Innovation braucht neben Kapital auch Gründerpersönlichkeiten

Matthias Töpfer Mentor in der Meisterklasse im Interview

Stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor!

Matthias Töpfer: Seit April 2015 leite ich das Referat Hochschulpolitik und Politischer Dialog beim Arbeitgeberverband Südwestmetall, dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg. Zuvor war ich als Referent beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und als Consultant in einer Unternehmensberatung in Berlin tätig. Von der Ausbildung her bin ich Jurist und Betriebswirt.

Warum haben Sie sich entschieden, als Partner bei der Meisterklasse mitzuwirken?

Startups sind wichtige Innovationstreiber für unsere Wirtschaft. In einer noch besseren Vernetzung der neuen Ideen von jungen Gründern mit den Geschäftsmodellen etablierter Unternehmen liegt ein enormes Potential.

Dies erfordert eine Stärkung der Gründerkultur im Land. Südwestmetall engagiert sich als Community Partner in der Gründermotor Meisterklasse, da hier jungen Studierenden Lust auf Unternehmertum gemacht wird und sie befähigt und kompetent unterstützt werden, den Schritt in die unternehmerische Selbständigkeit zu gehen.

Wie bewerten Sie die Startup-Szene in Baden-Württemberg?

Auch wenn Baden-Württemberg zahlenmäßig hinter Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bayern liegt, so haben wir in Baden-Württemberg eine leistungsstarke Startup-Szene und mittlerweile echte Gründungshotspots. Dies gilt es dringend auszubauen. Ein Wettbewerbsvorteil hierbei sehe ich in der starken Industrie in Baden-Württemberg, die beispielsweise Berlin beinahe komplett fehlt.

Wie bewerten Sie die Gründer in der Meisterklasse?

Die Teams in der Gründermotor Meisterklasse sind hoch engagiert. Sie brennen für ihre Geschäftsideen und sind gleichzeitig offen dafür, ihre Geschäftsmodelle im Laufe des Mentorings anzupassen und neue Ideen zu entwickeln, wenn sich die ursprüngliche Geschäftsidee als nicht hinreichend tragfähig erweist.

Was wünschen Sie sich von Politik und Wirtschaft für die Gründerszene?

Von der Politik wünsche ich mir für die Gründerszene vor allem eine stärkere Unterstützung beim Kapitalzugang sowie mehr Entrepreneurship-Angebote im Bildungsbereich. 

Insbesondere innovative Industrie-Startups mit anspruchsvoller Technologie und hohen Entwicklungsanforderungen brauchen langfristiges Wachstumskapital. Erforderlich ist daher in Baden-Württemberg ein deutlicher Ausbau des landeseigenen Startup-Fonds für Risikokapital. Die Einbindung privater Kapitalgeber stärkt zwar die Wirkkraft des Wagniskapitals, ersetzt aber keinesfalls ein klares haushaltspolitisches Bekenntnis des Landes zur Startup-Förderung.

Aktuell ist zu befürchten, dass sich die Verfügbarkeit von Wagniskapital für Startups in Folge der Corona-Krise tendenziell weiter verschlechtern wird. Baden-Württemberg muss daher umso dringender seinen Einfluss auf Bundesebene zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen durch ein Venture-Capital-Gesetz geltend machen.

Innovation braucht neben Kapital auch Gründerpersönlichkeiten. Die Entwicklung von Gründerkultur muss als Daueraufgabe der Schulen und Hochschulen verstanden und dauerhaft finanziert werden. Punktuelle und zeitliche befristete Programmfinanzierungen reichen hier nicht aus. 

Von der Wirtschaft wünsche ich mir, dass diese noch engagierter die enormen Chancen einer Zusammenarbeit mit jungen Startups nutzt und noch breiter ihren Beitrag zur Entwicklung einer Gründerkultur leistet.

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen tun sich oftmals schwer, einen frühen Zugang zu Startups zu finden. Auch deshalb engagiert sich Südwestmetall in der Gründermotor Meisterklasse, um junge Startups frühzeitig mit unseren Mitgliedsunternehmen zu vernetzen.

Zur Entwicklung einer echten Gründerkultur gehört auch, dass eine gescheiterte Selbständigkeit kein Einstellungshindernis bei etablierten Unternehmen ist. Denn auch aus einer gescheiterten Gründung bringen junge Menschen wertvolle Lebenserfahrungen wie Risikobereitschaft, Durchhaltewillen und Selbstorganisation mit.

Wir bedanken uns bei Matthias Töpfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Markus Elsässer

Markus Elsässer ist 43 Jahre jung, Verleger und Herausgeber des StartupValley. Seine Karriere startete er, in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Er ist ein Auto und Technik begeisterter Querdenker. Verliebt in die Startup-Szene, was Ihn dazu bewogen hat, mit StartupValley ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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