Die Chance ergreifen!

Markus Schöberl Director Amazon Seller Services in Deutschland im Interview über Amazon Launchpad

Stellen Sie sich doch unseren Lesern kurz vor!

Markus Schöberl: Als Director Seller Services bin ich bei Amazon Deutschland für die zehntausenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland verantwortlich, die ihre Produkte bei Amazon anbieten. Ich bin seit acht Jahren bei Amazon und habe am Auf- und Ausbau verschiedener Programme und Services für unsere Verkaufspartner mitgewirkt, von Amazon Pay über den Paneuropäischen Versand und Prime durch Verkäufer bis hin zu Amazon Business oder eben auch Amazon Launchpad. Der Umsatz von Drittanbietern wächst schneller als Amazons eigenes Handelsgeschäft.

An dieser Dynamik teilhaben zu können und sie auch ein Stück weit zu beeinflussen, macht mir besonders viel Spaß. Aber letztlich ist das der Verdienst der kreativen unternehmerischen Arbeit der zehntausenden KMU, die ihre Produkte bei Amazon anbieten. Davor habe ich riesigen Respekt! Auch wir haben unseren Teil dazu beigetragen indem wir viele Investitionen getätigt haben, die das Verkaufen bei Amazon jedes Jahr noch ein Stück besser machen. So sind beispielsweise die Möglichkeiten zu exportieren so einfach wie nie und ein kleines Unternehmen wie Happybrush aus München kann auf einmal an Kunden weltweit z.B. in Japan verkaufen.

Stellen Sie uns doch für die, die das Programm noch nicht kennen, Amazon Launchpad kurz vor!

Markus Schöberl: Mit Amazon Launchpad möchten wir den besten Ort für Start-ups im eCommerce etablieren – sprichwörtlich eine Startrampe um ihr Geschäft und ihre Marke(n) aufzubauen und schnell international zu skalieren. So kommen unsere Kunden weltweit in den Genuss spannender Produkte und gleichzeitig können wir den Erfolg ausgewählter Start-ups beschleunigen. Es handelt sich bei Launchpad um ein ganzheitliches Programm, das junge Marken rund um den Verkauf und die Lieferung ihrer innovativen Produkte unterstützt. Amazon stellt ihnen hilfreiche Tools und Technologien – z.B. für verkaufsfördernde Maßnahmen – eine persönliche Betreuung und Expertise zur Verfügung.

Denn wir alle wissen:

Ein Start-up zu gründen ist das Eine, es zum Erfolg zu führen das Andere. Die beste Idee oder das beste Produkt heißt noch lange nicht automatisch erfolgreich sein. Eine wichtige Komponente ist möglichst schnell die Kundennachfrage zu testen und am besten natürlich Verkäufe ankurbeln zu können. Mit Launchpad geht das in kurzer Zeit direkt europaweit und auch der Export in die USA, Japan oder Australien ist relativ unkompliziert möglich. 

Gleichzeitig ist Amazon Launchpad ein einzigartiges Programm für unsere Kunden. Bei Launchpad finden Amazon Kunden Spitzenprodukte, die von cleveren Unternehmern entwickelt wurden. Die Auswahl ist mittlerweile groß: Von qualitativ hochwertiger Kosmetik über Nahrungsergänzung für Sportler, von solarbetriebenen Glaslaternen bis hin zu intelligenter Haustechnik wie Smarten LED Lampen können Kunden all das erkunden, was über das Gewöhnliche hinausgeht. Zu meinen persönlichen Produkt-Lieblingen gehören aktuell die ansprechenden und nachhaltigen Glas-Strohhalme von HALMSTRAW. Das Berliner Start-up bietet eine schicke Alternative zu Plastik-Strohhalmen – es muss ja nicht immer gleich ein technisch kompliziertes Produkt sein.

Welche Aufgaben haben Sie bei Amazon Launchpad? Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Markus Schöberl aus?

Markus Schöberl: Einen „normalen“ Arbeitstag gibt es nicht. Mein Aufgabengebiet ist vielfältig, daher ist auch jeder Tag anders. Der hundertprozentige Fokus auf die Kunden hat mich immer fasziniert. Täglich fragen wir uns, ob wir unserem Anspruch einen Schritt nähergekommen sind: das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein. Und in meiner Rolle darf ich das gleichzeitig für zwei verschiedene Kundengruppen machen – die Endkunden und unsere Verkaufspartner. Denn: Partnerschaft ist unser Geschäft. Wir arbeiten jeden Tag daran, noch mehr Kleine groß zu machen und versuchen durch den Ausbau und die Entwicklung unserer Services jeden Tag aufs Neue, das Beste für unsere Partner herauszuholen.

Eines dieser Programme ist Amazon Launchpad, das ich in meiner Rolle für Deutschland mitverantworte. Zum Arbeitstag gehört auch den Launchpad Startups und anderen Verkaufspartnern zuzuhören und auf Feedback und Kritik zu reagieren. Oft findet man mich an meinem Stehpult oder auf einer der bequemen, bunten Büro-Couches – dann befinde ich mich meist in einer Videokonferenz mit internationalen Kollegen. Der ständige Austausch gehört zum Alltagsgeschäft: Was gibt es bei Euch Neues, was klappt, was nicht? Was ist Euer spannendstes neues Startup? Ach ja, und zwar nicht jeden Tag aber doch häufig schreibe auch ich mit meinem Team (fiktive) Pressemitteilungen, die bei uns der Ausgangpunkt jeder neuen Idee sind. Wir fragen uns, welches das nächste Kunden- oder auch Verkaufspartner-/Startup-Problem ist, das wir mit einem Service oder Programm lösen können und arbeiten uns dann rückwärts von diesem Problem zur eigentlichen Lösung. So ist übrigens auch die Idee für Launchpad entstanden. 

Wie werden die Startups Teil von Amazon Launchpad?

Markus Schöberl: Start-ups können sich online für die Teilnahme an Amazon Launchpad bewerben. Bei der Auswahl achten wir darauf, dass diese innovative oder trendige Produkte anbieten, die für unsere Kunden attraktiv sind. Das kann von humorvollen Wohnzimmerspielen wie die der Firma DENKRIESEN aus Pinneberg bis zu nachhaltiger und fairer Zahnpflege vom Münchner Start-up Happybrush reichen – der Kreativität sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Welche Vorteile haben Startups bei Amazon Launchpad?

Markus Schöberl: Wir helfen jungen Unternehmen dabei, ihre Marke schneller bekannt zu machen durch die große Reichweite, die wir bieten können. Zudem müssen sie nicht oder nicht sofort in die technologische Infrastruktur investieren, um E-Commerce betreiben zu können. Sie kommen entsprechend schneller zu mehr Umsatz bei gleichzeitig weniger Kosten und geringerem Risiko. Man muss sich bei uns nicht erstmal mit zehntausenden von Euro einkaufen. Start-ups erzählen uns oft, dass es mindestens genauso schwierig ist, ein neues Produkt an den Kunden zu bringen wie es zu entwickeln. Amazon Launchpad wurde genau auf diese Bedürfnisse zugeschnitten.

Daher arbeiten wir bei Amazon Launchpad mit verschiedenen Unterstützern wie Crowdfunding Plattformen und Risikokapitalanlegern zusammen, um Start-ups dabei zu helfen, die typischen Startschwierigkeiten zu überwinden. Um die Vermarktung und den Verkauf für die Start-ups einfacher zu gestalten, stellen wir ihnen zusätzliche Marketingtools bereit. Sie profitieren von Amazons globaler Infrastruktur und dem Vertriebsnetzwerk und erhalten dezidierten Account-Management-Support, der sie darin unterstützt all diese Vorteile richtig auszunutzen. So können sich die Unternehmer auf weitere Produktinnovationen fokussieren.

Amazon Launchpad gibt es seit drei Jahren. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Markus Schöberl: Und wie! Amazon Launchpad ist seit der Einführung in Deutschland im Jahr 2016 stark gewachsen.

Wie viele Startups sind schon im Amazon Launchpad?

Markus Schöberl: Europaweit sind heute über 700 ausgewählte Firmen Teil der Amazon Start-up Familie.

Vor kurzem fand der Launchpad Startup Summit in Berlin statt. Wie war die Resonanz?

Markus Schöberl: Genau, wir haben Anfang Mai unseren ersten deutschen Amazon Launchpad Summit in Berlin veranstaltet. Es war ein toller Tag voller Tatendrang und Innovationsbereitschaft und wir haben viel positives Feedback erhalten. Die Idee hinter dem Summit war, einen lokalen Rahmen zu schaffen und Start-ups die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen aufstrebenden Unternehmen aus ihrer Region zu treffen. Die Gründer haben fleißig Erfahrungen ausgetauscht und wertvolle Synergien zwischen ihren Produkten genutzt. Sie konnten vor Ort an verschiedenen Workshops teilnehmen und mit Amazon Werbe-Experten an ihrer Marketingstrategie feilen. Auch die HappyPo Gründer Frank Schmischke und Oliver Elsoud waren vor Ort und haben ihre Erfahrungen mit den Jung-Unternehmern geteilt. Die Erfinder einer innovativen Intim-Dusche haben Amazon Launchpad selber erfolgreich als Sprungbrett genutzt.

Unser Hauptziel ist es, mit solchen Treffen unsere Start-up-Community zu vergrößern und zu stärken – das ist uns in Berlin gelungen. 

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?

Markus Schöberl: Mehr als die Hälfte der weltweit bei Amazon verkauften Artikel stammt heute von kleinen und mittleren Unternehmen. Diese Verkäufer sind enge, wichtige Partner für uns. Neben Amazon Launchpad unterstützen wir aktuell innerhalb verschiedener weiterer Programme deutsche KMU. Mit Unternehmerinnen der Zukunft haben wir eine Initiative ins Leben gerufen, die sich speziell der Unterstützung von Frauen beim Auf- und Ausbau ihres digitalen Business verschrieben hat. Hinzu kommt Amazon Storefronts, ein Onlineshop über den kleine und mittlere lokale Unternehmen, darunter viele Kunsthandwerker und Familienbetriebe aus ganz Deutschland ihre Produkte präsentieren können. Solche Maßnahmen, die das Marketing und den internationalen Vertrieb für unsere Verkaufspartner einfacher machen und ihnen Zugang zu Millionen Kunden weltweit geben, werden wir auch in Zukunft weiter ausbauen.

Welche 3 Tipps haben Sie für Gründer?

Markus Schöberl: Die Chance ergreifen! Vermutlich waren die Zeiten nie besser für kleine Unternehmer mit einer Produktidee. Nie waren die Barrieren geringer, um seine Ideen zu verfolgen: Dank der Digitalisierung können Millionen Kunden weltweit erreicht werden, ohne gleich eine teure physische Präsenz oder eine aufwendige Vermarktungskette aufzubauen. „Direkt zum Endkunden“ ist sicherlich einer der Trends, die noch länger anhalten werden, wobei ich mir auch nicht anmaße die Zukunft vorhersagen zu können.

Ausprobieren! Neben „Chance ergreifen“ auch experimentieren, lernen, anpassen und einfach mal machen. Geschwindigkeit und Flexibilität sind in der digitalen Welt eine große Chance. Die Welt dreht sich an manchen Tagen so schnell, dass man denkt, da habe einer den Vorspul-Schalter gedrückt. Gerade in diesen Zeiten führt Verwalten nicht weiter, Neues probieren dafür umso mehr!

Nicht entmutigen lassen!

Für den Erfolg gibt es kein Patentrezept. Und trotz Offenheit für Flexibilität ist dann manchmal auch eine gewisse Sturheit und „sich nicht reinreden lassen“ nötig. So war das auch bei Amazon. Mag für den Einen oder Anderen komisch klingen, aber wir haben immer gesagt: Für uns ist es OK, für lange Zeit missverstanden zu werden. Über den ersten Kindle eReader haben viele gelacht, aber wir haben sehr stur an der eigentlichen Vision festgehalten. Als wir unsere Webseite für Dritthändler geöffnet haben, hagelte es viel Kritik und jetzt ist dieser Bereich größer als das Eigengeschäft und die Kunden lieben ihn. Die Bereitschaft auch mal auf die Nase zu fliegen gehört übrigens dazu – solange man daraus schlauer wird ist das sogar nötig. Aus jeder Erfahrung resultiert ein wichtiger Lerneffekt. Nur so kann am Ende eine Erfolgsgeschichte daraus werden.

Ich wünsche allen Start-ups viel Erfolg sowie Mut und Freude beim Ausprobieren! Einfach machen!

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Markus Schöberl für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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