Donnerstag, Februar 25, 2021

Mutig sein und sich nicht unter Wert verkaufen

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

LUB Unternehmensberatung in den Bereichen HR & Leadership, CSR & Nachhaltigkeit, Chatbot & Customer Experience

Stellen Sie sich und das Startup LUB doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Dr. Simone Burel und ich bin Gründerin und Geschäftsführerin der LUB GmbH – Linguistische Unternehmensberatung in Mannheim. LUB habe ich 2015 auf Basis meiner Dissertation zur Sprache der DAX-30 Unternehmen gegründet, nachdem ich gemerkt habe, dass es in diesem Bereich eine Marktlücke gibt: Denn 80% der Geschäftsdaten bestehen aus Wörtern – und diese Wörter spiegeln Werte, Wünsche und Denkmuster wider. Und sie steigern den Umsatz, wenn man sie richtig einsetzt.

Deshalb arbeiten mein Team und ich mit innovativen KI-gestützten Beratungsansätzen in den Bereichen HR & Leadership, CSR & Nachhaltigkeit, Chatbot & Customer Experience, Gender & Equality sowie Krise & Change: um Unternehmen durch Sprache diverser, nachhaltiger und letztendlich besser zu machen.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Nach meinem Germanistik- und Anglistikstudium und der nachfolgenden Promotion in Wirtschaftssprache wollte ich der Welt zeigen, dass Linguistinnen auch außerhalb der Wissenschaft und des Verlagsumfeldes erfolgreich sein können. Daher fing ich bei einem Fonddienstleister als Kommunikationsleiterin an. Nach kurzer Zeit stellte ich jedoch fest, dass das überhaupt nicht meine Welt war. Ich befand mich damals in einem sehr konservativen, hierarchischen und eher toxischen Arbeitsumfeld und das ganze endete für mich letztlich in einem Burnout. Ich musste also auf der Suche nach einem neuen Job wieder ganz von vorne anfangen. In dieser Zeit überlegte ich mir, was und vor allem wie ich eigentlich arbeiten wollte, was zu dem Entschluss führte, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Denn für mich standen zwei Sachen ganz oben auf meiner Wunschliste: 1) Freiheit in meiner Arbeitsweise und 2) Ideen auch testen können – ohne lähmende Strukturen.

So entstand LUB 2015 als wissenschaftliches Spin-Off. Anfänglich hatte ich nur einen kleinen Kund:innenkreis, den ich sogar zunächst auf meinem Sofa empfangen und beraten habe. Doch durch das Netzwerk, das ich mir über die Jahre aufgebaut hatte, kamen nach und nach renommierte (DAX-)Unternehmen, Kommunen und KMU hinzu, sodass ich auch Mitarbeiter:innen und Freiberufliche beschäftigen konnte.

Um das Thema Gender Equality, das in der Arbeitswelt der Zukunft eine große Rolle spielen wird, stärker zu positionieren, haben wir 2018 außerdem die Submarke dr.fem.FATALE eingeführt.

Was war bei der Gründung von LUB die größte Herausforderung?

Die ersten Reaktionen auf meine Gründung waren gemischt. Auf der einen Seite reagierten Wirtschaft und Hochschulen mit großem Interesse und Begeisterung auf die Erkenntnis, dass Sprache in der Wirtschaft nicht nur ein Soft Skill ist. Auf der anderen Seite wurde kritisiert, dass Sprache doch ein Grundgut sei und dass Menschen dafür kein Geld ausgeben wollten. Außerdem dachten alle: Geisteswissenschaftler:innen haben doch eh keine Ahnung vom Business. Ich musste deswegen vielen erst begreiflich machen, wie sie aus der Anpassung ihrer Sprache auch einen monetären Mehrwert ziehen konnten und dass es sich lohnt, relativ hohe Tagessätze für unsere Beratung zu zahlen. 

Dass sich die Optimierung von Sprache positiv auf Zufriedenheit und Performance in Organisationen auswirkt, wurde schon in vielen Langzeitstudien gezeigt. Das Problem ist aber, dass schnelle Erfolge schwierig nachzuweisen sind und Kennzahlen und KPIs für einen erfolgreichen Einsatz von Sprache meist nur indirekt, zum Beispiel durch Likes oder Mitarbeiter:innenzufriedenheit, definiert werden. Also musste ich neue KPIS für meinen Bereich definieren und eigene Studien durchführen. Meine wissenschaftliche Reputation half mir zum Glück dabei und die Medien interessierten sich immer mehr für das Thema. Inzwischen habe ich meine eigene Fachbuchreihe zum Thema Sprache und Wirtschaft und publiziere auch beim Wissenschaftsverlag Springer Gabler.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Auf jeden Fall! Es wird nie alles perfekt sein – selbst nach 5 Jahren ist das nicht so. Es gibt immer Arbeitsbedarf im und am eigenen Unternehmen. Wir optimieren momentan unser Team nach innen und führen Business-Coaching für alle ein. Unternehmer:in sein, heißt auch, mit Imperfektion leben zu können und das fertige Produkt oder die fertige Dienstleistung hinter einem Prototyp zu sehen, auch wenn noch einige Schritte zu gehen sind.

Wenn ein Schritt erreicht ist, kommt die nächste „Baustelle”. Außerdem wird es immer Kritker:innen oder Wettbewerber:innen geben – es ist ein „Shark Tank” und auch ein Wettlauf gegen die Zeit, gerade da wir im Bereich Künstliche Intelligenz und Sprache tätig sind, wo der Markt boomt und gefühlt jede Woche ein neues Start-up eine App oder Plattform launcht. Es gibt aber noch so viel Nachholbedarf in der Old Industry, deswegen sehe ich hier viele „Spielplätze” für alle. Ich würde die Idee aber dennoch bei Friends & Family testen oder bei einem der vielen Pitch-Events. Wenn sie gut ankommt, geht es weiter auch der Suche nach Finanzierung und einem Team. 

Welche Vision steckt hinter LUB?

LUBs Mission ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Linguistik freizulegen, um Organisationen durch Sprache nachhaltiger und diverser zu machen und das gegenseitige Verstehen von Menschen in Organisationen zu verbessern. Deshalb setzen wir uns unter anderem für gendergerechte Sprache, emphatische Führung und nachhaltige Unternehmenskommunikation ein.

Wer ist die Zielgruppe von LUB?

Im Prinzip gehören alle, die kommunizieren und Daten diesbezüglich produzieren, zu unserer Zielgruppe. Momentan beraten wir vor allem (DAX-)Unternehmen, Kommunen sowie wissenschaftliche Organisationen. 

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Im Gegensatz zur klassischen Unternehmensberatung werten wir als linguistische Unternehmensberatung nicht nur Zahlen, sondern auch Sprache und Texte aus und lesen sozusagen „zwischen den Zeilen“ wichtige Informationen heraus. LUB nutzt für die Beratung eine Kombination aus hochwertiger sprachwissenschaftlicher Analyse und modernem Machine Learning. Durch diese innovative Kombination von Geisteswissenschaften & IT werden verborgene Erfolgsfaktoren in Organisationen sichtbar wie zum Beispiel Emotionen und Kompetenzen, die aus einer reinen Zahlenanalyse nicht herausgelesen werden können. Wir arbeiten eng mit der Wissenschaft zusammen und liefern daher verlässliche Analysearbeit und konstant gute Qualität. Im Gegensatz zu vielen anderen KI-Startup sind wir komplett eigenkapitalfinanziert und wachsen daher organisch, aber auch langfristig – die Firma ist mein Leben und wird hoffentlich auch in 20 Jahren noch auf dem Markt sein; außerdem steckt viel meiner eigenen Vision in ihr: obwohl wir Büroräume am Mannheimer Hauptbahnhof haben, sind wir schon immer komplett digital (wer das möchte), fleisch- und autofrei.

LUB, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Auch wenn wir schon digital arbeiten und sehr viel Wert auf ein umweltfreundliches Handeln legen, wird LUB es sich in den nächsten Jahren noch mehr zur Aufgabe machen, Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Unternehmensberatung voranzutreiben. 

Die Themen CSR und Nachhaltigkeit, KI – vor allem Chatbots – bleiben auch in den nächsten Jahren hochaktuell. Expert:innenwissen auf diesem Gebiet wird also dringend benötigt. Deshalb wollen wir unseren Bekanntheitsgrad und Kund:innenkreis im DACH-Raum weiter ausbauen und den Bereich Chatbots im Service, im Vertrieb oder im FAQ-Bereich noch stärker positionieren. 

In diesem Jahr möchten wir außerdem mit unserer Submarke den nächsten Schritt gehen und wandeln dr.fem.FATALE in eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) um, da wir Gender Equality als eines der wichtigsten Zukunftsthemen in Ökonomie und Gesellschaft sehen: Wenn Männer und Frauen endlich gleichberechtigt am Arbeitsleben partizipieren können, werden wir als Volkswirtschaft besser und individuell zufriedener.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Sehr konkret empfehle ich Folgendes:

Mentor:in suchen: für konkrete Business-Fragen, Strategie, Pricing etc. Ich selbst hatte zwei tolle Mentor:innen, von denen ich viel lernen konnte und denen ich noch heute sehr dankbar bin. Um etwas zurückzugeben und auch weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig der Start ins Business sein kann, bin ich mittlerweile selbst als Mentorin tätig. 

Nicht nur auf Fremdkapital setzen, das gibt anderen viel Mitspracherecht und sorgt häufig auch für Unruhe im eigenen Team. Wenn möglich, über eigene Ressourcen wachsen und auch andere Möglichkeiten ausschöpfen (Stipendien, Förderprogramme). Wenn Business Angels oder VCs hineinkommen, sorgfältig prüfen, ob die Chemie wirklich stimmt, und dass es nicht zu viele Parteien werden.

Mutig sein und sich nicht unter Wert verkaufen, d.h. für Leistungen auch Geld verlangen. Gerade Frauen sind hier sehr zurückhaltend. Sie testen ihr Produkt / ihre Dienstleistung sehr lange for free, sprechen auf Konferenzen ohne Honorar oder lassen sich in Advisory Boards, Netzwerken, Business Lounges ohne konkreten Mehrwert einspannen. Das heißt nicht, dass gerade am Anfang eine Leistung nicht kostenlos oder relativ günstig angeboten werden sollte, aber es sollte ein konkreter Mehrwert (z.B. Multiplikation, Folgeauftrag etc.) erkennbar sein und nicht zum Dauerfall werden.

Wir bedanken uns bei Dr. Simone Burel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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