Gleich am Anfang so viel wie möglich präsent sein und Kontakte aufbauen.

mbits: mRay ermöglicht einen zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf medizinische Bilddaten im Krankenhaus

Stellen Sie sich und das Startup mbits doch kurz unseren Lesern vor!
Die mbits imaging GmbH ist ein Spin-Off aus der Abteilung Medizininformatik am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Das Ausgründungsprojekt begann im Rahmen einer Forschungsförderung 2012 und wurde im Juli 2015 zur GmbH. Wir entwickeln Software für die Bildverarbeitung i.A. mit einem Fokus auf medizinischer Bildverarbeitung. Unsere Software-Lösung mRay ist eine mobile Plattform speziell für Tablet und Smartphone, die einen zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf medizinische Bilddaten im Krankenhaus ermöglicht. Die App ist frei verfügbar im AppStore bzw. Google Play- einfach nach mRay suchen.

Wie ist die Idee zu mbits entstanden?
Es ist ein klassisches Forschungs- zu Ausgründungsprojekt gewesen. In der Abteilung Medizininformatik am DKFZ wird im Wesentlichen an drei Aspekten geforscht:
1. Radiologische Bilder mit dem Rechner automatisiert verstehen und auswerten (Computer aided diagnosis – CAD)
2. Radiologische Bilddaten im OP für eine gezielte Therapie verwenden (Computer aided medical interventions – CAMI)
3. Mensch-Maschine Schnittstellen
Im Rahmen des letzteren haben wir 2010 begonnen, mobile Geräte, wie Smartphone und Tablet, zu verwenden. Aus dem sehr guten und großen Feedback von klinischen Kooperationspartnern ist mbits und die Idee das Ganze zum Produkt zu machen entstanden.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Finanzierung gehört zu den größten Herausforderungen. Und damit eigentlich verbunden: Aufbau eines eigenen Vertriebs. Nichts ist in diesem Umfeld des Gesundheitswesens mit so vielen Leuten, die mitentscheiden, so schwierig, wie einen gut arbeitenden Vertrieb aufzubauen bzw. wie der Aufbau einer Marke, der die Entscheider vertrauen.

Bei der Finanzierung waren Fördermittel wichtig. Die Bundesrepublik und aber auch die Länder bieten hier Möglichkeiten, ohne die der Aufbau der Firma nahezu unmöglich gewesen wäre. Es waren aber auch frühe erste eigene Umsätze bereits in 2013, die eine Finanzierung ermöglicht haben. Wir haben bisher keine Investoren hinzugenommen, überlegen uns aber dies zu ändern, um der wachsende Nachfrage sehr schnell (und nicht organisch wachsend) gerecht zu werden.

Wer ist die Zielgruppe von mbits?
Momentan für die Software mRay: Ärzte, Medizinstudenten bzw. eben Krankenhäuser und Praxen. Für bildverarbeitende Software im Allgemeinen aber auch Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die hier Aufträge für sehr spezifische Individualsoftware vergeben.

Was ist das Besondere an der Lösung von mbits?
Für die Software mRay sind es zwei wesentliche Dinge:
1. Der Leitgedanke der App ist nicht das reine „Bilder betrachten/befunden“, sondern Kommunikation. D.h. anstelle eines Befunds per Fax, kann der Radiologe mit mRay annotierte CT-/Röntgen- (etc.) Bilder, Texte und Audionachrichten an einen weiterbehandelten Arzt geben. Ähnlich wie man es bspw. aus WhatsApp kennt, nur in Befundungsqualität, über einen sicheren Kanal und mit Behandlungskontext zu medizinischen Bildern.

2. Die Technik: Es gibt den sog. DICOM-Standard, der Anfang der 90er für den Austausch von radiologischen Bilddaten geschaffen wurde. Daran gibt es erstmal nichts auszusetzen- er ermöglicht den standardisierten Austausch, was sehr wichtig ist. Allerdings hat in 1992 niemand an Streaming, mobile Netzwerke mit instabilen Verbindungen, Verschlüsselung, Komprimierung, Geschwindigkeit, etc. gedacht. Wir haben ein eigenes Protokoll „DICOM2020“ entwickelt, dass diese Aspekte berücksichtigt. Wir sind auch kein Programm, das im Browser läuft. Ganz im Gegenteil: Wir wollen sehr, sehr schnell und absolut reibungslos für unsere Nutzer sein. Den Unterschied sieht und spürt man und er verkauft sich.

mbits mRay Bilddaten Krankenhaus
Team

Welche Vorteile bietet mbits für Ärzte und Patienten?
Flexible Dienste, schnellere klinische Entscheidungen (man denke an Schlaganfall – „Time is Brain“) durch schnelleren Zugriff, besser informierte Patienten, Kosten- und Zeiteinsparung (bspw. durch die Ersetzung von stationären Arbeitsplätze oder auch der Nutzung der in mRay eingebundenen Funktionen zur Wunddokumentation).

mbits, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir möchten mRay in die breite Nutzung bringen- auch international. Schon jetzt haben wir eine breite Nutzerbasis in Deutschland und (auch ein bisschen durch Zufall) in Israel und Brasilien. Es geht nicht darum, stationäre Computer zu ersetzen, die für die reguläre, tägliche Befundung bestens geeignet sind. Sondern es geht darum, „mRay“ überall da einzusetzen, wo es klinisch sinnvoll ist eine mobile Anwendung zu haben. Und das ist, wie oben bereits erwähnt, in der Kommunikation zwischen beteiligten Ärzten und auch Patienten. Wir möchten mRay zur internationalen Nummer 1-Plattform rund um das Thema Kommunikation von medizinischen Bilddaten machen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Früh anfangen: Man muss sich ja vieles selbst beibringen beim Gründen. Und auch das Produkt entwickelt sich vielleicht anders, als gedacht. Das geht nicht von heut auf morgen. Man muss akzeptieren, dass dies Zeit braucht. Auch die Kundenakquise (Krankenhaus) kann sehr lange dauern. Die Finanzierung sollte auf diese Findungsphase (bei uns auch gern als „Wurschteln“ bezeichnet) eingestellt sein.

Frustrationstoleranz: Vom Erstkontakt bis Vertragsabschluss mit einem Krankenhaus können sehr schnell 18 Monate vergehen. Obwohl die Software in der Regel in einer Stunde betriebsbereit ist, muss man sich auf einige Gespräche und auf ein wiederkehrendes Vertrösten auf später einstellen. Das kann frustrierend und nervend sein. Wir sind ja auch noch recht echt jung, aber ich glaube, dass man da einfach eine Toleranz entwickeln muss. Auch da bin ich selbst noch am Lernen.

Früh Netzwerken: Das habe ich wirklich unterschätzt. Ehrlicherweise dachte ich, dass das bessere Produkt überzeugt. Aber als Softwarehersteller im Gesundheitswesen muss man den ärztlichen Anwender, die IT, den Datenschutz und am Schluss die Geschäftsführung überzeugen. Jede Menge Positionen, wo allein aus politischen Gründen etwas schief gehen kann. Haupttipp des Tages: Gleich am Anfang so viel wie möglich präsent sein und Kontakte aufbauen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Michael Müller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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