Hab‘ keine Angst davor Risiken einzugehen – so lernen wir am meisten!

Mit Mine den digitalen Fußabdruck zurückverfolgen und kontrollieren

Stellen Sie sich und das Startup Mine doch kurz unseren Lesern vor!

Ich bin Gal Ringel, der Mitbegründer und CEO von Mine, einem neuen Startup, das Internetnutzern die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurückgibt. Vor der Gründung von Mine zusammen mit meinen Partnern Gal Golan (unser CTO) und Kobi Nissan (unser CPO) habe ich als Venture-Capital-Investor bei Nielsen und Verizon Ventures gearbeitet. Zudem war ich in der israelischen Cyber Intelligence Unit 8200 tätig und stand 2017 an erster Stelle der Forbes „30 Under 30“-Liste in Israel.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Unternehmertum liegt mir im Blut. Nachdem ich einige Jahren als Venture-Capital-Investor tätig war und anderen Start-ups zum Erfolg verholfen habe, beschloss ich selbst wieder ins Wasser zu springen. Ein Start-up zu gründen ist eine anstrengende, aber aufregende Reise. Man bekommt die Chance, etwas aus dem Nichts zu schaffen und mit Leben zu erfüllen. Für mich ist die Leitung eines Consumer-Geschäfts und die Möglichkeit, das Leben anderer Menschen zu beeinflussen, jeden Morgen ein Ansporn.

Welche Vision steckt hinter Mine?

Zum ersten Mal in der Geschichte wurden durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) persönliche Daten als unser Eigentum definiert. Damit wurden dem Verbraucher umfassende Rechte, unter anderem das „Recht auf Vergessenwerden”, eingeräumt. Jeder Verbraucher kann demnach verlangen, dass eine Organisation, die seine Daten besitzt, diese auch auf seine Anfrage hin löschen muss. 

Die neuen Gesetze sind zwar großartig, aber für eine Einzelperson auch sehr komplex und ohne die richtigen Werkzeuge größtenteils nicht nutzbar. Bei der Nutzung von Online-Diensten geben wir täglich unsere persönlichen Daten preis. Aber wissen wir wirklich, wie viele Unternehmen diese speichern? Haben wir das Gefühl, Eigentümer unserer Daten zu sein? Für den Durchschnittsbürger ist es fast unmöglich, hier den Überblick zu behalten. Seit Jahren hören wir, dass die Privatsphäre schon längst tot sei. In Wahrheit entwickelt sich jedoch gerade eine neue Definition von Privatsphäre. Traditionelle Vorstellungen, die ein Teilen der persönlichen Daten von Anfang an unterbinden, müssen überdacht werden. Statt von „Datenschutz“ zu sprechen, sollten wir den Dialog eher auf den Begriff „Datenbesitz“ verlagern.

Die DSGVO gibt uns die Möglichkeit, ohne solche Zäune oder Barrieren zu leben. Um die zahlreichen Vorteile der digitalen Dienste zu nutzen, können wir unsere Daten wann und mit wem auch immer wir wollen teilen. Dies beinhaltet jedoch auch, dass wir unsere Daten jederzeit zurückfordern können. Das Teilen der Daten von Anfang an zu unterbinden ist keine Lösung, sondern vermeidet lediglich das Problem. 

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung haben wir definitiv in der Entwicklung eines Produktes für den Konsumenten gesehen. Ständig haben wir uns die Frage gestellt: Bauen wir das richtige Produkt? Werden die Menschen es nutzen? Bieten wir unseren Benutzern den gewünschten Mehrwert? Und wie gewinnen wir neue Nutzer? Diese Fragen waren und sind immer noch unsere größten Herausforderungen. 

Was die Finanzierung betrifft, so haben wir einige Monate ohne Gehalt gearbeitet. Nur so ist es uns gelungen, ein Minimum Viable Product (MVP), sprich ein Produkt mit minimalen Anforderungen und Eigenschaften, aufzubauen, dessen Wert sowie Bedarf zu definieren und zu festigen und die damit verbundenen Geschäftsmodelle zu validieren. Jetzt haben wir eine Seed-Runde mit zwei unglaublichen Venture Capitals gestartet: Battery Ventures und Saban Ventures.

Wer ist die Zielgruppe von Mine?

Mine ist für alle da. Wir glauben, dass der Datenbesitz ein Menschenrecht und für den Durchschnittsbürger zugänglich sein sollte. Unsere Zielgruppe ist demnach riesig. Dennoch haben wir uns zunächst entschieden, den Fokus auf die technisch versierte Gruppe der Generation Y, die sogenannten Millennials, zu richten. Später wollen wir auch die Generation X und Generation Z ansprechen. Dieser anfängliche Fokus liegt vor allem daran, dass wir als Startup in einem frühen Stadium sicherstellen müssen, unsere Aufmerksamkeit gezielt zu bündeln. 

Wie funktioniert Mine? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Hinter Mine verbirgt sich eine zukunftsweisende Technologie, die es Verbrauchern ermöglicht, ihren digitalen Fußabdruck zurückzuverfolgen und zu kontrollieren – von Profil-Anmeldedaten bis zur Nutzung von Online-Diensten, vom Herunterladen von Apps bis zum Online-Einkauf. Im Detail macht die Anwendung sichtbar, welche persönlichen Informationen Unternehmen sammeln und besitzen. Mine arbeitet mit nicht-intrusiven Algorithmen für maschinelles Lernen, die – ausgehend von den E-Mail-Postfächern der Nutzer – digitale Spuren suchen, die diese beim Kontakt mit verschiedenen Unternehmen hinterlassen. Mine selbst sammelt und verarbeitet dabei keine persönlichen Daten der Benutzer.

Stattdessen verpflichtet sich das Unternehmen, nur das absolute Minimum an Informationen zu verwenden, um den eigenen Service anbieten zu können. E-Mail-Inhalte werden weder gelesen, gesammelt noch gespeichert. Sobald ein Verbraucher nun seine Daten zurückfordern möchte, schickt Mine automatisch eine auf dem „Recht auf Löschung” der DSGVO basierende Email an den Datenschutzbeauftragten des jeweiligen Unternehmens. Der Verbraucher erhält eine Kopie des Schreibens.

Mine, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir wollen der erste Anlaufpunkt für Verbraucher sein, die die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurückgewinnen wollen. Als starker Partner stellen wir sicher, dass Verbraucher auf der einen Seite die Vorteile des Internets genießen und gleichzeitig bewusst entscheiden können, wer ihre personenbezogenen Daten speichern darf und wer nicht. Wir sehen uns als „Datenschutzengel”. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Das Beste am Unternehmertum ist es, das Unglaubliche zu tun und allen Widrigkeiten zu trotzen, keine Angst zu haben und gegen den Strom zu schwimmen. Sei offen dafür, die Dinge immer wieder neu zu erfinden. 

Ein erfolgreicher Unternehmer ist, wer mit Niederlagen leben kann und vor allem von diesen lernt. Hab‘ keine Angst davor Risiken einzugehen – so lernen wir am meisten!

Selbstbewusstsein und ein absoluter Wille deine Mission umzusetzen: Das Schicksal mag nicht immer auf deiner Seite sein, aber mit dem richtigen Team und harter Arbeit kannst du es schaffen. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Gal Ringel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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