Brenne für deine Idee, nicht für das Ergebnis einer Marktanalyse

Minxli virtuelle Arztpraxis der Zukunft, die Videosprechstunde anbietet

Stellen Sie sich und das Startup Unternehmen Minxli doch kurz unseren Lesern vor!
Unser bestehendes Gesundheitssystem hat an vielen Stellen Lücken. Der demografische Wandel und auch ein zunehmender Selbstoptimierungs-Trend sorgen für einen erhöhten Bedarf an Gesundheitsleistungen. Die Zahl der Ärzte steigt jedoch nicht in dem Maße an, das nötig wäre, um diesen Bedarf zu decken. Zudem priorisieren viele Mediziner heute anders – mehr Work-Life-Balance wird gefordert.

Ich bin Jennifer Kelly und ich glaube, dass digitale Innovationen, wie etwa die Videosprechstunde, Terminbuchungs-Tools und mehr, die Lösung für den steigenden medizinischen Versorgungsbedarf im Gesundheitswesen sind. Aus diesem Grund habe ich vor zwei Jahren Minxli ins Leben gerufen und arbeite nun gemeinsam mit meinem Team in München an der virtuellen Arztpraxis der Zukunft für einen positiven Einfluss auf die Gesundheitsversorgung.

Minxli steht für My INspired LIfe und verbindet Patienten, zertifizierte Ärzte und Gesundheitsexperten für sicheres und einfaches Kommunizieren. Wir sind ein Technologie-Startup und ermöglichen unter anderem Gesundheits- und Arztberatung via Video und Chat – jederzeit und überall. So können die Patienten über die Minxli App aktuell mit nur wenigen Klicks eine Online-Sprechstunde buchen und in Anspruch nehmen. Zudem beinhaltet die App für Ärzte einen Terminplaner, die Möglichkeit zum Experten-Konsil mit Kollegen sowie als Herzstück den Austausch mit dem Patienten über Videotelefonie, Chat und Fotos.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Die Idee für Minxli entstand aufgrund eigener Erfahrungen: Ich habe früher bei McKinsey and Company gearbeitet, war in meinem Job häufig auf Geschäftsreise und hatte kaum die Gelegenheit, eine Arztpraxis aufzusuchen, wenn ich krank wurde. Der entscheidende Punkt, Minxli dann in die Tat umzusetzen, war der Schlaganfall meines Vaters. Er war danach stark abhängig von der Unterstützung meiner Mutter. Er musste sehr häufig zu Nachuntersuchungen beim Arzt und meine Mutter hat ihn immer gefahren. Manchmal mussten sie lange Fahrwege auf sich nehmen, um nur wenige Minuten mit dem Arzt über Untersuchungsergebnisse zu sprechen. Mit Minxli wollte ich die ärztliche Beratung für meine Eltern und andere Patienten vereinfachen und zugänglicher machen.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?
Start-ups im Gesundheitswesen haben viele verschiedene Stakeholder. Für Minxli sind das zum Beispiel nicht nur Ärzte und Patienten, sondern auch Versicherungen, Politiker oder Gewerkschaften. Darüber hinaus gibt es unterschiedlichste rechtliche und regulatorische Bestimmungen und Gesetze einzuhalten. Als Unternehmen müssen wir sicherstellen, dass diese Erwartungen und Anforderungen erfüllt werden. Wir müssen die Bedürfnisse der Stakeholder und was sie beschäftigt verstehen – jetzt und zukünftig.

Meine Empfehlung zur Bewältigung dieser Anforderungen ist es, einerseits im ständigen Austausch und Kontakt mit allen Stakeholdern zu stehen. Andererseits sollte man sich aber nicht von der Komplexität der Anforderungen überwältigen lassen und sich hauptsächlich auf die Bedürfnisse der unmittelbaren Kunden konzentrieren. Am besten arbeitet man an der Lösung eines ganz bestimmten Problems der Kunden, das hilft beim Fokussieren.

Gab es jemals einen Punkt, wo Sie dachten ich schaffe das nicht?
Aller Anfang ist schwer. Und gerade zu Beginn gibt es so viele Dinge, die bedacht werden müssen, um die Ziele zu erreichen. Wenn aber das Produktkonzept steht, man die ersten wichtigen Schritte gegangen ist, ein gut funktionierendes Team und die Vision vor Augen hat – dann ist der Stein ins Rollen gebracht. Natürlich gibt es Tage oder Wochen, in denen man Rückschläge einstecken muss. Und gerade als Gründer ist man Motivator, Treiber und Vorbild für das ganze Team, das ist nicht immer leicht. Wichtig ist jedoch, sich immer auf seine Ziele zu fokussieren und darauf, dass es sich für diese Ziele lohnt die Hürden zu meistern. Es lohnt sich also, weiterzumachen.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
Wir sind mit einem Produkt gestartet, das damals erst mit den grundlegendsten Funktionen ausgestattet war. Aufgrund des sehr guten Feedbacks, das wir daraufhin von Ärzten erhalten haben, haben wir unsere Services weiterentwickelt und den Anforderungen von Ärzten und Patienten noch besser angepasst. So ermöglichen wir jetzt die Arzt-Arzt-Kommunikation für einen unkomplizierten Austausch der Experten untereinander. Auch können Patienten nun mehrere Gesundheitsexperten zu Rate ziehen. Wir wollen jedoch nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern sicher sein, dass wir insgesamt einen wertvollen Beitrag leisten.

Es war uns besonders wichtig, wertvolle Erfahrungen zu sammeln in Bezug auf unser übergeordnetes Ziel: Wie können wir das Gesundheitswesen verbessern? Wir haben Partnerschaften geschlossen, auf die wir sehr stolz sind. So führen wir aktuell mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen an der Universitätsklinik Heidelberg eine Studie zu telemedizinischen Anwendungen in der Onkologie durch. Die Möglichkeit unseren Partner mit unseren Services zu unterstützen und dadurch feststellen zu können, dass wir einen positiven Einfluss auf das Gesundheitswesen haben, ist unglaublich wichtig für uns. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und motiviert uns.

Muss man mit seinen Aufgaben wachsen?
Ja, definitiv. Ganz gleich welche Erfahrung man macht, eine Herausforderung gibt es immer. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Als Gründerin trage ich eine große Verantwortung für die Kunden, Partner, das Team und auch die Stakeholder. Ich will das Beste für sie geben, das motiviert mich. Dafür muss ich manchmal über mich selbst herauswachsen und aus den Aufgaben, die mir gestellt werden, lernen.

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?
Das hängt auch mit der eigenen Definition von Start zusammen. Bei der Gründung eines Unternehmens ist die Idee der erste wichtige Schritt. Um sie zu perfektionieren, sind jedoch viele weitere Schritte nötig. Ich empfehle, mit dem zu starten was man hat, also den Grundlagen für das Produkt oder die Dienstleistung. Darauf aufbauend muss ein Gründer mit Kunden und Experten über die Idee sprechen, um andere Sichtweisen aufzunehmen und sie weiterzuentwickeln.

Es geht nicht darum von Anfang an perfekt zu sein, denn Höhen und Tiefen wird es immer geben. Manchmal ist es einfach besser ins kalte Wasser zu springen und die Tiefen zu nutzen, um daraus zu lernen. Die Perfektionierung im Vorfeld sorgt dafür, dass man sich zu sehr eingrenzt und auf einen bestimmten Weg beschränkt, ohne nach links und rechts zu sehen. Und gerade Startups sollten in einem sich ständig ändernden Markt agil und flexibel sein.

Wer ist die Zielgruppe von Minxli?
Minxli ist die virtuelle Arztpraxis der Zukunft, wir sorgen für eine einfachere Arzt-Patient-Kommunikation sowie effizientere Abläufe im Alltag von Gesundheitsexperten. Zur Zielgruppe gehören damit einerseits Gesundheitsexperten, aber natürlich profitieren davon auch die Patienten. Und da jeder einmal einen Arzt konsultieren muss, gehört im Grunde jeder zur Zielgruppe. Digitale Lösungen können das Gesundheitswesen von Grund auf verändern und verbessern. So ist zum Beispiel die Videosprechstunde eine ideale Alternative, wenn lange Wege und Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, nur um Untersuchungsergebnisse zu besprechen. Chronisch kranke oder mobil eingeschränkte Patienten, die regelmäßig zum Arzt müssen, Eltern, die mit ihren Kindern häufig zu Untersuchungen gehen oder Geschäftsleute, die viel unterwegs sind und es zeitlich kaum zu Sprechstundenzeiten zum Arzt schaffen, erhalten Unterstützung und einen leichteren Zugang zur besseren Gesundheitsversorgung.

Neben einer besseren Gesundheitsversorgung bieten digitale Innovationen den Ärzten mehr Flexibilität sowie Effizienz und damit einhergehend mehr Work-Life-Balance. Gerade jüngere Ärzte streben danach, Arbeit, Familie und die eigenen Interessen besser unter einen Hut zu bekommen. Mit der Videosprechstunde beispielsweise sind Ärzte nicht mehr an einen Ort gebunden und können sich unkom pliziert Rat bei Kollegen einholen. Sie sind flexibler und effizienter. Die dadurch gewonnene Zeit kann wiederum für die Versorgung der Patienten genutzt werden – und für sich selbst. Letzten Endes wirkt sich die Ausgeglichenheit eines Arztes wiederum positiv auf den Umgang mit den Patienten aus.

Wie funktioniert Minxli?
Minxli ist die virtuelle Arztpraxis der Zukunft, die Services wie die Videosprechstunde anbietet. Beispielsweise die Videosprechstunde über Minxli funktioniert so: Patienten erfahren direkt von ihrem Arzt von der Videosprechstunde via Minxli. Im App Store oder bei Google Play können beide die Minxli App kostenlos herunterladen. Nach der Anmeldung verknüpft sich der Patient mit seinem Arzt und kann über den Terminkalender der App direkt einen freien Termin bei ihm buchen – jederzeit und von überall. Ist ein Termin gebucht, kann der Patient im Vorfeld per Chatfunktion eine persönliche Nachricht und auch Fotos senden. Diese Informationen werden gesichert übertragen und können nur von dem Arzt gesehen werden. Die Patienten erhalten vorab eine Erinnerung an ihren Termin. Sobald der Termin aktiv ist, nimmt der Arzt per Videotelefonie Kontakt auf oder die beiden tauschen sich im Echtzeitchat aus.

Welche Vorteile bietet Minxli?
Digitale Lösungen setzen dort an, wo das bisherige System Lücken aufzeigt, ergänzen das bereits bestehende Angebot und erzielen dadurch eine insgesamt bessere gesundheitliche Versorgung. Das Besondere an Minxli ist, dass es mit der traditionellen Arzt-Patient-Kommunikation kombiniert werden kann. Wir glauben, dass wir mit der virtuellen Praxis der Zukunft einerseits eine bessere Versorgung mit größerem Komfort für Patienten gewährleisten können. In der Arztpraxis lassen sich zudem knapp 20 Prozent der Kosten senken und der Arzt selbst kann ungefähr 30 Prozent seiner Arbeitszeit flexibler gestalten in Bezug auf Arbeitsort und -zeit.

Effizienter wird auch der Krankenhausarzt mit Minxli. Ein Beispiel aus dem Alltag wäre das Vorgespräch mit dem Patienten zu einer Operation. Mit der Videosprechstunde hat der Arzt ausreichend Zeit für Erklärungen zum Ablauf der OP im Vorfeld und vor allem im Nachhinein lässt sich der Genesungsverlauf des Patienten häufiger und regelmäßiger überprüfen. Etwaige Komplikationen werden so schneller erkannt und behandelt.

Wo sehen Sie sich und Minxli in den nächsten 5 Jahren?
Die Reise in eine Welt, in der Ärzte und Patienten virtuelle Services in ihr tägliches Leben integrieren, hat gerade erst begonnen. Wir bei Minxli haben es uns zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung voranzutreiben. Als digitaler Berater und virtuelle Arztpraxis mit einem ganzheitlichen Blick auf den Gesundheitsmarkt verhelfen wir Ärzten und Patienten zu mehr Effizienz, Kostenersparnis, und letzten Endes zu einer besseren gesundheitlichen Versorgung.

Welche Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Findet eine Lösung für ein Problem, das euch wirklich wichtig ist – euch ganz persönlich! Ideen, die nur auf positive Ergebnisse einer Marktanalyse zurückzuführen sind, klingen zwar im ersten Moment vielversprechend und erfolgreich. Sie sind in schwierigen Zeiten oder in einem schwierigen Markt keine Motivation. Wirklich erfolgreich bist du nur, wenn du dich mit Leidenschaft für deine Idee einsetzt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Jennifer Kelly für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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