Das Ziel ist beweglich, bleiben wir es auch!

MOB Industries inklusives Modelabel für adaptive Mode

Wie ist die Idee zu  MOB Industries entstanden?

Josefine: Ideengeberin für MOB Industries war vor etwa 5 Jahren meine ältere Schwester. Sie hat Mehrfachbehinderung_en. 

Die herkömmliche Mode wurde ihren Ansprüchen nicht mehr gerecht. Entweder es sieht schön aus, lässt sich aber nur mit Mühe und Schmerzen anziehen und ist auch nicht wirklich bequem. Oder es ist hat ein erhöhtes Maß an Funktionalität und das An- und Auskleiden geht easy, sieht aber nicht besonders aus. Also vielleicht geradeso noch ausreichend für einen Chillabend, aber nichts für soziale Aktivitäten oder einfach um sich schön zu fühlen. Hinzu kam: Reha- und Rollstuhlkleidung und Mode von jungen Labels liegen oft im gleichen Preissegment. Warum dann nicht einfach miteinander verbinden? 

Welche Vision steckt hinter MOB Industries?

MOB Industries als inklusives Modelabel zu etablieren. Unsere adaptive Mode soll möglichst vielen Körpern gerecht werden. Die Bezeichnung Adaptive Mode ist eher im Englischen gebräuchlich. Es handelt sich um Mode für Menschen mit körperlichen Behinderung_en, mit chronischen Erkrankungen, mit Autoimmun-Erkrankungen, oder mit altersbedingten Einschränkungen. Dadurch ist es oft gar nicht so leicht, Knöpfe zu öffnen oder sich selbstständig An- und Auszuziehen. Aber durch barrierefreie Mode kann dies wieder möglich werden und trägt einen erheblichen Teil zur Selbstbestimmung, Partizipation und Inklusion jedes Einzelnen bei.

Was waren bisher die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wir haben ein fulminantes MOB-Jahr hinter uns. Mit Unterstützung der Wirtschaftsagentur Wien konnten wir Anfang des Jahres 2019 unser MOB-Projekt starten. Im März haben wir unsere GmbH gegründet. Die Firmengründung, Stofflieferanten und die bestehende Barrierefreiheit im Kontext von Mode (Fotostudio, Veranstaltungsort, Büroräumlichkeiten, etc) schienen mir große Herausforderungen zu sein. Die größte allerdings die Vorbereitung und Umsetzung der Kickstarter Kampagne.

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?

Experimentierfreude und Finanzierungsbedarf

Wo sehen Sie die Vorteile für sich?

Fragen Sie mich das nochmal nach der Kampagne

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?

Wir wollen unsere erfolgreichsten Produkte in Serie produzieren und neue Kollektionen entwickeln. Der Wiener Designer Hvala Ilija und der Salzburger Cloud-Rapper arbeiten bereits an unserer zweiten Kollektion. Bald sollen die ersten Prototypen kommen.

Wer ist die Zielgruppe von MOB Industries?

Wir richten uns an: berufstätige Rollstuhlnutzer_innen, modeaffine Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung_en

Menschen, mit temporären Einschränkungen, weil sie sich z.B. den Arm oder das Bein gebrochen haben, während dieser Zeit nicht auf Mode verzichten wollen und das Kleidungsstück auch noch danach anziehen können, weil die Funktionalität auch gleichzeitig Designelement ist

Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Besser als eines unserer Roll-Models können wir es gar nicht ausdrücken: MOB bringt das, was lange gefehlt hat: Adaptive Mode, die auch verdammt nice aussieht! 

Wir bieten funktionale Mode, die sich aber nicht durch ihre Funktions-Ästhetik auszeichnet, sondern durch junges modisches Design mit innovativen Lösungen. Unsere Mode kostet zwischen 50 und 300 Euro, alle Produkte werden in Wien produziert, gemeinsam mit Rollstuhlnutzer_innen entwickelt und von unseren kollaborierenden Mode-Labels umgesetzt. Dadurch können wir eine Bandbreite unterschiedlicher Geschmäcker bedienen. Wir verwenden ausschließlich Qualitätsprodukte und arbeiten eng mit einer österreichischen Firma zusammen, die patentierte und innovative Magnetverschlüsse herstellt. Uns ist es extrem wichtig, dass Behinderung_en endlich in unserer Gesellschaft anders wahrgenommen werden, weder als Opfer noch als Held_innen. Unser Konzept macht uns deshalb so einzigartig und unvergleichbar.

Und das Beste (Wie bereits oben schon erwähnt): Wir sind ein inklusives Modelabel. Unsere Mode kann so gut wie jede_r tragen, egal ob mit oder ohne Behinderung_en.

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Für mich gibt es nicht 3 Tipps, sondern nur einen: Das Ziel ist beweglich, bleiben wir es auch!

Bild: ©Jakob Gsöllpointner

Link zum Crowdfunding

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Josefine Thom und Jonny Gsöllpointner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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