Den Mut haben, Dinge anders zu machen

Barbara Gölles Gründerin von MARGARET AND HERMIONE, Swimwear und Sportswear Label in der Höhle der Löwen

Stellen Sie sich und das Startup MARGARET AND HERMIONE doch kurz vor!

Ich heiße Barbara Gölles und verfolge unkonventionell und zielstrebig meinen Weg als Designerin und Unternehmerin für nachhaltige Bade- und Sportmode. Ich habe Mode an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert, danach lange in einem Modeunternehmen gearbeitet. Während meiner Zeit bei Alexander McQueen in London lernte ich mit wenig Schlaf auszukommen und meine Familie gab mir die nötige Portion Unternehmertum mit. 2015 war ich gut vorbereitet für den Weg als Einzelunternehmerin. 

Für mich gibt es keinen Plan B. Ich bin kein Fan von halben Sachen und setze lieber aufs Ganze. Das zeigt sich auch in den nachhaltigen, radikal neu gedachten Kollektionen. Mit Margaret and Hermione will ich aufbrechen, woran die Modeindustrie bisher noch krampfhaft festhält: Ein überzeichnetes Frauenbild, das keinen Platz für Unperfektheiten lässt. Mein Zugang dafür: Ein Swim- und Sportswear Label, das so ganz anders funktioniert, als man es gewohnt ist. Die Kampagnen zeigen echte Menschen, Bademode und Activewear in Aktion – also so, wie wir sie auch wirklich tragen. 

Nachhaltig aus Fischernetzen produziert, inhaltlich am Puls der Zeit und ästhetisch klassisch.

Margaret and Hermione hebt Design, Qualität und Nachhaltigkeit auf ein neues Niveau. Die Verarbeitungsstoffe von Margaret and Hermione’s Bikinis und Swimsuits kommen direkt aus dem Meer. Das Ausgangsmaterial sind nicht mehr verwendete Fischernetze, die im Meer herumtreiben und verheerende Umweltauswirkungen verursachen. Jährlich sterben tausende Meeresbewohner in den Netzen und die Müllberge in den Meeren nehmen eine katastrophale Dimension an. Plastik ist mittlerweile überall. Kunststoff verrottet nicht – er zerfällt in immer kleinere Teile, in sogenanntes Mikroplastik. 

Aber auch in kleinster Form hat es Plastik in sich: die winzigen Teile werden von Plankton aufgenommen, von Fischen gefressen und können somit über die Nahrungskette auf unserem Teller landen. Es ist höchste Zeit zu handeln! Die Netze werden abgefischt, in weiterer Folge zu Garn und schließlich zu Bademodestoffen verarbeitet. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke zieht sich durch die vollständige Herstellungskette des Labels. Angefangen vom Verpackungsmaterial, bis hin zu den Hangtags, ist alles aus recycelten und Eco-zertifizierten Materialien gefertigt. Designed in Vienna. Aus italienischen Stoffen, handgefertigt in Kroatien, bedruckt in Deutschland. Made with love. 


Meine Großmutter war Margaret. Ein Synonym für all die Frauen, die mich begleiten und mir gelehrt haben an mich zu glauben und meiner Leidenschaft zu folgen. 


Wie ist die Idee zu MARGARET AND HERMIONE entstanden?

Als ich begonnen habe, gab es in Europa kaum ein nachhaltiges Swimwear Label – vor allem nicht mit Prints. Ich habe die Notwendigkeit gesehen, das zu machen.  In der Modebranche wird so viel Kleidung produziert, die es in ähnlicher Form schon gibt. Wenn man noch etwas Neues macht, sollte man sich eine Nische aussuchen, die noch nicht besetzt ist. Econyl, das Material, mit dem ich arbeite, gibt es noch gar nicht lange, weil es bis dato die Nachfrage dafür einfach nicht gab. Es existierte bisher keine Alternative zum konventionellen Bademodenmaterial, welches im Endeffekt einfach Plastik ist. Der Markt musste also erst mal entstehen, damit es nachhaltigere Bademode geben kann. 

Der zweite Grund, war aus der eigenen Notwendigkeit heraus, vor 6 Jahren gab es nur gepaddete Oberteile, mit Rüschen und Bändern, aber keine hochwertige und edle Swimwear für Frauen um die 30 (damals war ich 31). Das war die Geburtsstunde von Margaret and Hermioene. Am Anfang habe ich den Aspekt der Nachhaltigkeit und mein verarbeitetes Material, das Econyl, gar nicht kommuniziert. Zum einen weil der Markt noch nicht so weit war, zum anderen aber auch, weil ich nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen wollte, sondern meine Kleidung über das Design verkaufen wollte. Es hilft nichts, wenn es das fairste Produkt ist und am Ende nicht gefällt. Die Nachhaltigkeit ist schon immer die DNA meines Labels, aber früher wollten das die Kund*innen nicht wissen. Erst jetzt fragen die Leute nach, woher das Material überhaupt kommt. Ich finde das gut, weil man spürt, dass sich was bewegt. 


Welche Vision steckt hinter MARGARET AND HERMIONE?

Man muss sich darin wohlfühlen und gut bewegen können. Swimwear ist für viele Kund*innen mit negativen Gefühlen verbunden, weil sie sich in ihrem Körper nicht gut fühlen und diesen nicht zeigen wollen. Für mich ist es wichtig, da eine gewisse Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit hineinzubringen. Sportswear sollte nicht unbedingt nur zu Sport verpflichten, sondern für viele Lebenslagen gemacht sein. Oft verfällt die Mode in ein gewisses Diktat. Das finde ich schwierig, denn alles was extrem in eine Richtung geht, klammert sehr viel anderes aus und schränkt den Freiraum des Einzelnen ein. Ich versuche das aufzubrechen. Wenn man etwas tut, mit dem man in die Öffentlichkeit geht, hat man die Verantwortung, etwas Sinnvolles zu machen.

Ich will keine Moralapostelin sein, aber jede*r von uns hat eine soziale Verantwortung und dessen sollten wir uns bewusst sein. Es sollte der Standard sein, sich darüber Gedanken zu machen. Man sollte nichts machen, was einfach nur schön oder gefällig ist. Egal ob in der Mode oder der Kunst, es sollte etwas sein, das andere einlädt, Dinge zu hinterfragen. In den letzten Jahren zeigt sich das auch immer stärker. Es gibt eine neue Bewegung von Unternehmen, die soziale Verantwortung übernehmen. 


Wer ist die Zielgruppe von MARGARET AND HERMIONE?

Klassische Margaret and Hermione Käufer*innen gibt es nicht, es sind Frauen und Männer unterschiedlichster Körperformen, ab 25 und bis obenhin gibt es keine Grenze, meine älteste Kundin ist sogar 70 Jahre alt. Es ist wichtig, dass ich deswegen verschiedene Körper und auch beispielsweise Busen zeige. Ein älterer Busen sieht einfach anders aus. Mit meiner Kommunikation hinterfrage ich somit auch ganze Gesellschaftsbilder und Klischees. Ich möchte die Selbstverständlichkeit des menschlichen Körpers zeigen. 

Wir alle haben Falten am Körper. Es ist normal, dass in der Bewegung Falten entstehen – sowohl am Körper als auch am Produkt. Ich habe Produkte von Größe 34 bis 42 – da es aber keine französischen Größen sind, passt das locker bis zur 44. Es ist berechtigt zu fragen, warum ich nicht noch mehr Größen anbiete, sondern mich im klassischen Größensystem aufhalte. Das ist vor allem eine finanzielle Frage. Die Schnitte für größere Größen sind, gerade für Oberteile mit Cups, ganz andere als für kleine Größen. Es bedarf einer anderen Konstruktion.

Die Träger müssen zum Beispiel anders sein. Das würde bedeuten, dass ich eine zweite Linie herausbringen müsste. Das kann ich erst machen, wenn die erste Linie mich vollständig trägt. Es ist schwierig für ein Nischenprodukt, auch noch Nischengrößen zu machen. Ich habe jetzt zumindest zwei Männerhosen dabei, was ich bisher nicht machen wollte, weil es für mich nicht zur Marke gepasst hat. Aber jetzt habe ich es unisex designt. So passt es für mich wieder. Die Hosen mit Bein können auch von Frauen getragen werden. 


Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für die Sendung Die Höhle der Löwen zu bewerben?

Es ist eine großartige Möglichkeit sich und sein Unternehmen den Topinvestor*innen im deutschsprachigen Raum zu präsentieren. Man wächst an dieser Erfahrung und alleine in der Vorbereitung bringt man das eigene Unternehmen weiter, indem man reflektiert, sich Ziele setzt und diese auch visualisiert. Zudem erreicht man mit einem Schlag unfassbar viele Menschen.

Wie haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?

Ehrlich gesagt ging das recht schnell – von der schriftlichen Erstbewerbung über das Online – Formular bis hin zum Aufzeichnungstermin vergingen 8 oder 9 Tage. Rückblickend gesehen war das sehr gut, denn man hat nicht soviel Zeit nachzudenken und muss einfach tun. Oft ist der erste Impuls das richtige und man kommt einfach nicht dazu zum überarbeiten, perfektionieren und vielleicht auch zerdenken. Außerdem bin ich unter Druck am leistungsfähigsten. 

Sie sind eines der wenigen Startup Unternehmen, dass es in die Sendung Die Höhle der Löwen geschafft hat. Wie motivierend war das für Sie?

Natürlich war und bin ich unheimlich stolz, diese Chance bekommen zu haben und sie hat mich auch darin bestätigt, dass ich ein Produkt auf den Markt bringe, das von Interesse ist.


Wie wichtig war dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch Die Höhle der Löwen viele Interessenten und auch Medien auf MARGARET AND HERMIONE aufmerksam werden?

Ich habe mir gedacht, einfach ausprobieren, mich und das Unternehmen bestmöglich zu präsentieren, meine Idee, Vision und Herzensangelegenheit vielen Menschen transparent machen zu können. Warum Nachhaltigkeit so wichtig ist. Warum es nicht ein weiteres Bademodenlabel ist. Das Bademode nicht immer nur an perfekten Models präsentiert werden muss. Und wie die Preisgestaltung zustande kommt, wenn man fair in Europa produziert. Das Zusatzgeschenk, dass man soviel mediale Aufmerksamkeit bekommt ist unbezahlbar. Ich bin direkt ein wenig ehrfürchtig.


Welchen Investor hatten Sie im Fokus?

Ich hatte auf die Löwinnen gesetzt, aus dem Aspekt, dass Bademode für Herren doch eher befremdlich ist. Obwohl Bademode wird oft aus der Sicht des Mannes kommuniziert. Es muss immer sexy und lasziv sein. Ich möchte meine Kommunikation weg von diesem Verständnis der pseudo-verruchten Sexyness und Romantik bringen, es realer machen und ein anderes Frauenbild transportieren. Es geht mir darum, selbstbestimmte Frauen zu zeigen. Man kann auch mit viel Stoff und wenig Ausschnitt oder als nichtschlanke Frau sexy sein. Außerdem habe ich viele verschiedene Schnitte für viele unterschiedliche Körper. Gerade Frauen brauchen für das Ober- und Unterteil oft verschiedene Größen. Ich schaue, was den besten Halt gibt und ob die Dinge versteckt werden, die versteckt werden möchten.

Die Materialien und die Verarbeitung sollten so sein, dass man das Teil nicht spürt. Es sollte nicht einengen oder einschneiden. Ich nutze ganz bewusst die doppelte Verarbeitung des Materials und achte darauf, dass die Nähte nicht einschneiden. Das Material ist dadurch etwas kompakter und dichter als das klassische Bademodenmaterial. Deswegen entsteht ein leichter Shaping-Effekt und man fühlt sich nicht so nackt. Da kann sich eine Frau einfach besser damit identifizieren, weil man die Bedürfnisse nachvollziehen kann. Mit Dagmar Wöhrl hatte ich meine Wunschinvestorin im Boot. Leider ist aus dem Deal im Endeffekt nichts geworden, wir sind uns nicht einig geworden, aber ich bin unglaublich dankbar für das positive Feedback und die Unterstützung vom Team Wöhrl.

MARGARET AND HERMIONE, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?


Ich möchte mein Unternehmen langsam und organisch wachsen lassen, die bestehenden Linien: Swimwear, Sportwear und Männer ausbauen, das Größensortiment erweitern. Zudem denke ich über eine Kinderlinie nach. Ich bin auf der Suche nach einem neuen nachhaltigen Material, dass zu 100% aus einem Naturprodukt besteht. Die Nachfrage für nachhaltige Produkte wird immer größer, aus dem Grund besteht auch ein Interesse bei den Stoffproduzenten neue und innovative Materialien auf den Markt zu bringen. In fünf Jahren sehe ich mich selbstverständlich in meinem Unternehmen mit Angestellten und noch immer Freude daran zu haben, dass ich das machen kann, was ich am meisten liebe: Geschichten mit meinem Produkt zu erzählen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?


Das wichtigste ist, man muss an die Idee und an sich selbst glauben, ganz egal, was das Umfeld sagt. Zweiter Tipp, sich etwas trauen, bewusst bestehende Wege zu hinterfragen und den Mut zu haben, Dinge anders zu machen. Der letzte Tipp, keine Angst vorm Scheitern haben, denn man kann nichts verlieren – nur gewinnen und das sind Erfahrungen, die unglaublich viel wert sind und einen ungemein wachsen lassen. Einfach springen, in meinem Fall war es das kalte Wasser.

Bild: Barbara Gölles aus Wien präsentiert den „Löwen“ Frank Thelen (l.), Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel mit „Margaret and Hermione“ Bademode aus recycelten Fischernetzen.
Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Sehen Sie MARGARET AND HERMIONE am 07. April in der Höhle der Löwen

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Barbara Gölles für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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