Manuel Heyden: Niemals aufgeben. Gründen ist wie ein Triathlon

Treffen Sie Manuel Heyden auf der StartupCon in Köln

Stelle dich doch unseren Lesern kurz vor!
Mein Name ist Manuel Heyden, ich bin 36 Jahre alt und Serial Entrepreneur im FinTech-Bereich. Internet-Unternehmer bin ich mit 19 Jahren geworden. Damals allerdings eher als Dienstleister für Online-Marketing und E-Business-Anwendungen. Nachdem ich dann mit 25 Jahren zweieinhalb Jahre im Investment Banking der ABN AMRO Bank in Frankfurt und London tätig war und einen Online-Broker mit auf den Markt gebracht habe, gründete ich Ende 2007 ayondo- mein erstes FinTech-Unternehmen. Mit ayondo synchronisieren tausende Trader ihre Konten um sich einen öffentlichen Track Record aufzubauen. Privatanleger können sich die Händler dann in Ranglisten anzeigen und z.B. nach Risiko filtern lassen. Anschließend können sie bis zu fünf dieser Trader gleichzeitig und automatisch mit dem eigenen Konto folgen. Was damals noch ganz neu war, ist heut eine ganze Investment-Kategorie, die sich „Social Trading“ nennt. Und auf ayondo wurden bis heute über 60 Mio. Echtgeld-Transaktionen durchgeführt.Nachdem ich meine Anteile an ayondo dann überwiegend verkauft habe, kam die Idee zu nextmarkets in 2014.

Stelle doch bitte nextmarkets unseren Lesern vor!
Manuel Heyden: nextmarkets ist ein Team von aktuell 17 Kollegen in Köln, die mit einem innovativen FinTech-Konzept den Markt der Privatanleger bedienen wollen. Dabei gehen wir ein wirklich relevantes Problem an: Das irrationale Verhalten von Privatanlegern an der Börse. Die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung (Behavioural Finance) hat uns auf der einen Seite empirisch gezeigt, dass der überwiegende Teil der Privatanleger an der Börse scheitert, da wir Menschen unter Verhaltensanomalien wie Angst, Gier und Überheblichkeit leiden. Auf der anderen Seite haben wir heute für alles Mögliche einen Personal Trainer. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir Musikinstrumente oder Sport lernen. Ohne Coach fangen wir meistens gar nicht an. Nur die Börse haben wir nie gelernt, weder an der Schule, noch mit Hilfe eines Coaches. Also ist es doch kein Wunder, dass wir Menschen an der Börse unausgebildet und irrational agieren. Mit unserer Börsen-Handelsplattform lernen unsere Nutzer nun mit Hilfe der über 20 Coaches in einem „Learning by doing“-Ansatz, wie sie erfolgreich anlegen. Daher haben wir diesen Ansatz auch „Curated Investing“ genannt.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt um ein Startup zu gründen?
Manuel Heyden: Das Timing spielt natürlich immer eine Rolle. Ich erinnere mich z.B. in der New Economy an ein auf Schuhe und Lifestyle-Artikel spezialisiertes E-Commerce-Unternehmen namens boo.com. Die Zeit war einfach noch nicht reif dafür und der Shop für damalige Verhältnisse zu aufwendig realisiert.Und obwohl das Gründerteam über 120 Mio. USD von institutionellen Investoren einsammeln konnte, scheiterten sie. Einige Jahre später kamen dann Zappos und Zalando.

Wie werden FinTech Unternehmen den Markt verändern?
Manuel Heyden: Der aktuelle FinTech-Trend hat zur Folge, dass die Art und Weise wie wir Bankgeschäfte machen, deutlich vereinfacht wird. Verantwortlich dafür sind simplifizierte und auf das Nötigste reduzierte Benutzeroberflächen, die mit der globalen Distribution von mobilen Devices einhergeht. Darüber hinaus lösen kundenzentrierte Geschäftsmodelle die vertriebszentrierten Modelle der traditionellen Banken ab. Heute suche ich mir als Kunde innerhalb von wenigen Minuten einfach die passende App aus, mit der ich am günstigsten Geld ins Ausland überweise, die geringsten Transaktionsgebühren an der Börse zahle und mitder ich mir zu Niedrigzinsen die Eigentumswohnung finanziere. Allerdings wird bei aller Euphorie oftmals vergessen, dass nahezu alle Finanzgeschäfte stark reguliert sind. Als FinTech bleiben mir also zwei Optionen: Entweder arbeite ich mit einer regulierten Bank zusammen und teile mit ihr die Erlöse, oder ich beantrage eine eigene Regulierung. Und mit einer eigenen Regulierung benötige ich wiederum alle wesentlichen Disziplinen einer Bank, z.B. Compliance, Risiko-Management und Treasury, so dass jedes funktionierende FinTech letzten Endes doch wieder zum Finanzdienstleister wird, egal ob Vollbank, Wertpapierhandelsbank, Vermögensverwaltung oder Anlagevermittler.

Was waren für euch bei der Gründung die größten Hürden die Ihr bewältigen musstet?
Manuel Heyden: Ich denke, dass die größten Hürden für jeden Gründer im Bereich der Finanzierung und des Team Buildings liegen. So war es auch bei uns. Gerade in der Seed Phase sollten Gründer auf ein möglichst komplementäres Gründer-Team achten (z.B. CEO, CTO, CMO, CSO etc.). Ansonsten kann es passieren, dass das Seed Money sehr schnell aufgebraucht ist, insbesondere, wenn noch teure Entwicklerressourcen eingekauft werden müssen.

Wie bewertest du die Kölner-Startup-Szene?
Manuel Heyden: Die Kölner Startup-Szene ist sehr dynamisch und entwickelt sich kontinuierlich. Köln war schon immer eine der kreativsten Städte in Deutschland. Und Kreativität ist ein wesentlicher Faktor von Innovationen. Das Ökosystem aus Gründern, Investoren und Ingenieuren wird dabei immer besser. Wir Kölner profitieren außerdem von dem großen Einzugsgebiet mit diversen Universitäten und Hochschulen wie z.B. Köln, Bonn, Bochum und Aachen.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Manuel Heyden aus?
Manuel Heyden: Der Morgen startet zunächst mit einem guten Frühstück, um Kraft für den Start in den Tag zu haben. Anschließend geht es weiter mit diversen E-Mails und KPIs, bevor wir dann unser Daily Jour Fixe mit dem Team haben. Im Anschluss daran geht es mit kurzen Meetings weiter, z.B. im Bereich Produkt-Management oder Marketing. Die Mittagspause nutze ich oft um geschäftliche Dinge mit Mitarbeitern oder Partnern zu besprechen. Der Rest des Tagesliegt dann irgendwo im Spannungsfeld zwischen Produkt-Entwicklung, Design, HR und Finance.

Über welches Thema wirst du auf der StartupCon referieren?
Ich werde an einem FinTech-Panel teilnehmen.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Sie ist unheimlich erwachsen geworden.

Welches sind die größten Fehler junger Gründer?
a. Finanzierungsrunden werden z.B. nicht nachhaltig und sauber strukturiert. Als Gründer muss man auch immer ein kleiner Investment Banker sein.
b. In der Regel werden Strukturen mit klaren Zuständigkeiten und Reporting Lines zu spät implementiert. Gerade in schnell wachsenden Start-ups ist das wichtig. Aus kreativem Chaos sollte möglichst schnell ein strukturiertes Unternehmen entstehen.
c. Viele Gründer arbeiten einfach nicht quantitativ genug. Das fängt beim Financial Business Plan an und hört bei wichtigen Marketing-KPIs auf.

Welches war das letzte Buch das du gelesen hast?
Shoe Dog von Nike-Gründer Phil Knight

Wo siehst du dich in den nächsten fünf Jahren?
Ich denke, dass ich mich dann persönlich und in meiner Rolle als Gründer und CEO von nextmarkets weiterentwickeln konnte und somit dieunterschiedlichen Herausforderungen, die mit der Entwicklung eines solchen Start-ups einhergehen, gemeistert habe, so dass letzten Endes aus nextmarkets ein substantielles Unternehmen entstanden ist.

Welche 3 Tipps hast du für Gründer?
a. Schnell einen Proof-of-Concept bauen
b. Nur mit professionellen Investoren zusammenarbeiten.
c. Niemals aufgeben. Gründen ist wie ein Triathlon.

Wir bedanken uns bei Manuel Heyden für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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