Fehler machen, daraus lernen, aber MACHEN!

Merkurist: Plattform für digitalen Journalismus

Stellen Sie sich und Ihr Startup-Unternehmen Merkurist doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Manuel Conrad, ich bin Gründer und Geschäftsführer von Merkurist. Merkurist ist eine Plattform für digitalen Journalismus. Allerdings mit einer Besonderheit: Wir legen großen Wert darauf, unsere Leser eng in den Entstehungsprozess unserer Artikel miteinzubinden. Das bedeutet nicht, dass Leser Artikel für uns schreiben. Aber sie können Themen vorschlagen – in Form eines sogenannten Snips. Zu dem Snip können sie eigenes Material wie Fotos oder Videos zur Verfügung stellen oder kommentieren. Über den sogenannten o-ha!-Button kann die Leser-Community bewerten, ob sie ein Thema interessant findet. Stößt ein Snip auf genügend Interesse, wird er von einem professionellen Journalisten aufgearbeitet: Ein Artikel entsteht. Aktuell konzentrieren wir uns mit unserem Modell insbesondere auf den Lokaljournalismus, weil niemand hierfür bisher eine nachhaltige Lösung gefunden hat.

Wie ist die Idee zu Merkurist entstanden?
Ich komme aus einem stark journalistisch geprägten Umfeld, meine Eltern sind Journalisten. Weil aber Zahlen eher mein Ding waren als das Schreiben, , habe ich mich dann aber für ein BWL-Studium entschieden. Aber mich beschäftigte von Anfang an die Frage, wie man mit Journalismus ein digitales, skalierbares Geschäftsmodell auf die Beine stellen kann. Während eines diskussionsreichen Weihnachtsabends mit meiner Familie und der Frage nach der Zukunft des Journalismus kam eines zum anderen – auf einem Schmierzettel in einer Kneipe wurde die Merkurist-Idee geboren.

Welche Vision steckt hinter Merkurist?
Wir glauben, dass man Journalismus in der digitalen Welt neu denken muss. Statt in Content und in Reichweite, denken wir in Communities. Wir wollen eine neue Bindung zu unseren Lesern erzeugen und sie in den journalistischen Prozess so gut es geht integrieren, insbesondere dort, wo es sinnvoll ist. Sie können Themen beisteuern, etwa Materialien wie Bilder, sie können Fragen und Meinungen ergänzen und sie können uns mit dem o-ha!-Button sagen, welche Themen sie interessant finden. So entpuppt sich mancher Leser gar als Themen-Trüffel-Schwein für interessante News oder als treuer Multiplikator. Durch die Einbindung unsere Leser bekommen wir viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit zugesprochen.

Gleichzeitig glauben wir, dass Technologie der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg einer journalistischen Plattform ist. Wir versuchen unsere Abläufe sehr stark mit Hilfe unserer Newsroom-Technologie zu standardisieren und manuelle Arbeiten zu vermeiden. Hier sind wir weiter als jedes deutsche Verlagshaus und werden von Tag zu Tag besser.

In Zukunft wollen wir unsere Stärken in punkto Konzept und Technologie externen Partnern zur Verfügung stellen, die auf der Suche nach einem digitalen Geschäftsmodell für Journalismus sind, hierfür konnten wir schon zwei große regionale Verlagshäuser gewinnen. Jeder interessierte Verlag, Journalist oder Unternehmer kann für sehr wenig Geld unsere Newsroom-Technologie lizenzieren und dann sofort loslegen. Wir stellen unser Wissen zur Verfügung und bieten die Möglichkeit sich in Netzwerken zusammenzuschließen. So sind wir in der Lage, auch in kleineren Städten und Dörfern wieder eine lokaljournalistische Berichterstattung kostendeckend auf die Beine zu stellen. Und genau das ist unser Ziel: In den nächsten drei Jahren wollen wir, dass es in jeder Stadt, ob groß oder klein, einen Merkurist-Newsroom gibt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Viele verstehen unser Konzept leider nicht auf Anhieb– vom Leser über den Journalisten bis hin zum Verlagschef. Wir müssen in der Regel große Erklärungsarbeit leisten, über unsere Technologien oder auch unsere Vorstellung von einem „community-basierten“ Journalismus. Kritiker sprechen von einem „Journalismus, bei dem jeder kleine Wutbürger seinen Senf dazugeben darf“. Häufig sind die Widerstände in den Redaktionen sehr hoch. Am liebsten soll alles so bleiben wie es ist und die wachsenden Probleme der Medienbranche werden auf uns projiziert, als ob wir daran Schuld hätten.

Die Schwierigkeit ist, dass wir klassischen Journalismus neu denken und damit an manchen Stellen von der klassischen Herangehensweise abweichen. Viele können sich nicht vorstellen, wie wir mit unserem Businessmodell Digitalität, Monetarisierung, Unabhängigkeit und Seriosität vereinen wollen. Aber: Es klappt! Das beweisen wir bereits mit unseren Standorten in Mainz, Wiesbaden und Frankfurt.

Finanziert wird Merkurist durch Venture Capital. Die letzte Finanzierungsrunde brachte uns 1,5 Millionen ein, mit denen wir das Wachstum von Merkurist vorantreiben. Kürzlich kaufte sich die größte Verlagsgruppe des Rhein-Main-Gebiets in die Merkurist Rhein-Main GmbH ein.

Wer ist die Zielgruppe von Merkurist?
Merkurist richtet sich an alle, die sich für lokale Nachrichten aus Ihrer Stadt interessieren und diese digital – wann und wo sie möchten – lesen. Besonders viel Spaß haben wir an „tatkräftigen“ Lesern, die den Community-Gedanken leben und selber Themen vorschlagen, bewerten und Material beisteuern.

Außerdem bieten wir Merkurist Konzept und Technologie auch Journalisten und Verlagen an. Sie können Merkurist sozusagen als „All-in-one Lösung“ nutzen, die den gesamten journalistischen Workflow, vom Thema bis zur Monetarisierung, abbildet. Was wir bieten, das ist weit mehr als einfach nur ein Content-Management-System. Der Merkurist Newsroom ist ein Werkzeugkasten, mit dem man ein profitables Geschäftsmodell für Journalismus entwickeln kann.

Wie funktioniert Merkurist?
Wir rätseln nicht, was unsere Leser gerne lesen würden – wir fragen sie einfach. Wir binden sie in den Entstehungsprozess eines Artikels eng mit ein, von der Themenfindung über die Recherche bis zum Feedback zum veröffentlichten Text. Unsere selbst entwickelte Merkurist Software funktioniert als clevere All-In-one-Lösung, mit der unter anderem journalistische Produkte erstellt, Autoren vergütet, Anzeigen erstellt und Marktforschung betrieben werden können.

Welche Vorteile bietet Merkurist?
Merkurist bietet einen umfassenden Werkzeugkasten mit dem Journalisten und Verlage Communities aufbauen, entwickeln und binden können. Hierzu liefern wir eine technologische Gesamtlösung zu geringen Kosten an. Mit Konzept und Technologie lassen sich bis zu 70% der Kosten durch standardisierte Abläufe und automatisierte Prozesse einsparen. Wir bieten Partnern neue innovative Vermarktungsansätze abseits nerviger Display-Werbung und schaffen neue Möglichkeiten, mit denen unsere Kunden interessante Leser-Profile und Datencluster entwickeln können. Durch die Anbindung an Netzwerke können wir Synergien zwischen unseren Kunden entwickeln und unentdeckte Potentiale in der Distribution der Inhalte, der Vermarktung und der Generierung von Daten schaffen.

Merkurist, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren werden wir den deutschlandweiten Rollout abgeschlossen haben und alle Newsrooms in Deutschland zu einem starken Netzwerk zusammengeschlossen haben. In jeder Stadt wird Merkurist mit unseren Partnern vertreten sein und guten, lokalen, digitalen und unabhängigen Journalismus anbieten. Außerdem werden wir in Europa expandieren und über die Ländergrenze hinaus zeigen, wie die Zukunft des Journalismus gestaltet werden kann.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Fehler machen, daraus lernen, aber MACHEN!
2. Niemals aufgeben, sondern an Aufgaben wachsen.
3. Nicht zu viel auf andere hören, sonst kommst Du nie weiter.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Manuel Conrad für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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