Ü50 und noch keine Lust auf Ruhestand

MASTERhora: Netzwerk für Fach- und Führungskräfte Ü50

Stellen Sie sich und Ihr Unternehmen doch kurz unseren Lesern vor!
Marion Kopmann: MASTERhora wurde vor knapp drei Jahren als soziales Netzwerk gegründet, um erfahrenen, gut ausgebildeten Menschen eine auf ihre Interessen abgestimmte Community zu bieten. Mit Hilfe von MASTERhora können „Senior Professionals“ ihre Fähigkeiten und Erfahrungen dokumentieren, sich weiter in die Berufswelt einbringen und mit interessierten Unternehmen vernetzen. Erfreulicherweise erkennen angesichts des demografischen Wandels immer mehr Firmen, wie wertvoll das Erfahrungswissen der Fach- und Führungskräfte „Ü50“ ist und holen sich deren Kompetenzen ins Haus. Oft für zeitlich befristete Projekte, zunehmend aber auch für feste Engagements. Oder Unternehmen halten und binden ihre eigenen Ruheständler, um einen betriebsinternen Experten-Pool aufzubauen.

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?
Marion Kopmann: Weil ich mich als Unternehmerin einer gesellschaftlichen Herausforderung stellen und einen Beitrag zu deren Bewältigung leisten möchte, durchaus in Form eines rentablen Geschäftsmodells. Ich bin davon überzeugt, dass sich Arbeit und Alter nicht ausschließen, sondern – ganz im Sinne von Wertschätzung und Wertschöpfung – sehr gut zusammengehen. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, viel Geld und Energie in die Ausbildung von Menschen zu investieren, um sie dann ohne Perspektive für das letzte Drittel des Lebens einfach aus dem Wirtschaftsleben zu stoßen

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?
Marion Kopmann: Neben den gründertypischen Herausforderungen, zu denen die Finanzierung, die Justierung des Geschäftsmodells und die Aufstellung eines schlagkräftigen Teams gehören, war und ist es das zum Teil bis heute in Wirtschaft und Gesellschaft verankerte Denkmuster: „älter = Nachlassen an Fähigkeiten“. Hier gilt es nach wie vor, einen Blick für die Potentiale 50+ zu schärfen und langfristig auch neue Modelle zu entwickeln, wie sich die Anforderungen und Wünsche der Unternehmen mit den Angeboten und Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft vereinbaren lassen. Auch hierfür bieten wir inzwischen Hilfestellung und konkrete Beratungsansätze.

Gab es jemals einen Punkt, wo Sie dachten, ich schaffe das nicht?
Marion Kopmann: Nein, bisher nie. Man darf sich als Unternehmer, und erst recht als Unternehmerin, und schon gar nicht als Startup-Gründerin, nicht entmutigen lassen, auch nicht in schwierigen Situationen oder Prozessen. Es gab und gibt immer eine Lösung, die sich gestalten lässt, und meist auch eine gute.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
Marion Kopmann: MASTERhora ist einerseits zu einem lebendigen Netzwerk mit derzeit rund 2000 Experten-Mitgliedern herangewachsen, andererseits zu einem schlagkräftigen Competence Center in Sachen demografieorientierter Personalentwicklung. Hinzu kommt, dass wir auf der Basis der MASTERhora-Plattform eine geschlossene Plattform-Lösung für Unternehmen entwickelt haben, die wir CAMPUS nennen. Der CAMPUS ist ein cloudbasiertes Community-Tool zum Halten und Binden von Wissensträgern, die nicht oder nicht mehr im Unternehmensnetzwerk sind, wie Ruheständler, Elternzeitler, Expats, freie Mitarbeiter, Praktikanten und Werkstudenten oder Ehemalige/Alumni. Damit gehen wir ganz neue Wege und treffen somit auch auf Unternehmen, die in der Personalstrategie die „Nase weit vorn“ haben. Das macht Spaß und bringt neue Ideen und zeigt uns, dass sich Geschäftsmodell von MASTERhora auch zukünftig weiter entwickeln wird.

Muss man mit seinen Aufgaben wachsen?
Marion Kopmann: Unbedingt. Mich persönlich motivieren neue Aufgaben, deshalb wachse ich gerne mit ihnen.

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?
Marion Kopmann: Aber natürlich. Unternehmen sind schließlich lernende Organismen. Ich denke, gute Ideen haben im Markt immer eine Chance, sich zu entwickeln, sich an Bedarf und Nachfrage anzupassen, auch wenn der weg manchmal länger ist. Wichtig ist, in der Planung bereits eine gewisse Fehlertoleranz einzukalkulieren, und dann hellwach und flexibel zu sein für die Signale, die der Markt sendet.

Sind Frauen die besseren Gründer?
Marion Kopmann: Zum Teil schon. Frauen gründen sicher nicht unbedingt besser, aber häufig anders als Männer: Oft im Nebenerwerb, mit geringerem Kapitaleinsatz, aus einer bereits erprobten Kompetenz heraus. Leider sorgen diese Merkmale dann wiederum dafür, dass die Hebel für Wachstum, Zahl der Mitarbeiter und Ertrag von vornherein kleiner sind, so dass ihnen vom Markt gerne Risikoscheu und geringerer Erfolg attestiert wird. Grundsätzlich bauen sie dann aber ihr Business sehr solide und nachhaltig und, wenn man sich allein die Insolvenzen von StartUps anschaut, auch erfolgreicher auf. Dabei sind die tollen Ausbildung vieler Frauen in Kombination mit den berühmten „soft skills“ wie vernetztes Denken und Handeln oder Bereitschaft zu Kooperationen starke Assets in einer digitalen und internationalen Wirtschaft. Ich denke, hier liegt noch ein großes Potential für Venture Capital.

Aus Ihrer Sicht, warum gibt es so wenig Gründerinnen?
Marion Kopmann: Ich denke, da fehlt es zum Einen immer noch an starken (Vor-) Bildern und einem gesellschaftlichen Klima, das auch Frauen eine Unternehmerinnen Rolle zuspricht und diese auch attraktiv findet. Zum anderen fehlt es hier und da noch etwas am nötigen Mut und Selbstvertrauen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und letztendlich auch zu vollziehen. Hinzu kommt, dass Familie und Kinder sicher Faktoren sind, die Frauen stärker davon abhalten, aktive Unternehmerinnen zu werden, als das bei Männern der Fall ist. Wünschenswert und förderlich wären in diesem Zusammenhang mehr Fördermöglichkeiten, finanzieller Art wie auch im Sinn eines mentalen Coachings, dass Frauen ermutigt, auch größere Schritte in die Selbstständigkeit zu wagen. In Frankfurt z.B. gibt es eine Einrichtung namens Jumpp, die in dieser Hinsicht tolle Arbeit leistet, davon bräuchten wir noch viel mehr!

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?
Marion Kopmann: Mit MASTERhora weiter auf Erfolgskurs, als das führende, deutschsprachige Business Netzwerk für Senior Experts Ü50 und als kompetenter, renommierter Lösungsanbieter für Personalarbeit „Potentiale 50+“. Und ich hoffe, dass mir dann noch mehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel, viel Arbeit abnehmen können.

Welche Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Drei Dinge: hartnäckig bleiben, nicht zu selbstkritisch sein und nie Humor verlieren!

Wir bedanken uns bei Marion Kopmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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