Das größte Kapital, das ein junges Unternehmen hat, sind die eigenen Mitarbeiter

LocaFox: Produkte online suchen und vergleichen, auf einen Blick sehen, welche Läden in der Nähe den Wunschartikel führen und ihn dort abholen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen LocaFoxdoch kurz unseren Lesern vor!
Hallo! Wir von LocaFox sind Betreiber der größten deutschen Plattform für Produkte aus dem stationären Handel, die Verbraucher bei der Produktsuche in ihrer Umgebung unterstützt. Kunden können auf unserem Marktplatz nach einer Vielzahl von Produkten suchen und sie vergleichen, auf einen Blick sehen, welche Läden in ihrer Nähe den Wunschartikel führen und ihn dort zur Abholung reservieren. Wozu online bestellen, wenn ich weiß, dass es ein gesuchtes Produkt auch direkt bei mir um die Ecke zu kaufen gibt? Daneben verstehen wir uns als Toolanbieter für Händler, um ihnen beim Schritt in die digitale Handelswelt zu helfen, u. a. mit unserem All-in-One-Kassensystem LocaFox POS sowie mit unserer LocaFox Cloud.

Wie ist die Idee zu LocaFox entstanden?
Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und Google lieferte im Jahr 2013 den Anstoß zu LocaFox: Mehr als ein Drittel der deutschen Verbraucher informierten sich laut Studie online über Produkte, die sie anschließend im stationären Handel kaufen (ROPO). Das Potential für eine Verbindung aus Online-und Offline-Handel erkannten die bis dato hauptsächlich E-Commerce-erfahrenen LocaFox-Gründer Karl “Jo” Josef Seilern, Lukas Zels, Michael Wendt, Fabian Friede und Rob Morgan mit einem Blick auf die Jahresumsatzzahlen des deutschen Einzelhandels: Auch heute noch wird rund 85 Prozent des Einzelhandelumsatzes nicht online, sondern offline im stationären Einzelhandel erwirtschaftet. Führt man diese beiden Erkenntnisse zusammen, lässt sich klar erkennen: Der stationäre Handel ist der deutlich größere Markt, doch das Internet ist das Medium, das für einen Großteil der Kunden für Informationszwecke genutzt wird. Auf der einen Seite suchen Kunden online, auf der anderen Seite kaufen sie offline – und das alles, obwohl es bis zur Gründung von LocaFox keine Transparenz hinsichtlich dieser Daten gab, also niemand übersichtlich die für den Kauf wichtigen Daten wie Verfügbarkeit und Preis bereitstellte.
Heute ist LocaFox mehr als nur ein Marktplatz: Mit unserem POS verbinden wir kleine und mittelständische stationäre Händler mit der digitalen Welt, und über das LocaFox Network können sich Händler zudem auch an andere digitale Touchpoints anschließen, an denen sich Konsumenten heute als Teil der Customer-Journey vor einem Kauf informieren, wie zum Beispiel Shoppingmalls oder Testberichtseiten. Mittlerweile arbeiten über 50 passionierte Mitarbeiter in unserem Office in Berlin-Kreuzberg sowie in der Außenstelle im südafrikanischen Kapstadt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wie so oft bei innovativen Ideen, sind wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren auf einige Probleme gestoßen, die es zu lösen galt bzw. teilweise noch zu lösen gilt. Zum einem haben wie ein sogenanntes Henne-Ei-Problem: Nur wenn wir ausreichend Händler angeschlossen haben und somit eine kritische Masse bzw. Dichte an Händlern und Inventardaten auf unserem Marktplatz anzeigen können, bringen wir den Endkunden einen konkreten Mehrwert. Die größte Schwierigkeit liegt darin, Daten über aktuelle Produktverfügbarkeiten von den Händlern zu bekommen. Der stationäre Einzelhandel Deutschland hinkt hier im internationalen Vergleich etwas hinterher. Zudem pflegen nicht alle Händler ihre Daten entsprechend. Das war der Hauptgrund für die Entwicklung unserer eigenen Kasse. Wir nutzen zudem Algorithmen und Heuristiken, um den Abverkauf von Produkten zu antizipieren und die Anzeige der Verfügbarkeit daraufhin anzupassen.
Finanziell und strategisch werden wir bei unserem Vorhaben unterstützt von HV Holtzbrinck Ventures, der ddvg (Deutsche Druck-und Verlagsgesellschaft), Payback-Gründer Alexander Rittweger sowie Unternehmer Dr. Max Iann.
Holtzbrinck Ventures gilt als eines der erfolgreichsten Venture-Capital-Gesellschaften im Internetsektor und begleitet Gründer seit über einem Jahrzehnt beim Aufbau ihrer Unternehmen, darunter auch Zalando und Groupon. Die Zusammenarbeit ist sehr professionell und zielorientiert. HV hat eine klare Erwartungshaltung, lässt den Gründern jedoch weitgehend im operativen Geschäft freie Hand und hilft aktiv durch ihr Netzwerk und die strategische Erfahrung.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Sehr gut! Mittlerweile arbeiten über 60 passionierte Mitarbeiter in unserem Office in Berlin-Kreuzberg sowie in der Außenstelle im südafrikanischen Kapstadt. Unser Team wächst stetig weiter.

Wer ist die Zielgruppe von LocaFox?
Wir sind eine B2B2C-Company: Unsere Zielgruppe sind zum einen natürlich die Endkunden, die unseren Marktplatz nutzen, zum anderen die Händler, denen wir neben unserem Marktplatz auch unser POS und die Cloud bieten. Wir verstehen uns als Technologieanbieter im B2B-Segment mit einem eigenen B2C-Marktplatz für den verlängerten digitalen Arm des stationären Einzelhandels. Wir möchten uns nachhaltig als erste Online-Anlaufstelle für lokale Kunden, Händler und Verlage im Web etablieren, um Händler und Kunden näher zusammenbringen.

Wie funktioniert der LocaFox-Marktplatz?
Wir vereinen Einzelhändler aus diversen deutschen Städten auf einer Plattform und ermöglichen es Konsumenten, zu prüfen, in welchem Geschäft in ihrer Umgebung ein gesuchtes Produkt aktuell verfügbar ist und zu welchem Preis. Daneben stellen wir den Verbrauchern auf unserem Marktplatz auch Informationen zur Laden-Öffnungszeit, eine Weg-sowie Produktbeschreibung bereit. So verbinden wir die Konsumenten mit stationären Einzelhändlern und umgekehrt, um ihnen u. a. durch die Produktreservierung sowie einen Same-Day-Delivery-Service – momentan nur in Berlin – den Zugang zu Produkten zu vereinfachen und bequemer zu gestalten. Wir entwickeln so einen innovativen Service, den jeder Verbraucher nutzen kann, um alles zu finden, was er kaufen möchte. Um das zu realisieren, unterstützen wir alle stationären Einzelhändler – vom lokalen, inhabergeführten Geschäft bis zur landesweiten Einzelhandelskette. LocaFox bringt den Händlern so neue Kunden, die sie nicht erreichen konnten, weil sie sich ihnen gar nicht entsprechend präsentieren konnten.

LocaFox, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Unsere Vision ist es, Produktanbieter und Produktsuchende näher zusammenzubringen, indem wir die Bestandsdaten von Händlern zentralisieren und für Shopping-Kunden an diversen Touchpoints zugänglich machten. Wir stellen Händlern die dafür benötigten B2BDienste und Services zur Verfügung. Die so geschaffene Transparenz und der daraus resultierende Komfort für Konsumenten auf den relevanten Shoppingkanälen ermöglichen Einzelhändlern eine höhere Sichtbarkeit am Markt und Aufmerksamkeit in einer größeren Zielgruppe, um in der Omni-Channel-Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. LocaFox-CEO Karl Josef Seilern dazu: „Vielleicht klingt es etwas pathetisch, aber ich möchte in meinem Leben etwas aufbauen, das einen echten Mehrwert schafft. Ich möchte, wenn ich alt bin, darauf zurückblicken und sagen können: Wir haben mit LocaFox dazubeigetragen, dass die Innenstädte in Deutschland nicht absterben. Wir haben ein Produkt geschaffen, das Händlern und Kunden gleichermaßen dabei hilft, zueinander zu finden, das Shopping bequemer macht. Wenn wir das schaffen, dann haben wir wahnsinnig viel erreicht.“

Zum Schluss: Welche drei Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Das größte Kapital, das ein junges Unternehmen hat, sind – besonders am Anfang – die eigenen Mitarbeiter. Der Anspruch muss es sein, absolute top Leute zu hiren, denn nur so wird sich auch die Firma schnell und professionell weiterentwickeln. Natürlich ist es zudem sinnvoll, mit so vielen Investoren wie nur möglich zu sprechen – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Skandinavien, aber es ist mindestens ebenso wichtig, Investoren durch genaue Analyse des Portfolios, die Investment-Philosophie sowie Ticket und Fundgröße richtig vorzuqualifizieren. Bei Venture Capitals gilt es, den richtigen Ansprechpartner innerhalb des VC ausfindig zu machen. Daneben sollte man sein Netzwerk ständig ausbauen – ein persönliches Intro von einem Investor zu einem anderen ist immer besser als den Investor kalt anzuschreiben. Auf jeden Fall sollte man stets eine klare Timeline mit den Investoren in Bezug auf Verhandlungsdauer, Termsheet, Gesellschaftervertrag und Closing-Date vereinbaren und im Idealfall zwei bis drei Termsheets einholen, bevor man eine Entscheidung trifft, da es enorm wichtig ist, dass man die richtigen Investoren an Bord holt und nicht gleich die ersten, die gewillt sind, Geld zu zahlen. Ein guter und erfahrener, aber Deal-orientierter Anwalt ist auch sehr wichtig, wenn man wenig Erfahrung hat.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Carina und Lorin für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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