Freitag, September 17, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

meevo: craftsoles orthopädische Schuheinlagen einfach online bestellen

Stellen Sie sich und das Startup meevo Healthcare doch kurz unseren Lesern vor!

Der Gang ins Sportgeschäft und zum Optiker ist Standard und gehört zu einem gesunden und selbstbestimmten Leben dazu. Anders jedoch ist es bei Sanitätshäusern: Wer nicht unbedingt muss, vermeidet einen Besuch – auch wenn 70 Prozent der deutschen Erwachsenen unter Fußfehlstellungen oder den Folgen von Haltungsproblemen leiden, findet kaum jemand aus präventiven Gründen den Weg ins Sanitätshaus. Wir – das sind Arlett Chlupka, Florian Birner und Simon Maass – möchten das ändern und mit meevo Healthcare die Zukunft von Kompressionen, Bandagen und Einlagen neu denken.

Mit unserem digitalen Angebot wollen wir dabei vor allem jüngere Menschen ansprechen, um frühzeitig gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel Rücken- & Gelenkschmerzen vorzubeugen. Den Anfang machen wir mit orthopädischen Einlagen von craftsoles, die ganz einfach online bestellt werden. Gefertigt wird in der Hamburger Meisterwerkstatt von Hand. Wir sind zudem der erste Online Einlagenversorger, der mit der BARMER die zweitgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland für seine Mission gewinnen konnte. Gemeinsam setzen wir so einen neuen Impuls in der Branche. 

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Das Konzept Sanitätshaus hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Kund:innen werden von Orthopäd:innen direkt zum Partner-Sanitätshaus geschickt und bleiben über Wahlmöglichkeiten im Dunkeln. Es gibt keine Transparenz in Sachen Preis und Leistung – und das sorgt dafür, dass eine Nachvollziehbarkeit des Preises bzw. der Qualität unmöglich ist. Auch digitale Angebote und Shops für Hilfsmittel auf Rezept gibt es bis dato nicht. Diese Ausgangslage ist unser Treiber, an den festen Regularien der Branche zu rütteln, um sie in die Moderne zu überführen. Mit craftsoles haben wir dazu unsere eigene Einlagen-Marke gegründet. Bei meevo haben wir aus erster Hand gelernt, welche Anforderungen an eine orthopädische Maßeinlage wichtig sind und welche Informationen Orthopädieschuhtechniker:innen benötigen, wenn sie Kund:innen nicht vor Ort beraten und nur per Video sehen. Unsere Erkenntnisse haben wir in einen digitalen Prozess integriert – craftsoles ist das Ergebnis.

Welche Vision steckt hinter meevo Healthcare?

Wir wollen einen zeitgemäßen Zugang zu Hilfsmitteln ermöglichen – ohne Abstriche bei der Qualität. Wir sind überzeugt, es ist an der Zeit, dass auch die Gesundheitsbranche digitaler denkt und damit Teilhabe in der Breite der Gesellschaft sicherstellt. Mit craftsoles sind unsere Kund:innen beispielsweise nicht mehr auf die Öffnungszeiten stationärer Sanitätshäuser angewiesen. Einlagen können unkompliziert von Zuhause aus bestellt und vermessen werden – zu jeder Zeit und kontaktlos. Dank unseres innovativen Rezeptservices gibt es bei craftsoles sogar Online-Einlagen auf Rezept.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung lag am Eintritt in den stark regulierten Markt: Kund:innen kommen über den behandelnden Arzt zum Partner-Sanitätshaus. In der Regel ist es nicht ersichtlich, wie die Preise im Freiverkauf in einem Sanitätshaus zu Stande kommen. Es fehlt an Vergleichsportalen und Möglichkeiten für Feedback. Als Teil des etablierten Systems ist erstmal kein Bedarf für Veränderungen erkennbar. Die geringe Attraktivität von Hilfsmitteln wie Einlagen setzt zusätzlich eine Eintrittsbarriere. Deshalb haben wir für unser Serviceversprechen viel Gegenwind bekommen.

Speziell für das Versprechen, dass es bei uns schnell geht. Bereits bei unserer Gründung sagten Mitbewerber:innen und Orthopädietechniker:innen: „So könnt ihr das nicht machen, ihr müsst doch den Kund:innen suggerieren, dass alles lange dauert, auch wenn wir das natürlich genauso machen wie ihr“. Diese Denkweise zeigt, dass viele Sanitätshäuser in den letzten Jahren wenig aus der Sicht der Kund:innen gedacht und keine Notwendigkeit gesehen haben, etwas zu verändern. Doch entgegen den Erwartungen konnten wir aufzeigen, dass unser Konzept hervorragend angenommen wird. So gewannen wir bereits früh Gesellschafter für unsere Mission, die mehr als drei Millionen Euro investieren. Darunter Peter von le Fort, Dieter Ammer und Ulrich Wandschneider, Mitglied des BioNTech Aufsichtsrats. 

Wer ist die Zielgruppe von craftsoles?

Unsere Kernzielgruppe umfasst Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, die Wert auf einen gesunden Lebensstil legen. Orthopädische Einlage sind nicht nur akut ein medizinisch hilfreicher Ansatz, sondern können auch präventiv wirken. Deshalb hat craftsoles einen besonderen Fokus auf die jüngere Zielgruppe, die Schmerzen häufig noch vorbeugen, Gelenke schonen und Folgeschäden von Fehlbelastungen vermeiden kann.

Wie funktioniert craftsoles? 

Die Einlagen von craftsoles sind im Nu bestellt: Im Online-Konfigurator einfach zwischen vier Schuhtypen und verschiedenen Bezügen wählen. Das eigens von craftsoles entwickelte Abdruck-Set kommt per Post. Mit dem Kohlepapier können die eigenen Fußabdrücke selbstständig von zu Hause genommen werden. Diese gehen dann per Post zurück an craftsoles, wo Orthopädietechniker:innen die individuellen Einlagen nach Maß innerhalb von drei Tagen erstellen. Nachbessern ist kostenlos, bis die Einlage perfekt sitzt. Und wer unzufrieden ist, bekommt das Geld zurück. Dazu bieten wir einen digitalen Kundenservice, auf Wunsch auch per Videochat. Die Bestellung ist auch über Otto.de und Tchibo.de möglich. 

Wo liegen die Vorteile? 

Wir reduzieren den herkömmlichen zeitlichen Aufwand von bis zu 3-4 Wochen auf eine Woche. Über die Konfiguration werden Kund:innen in den Versorgungsprozess einbezogen, was die Attraktivität des Produktes steigert. Wir fertigen in unserer Meisterwerkstatt in Hamburg und beziehen ausschließlich hochwertige Materialien vorwiegend aus deutschen Manufakturen. Wir stellen damit eine Versorgung sicher, die qualitativ gleich, wenn nicht sogar besser als in stationären Sanitätshäusern ist.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir sind der erste digitale Versorger, der mit einer gesetzlichen Krankenkasse kooperiert. Die BARMER erstattet ihren Versicherten die Online-Dienstleistung mit medizinischen Maßeinlagen von craftsoles auf Rezept. Und wir rechnen fest damit, dass weitere Krankenkassen schon in Kürze nachziehen werden. Mehr als in der Branche aktuell üblich, hören wir auf die Bedürfnisse der Menschen und setzen alles daran, Lösungen nachhaltig in der Gesundheitsversorgung zu integrieren. Wir digitalisieren nicht, um der Digitalisierung willen. Wir möchten den Markt erweitern und diejenigen mit Hilfsmitteln versorgen, die bisher nicht erreicht werden. Von dem Großteil der deutschen Erwachsenen, die Fußfehlstellungen haben, werden aktuell nur 20 Prozent mit medizinischen Maßeinlagen versorgt. Und wenn wir uns dem Bedarf nicht annehmen, werden ausländische Anbieter mit All-Fits-One-Lösungen auf die gängigen Handelsplattformen drängen und die Lücke schließen. Mit craftsoles wollen wir das deutsche Handwerk der Orthopädietechniker:innen schützen und einen kundenorientierten Ansatz für eine umfassende Versorgung mit orthopädischen Schuheinlagen bereitstellen.

meevo Healthcare, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Die Branche zeitgemäß nach vorne zu entwickeln bedeutet für uns auch, ein Bewusstsein für Einlagen als ein präventives Mittel zu schaffen. Wenn wir es mit unserer Arbeit schaffen, den Zugang zu orthopädischen Maßeinlagen zu verbessern, können wir gleichzeitig demonstrieren, dass Prävention nicht mit langwierigen, aufwendigen Prozessen verbunden sein muss. Das ist eine Ansicht, die wir uns für die gesamte Healthcare Branche wünschen. Dazu sehen wir großes Potential im Hilfsmittelmarkt, welches noch lange nicht ausgeschöpft ist und unterschätzt wird. Das Bewusstsein für den präventiven Nutzen vieler Hilfsmittel muss definitiv noch entwickelt werden. Genau deshalb sehen wir uns auch in einer Art Vorreiter-Rolle und wollen in den nächsten fünf Jahren zum größten Hilfsmittelversorger Deutschlands werden. Wir wollen in den kommenden drei Jahren 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr generieren.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Vergrabt euch nicht (ausschließlich) in der Arbeit. Auch wenn in einem Startup immer viel zu tun ist und die Arbeit kein Ende zu nehmen scheint – die Welt muss von euch und eurer genialen Idee erfahren. Dafür bedarf es, neben vielen anderen Maßnahmen, die PR-Aktivitäten frühzeitig anzuschieben und Kontakte zu pflegen.

Cashflow ist bei jeder guten Idee wichtig. Habt einen klaren Plan und einen Business Case und hinterfragt ständig, ob ihr noch von eurer Idee begeistert seid bzw. wie ihr diese noch zusätzlich verbessern könnt.

Überlegt euch ganz genau, mit wem ihr zusammen gründet. Die Reise ist lang und ihr werdet viel Zeit miteinander verbringen. Daher ist es wichtig, dass ihr eine gute Basis für einen konstruktiven und gleichberechtigten Austausch findet.

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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