Hab‘ deine Finanzen im Griff!

Martin Cremer Mentor bei der Meisterklasse im Interview

Stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Martin Cremer und ich bin bei EnBW Innovation tätig. Wir verfolgen das Ziel, neue Geschäftsmodelle in für uns interessanten Märkten zu identifizieren und deren Kommerzialisierung voranzutreiben. Dabei zeichnet uns vor allem aus, dass wir alle Werkzeuge eines sinnvollen Innovationsprozesses ineinandergreifend gebündelt haben. Dadurch können wir sowohl interne als auch externe Start-ups systematisch von der ersten Geschäftsidee bis in die Skalierung begleiten. 

Um Fähigkeiten und Ideen sicherzustellen, arbeiten wir unter anderem mit zahlreichen externen Partnern zusammen, beispielsweise der Initiative Gründermotor. Darüber hinaus sind wir auch am Markt aktiv, indem wir uns an jungen Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen beteiligen. In diesem Rahmen kümmere ich mich um alle Aktivitäten beginnend bei Hochschulkooperationen, Betreuung externer Kooperationen und strategischer Minderheitsbeteiligungen, sowie Venture Building Aktivitäten.

Warum haben Sie sich entschieden, als Mentor bei der Meisterklasse mitzuwirken?

Martin Cremer Mentor bei der Meisterklasse

Als regional verwurzeltes Unternehmen ist es uns ein Anliegen, den Standort Baden-Württemberg zu stärken. Eine funktionierende Start-up Szene ist unter anderem der Nährboden dafür. Durch die Begleitung der Gründermotor Meisterklasse als Partner kommen wir in einer sehr frühen Phase mit Gründern und ihren innovativen Ideen in Kontakt und können den Projekten mit unseren Erfahrungen zur Seite stehen. Außerdem sehen wir so, welche Teams für eine Kooperation interessant wären.

Mit welchem Thema werden Sie die Meisterklasse begleiten?

In meiner Vergangenheit habe ich bereits zahlreiche Start-ups mit dem Fokus auf Kapitalakquise beraten. Bei EnBW Innovation begleite ich aktuell ebenfalls Projekte rund um die Themen Geschäftsmodellentwicklung und Finanzen.

Dadurch, dass ich sowohl die Perspektive der Start-ups als auch die Erwartungen großer Unternehmen kenne, kann ich hier meine Erfahrungen von beiden Seiten gut einbringen. Ich möchte die Start-ups gerne dabei unterstützen die Weichen frühzeitig besser zu stellen, um „VC-ready“ zu werden, aber auch um auf Augenhöhe mit Geldgebern aufzutreten, so dass es am Ende für beide Seiten passt.

Wie ist das Feedback?

Bislang sehr positiv. Alle Teams sind offen für neue Impulse und bereits sehr konkret in ihren Fragestellungen. Das zeigt mir, dass der Bedarf an Mentoring und Erfahrungsweitergabe vorhanden ist und auf fruchtbaren Boden fällt. 

Viele Frage gab es u.a. zum Thema Mitarbeiterbeteiligung. Das ist auch ganz normal in der Phase, in der die Start-ups gerade stecken. Mein Rat: überlegt euch, welche Mitarbeiter auch in 3-4 Jahren für euch wichtig sind, bevor ihr Anteile an eurem Start-up vergebt. Denn nicht alle Skills, die in den ersten Tagen essentiell waren, werden dann noch benötigt. Deshalb muss ich eine langfristige Perspektive einnehmen und mit Bedacht Anteile an meinem Unternehmen vergeben.

Welche drei Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Auch wenn Begrifflichkeiten in der Startup-Welt oft sehr komplex anmuten, dahinter verstecken sich oft ganz traditionelle Fragestellungen. Wenn man es mal nüchtern betrachtet, unterscheidet ein Startup oft weniger vom Bäcker um die Ecke als man denken mag. Nur beobachte ich überraschend oft, dass gerade hier bei den Grundlagen die größten Fehler gemacht werden. 

Schnell und mit möglichst wenig Aufwand die Ideen am Markt erproben ist essentiell – auch wenn es oft eine ernüchternde Erfahrung ist, die man nicht gerne macht. Würde der örtliche Bäcker jeden Morgen aufs Neue sein persönliches Lieblingsbrötchen in die Auslage packen, auch wenn es niemand kauft? Wahrscheinlich nicht. Braucht der Kunde das wirklich? Diese Frage muss sich jeder Gründer stellen und darf dann auch keine Angst davor haben, entsprechend zu handeln. Am Ende lohnt es sich aber, nicht davor zurückgeschreckt zu sein.

Hab‘ deine Finanzen im Griff. Ganz besonders herausstellen möchte ich dabei den Punkt Finanzierungsrunde. Ich kann jedem Start-up nur raten, dafür mindestens sechs Monate einzuplanen. Wer später startet riskiert, dass das Geld unterwegs ausgeht.

Und zuletzt beobachte ich immer wieder, dass sich Teams gerade für den ersten Kunden zu sehr verbiegen. Natürlich, der erste Kunde ist ein ganz besonderer Erfolg. Aber: Nicht auf Basis eines einzigen Kundenfeedbacks das Produkt anpassen. Sonst hat man am Ende ein Produkt, das für jeden weiteren Kunden erneut individualisiert werden muss. Der Kunde muss im Fokus stehen, aber gleichzeitig muss eine Balance gefunden werden, um sich auch ein funktionierendes Geschäftsmodell zu erhalten. Um zu meinem Bild zurückzukommen: Wenn ich für jeden Kunden ein individuelles Brot backen muss, fällt es schwer, damit dauerhaft Geld zu verdienen.

Wir bedanken uns bei Martin Cremer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Markus Elsässer

Markus Elsässer ist 43 Jahre jung, Verleger und Herausgeber des StartupValley. Seine Karriere startete er, in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Er ist ein Auto und Technik begeisterter Querdenker. Verliebt in die Startup-Szene, was Ihn dazu bewogen hat, mit StartupValley ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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