Donnerstag, Februar 25, 2021

Logistikbranche: Effizienter und nachhaltiger durch Vernetzung

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Leer fahrende LKW füllen deutsche Autobahnen und kosten die Unternehmen eine Menge Geld. Doch damit nicht genug: Nachhaltig sind diese Leerfahrten schon gar nicht. Tom Krause, CEO des Hamburger Logistik-Technologie-Start-ups Cargonexx erklärt in diesem Beitrag, wie digitale Tools die gesamten Logistikbranche vernetzen und dieser somit ermöglicht wird, effizienter und gleichzeitig nachhaltiger zu werden. 

Die Logistikbranche – vor allem der Straßengüterverkehr – hat bekanntermaßen einige Kehrseiten. Neben den offensichtlichen Tatsachen, wie die hohe Anzahl an Leerfahrten und der damit verbundenen Umweltverschmutzung, ist auch die Organisation oft mühselig. So sind an dem schier endlosen Schriftverkehr, Koordinationsaufwand und Auftragsvermittlung für einen einzigen Transport häufig eine ganze Reihe an Interessengruppen beteiligt. 

Der Status quo 

Aus den Zahlen des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung geht hervor: Über zwanzig Prozent der zurückgelegten Kilometer sind Leerkilometer. Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur waren 2018 sogar 155,4 Mio. aller LKW-Fahrten Leerfahrten. Das ergibt insgesamt ganze 6,595 Mrd. Leerkilometer. Zusätzlich dazu sind die Werte nicht rückläufig – ganz im Gegenteil. Das liegt auch an einer mangelnden Transparenz in der Branche: So wissen Carrier häufig nicht, wo, wann und von wem passende Folge-Ladungen angeboten werden, die nicht nur die Ladeflächen füllen würden, sondern auch lukrativer wären. Außerdem ließen sich durch eine vollere Auslastung und besser strukturierte Fahren auch tausende Tonnen an CO2 pro Jahr einsparen. 

Der Digitalisierungsgrad in der Logistik

Die meisten Branchen wurden in den letzten Jahren digital transformiert. Vor allem im B2C-Bereich tummeln sich digitale Plattformen: Angefangen beim Online-Lebensmittel- oder -Kleidungskauf bis hin zu Video- und Musik-Streaming-Diensten. Plattformen bestimmen die digitalen Geschäftsmodelle von heute. Auch in der B2B-Sparte sind diese schon lange zuhause. Doch da wo andere Branchen bereits als digitale Vorreiter fungieren, gilt die Logistikbranche – und insbesondere die kleinen dort ansässigen Unternehmen – bis dato eher als Nachzügler. 

Das liegt auch daran, dass der Großteil der anstehenden Aufgaben noch mit der Zuhilfenahme von Excel-Tabellen, E-Mails oder telefonisch erledigt werden. Verladende Unternehmen kontaktieren die Frachtführer per Telefon, um ihre Ladungen zu vergeben. Nicht selten wird ein und dieselbe Ladung sogar noch an andere Carrier weitervergeben, so dass gar nicht mehr klar ist, welches (Sub-)Unternehmen den Auftrag letzten Endes ausführt. Mit derart veralteten Kommunikationstools ist es nicht möglich, große Datenmengen entsprechend auszuwerten. Diese Strukturen führen dazu, dass Carrier das schlummernde Potential nicht voll ausschöpfen können und somit auch nur selten die perfekt passende Anschlussladung finden. Außerdem ist es so nicht möglich, die Ankunfts- bzw. Abholzeit von Ladungen adäquat vorauszusagen. Das ist letztlich nicht nur ineffizient, sondern kostet auch wertvolle Zeit und Geld. Kurzum: Die Logistik liegt in Sachen digitale Transformation etwa 20 Jahre zurück. Grund genug für ein Umdenken. 

Mehr Effizienz und Nachhaltigkeit durch digitale Vernetzung 

Feststeht: Eine Digitalisierung der Logistikprozesse – und insbesondere die Vernetzung aller Beteiligten per Plattform – führt zu der so dringend benötigten Transparenz darüber, wer, wann und wie involviert ist. So kann der Disponent beispielsweise digital auf einer Plattform den entsprechenden Ort eintragen, an dem eine Ladung gebraucht wird. Ein Algorithmus matcht dann die passenden Treffer. Software-Lösungen ermöglichen die weitere Kommunikation und unterstützen bei der Entscheidungsfindung. Eine weitere Option: Matching-Tools helfen dabei, entsprechende Anschlussladungen ausfindig zu machen.

Dabei wird der genaue LKW-Standort per GPS-Tracking übermittelt und zusätzliche passende Ladung, die sich auf dem Fahrtweg oder in der Nähe befindet, kann ganz einfach online dazu gebucht werden. Eine Win-Win-Situation für die gesamte Branche: Denn die Digitalisierung der Prozesse lastet die LKW nicht nur hinreichend aus, sondern verhilft der Logistik auch zu mehr Transparenz und einem verbesserten Nachhaltigkeitsbewusstsein. Statt tausender Kilometer an Leerfahren, würden sich mittels der Plattform nahezu nur noch vollbeladene LKW in einem optimal durchdachten Streckennetz bewegen. 

Doch die Realität sieht derzeit noch anders aus. Disponenten haben die hoch komplexe Aufgabe eine Vielzahl an LKW auszulasten – und dies per Excel-Tabellen und ohne die Hilfe von Algorithmen. Eine zentrale und auf Qualität der Teilnehmer fokussierte Vernetzung aller Beteiligten gibt es derzeit nicht. Das führt zu einer unüberschaubaren Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten, die nur mithilfe digitaler Tools zu bewältigen ist. So ließe sich auch und ganz besonders in der Logistik durch eigens angewendete Filter, nicht nur eine umweltfreundlichere, sondern auch eine wirtschaftlichere Entscheidung treffen – ähnlich dem Vorgehen einer Flugsuchmaschine für Endkonsumenten, wie beispielsweise Skyscanner. 

Fazit

Es ist nicht zuletzt der Komplexität der Ladungszuteilung seitens der Disponenten geschuldet, dass noch viel zu viele leere LKW durch ganz Deutschland und Europa fahren. Das System ist veraltet, weshalb es dringend einer digitalen Transformation der gesamten Logistikbranche bedarf. Durch ein transparentes und ganz gezieltes Matching von Ladungen und Kapazitäten kann eine optimale Entscheidungsgrundlage für alle Beteiligten geschaffen werden – vor allem für die Disponenten. Auf Auftraggeberseite führt ein digitales Matching nicht nur dazu, dass sichtbar wird, wie viele Anfahrten ein LKW für eine Tour eingeplant hat, sondern spart auch aktiv beim Ausstoß von CO2. Eine Vernetzung der gesamten Branche auf einer digitalen Plattform muss das Tool der Zukunft sein. 

Autor: Tom Krause

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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