Marketingausgaben daraufhin analysieren. Aber ohne ausreichend Inhalte machte es keinen Sinn, Besucher*innen auf unsere Plattform zu holen. Es geht ja auch niemand in ein Kino, in dem noch keine Filme gezeigt werden. 

Wir achten seit Beginn sehr darauf, unsere Kostenstrukturen schlank zu halten und arbeiten vorwiegend mit externen Dienstleistern. Im Februar 2020 haben wir ein professionelles CRM-System eingeführt. Zusätzlich konnten wir Linda, unseren ersten Eco-Angel für die Mitarbeit gewinnen. Seitdem erfolgt die Kundenansprache strukturierter und deutlich dynamischer als zuvor.

Sämtliche Einnahmen von zahlungskräftigeren Kunden bleiben im Unternehmen und ermöglichen es uns, nachhaltige Start-ups und gemeinnützige Organisationen kostenfrei auf unserer Plattform zu fördern und so kleine, aber innovative Projektpflänzchen, mit großzuziehen. Vielleicht mausern die sich ja dann zu den Kunden, die uns und die Notwendigkeit zu mehr Nachhaltigkeit in zwei/drei Jahren unterstützen. 

Inzwischen entwickeln sich Content und Traffic mit zunehmender Geschwindigkeit in die richtige Richtung. In den ersten sechs Monaten konnten bereits über 150 nachhaltige Unternehmen für diese neue Form des Performance-Marketings gewonnen werden. Für das zweite Halbjahr 2020 planen wir eine erste Finanzierungsrunde zur Beschleunigung unseres Wachstums. Zwischenzeitlich werden wir weiter durch unsere Gesellschafterin finanziert.

Wer ist die Zielgruppe von MyBetter.World?

Unsere Zielgruppe auf der Content-Seite sind tausende von nachhaltigen Unternehmen und Organisationen, deren Videos auf großen, undifferenzierten Plattformen, auf denen jeder alles hochlädt, nicht gefunden werden. Jetzt bekommen eindrucksvolle Videos auch die Aufrufe, die sie verdienen, und zwar exakt durch die Interessent*innen, die diese Produkte auch suchen. 

Unsere Zielgruppe auf der Traffic-Seite ist die dynamisch wachsende Community nachhaltig orientierter Verbraucher*innen und alle Neulinge, die sich auf unterhaltsame Art über nachhaltige Themen und Produkte informieren möchten. Nachdem wir verstärkt auch Hersteller von Investitionsgütern ansprechen (Mobilität, Energie, Circular Economy,…), erwarten wir hierfür eine neue Besuchergruppe mit einem etwas anderen Profil. 

Wie funktioniert MyBetter.World? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

MyBetter.World YouTube Nachhaltigkeit Videos

Wenn man überhaupt von anderen Anbietern sprechen will, dann sind das die großen, undifferenzierten Videoplattformen. Dort muss man schon sehr genau wissen, was man sucht, um über deren Suchfunktionen unter Milliarden Videos überhaupt fündig zu werden. 

Dieses Problem haben insbesondere kleine und unbekannte Initiativen oder Unternehmen, die dort ihre Videos hochladen. Andererseits werden deren Webseiten auch nicht gefunden, da man dafür zumindest den Namen des Unternehmens kennen muss. Viele nachhaltig orientierte Verbraucher*innen wollen aber nicht mehr mühsam nach Webseiten und auf riesigen Video-Plattformen herumsuchen.

Auf MyBetter.World hingegen gibt es den „gemeinsamen Nenner“ Nachhaltigkeit. Es ist also eher der Community-Gedanke, der unsere Besucher*innen beschreibt. Nachhaltigkeit ist eine Lebenseinstellung, ein Lifestyle. Der Nachhaltigkeitsgedanke trägt durch alle Lebensbereiche, sei es Versorgungsverhalten, soziales Engagement, Information oder Inspiration.

Im Unterschied zu den großen Plattformen haben wir uns deshalb für eine klare Struktur von Kategorien, wie beispielsweise „Essen & Trinken“, „Kosmetik & Pflege“ oder „Energie & Wasser“ entschieden, die unserer Community beim „Stöbern“ durch ihre Interessensgebiete hilft. Dies wird durch unsere Suchfunktion lediglich unterstützt.

Ein weiterer Unterschied ist, dass wir keinerlei Bewertung unserer Kundenvideos durch die Anzahl der Aufrufe, Likes oder Kommentare zulassen. Hierdurch wird die Beeinflussung unserer Besucher*innen verhindert und die Chancengleichheit für unsere Anbieter sichergestellt. Auch bei uns gilt somit: Gerechtigkeit ist die Basis für Nachhaltigkeit!

Gerade kleinere Unternehmen mit nachhaltigen Angeboten werden jetzt endlich sichtbar und erhalten so die Möglichkeit, ihre Verkaufsergebnisse und ihren Bekanntheitsgrad signifikant zu steigern. Zudem ist der Beitrag zur Förderung von MyBetter.World frei wählbar und somit immer günstiger, als auf Werbeplätzen mit erkennbar höheren Streuverlusten. Ein wichtiger Aspekt für unsere Anbieter ist natürlich auch, dass durch die direkte Verlinkung der Videos, die Weiterleitung zu deren Online-Shop oder Webseite erfolgt. Die Wirkung des Videos führt somit zeitnah zu den gewünschten kommerziellen Effekten.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

März und April waren stark von Verunsicherung auf Seiten vieler Kunden geprägt. Dadurch war deren Zahlungsbereitschaft spürbar geringer. Anfangs waren auch die Erreichbarkeit und die Gesprächsbereitschaft deutlich reduziert, da alle sich erstmal auf die neue Situation einstellen mussten. Andererseits nahm der Traffic auf unserer Plattform ab Anfang April erkennbar zu. Homeoffice und Quarantäne führen offensichtlich zu mehr Aufmerksamkeit für unser Angebot. 

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Mit unserem digitalen Geschäftsmodell, der derzeit noch sehr überschaubaren Mitarbeiterzahl und ohne physischen Kundenkontakt war es nicht schwer, die operativen Handlungsempfehlungen der Bundesregierung umzusetzen. Bisher sind bei uns zum Glück alle gesund. 

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Wir sind überzeugt, dass durch konsequent nachhaltiges Verhalten auch viele der Ursachen dieser Pandemie reduziert werden könnten. Allerdings muss dies sehr breit verankert werden. Wenn es uns als Unternehmen gelingt, nachhaltigen Verhaltensweisen zu mehr Dynamik und breiterer Akzeptanz zu verhelfen, dann leisten wir dadurch einen Beitrag zur zukünftigen Vermeidung solcher Katastrophen. 

MyBetter.World, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Grundsätzlich möchten wir uns dazu noch etwas bedeckt halten, aber es gibt schon einige interessante Ideen, deren Belastbarkeit wir gerade prüfen. 

Beispielsweise machen wir derzeit sehr gute Erfahrungen beim Aufbau eigener Influencer*innen in unserer Kategorie „Trust us“. Hier geht es weniger um Produktwerbung, sondern eher um ein ehrliches Feedback von authentischen Menschen, die sich auf das Testen nachhaltiger Produkte spezialisiert haben und nicht von Werbeeinnahmen abhängig sind. Wir beobachten dabei eine Tendenz, weg von den großen Plattformen und hin zu spezialisierten Foren wie MyBetter.World. Dabei koordinieren wir alle erforderlichen Aktivitäten, bis hin zur Verbreitung in Social-Media Kanälen und natürlich auf MyBetter.World.

Aktuell stampfen wir zusätzlich ein eigenes Interview-Format aus dem Boden, auf das sich unsere Besucher*innen schon freuen dürfen.

Daneben bieten wir jetzt auch Unternehmen, die noch kein Video über ihre nachhaltigen Produkte haben, eine kostengünstige Videoproduktion an. Hierzu bauen wir gerade ein Netzwerk mit Videographen auf, die genau wissen, wie man nachhaltige Themen in Szene setzt, ohne dass dafür gleich ein Vermögen bezahlt werden muss. Jetzt rücken also sogar Start-ups oder kleine, regionale Erzeuger in den Fokus der Konsument*innen, indem sie diese Videos auf MyBetter.World präsentieren.

Mittelfristig werden Themen wie High-Frequency-Formate und Internationalisierung relevant.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Das Team ist entscheidend, die Idee entwickelt sich dann schon
  2. Betriebswirtschaftlicher Sachverstand allein reicht nicht, aber ohne wird es schwer
  3. Seid beharrlich, ausdauernd und stur 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Konrad Kappe für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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