Frechheit siegt!


Luculla culinaria Insekten Kochworkshop und Probiersession

Stellen Sie sich und Luculla culinaria doch kurz unseren Lesern vor!


Vielen Dank für die Möglichkeit, mein Start-up in diesem Rahmen kurz vorzustellen. Mein Name ist Anja Sieghartsleitner, ich bin 32 Jahre alt und komme aus Vorarlberg (Österreich). Mit Luculla culinaria – delicious insect food biete ich schon bald als Erste im Vorarlberger Rheintal Kochworkshops und Probiersessions mit Insekten an. Ich bin selbst leidenschaftliche Insektenesserin und zeige den Menschen wie genussvoll, gesund und nachhaltig Insekten als Lebensmittel sind und warum es gut für uns alle ist, sie zu essen.


Um so bald wie möglich mit den Kochworkshops durchstarten zu können, habe ich eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Bis zum 09. Mai 2019 kann das Projekt „Insekten Kulinarik“ auf der Plattform Startnext unterstützt werden. Das Ziel ist es, mit dem Vorverkauf der Kochworkshops und vielen anderen Goodies einen Teil der benötigten Küchenausstattung und Infrastruktur im Kochstudio zu finanzieren.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?


Ich war generell immer schon ein Foodie, koche und backe mit Leidenschaft und bin sehr interessiert an Zukunfts-Trends. Das ist auch der Grund, weshalb ich nach einem betriebswirtschaftlichen Grundstudium einen Master in „Food and Drink Innovation“ an der Abertay University in Schottland gemacht habe. Dort habe ich mich intensiv mit Insekten als Lebensmittel auseinandergesetzt und führte im Rahmen meiner Masterarbeit eine Konsumentenstudie zur Akzeptanz von Insekten als Lebensmittel im westlichen Kulturkreis durch. Im Zuge dessen, habe ich zum ersten Mal Insekten probiert und bin dabei auf den Geschmack gekommen. Ich begann regelmäßig mit Insekten in der Küche zu experimentieren.

Dadurch habe ich auch bemerkt, dass es vor allem eine Kopfsache ist, warum die Menschen noch Vorbehalte gegenüber Insekten haben. Aber wenn man sie richtig lecker zubereitet und verarbeitet in ansprechenden Speisen, sinkt die Hemmschwelle bei den Menschen sehr schnell. 

Nach meiner Rückkehr aus Schottland 2017, ließ mich das Thema nicht los. In meinem Freundes und Bekanntenkreis stieß ich auf großes Interesse und Begeisterung. Ich hatte die Idee, meine Insekten Kulinarik in einem professionellen Rahmen an den Mann und die Frau zu bringen und nahm an einem lokalen Wettbewerb namens „Ideenkanal“ teil. Dort wurde meine Idee als eines von 10 Projekten ausgewählt und der Rest ist Geschichte.

Als sogenannte „Botschafterin für Insekten Kulinarik“ mache ich seit diesem Jahr den Menschen die genussvolle Seite von Insekten schmackhaft. Sie können somit von den vielen Benefits dieses ausgesprochen gesunden, proteinreichen und zudem noch extrem ressourcenschonenden Lebensmittel profitieren.

Was war bei der Gründung von Luculla culinaria die größte Herausforderung?


Derzeit kann ich noch nicht auf die Gründung zurückblicken sondern stecke noch mitten drin. Daher kann ich noch kein endgültiges Fazit geben. Für mich waren und sind aber besonders folgende zwei Themen große Herausforderungen:


a) Den richtigen Fokus finden
Durch meine große Leidenschaft für Insekten Kulinarik habe ich ständig neue Ideen und Projekte die ich verwirklichen möchte. Aber gerade am Anfang ist es von großer Wichtigkeit, lieber nur wenige Dinge zu tun, diese dafür aber sehr gut. Dabei hilft ein enger Fokus, eine klar definierte Zielgruppe und selektive und effiziente Bespielung von Kommunikationskanälen.


b) Der Tag hat nur 24 Stunden
Auch wenn man am Anfang voller Elan steckt und alles am liebsten gleich machen möchte, für mich war es wichtig zu lernen, mich nicht zu übernehmen und meine To-do-Liste nicht zu überfüllen.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Ja natürlich, das würde ich sogar ausdrücklich empfehlen. Geht raus, sammelt Erfahrung, sprecht mit den KundInnen, lasst euch Feedback geben und benützt diese Erfahrungen um euer Produkt oder eure Dienstleistung weiter zu verbessern.

Welche Vision steckt hinter Luculla culinaria?

Es ist mir ein großes Anliegen, durch mein eigenes Tun einen (wenn auch kleinen) Beitrag zu einer lebenswerten Umwelt für zukünftige Generationen zu leisten. In diesem Kontext ging der Satz “Our house is on fire” um die Welt. Die Worte der 16-Jährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg die seit Monaten Schlagzeilen mit ihrem Schulstreik zum Klimaschutz macht sprechen mir aus der Seele. Die Zeit zu handeln ist JETZT!

Die Bilder in den Medien kennen wir alle: Klimakatastrophen, die Abholzung des Regenwaldes, Wasserknappheit, schreckliche Bedingungen in der Massentierhaltung.  Diese Bilder, haben auch sehr viel damit zu tun, wie wir täglich konsumieren und wie wir uns ernähren. Wer sich ein wenig mit den Themen Nachhaltigkeit und Ernährung auseinandersetzt der weiß, dass die derzeitige weltweite Fleischwirtschaft genauso viel Umweltverschmutzung und Treibhausgase verursacht wie der gesamte Verkehrssektor. Bei einem pro Kopf Verbrauch von über 60 kg Fleisch pro Jahr sind wir in Österreich bei den ultimativen Spitzenreitern dabei. Global hat sich der Fleischkonsum in den letzten 60 Jahren vervierfacht. Das war nur möglich durch extreme Massentierhaltung, Abholzung des Regenwaldes zum Anbau von Futtermittel, gentechnisch manipulierten Pflanzen und exzessiven Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht.

Bereits seit 2013 weist zum Beispiel die ‚Food and Agriculture Organisation‘ der UN explizit darauf hin, dass Insekten als Nahrungsquelle enormes Potential für die Zukunft haben, denn sie vereinen zum einen die hoch qualitativen Proteine und Nährstoffe von Fleisch, mit einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Herstellung wie bei pflanzlichen Proteinquellen.

Da ich aber weiß, wie schwierig die erste Überwindung für Menschen in unseren Breitengraden sein kann (mir ist es ja anfänglich auch nicht anders gegangen), ist es meine Vision den Menschen diese Vorbehalte auf genussvolle Art und Weise zu nehmen und sie dazu zu inspirieren, zukünftig ihren Fleischkonsum zu reduzieren und dafür öfter mal Insektenprotein als Alternative zu wählen.

Wer ist die Zielgruppe von Luculla culinaria?


Alle Menschen, denen die Zukunft dieser Erde nicht egal ist. Menschen denen Themen wie Gesundheit, ein hoher Proteingehalt und Nachhaltigkeit wichtig sind. Ein wenig Offenheit und Experimentierfreude gehört auch dazu. Lokal bin ich mit meinem Standort für Kochworkshops und Probiersessions begrenzt auf Vorarlberg, Ostschweiz, Süddeutschland.

Wie kommt die Idee von Insekten Kochworkshops an?


Ich konnte bereits einige erste Workshops durchführen und das Feedback der Teilnehmerinnen ist durchwegs sehr positiv. Anfangs bringe ich immer die ganzen rohen Insekten mit als Anschauungsmaterial. Da machen sie erst mal große Augen, aber wenn ich mal die ganzen Vorteile von Insekten erklärt habe, weichen die Vorbehalte schnell dem Interesse und der Probierlust. Ich hatte schon Gruppen, die konnten gar nicht genug bekommen.
Deshalb bin ich davon überzeugt, Insekten werden in der Zukunft ein ganz normales Lebensmittel sein – es ist nur eine Frage der Zubereitung.

Warum Insekten?


Drei einfache Gründe:  Geschmack – Gesund – Nachhaltig
Geschmack: Insekten schmecken sehr fein, eher neutral und die knusprige Konsistenz ist total lecker.
Heuschrecke – knusprig, neutral, riecht grasig, schmeckt leicht nach Huhn
Grille – knusprig, riecht nach Pilzen, schmeckt erdig
Buffalowurm – knusprig, riecht nussig, schmeckt leicht süßlich
Mehlwurm – knusprig, riecht und schmeckt leicht nussig
Einmal die anfänglichen Bedenken abgelegt, kann man mit Insekten extrem viel in der Küche experimentieren. Sie können sehr vielseitig in süße, aber auch herzhafte Rezepte integriert werden und eignen sich perfekt um sie in gemahlener Form in Smoothies, Müsli, Suppen, Salate, Brot, Saucen, Kuchen u.v.m. zu verwenden.

Luculla culinaria – delicious insect food Insekten Kochworkshop Voralberg



Gesund: Besonders mit ihren ausgezeichneten Nährwerten, bieten Insekten eine ideale Ergänzung für unseren Speiseplan. Sie sind Kalorienarm, haben einen hohen Proteinanteil (50 – 70%), gesunde, ungesättigte Fettsäuren sowie viele Vitamine und Mineralien.

Nachhaltig: Insekten benötigen viel weniger Futtermittel, Landfläche und Wasser als herkömmliche Fleischzucht und bieten aus Sicht der Nachhaltigkeit sehr viele Vorteile. Beispielsweise die Nutzung von Lebensmittelabfällen als Futtermittel. Ebenso haben Insekten eine extrem effiziente Futtermittelverwertung in körpereigenes Protein und verursachen dabei nur wenig Treibhausgase. Da Insekten auch in der Natur in großen schwärmen leben sind die Zuchtbedingungen ethisch vertretbarer und es besteht aufgrund ihrer Andersartigkeit zum menschlichen Organismus auch keine Gefahr von Krankheitsübertragung. Daher ist es auch nicht notwendig, Antibiotika in der Insektenzucht zu verwenden.

Sind die Kochworkshops auch in anderen Städten vielleicht sogar Deutschland geplant?


Derzeit bin ich noch voll und ganz mit dem Aufbau meines ersten Standortes in Österreich beschäftigt. In Zukunft wenn es gut läuft könnte ich mir durchaus vorstellen, auch zu expandieren. Das wird sich zeigen.

Luculla culinaria, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In 5 Jahren habe ich mich als Expertin für Insekten als Lebensmittel und Botschafterin für Insekten Kulinarik im vierländereck Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein positioniert und werde unzählige Menschen #insektifiziert haben.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Vernetzt euch und holt‘ euch Hilfe!


Es gibt so viel Unterstützung für NeugründerInnen, sei es beim Gründerservice, Startup Incubator von Hochschulen, Wirtschaftskammer, Wettbewerbe oder Pitching contests. Macht einfach bei den Programmen mit und lasst euch Feedback geben. Geht auf Events, sprecht mit anderen GründerInnen und lernt von ihren Erfahrungen.

Einfach machen!


Probieren geht über Studieren, auch wenn am Anfang nicht alles perfekt durchgestylt und hoch professionell ist. Es ist oft wichtiger Persönlichkeit zu zeigen und authentisch zu sein, damit erreicht man oft mehr.

Frechheit siegt!


Zu einer Gründung gehört viel Mut und auch das raus gehen aus der eigenen Komfortzone dazu. Das ist am Anfang beängstigend, aber umso mehr Erfahrung man macht, umso leichter wird es. Seid frech, nehmt es mit Humor und auf wundersame Weise, gelingt alles!

Mehr Infos unter: https://www.startnext.com/insekten-kulinarik

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Anja Sieghartsleitner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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