Marktnischen finden: Wo finde ich meinen Platz auf dem Markt?

Wer ein Unternehmen startet, soll eine Nische finden – laut Unternehmensberatungen ist damit der Erfolg schon fast garantiert. Aber nur fast, denn die Nische muss bei der Zielgruppe auf Interesse stoßen und einen vertretbaren Gewinn einbringen.

Was ist eine Nische?

Start-ups sollen eine Marktnische finden – einen Markt also, den bisher noch niemand besetzt bzw. bei dem die Konkurrenz verschwindend gering ist. Gleichzeitig ist eine ideale Marktnische dadurch gekennzeichnet, dass die Nachfrage groß ist: innovative Produkte, die zwar dringend benötigt, bisher aber so nicht hergestellt werden, sind beinahe ein Erfolgsgarant. Das gilt auch für Dienstleistungen, die in der Form bisher nicht angeboten werden, sich aber in der Praxis als wichtig und dringend gebraucht herausstellen.

Nun kommt das Internet ins Spiel, das scheinbar ein Paradies für alle ist, die sich selbstständig machen wollen. Arbeiten von zu Hause aus – egal, ob der Betreffende von dem Fachgebiet Ahnung hat oder nicht. Das Internet macht alles möglich – zumindest theoretisch. Praktisch sieht die Sache anders aus, denn ein scheinbar lukrativer Markt im Netz wartet meist mit einer Vielzahl von Mitbewerbern auf, sodass von einer Marktnische längst nicht mehr die Rede sein kann. Inzwischen gibt es sogar regelrechte Schlachten um Marktnischen, die mit minimalem Aufwand maximalen Erfolg versprechen. Das Ziel ist es jedoch, wenigstens einen vernünftigen und angemessenen Aufwand zu betreiben, um mit der Selbstständigkeit Fuß zu fassen.

Webmaster schlagen Nischenschlachten

Vor allem im englischen Sprachraum ist es mittlerweile gang und gäbe, Schlachten um Marktnischen zu schlagen. Die Webmaster übertreffen sich hier mit ihren Versprechungen, derartige Nischen zu finden und besetzen zu können. Sie treten offen gegeneinander an und wollen so zeigen, wer der bessere „Nischenbesetzer“ ist. Wer ist erfolgreicher, schneller, effizienter?

Mittlerweile ist diese Vorgehensweise auch hierzulande angekommen, wobei deutsche Webmaster die Sache ein wenig angepasst haben. So sind Nischen nun nicht mehr nur ein interessantes Geschäftsfeld bei ihrer Besetzung, sondern dienen sogar als Marketinginstrument, wenn eine besonders starke Kundenbindung gewünscht ist. Wer an seinem Backlinkaufbau arbeitet und den eigenen Auftritt im Netz gut sichtbar sowie überaus effizient gestalten möchte, kommt um Nischen beinahe nicht mehr herum. Sogar in Form von E-Books werden Versprechungen getätigt, wie jemand eine Nische für sich finden könnte. Die hilfreichsten Tipps gibt es nicht in diesen Büchern, die für scheinbar kleines Geld angeboten werden. Jedes gute Wirtschaftsbuch sowie auch das Internet bieten kostenlos entsprechende Informationen an.

Definition einer Marktnische: Die Nachfrage muss vorhanden sein

Wichtig für eine Nische bzw. deren Definition ist in jedem Fall, dass eine gewisse Nachfrage vorhanden sein muss. Das heißt, dass das Marktsegment bisher nicht besetzt ist, die Nachfrage nach dem fehlenden Produkt oder bisher nicht angebotenen Leistung aber so groß ist, dass der Gewinn deutlich über dem Aufwand steht. Theoretisch könnte nun also der Rasenmäher für den Hofhund eine Marktnische sein – dafür gibt es sicher noch keinen Markt. Doch die Nachfrage hält sich verständlicherweise in Grenzen – daraus ergibt sich demnach keine Marktnische.
Ein Marktsegment mit besonders hoher Nachfrage stellen Tablets dar. Doch der Markt ist mit Anbieter für derartige Technikprodukte sehr gut besetzt, wenn nicht sogar schon überlaufen. Dieses Beispiel steht demnach auch nicht für eine Nische – zu hoher Aufwand, zu geringer Gewinn.

Nischen finden – Marktsegmentierung betreiben

Wer eine Nische finden will, muss dafür den vorhandenen Markt segmentieren. Das klingt erst einmal ganz einfach – und ist es bei genauer Betrachtung auch! Man nehme dafür den Gesamtmarkt und betrachte ihn in seinen Teilmärkten. Wunderschön lässt sich das am Beispiel des Waschmittels zeigen. Schon unsere Großeltern nutzten ein solches, um ihre Wäsche sauber zu bekommen. Nun kam aber ein findiger Unternehmer, der der Meinung war, dass man doch nicht die ganze Wäsche mit nur einem Waschmittel waschen könne – man bräuchte doch ein Mittel für dunkle Wäsche, eines für bunte und eines für weiße Wäsche. Weiß ginge damit immer noch weißer. Hierbei erfolgte also die Unterteilung des Marktes für Waschmittel in viele kleine Einzelmärkte, wobei nicht nur der vorhandene Markt wichtig war, sondern auch ein neuer Teilmarkt geschaffen werden konnte. Inzwischen sind andere Hersteller auf diesen Zug aufgesprungen und die einstige Nische ist heute längst keine solche mehr.

Daraus lässt sich das Fazit ziehen, dass es immer eine Marktnische gibt. Wenn sie sich auf den ersten Blick nicht offen präsentiert, dann hat der junge Unternehmer bzw. angehende Selbstständige nur nicht lange genug danach gesucht, denn bei vielen Märkten ist es möglich, Teilmärkte künstlich zu erschaffen. Es braucht nur die richtige Marketingstrategie und schon ist der gewünschte Markt ganz leicht zu unterteilen.

Nischen finden leicht gemacht: Voraussetzungen für die Teilung des Gesamtmarktes

Bei einem jungen Unternehmen gilt es, auf viele Dinge zu achten, die den Erfolg beeinflussen können. Zum einen sind das die korrekte Buchführung sowie die ordentliche Sammlung von Daten – dem Qualitätsmanagement für die Datensammlung kommt eine zentrale Bedeutung zu, es gilt als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren.
Zum anderen ist die Segmentierung des Marktes ein Faktor, dessen Nichtbeachtung nicht selten zum Misslingen des gesamten Vorhabens führt. Es gilt also, die optimale Marktnische zu finden und natürlich zu besetzen. Gleichzeitig ist nicht jede Marktnische wirklich sinnvoll – aus diesen Überlegungen ergeben sich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilung des Gesamtmarktes in Einzelmärkte:

– Der betreffende Teilmarkt muss ausreichend groß sein, ansonsten lohnen sich Marketingmaßnahmen kaum.
– Der Teilmarkt sollte nicht neu sein, sondern schon eine gewisse Zeit existieren.
– Die Kriterien, die zur Segmentierung des Marktes angesetzt werden, sollten über einen längeren Zeitraum gültig sein.
– Die einzelnen Teilmärkte unterscheiden sich in bestimmten Punkten wie zum Beispiel durch Vorlieben, Kaufkraft und weiteren Aspekten, die für die Nachfrage relevant sind bzw. durch diese geregelt werden.

Marktsegmentierung: Teilung mit Erfolg

Verschiedene Kriterien werden angesetzt, um einen Markt erfolgreich in Teilmärkte zu teilen. Dabei ist es wichtig, verschiedene Elemente herauszuarbeiten, die wirklich miteinander verglichen werden können. Unter anderem sind folgende Kriterien wichtig.

– Unterscheidung nach der Geografie
Hierbei untersuchen Sie die Muster in einzelnen Regionen. Betrachten Sie dabei Länder, Gemeinden oder Städte.
– Unterscheidung nach der Demografie
Untersuchen Sie den Markt hinsichtlich seiner Zielgruppe in Bezug auf deren Alter, Einkommen, Familienstand oder Geschlecht. Kurzum: Betrachten Sie die Menschen selbst und teilen Sie diese in Gruppen ein.
– Unterscheidung nach der Sozialpsychologie
Betrachten Sie dabei die Persönlichkeit der Zielgruppe. Geht es eher um selbstbewusste Menschen, um solche, die stark auf Mode und Style bedacht sind, um technikaffine Zielgruppen oder um sehr konservative Personen? Menschen, die eher gesellig sind, gehen häufiger aus und sind in Gruppen unterwegs. Personen, die als sehr ehrgeizig gelten, nutzen verstärkt Weiterbildungsangebote oder arbeiten an ihrer Karriere.
– Unterscheidung nach dem Verhalten

Schauen Sie sich Charakter und Verhalten der möglichen Kunden genauer an – sind diese markentreu oder offen für alle Anbieter. Haben die Zielpersonen eine bestimmte Neigung und Einstellung zur Werbung oder informieren sie sich hauptsächlich aus einer Quelle?

Sicherlich lassen sich noch weitere Unterscheidungskriterien finden, nach denen eine Marktsegmentierung möglich ist, doch die genannten sind erst einmal die wichtigsten.

Nischensuche im Netz: Spezifische Kriterien zur Segmentierung

Die Nischensuche im Netz kommt nicht allein mit den genannten Unterscheidungskriterien aus. Sie braucht noch weitere, die spezifisch auf das Internet angewendet werden, was vor allem dann gilt, wenn Sie Geld über Affiliateprogramme verdienen möchten. Der Grund: Das Internet ist nicht mit klassischen Wegen des Vertriebs oder mit den bekannten Märkten zu vergleichen und folgt seinen ganz eigenen Regeln. Wer hier eine lukrative Nische finden will, muss moderne und klassische Kriterien für die Segmentierung kombinieren. Dabei sollten Sie sich bewusst machen, dass die Internetkriterien nicht zwingend in der Welt „da draußen“ funktionieren und umgekehrt nicht alle Faktoren auch auf das Internet anwendbar sind. Wichtig zu beachten: Nicht alle Menschen suchen im Web nach Dienstleistungen und Produkten, andererseits sind manche Leute ganz besonders internetaffin. Dann gibt es noch die, die von Computern so gut wie keine Ahnung haben und nur rudimentäre Kenntnisse über die Einwahl ins Internet besitzen.

Mit einem Wort fängt alles an

Beginnen Sie die Suche mit einem Keyword – wobei ein Wort allerdings nicht reicht. Grenzen Sie die Suche so eng wie möglich ein und suchen Sie beispielsweise nicht nach „Japan“, sondern nach „Ausgefallene Urlaubsideen Japan“. Sie schränken damit die Anzahl der Treffer enorm ein! Allerdings haben Sie damit noch lange keine Nische gefunden, sondern nur einen Hinweis darauf, dass die Nachfrage hier eventuell höher sein könnte als das Angebot– oder einfach kein Mensch in Japan einen ausgefallenen Urlaub erleben will. Es gilt also, die Suche weiter einzuschränken bzw. die Ergebnisse zu sortieren.

Beachten Sie dabei auch die Dichte der Suchworte sowie die mögliche Anzahl an Wettbewerbern. Wenn Sie auf der Suche nach der eigenen Nische allerdings nur noch diese Kriterien beachten, ist das ebenfalls wenig optimal. Schauen Sie sich also zuerst die Konkurrenz genauer an – wer bietet noch einen ausgefallenen Urlaub in Japan an? Welches Unternehmen steckt dahinter und ist das ihr einziger Geschäftsinhalt oder besteht das Reiseangebot nur nebenbei? Schauen Sie, wie viele Backlinks auf den Konkurrenzseiten zu finden sind, ob regelmäßig neuer Inhalt veröffentlicht wird oder ob aktuelle Webstandards berücksichtigt werden.

Wie arbeitet das Unternehmen bzw. der Seitenbetreiber? Wie lange existiert die Domain und ist sie wirklich eine ernste Konkurrenz? Kommt bei dieser Untersuchung heraus, dass sich die Konkurrenz wirklich ehrgeizig an die Umsetzung einer modernen und sehr gut optimierten Seite gemacht hat, ist der Marktzugang vielleicht möglich. Der Aufwand ist aber selbst bei zahlenmäßig geringer Konkurrenz viel zu hoch. Wählen Sie in dem Fall eine andere Nische!

Die Nischenseite im Netz: Geld verdienen vom Rechner aus

Das Affiliate Marketing gilt als beste Methode, um Geld zu verdienen – vor allem dann, wenn Sie mit einer Nischenseite arbeiten möchten. Welche Möglichkeiten es dazu genau gibt, erklärt Google, außerdem sind diverse Affiliate Netzwerke und Hilfeseiten im Netz zu finden – an dieser Stelle würden die zugehörigen Erklärungen den Rahmen des Beitrags sprengen. Wichtiger Tipp: Melden Sie sich bei verschiedenen Anbietern an, denn nicht alle vermarkten die gleichen Firmen. Die Auswahl an Anbietern ist dafür groß genug!

Eventuell ist auch Google AdSense für Sie interessant. Achten Sie dabei aber darauf, wie die Preise pro Klick generiert werden, denn ein niedriger Klickpreis mag für Ihren Geldbeutel erst einmal gut sein, wenn die Nischenseite aber nur wenige Besucher am Tag hat, wird sich der Gewinn in Grenzen halten oder sogar komplett negativ ausfallen.

Nischen im Internet finden: Keine leichte Aufgabe

Die Suche nach Nischen im Netz ist beinahe noch aufwendiger als die Recherche nach Marktnischen auf dem physischen Markt. Gleichzeitig ist die Betrachtung der Konkurrenz schwieriger, denn oft bleibt wirklich nur, die jeweilige Internetseite zu analysieren. Es ist nicht möglich, das Verhalten gegenüber Kunden zu beurteilen, die Kundenzufriedenheit kann nur über die Veröffentlichung von Beurteilungen selbiger vorgenommen werden. Wie realistisch diese Beurteilungen sind, ist allerdings inzwischen hinreichend bekannt.

Wichtig für die Suche nach Nischen im Netz ist es, möglich kritisch zu bleiben und alle Ergebnisse zu hinterfragen. Außerdem sollte die gefundene Nische tatsächlich mit einer immensen Nachfrage behaftet sein, alles andere würde den Aufwand nicht lohnen. Aufwand und Nutzen müssen in einem guten Verhältnis zueinanderstehen, zumal das Angebot einer Internetseite weniger gut diversifiziert werden kann, als wenn sich die Offerte tatsächlich auf dem freien Markt findet. Wer als Hersteller eines Produkts merkt, dass seine einst erkannte Nische keine solche mehr ist oder dass sie doch einen zu geringen Gewinn einbringt, kann sein Angebot ändern. Er nimmt weitere Produkte in sein Sortiment auf, stellt die Produktion um oder spezialisiert sich neu.

Die Internetseite hingegen ist auf dieses eine Angebot ausgerichtet, eine Änderung des Angebots würde bedeutet, die komplette Seite neu aufzubauen. Hier kann es manchmal sinnvoller sein, die Seite einfach zu lassen, wie sie ist, und einen völligen Neustart zu versuchen. Neue Nische, neue Chance – doch ob sich daraus ein höherer Gewinn ergibt, sei noch dahingestellt. Herausfinden kann das nur, wer es versucht und wirklich ernsthaft daran arbeitet, eine Marktnische zu finden, die auf einem starken Fundament basiert. Dieses wiederum gibt es aber nur durch die beschriebenen Wege der Marktsegmentierung – wobei sich die zugrunde liegenden Kriterien durchaus ändern können. Daher sollte die Nische (und die Konkurrenz) auch dann, wenn das Geschäft damit scheinbar gut läuft, immer wieder neu untersucht werden.

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer studierte Journalismus in Bamberg. Seit einigen Jahren schreibt er als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Dabei findet er stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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