Mitarbeiter halten statt suchen

Mitarbeiter halten statt suchen: wie Startups mit HR-Software die Kommunikation zwischen Angestellten und Management verbessern

Nun hat er auch die Startups erreicht: der Fachkräftemangel. In der IT-Branche ist er schon lange ein ungebetener Gast. Viele Unternehmen sind auf der Suche nach geeigneten Kandidaten, aber passende Mitarbeiter mit entsprechenden Kenntnissen sind rar gesät und heiß begehrt. Auch Startups haben zunehmend mit einem Mangel an passenden Bewerbern zu kämpfen. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom ist jedes zweite Startup (53%) schon mal in der Situation gewesen eine Stelle aufgrund eines Mangels passender Bewerber nicht besetzen zu können. Fachkräfte fehlen vor allem im IT-Bereich, aber auch im Vertrieb sowie Marketing und Kommunikation. Umso wichtiger ist es die Mitarbeiter, die man bereits hat, auch zu halten.

Fluktuation und Kündigungen – ein kostspieliges Unterfangen

Personalverlust und -wechsel bringen immer auch Kosten mit sich. Insbesondere wenn passende Mitarbeiter schwer zu finden sind, werden die wirtschaftlichen Verluste durch Kündigungen immer schwerwiegender. Studien belegen, dass die direkt ersichtlichen Kosten für einen Personalwechsel nur 10 bis 15 Prozent der eigentlichen Summe ausmachen. Denn neben den Rekrutierungskosten kommen jede Menge zusätzliche Kosten hinzu: verschleppte Projekte, Know-How-Verlust, eventuelle Rechtsstreitigkeiten und die aufwändige Einarbeitungsphase werden da zunächst nicht mitbedacht. Gerade für Startups sind dies unnötige Kosten, die es zu vermeiden gilt. Schließlich rechnet man in der Regel mit einem doppelten Jahreseinkommen der zu besetzenden Stelle als Schätzung für die tatsächlichen Kosten des Personalwechsels.

Engagement-Management gewinnt an Bedeutung

Viele Startups haben bereits erkannt, dass es sich auszahlt die eigene Belegschaft dauerhaft zu halten. Aber wie gewinnt das Management einen Überblick über das Engagement und die Identifikation der eigenen Mitarbeiter mit dem Unternehmen, um so Fluktuation und Kündigungen zu vermeiden? Hilfreich kann hier spezielle Software sein, welche ermöglicht die aktuelle Stimmungslage der Belegschaft sowie deren Meinung regelmäßig abzufragen. Auch für viele Startups ist diese Form des Feedbackmanagements noch neu. Aber warum wird das Verhältnis von Unternehmen und Mitarbeitern eigentlich nach wie vor so altmodisch behandelt? Denn datengetriebene Prozesse sind in anderen Geschäftsbereichen längst vollends etabliert.

Ob Online-Marketing, Business Development oder Einkauf – Daten helfen auch hier sich einen Überblick zu verschaffen und Entscheidungen zu treffen. Die Nutzung von Daten im HR-Bereich kommt zu kurz. Das jährlich stattfindende Mitarbeitergespräch lässt das Personalwesen bei der technologischen Entwicklung anderer Bereiche nahezu hinterherhinken. Startups sollten daher nach Möglichkeit auf spezielle Software setzen, welche die Kommunikation im Unternehmen vereinfacht, den Feedbackprozess an die meist junge Mitarbeiterbelegschaft anpasst und Feedback automatisch sowie in Echtzeit analysiert. Neben den valideren Einblicken reduziert sich damit auch der Aufwand für das Management. Zudem können die Wünsche und Bedenken der Mitarbeiter besser eingeschätzt und es kann entsprechend schneller reagiert werden.

Die Funktionsweise von People Analytics

Diese neue, technologische Form des Feedback- und Engagementmanagements kann man auch unter dem Begriff „People Analytics“ subsummieren. Er meint die Analyse von Daten aus dem Personalwesen und deren Verbindung mit anderen Unternehmensdaten. Peakon hat dafür einen eigenen Ansatz ausgearbeitet und setzt auf organisationspsychologische Fragestellungen und Aussagen zu Kategorien wie “Anerkennung”, “Kreativität”, “Sinnhaftigkeit” und “Autonomie”. Die Umfragen basieren dabei auf wissenschaftlichen Studien und sorgen so für eine hohe Vergleichbarkeit zu anderen Unternehmen. Während die Bewertung mit Skalen- und Punktesystemen einen schnellen Überblick zum Stand des Engagements der Mitarbeiter liefert, hilft die Analyse der frei formulierten Kommentare, den Grund für die jeweilige Bewertung zu erfahren und Lösungen zu finden.

Aber wie sollen HR-Verantwortliche das ganze Feedback auswerten? Insbesondere die Kommentare der Mitarbeiter? Hier hilft vor allem Machine Learning. Die Technologie ist mittlerweile ausgereift genug, um Kommentare nach verschiedenen Kriterien zu ordnen. Durch diese Form des „Text Minings“ erfolgt eine Gruppierung der wichtigsten Themen innerhalb der oben genannten Faktoren. Mit Hilfe der Software können daher Texte von einer Vielzahl an Mitarbeitern, die jeweils mehrere Kommentare abgeben, in Echtzeit eingeordnet und ausgewertet werden. Das Analyse-Dashboard einer Feedback Software sollte zudem in der Lage sein, bei der Auswertung automatisch kritische Zustände zu erkennen. Zum Beispiel, wenn der Faktor “Anerkennung” eine kritische Schwelle unterschreitet oder wenn eine Abteilung im Vergleich zu anderen besonders unzufrieden ist.

Peakon ermöglicht zudem die Verknüpfung mit weiteren Daten aus der Personalabteilung, so dass zum Beispiel Segmente nach Betriebszugehörigkeit, Alter und Position gebildet werden können. Da länger betriebszugehörige Arbeitnehmer andere Bedürfnisse haben als neuere, kann eine solche Segmentierung sehr aufschlussreich sein. Außerdem können so interne Ursachen, die das Engagement betreffen, von herkömmlichen Faktoren wie dem jeweiligen Marktumfeld eines Teams unterschieden werden.

Erwartungen jüngerer Arbeitnehmer

Personal zu halten, ist gerade bei Berufseinsteigern ein entscheidendes Problem. Insbesondere Startups haben oft eine junge Belegschaft und sind daher von dieser Herausforderung in besonderem Maße betroffen. Denn gerade bei diesen jüngeren Arbeitnehmern, den sogenannten Millennials und ihren noch jüngeren Nachfolgern, lässt sich beobachten, dass die Arbeitskultur sich verändert. Viele legen Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Manager und Geschäftsführer müssen anerkennen, dass wir in der Ära der “Employee Experience” angekommen sind, die ein genaueres Verständnis der Wünsche und Bedürfnisse von Angestellten erfordert. Rein monetäre Anreize sind nicht mehr ausreichend, um die richtigen Leute zu finden und sie auf Dauer auch zu halten.

Dabei ist mangelhafte Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Angestellten der größte Hemmschuh. Laut einer Gallup-Studie aus dem vergangenen Jahr sprechen 56 Prozent der Mitarbeiter mit ihren Chefs nur einmal im Jahr über ihre Arbeit und Leistung. Dies ist gravierender für die Stimmung der Angestellten als zum Beispiel eine als zu gering empfundene Bezahlung. Daher tun auch Startups gut daran die Kommunikation mit ihren Angestellten zu verbessern, um sie langfristig an das Unternehmen zu binden.

Mitarbeiter Kommunikation Führungskräfte Startups

Über den Autor : Dan Rogers, CSO und Mitgründer
Nachdem Dan in der Londoner City für JP Morgan tätig war, entschloss er sich seine analytischen Fähigkeiten in die aufstrebende Londoner Startup-Szene einzubringen. Dabei nahm er wichtige Positionen bei zwei von Europas erfolgreichsten Startups ein – Songkick und Qype (von Yelp akquiriert). Bei diesen Startups reifte in ihm die Erkenntnis, dass die Mitarbeiter der Schlüssel zum Unternehmenserfolg sind – so wurde die Idee für Peakon geboren. Dan absolvierte einen MBA an der London Business School und hat außerdem einen Abschluss im Bereich Software-Entwicklung.

Bild: pixabay

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