Einfach machen, statt nur zu überlegen oder zu planen

Magazino: Intelligente Roboter für die stückgenaue Logistik der Industrie 4.0

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Magazino doch kurz vor unseren Lesern vor!
Magazino ist ein Robotik-Startup aus München und entwickelt sowie baut wahrnehmungsgesteuerte, mobile Roboter für die Intralogistik. Mit Magazinos Technologie können über 2D- und 3D-Kameras einzelne Objekte in Lagerregalen identifiziert und lokalisiert, sicher gegriffen und schließlich präzise an ihrem Bestimmungsort wieder abgelegt werden.

Wie ist die Idee zu Magazino entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Geschäftsidee von Magazino entstand im Sommer 2011, als Frederik noch Student war und eine Freundin besuchte, die in ihrer Apotheke einen Kommissionierautomaten einbaute. Er war von diesem Konzept fasziniert: Ein stückgenauer Automat, in den man die verschiedensten Gegenstände werfen kann und der diese anschließend selbstständig sortiert und einlagert – das ideale Konzept für Zuhause, wenn einem die Zeit und Lust zum Aufräumen fehlt.
Wenige Monate später veranstaltete Frederik ein „Creative Thinking Weekend“ mit zahlreichen Freunden, unter ihnen Ingenieure, Mathematiker und Philosophen. Aus dem ersten Ideenaustausch wurde das freie Projekt Magazino. Das Projekt entwickelte sich zu einer Geschäftsidee: Ein intelligenter Automat, der die Vorteile des stückgenauen Zugriffs vereint. Mit dem EXIST-Gründerstipendium folgte dann Anfang 2014 die Unternehmensgründung – aus dem Projekt Magazino wurde die Magazino GmbH.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zu Beginn war die Frage der Finanzierung entscheidend da für ein Hardware Startup bereits von Anfang an viel Geld für Material benötigt wird. Viele Punkte haben erst beim zweiten Anlauf geklappt – das heißt man muss einfach dran bleiben und darf sich nicht entmutigen lassen. Eine weitere wichtige Erkenntnis war: Einen Schlussstrich ziehen ist wichtig. Auch wenn dies bedeutet, dass man sich von Projekten und Produkten verabschieden muss, in die viel Energie und viele Ressourcen geflossen sind. So war es mit unserem Kommissionierautomaten MARU für Apotheken. Dies erfordert Mut und vor allem Konsequenz – ermöglicht aber auch neue Wege und eröffnet neue Spielräume.
Zur Finanzierung: Am Anfang standen das EXIST Gründerstipendium sowie das FLÜGGE Programm. Nach einer ersten Finanzierungsrunde mit dem High-Tech Gründerfonds und zwei Business Angels im Frühjahr 2014 ist bereits im Mai 2015 Siemens Innovative Venturesals Investor eingestiegen. Die drei Gründer von Magazino halten weiterhin die Mehrheit der Unternehmensanteile.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
In den Anfangstagen war Magazino nicht viel mehr als ein Arbeitsplatz in einem Co-Workingspace. Später wurde mit den Gründern und den ersten Mitarbeitern in einem nur 16 Quadratmetergroßen Büro an den ersten Prototypen gebaut. Mit dem Umzug in den Münchener Gewerbehof und dem Einstieg von Siemens als Investor ist Magazino dann rapide gewachsenund konnte seinen Kundenkreis stetig erweitern. Mittlerweile haben wir dreimal an unser Büro angebaut, sind auf rund 54 Mitarbeiter angewachsen und haben vor wenigen Wochen in einem zusätzlichen Stockwerk unsere eigene Fertigung für unsere Roboter aufgebaut.

Wer ist die Zielgruppe von Magazino?
Magazino ist ausschließlich im B2B Markt unterwegs. Unsere Zielgruppen sind momentan Versandhändler, Lagerbetreiber im E-Commerce sowie Fulfillment-Dienstleister.

Was unterscheidet TORU von anderen Logistiklösungen?
TORU kann, im Gegensatz zu bisherigen Automatisierungsansätzen, das einzelne Objekt aus dem Lager holen. Bisher war es stets nur möglich den ganzen Ladungsträger, also eine Kiste oder eine ganze Palette automatisiert aus dem Regal zu holen. Mit TORU lässt sich nun auch ein einzelner Schuhkarton oder ein einzelnes Buch einer Bestellung kommissionieren. Zudem ist unser Roboter deutlich flexibler einsetzbar: das bestehende Lager muss für TORU nicht extra umgebaut werden und werden die Roboteraufgrund veränderter Auftragslage in einem anderen Lager benötigt, kann er einfach dorthin gebracht werden. Das war mit bisherigen, oftmals fest installierten Lösungen, nicht möglich.

Welche Vorteile bietet TORU und wo kann es eingesetzt werden?
TORU ist ein intralogistisches System von höchster Flexibilität. Neben reduzierten Lohn- und Prozesskosten wird durch TORU eine enorme Ausdehnung der Betriebszeit ermöglicht. Im Gegensatz zu Ware-zu-Mensch Systemen fallen hohe Anfangsinvestitionen mit TORU weg, da der Roboter parallel mit den Menschen arbeiten und während des laufenden Betriebs einfach in das Lager integriert werden kann. Der intelligente Roboter kann dabei nicht nur mit bestehenden Regalen umgehen, sondern ist in der Lage, sich an neue Situationen und Veränderungen im Lager anzupassen.
Eingesetzt werden soll TORU überall dort, wo in bestehenden Stückgutlagern von Hand Bestellungen kommissioniert werden. Von der kleinen Schraube bis zum Kühlschrank kann der Roboter natürlich noch nicht alles picken – mit TORU Cube können wir aber quaderförmige Objekte von einem kleinen Taschenbuch bis hin zu einem Schuhkarton greifen, das macht bei einem gemischten Versandhandel bereits rund 20 bis 30 Prozent der gelagerten Objekte aus. Da der Roboter dank Sensorik parallel zum Menschen arbeiten kann, pickt der Mensch weiterhin die komplexeren Fälle und der Roboter macht das was er gut kann. Dabei kann er den Menschen unterstützen indem er auch die unbequemen Aufträge übernimmt: also beispielsweise das Picken aus dem untersten oder obersten Regalfachboden oder sehr lange Laufwege.

Magazino, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
5 Jahre sind für uns eine unglaublich lange Zeit! Wir sehen aber durchaus die Möglichkeit uns zum Weltmarktführer für wahrnehmungsgesteuerte Robotik in der Intralogistik zu entwickeln. Deutschlandweit haben wir bei uns bereits jetzt schon das größte Entwicklerteam welches in diesem Bereich arbeitet. Für die nähere Zukunft sind bereits einige Varianten von TORU in der Entwicklung: TORU Flex soll komplexere Objekte wie zum Beispiel Drogerieartikel picken. Geplant ist auch eine Version TORUs für die Materialversorgung von Montage- und Fertigungslinien: TORU Box sortiert gefüllte Ladungsträger (KLT) in das Regal und bringt benötigte Rohmaterialien für die Bearbeitung direkt zur Montagestation.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Einfach machen, statt nur zu überlegen oder zu planen. Es gibt eine Fülle von Programmen und Möglichkeiten, die einem unter die Arme greifen, wie beispielsweise BayStartUP. Auch bei UnternehmerTUM gibt es viele wichtige Angebote wie zum Beispiel den Makerspace, was uns in der Anfangszeit ebenfalls sehr geholfen hat. Und mit vielen darüber reden! Feedback einholen – das hilft immer. Keine Angst, die Idee preiszugeben! Am Schluss zählt zu 90% die Umsetzung und nur zu 10% die Inspiration.

Wir bedanken uns bei Florin Wahl für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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