Höre niemals auf zu lernen

Milena Glimbovski Gründerin von Original Unverpackt dem Supermarkt ohne Verpackungen in DHDL

Stellen Sie sich und das Startup Original Unverpackt doch kurz vor!
Auch wenn wir Hippies im Herzen sind und Unverpackt im Namen haben, behalten wir die Kleidung meistens an. Wir fordern auch niemanden mit erhobenem Zeigefinger zur Nachhaltigkeit auf. Original Unverpackt will nicht weniger, als die Art und Weise zu ändern, wie Menschen konsumieren: Qualität statt Quantität. Gebrauchen statt verbrauchen. Lokal statt global. Unser Geschäftsziel ist, ökologische und nachhaltige Alternativen für möglichst viele Produkte des alltäglichen Lebens anzubieten. Das fängt bei verpackungslosem Einkauf von Lebensmitteln im Laden an und zeigt sich weiter bei unseren eigens produzierten und mikroplastikfreien Kosmetik-Sets. Seit 2016 ist auch der OU Online Shop eine tragende Säule, mit dem wir Produkte rund um den Zero Waste Lifestyle an all diejenigen versenden können, die keinen Unverpackt Laden in ihrer Nähe haben. So kann wirklich jeder bessere Kaufentscheidungen treffen.

Ich bin Milena Glimbovski, die Gründerin und Geschäftsführerin, 27 Jahre alt. Auch nach vier Jahren als Unternehmerin mit 20 Mitarbeiter*innen und einem guten mittleren sechsstelligen Umsatz, frage mich jeden Morgen aufs Neue, was ich da eigentlich tue.

Wie ist die Idee zu Original Unverpackt entstanden?
Alles fing an mit dem Wunsch nach müllfreiem Einkaufen: Ich aß mit einer Freundin zu Abend und wir füllten mit dem Müllberg der Verpackungen einen ganzen Wertstoffsack – wir waren ZU ZWEIT! Das fühlte sich falsch an. Das muss doch auch anders gehen, dachte ich. Noch am selben Abend begannen wir mit der Planung dessen, was später OU werden sollte.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Es war weniger der Wunsch nach der Selbstständigkeit, als das dringende Bedürfnis, eine Lösung zu schaffen. Für alles gibt es Alternativen, aber die Möglichkeit, Lebensmittel ganz ohne Einwegverpackungen zu kaufen, gab es damals noch nicht. Also haben wir es einfach selbst gemacht und einen Bio-Laden ohne Einwegverpackungen in Kreuzberg aufgemacht.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung, aber auch die herausragendste Erfahrung im positiven Sinne war die Finanzierung. Am Anfang hatten wir keinen einzigen Cent. Wir entschlossen uns deswegen, die Finanzierung über ein Crowdfunding anzugehen. Schnell stellte sich heraus, dass viele Menschen unsere Einstellung teilten und eine große Bereitschaft vorhanden war, die Idee eines verpackungsfreien Supermarktes mit eigenem Geld zu unterstützen. Wir hätten nicht erwartet und sind bis heute unendlich dankbar dafür, dass wir mehr als 4000 Unterstützer*innen gewinnen konnten, die insgesamt über 100.000€ investiert haben. Das reichte, um den Laden zu eröffnen.

Zwei Jahre später kam ein kleiner, privater Investor dazu, der uns etwas anschob und half, die Liquidität beim Wachsen zu sichern. Unsere größte Herausforderung ist aber immer noch, unabhängig zu bleiben, unser Schicksal nicht in die Hände Dritter zu legen und trotzdem gesund und selbstständig zu wachsen.

Wer ist die Zielgruppe von Original Unverpackt?
Frauen und Männer, meist ab 16 Jahren schon, die ihr Einkaufsverhalten reflektieren und mit dem Kauf von nachhaltigen Produkten dazu beitragen wollen, die Welt ein wenig besser zu machen. Sei es, den Einweg Coffee-to-go Becher sein zu lassen oder die Bambuszahnbürste auszuprobieren. Wir erleichtern allen, von jung bis alt, den Einstieg in ein müllarmes Leben.

Was findet der Kunde im Supermarkt Original Unverpackt?
Wir führen mehr als 650 Produkte. Von Nüssen über Süßigkeiten bis hin zu Cerealien, Pasta, Tees, Kaffee oder Ölen, aber auch Reinigungsmittel und Pflegeprodukte. Obst, Gemüse, Molke und Backwaren sind selbstverständlich auch im Sortiment zu finden. Man kann sich bei uns mit allem eindecken, was man für das alltägliche Leben benötigt. Das war stets unser Anspruch, das haben wir auch umgesetzt.

Kann man die Verpackung mitbringen?
Ja, wir empfehlen das sogar ausdrücklich. Wer bei uns eine Papiertüte haben will zahlt 10 Cent. Dahinter steht der Gedanke, dass selbst die Produktion von Papiertüten aus recyceltem Material Ressourcen verbraucht, die bei Verwendung mitgebrachter, wiederverwendbarer Behälter eingespart werden können. Viele unserer Kunden, insbesondere Stammkunden, wissen bereits, dass alles seinen Wert hat. Und so bringen sie ihre Behältnisse in allen Materialien, Formen und Größen mit, wenn sie bei uns einkaufen. Das macht uns sehr stolz und verbindet uns auf besondere Art mit unseren Kunden.

Wie ist das Feedback?
Kritische Stimmen gab es anfänglich nur wegen der Hygiene. Wer jedoch einmal bei uns war sieht selbst, wie sauber der Laden sich unseren Kunden täglich präsentiert. Verunreinigung von Lebensmitteln oder Behältnissen war bei uns nie ein Thema. Wir laden jeden Zweifler ein, sich bei uns umzuschauen und einen kleinen Plausch mit unseren durchaus kritischen Stammkunden zu halten.
Wir wissen und schätzen, dass unsere Kund*innen besonders sind. Alle vereint der Wunsch, die Welt ein bisschen besser machen zu wollen. Und diese sind nicht nur verständnisvoll, sondern begeistert und motiviert von dem was wir da machen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für DHDL zu bewerben?
Ein befreundeter Gründer erzählte mir vormittags von einem Open Pitch Call für DHDL. Ich mag die Sendung, war aber an dem Tag eher mittelmäßig aufgelegt. Er überredete mich, nachmittags einfach mitzukommen. So ein Casting mache Spaß, das sei mal eine neue Erfahrung. Damit hatte er mich: Ich war noch nie bei einem Casting und neue Erfahrungen finde ich per se gut. Also bin ich nach Hause und habe schnell meinen Jutebeutel gepackt. Was ich eingepackt habe? Einen Glas-Kaffeebecher, meine Wasserflasche, einige Zahnpastatabletten und die dazugehörige Bambuszahnbürste sowie der übliche Kram, den ich immer mit mir herumtrage.

Ich stellte mich also vor und packte dann einfach den Inhalt meines Beutels aus. Ich erklärte, wie so ein Zero Waste Lifestyle funktioniert und warum ich diesen Laden erschaffen habe, der meinen Null-Müll Lebensstil möglich macht.
Alles ging super entspannt zu – trotz der Kamera vor der Nase. Das lag vor allem daran, dass ich noch keine genaue Ahnung hatte, worauf ich mich genau einlasse…

Wie haben Sie sich auf DHDL vorbereitet?
Ich hatte 24 Stunden nicht geschlafen, hatte Jetlag, weil ich gerade aus den USA von einer Konferenz mit kleiner Urlaubspause zurückkam. Von Berlin bin ich ohne Umweg direkt nach Köln gereist. Vom Flughafen ins Hotel. In Köln besorgte ich noch Deko für das Set. Danach ging es direkt zur Aufzeichnung der Sendung. Das DHDL Setdesign-Team hatte bereits alles vorher per Mail mit mir abgestimmt. Die Leute da waren super kreativ, professionell und einfach großartig. Ich hingegen war auf Adrenalin und ganz viel Kaffee.

Wenn man meine Augenringe in der Sendung nicht sieht, dann liegt das nur daran, dass ich mir vorher einige Schminktutorials auf YouTube angeschaut habe, um meine letzten Tage unter einer beachtlichen Schicht MakeUp verschwinden zu lassen. Zahlen, wie zum Beispiel Umsätze, Handelsspannen, Kosten etc., aber auch das Konzept musste ich nicht lernen. Damit hantiere ich als Geschäftsführerin von Original Unverpackt täglich. Entweder kenne ich meine Pappenheimer, oder ich lasse diesen Job sein.

In den USA hatte ich auf einer Konferenz gesprochen, auch nicht zum ersten Mal, insofern bereitet mir frei sprechen vor großen Menschenmengen kaum Stress. Viel schwieriger ist es, dieselbe Geschichte vor nur fünf Menschen zu pitchen, die dazu noch überaus kompetent sind. Und das, während dir die Kamera geradewegs ins Gesicht starrt und blinkt, und dir plötzlich klar wird, dass halb Deutschland dir zuschaut.

Sie sind eines der wenigen Startup Unternehmen das es in die Show DHDL geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von der Show?
Wie schwer es ist, ausgewählt zu werden, war mir im Vorfeld ehrlich gesagt nicht bewusst. Erst im Nachhinein, in Gesprächen mit befreundeten Gründer*innen, stellte es sich heraus, wie viele Personen allein in meinem Bekanntenkreis es versucht hatten und gescheitert sind. Zu diesem Zeitpunkt, lange nach der Aufzeichnung, dämmerte mir langsam, wie anspruchsvoll und groß das Ganze ist. Welche Chance für mein Unternehmen sich darin verbirgt. Bis dahin empfand ich es ‚nur‘ als tolle Herausforderung und Ehre, vor so großen und gestandenen Investor*inenn pitchen zu dürfen. Denn ich wusste: Das Feedback der „Löwen” und ihre Investition kann ein Start Up auf ein ganz anderes Level befördern. Dieses Level will ich erreichen.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch die Show viele Interessenten und auch Medien auf Original Unverpackt werden?
Wichtig. Aber wir wissen nicht, was kommt. Wir hatten schon mal eine große Pressewelle, 2014 zur unserer Eröffnung. Ich ging abends ins Bett und als ich morgens aufwachte, hatten die New York Times und dutzende Blogs Artikel über Original Unverpackt geschrieben, von denen einige echt viral gingen. Damals ist die Welle des Erfolgs einfach über uns hineingebrochen und wir wussten wenig damit anzufangen. Heute ist das anders. Wir sind besser aufgestellt, erfahrener und würden die Aufmerksamkeit auf unsere eigenen Produkte wie die DIY-Sets, Geschäftsfelder (Online Kurse, das OU Magazin) und das Buch „Ohne Wenn und Abfall“, das jetzt im Oktober von mir im KiWi Verlag erscheint, lenken wollen. Hab’ ich gut aufgezählt, oder?

Ziel der Show DHDL ist es, das die Löwen investieren und der Deal zustande kommt. Welchen der Löwen haben Sie als Investor im Fokus?
Ich finde Frau Wöhrl ganz spannend. Sie hat einen imposanten Track Record im Einzelhandel und könnte uns dabei unterstützen, als Händler und Produzent innovative und zukunftsfähige Produkte und Geschäftsfelder zu entwickeln.

Original Unverpackt, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt und arbeiten hart daran, sie zu erreichen. In jeder deutschen Wohnung findet man pro Zimmer ein Produkt von uns. Dieses Produkt währt lang, hält gut und ersetzt viele Einweggegenstände. Es lässt sich einfach kompostieren oder recyclen. OU betreibt aufmerksamkeitsstarke Bildungsarbeit und hilft aufzuklären, was man als Privatperson tun kann, abgesehen davon, dass man ordentlich seinen Müll trennt. In wenigen Worten: OU ist die erste Marke und Adresse, wenn es um nachhaltigen Konsum geht.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1) Höre niemals auf zu lernen. Wenn du das Gefühl hast, du hast irgendwo den Dreh raus, dann bist du noch weiter am Anfang, als du dachtest.

2) Kenne. Deine. Zahlen. Controlling macht wenig Freude, aber die geilste Geschäftsidee, die größte Investition ist schnell verpufft, wenn man mit Zahlen nicht umgehen kann. Wenn du es nicht kannst, lerne es.

3) Versuche nicht, das Airbnb für Einhörner zu sein. Nicht versuchen, das x-te Copycat aus den USA rüberzuholen. Versuche stattdessen, ein Problem zu lösen. Nimm dir vor, etwas zu schaffen, das die Welt zu einem besseren Ort macht, für die Gemeinschaft, Umwelt und deine Kindeskinder. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Bild: Milena Glimbovski aus Berlin präsentiert mit Original Unverpackt den Supermarkt ohne Verpackungen. Sie erhofft sich ein Investment von 25.000 Euro für 10 Prozent ihres Unternehmens. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Sehen Sie Original Unverpackt am 26.September in #DHDL

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Milena Glimbovski für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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