Fail early to succeed later

Lizza Low Carb Pizza der Pizzateig ist aus Leinsamen und hat mehr Eiweiß, Ballaststoffe und kaum Kohlenhydrate

Stellen Sie sich und das Startup Lizza doch kurz unseren Lesern vor!
Marc Schlegel: Lizza Low Carb Pizza ist für jeden, der sich gesund und lecker ernähren möchte. Der Lizza Pizzateig ist aus Leinsamen statt Getreide, was viel mehr Eiweiß, Ballaststoffe und kaum Kohlenhydrate bedeutet. Unser glutenfreier Teig ist rein aus Bio Rohstoffen, bereits fertig ausgerollt und kann nach Lust und Laune belegt werden. Innerhalb von ca. drei Jahren konnten wir bereits über drei Millionen Stück verkaufen, sind in 6.000 Supermärkten, haben mehr als hunderttausend Kunden im Onlineshop überzeugt und ein großartiges Team von 40 Mitarbeitern.

Wie ist die Idee zu Lizza entstanden?
Matthias Kramer: Nach einer schweren Knieverletzung im Studium musste ich auf Sport verzichten und beschloss meine Ernährung radikal umzustellen. Ich hatte schon lange mit Low Carb Rezepten experimentiert und stieß auf ein Rezept für einen Leinsamen-Pizzateig. Dieses habe ich weiter verfeinert und häufig für mich und Freunde gemacht, als ich noch bei der Deutschen Bank gearbeitet habe. Marc und ich lernten uns bei der Bank kennen und hatten einige digitale Ideen, für die wir neben dem Job viel Zeit investierten. Nach einigen Monaten war klar, dass wir gemeinsam etwas gründen möchten und wir kündigten optimistisch unsere Jobs. Viele unserer Ideen präsentierten wir Freunden bei Brainstorming Sessions, wobei ich zur Verpflegung wieder einmal meine Leinsamen-Pizza servierte.

Ganz ungeplant überzeugte die hausgemachte Leinsamen-Pizza viel mehr als jede App-Idee davor. Die Begeisterung für die gesunde Alternative war groß und wir konnten bei unseren Recherchen noch kein vergleichbares Produkt entdecken. So beschlossen wir mit Lizza die Pizzarevolution einzuläuten. Nach einem lehrreichen und anstrengenden Jahr 2015 auf Wochenmärkten und Street Food Festivals, wo wir die fertige Lizza verkauften, ging es 2016 mit dem Online Shop los, der für uns den Durchbruch bedeutete.

Welche Vision steckt hinter Lizza?
Marc: Wir glauben, dass viel mehr Menschen sich gesund ernähren möchten, ihnen aber die Zeit, Geduld oder das Durchhaltevermögen fehlen. Wir machen gesunde Ernährung ein bisschen einfacher, indem wir die Pizza, das beliebteste Gericht der Welt, aus tollen Rohstoffen neu erfinden. Eine schnelle, leckere Mahlzeit mit einzigartigen Nährwerten wird den gesunden Lifestyle an vielen Tagen erleichtern. Wir sehen riesiges Potenzial das Produkt aus der (großen) Nische in die Massen zu tragen sowohl im deutschsprachigen, als auch im internationalen Raum. Wir haben Kunden mit den unterschiedlichsten Ernährungsansätzen und freuen uns, dass wir schon so viel Diversität bedienen können und noch mehr davon in der Zukunft gewinnen werden.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen?
Matthias: Die Verarbeitbarkeit unseres Lizza Teigs und der Aufbau einer eigenen Produktion waren anfänglich die größten Herausforderungen. Dafür tauschten wir uns intensiv mit Lebensmitteltechnologen, Maschinenherstellern und Lebensmittelchemikern aus. Auch das Thema Finanzierung und Liquiditätsmanagement machte und macht uns zu schaffen. Junge Unternehmen fallen oft durchs Banken-Risiko-Raster und kommen nur schwer an Fremdkapital. Auch der unglaubliche Hype nach der Ausstrahlung der Sendung „Die Höhle der Löwen“ war für uns überwältigend und herausfordernd zugleich.

Am Ausstrahlungsabend im September 2016 gingen 20.000 Bestellungen im Onlineshop ein – ein Rekord in der Geschichte der Gründershow, auf den wir sehr stolz sind. Knapp 80.000 gleichzeitige Besucher und über 300.000 Besucher insgesamt haben wir auf unserer Website registriert. In dieser Septemberwoche waren wir gar in den Top 10 der Google Trend Charts.

Und wie haben Sie sich finanziert?
Marc: Die ersten Gehversuche von Lizza ab März 2015 auf Festivals und Märkten haben wir privat mit je ca. 20.000 EUR finanziert. Zum Kauf des Lizza Food Trucks im Juli 2015 und für das weitere Wachstum kam ein Privatkredit eines Mentors von Marc in Höhe von 75.000 EUR dazu. Mit der Gründung der Lizza GmbH Anfang 2016 und dem Aufbau der eigenen Teigproduktion flossen weitere 60.000 Euro durch einen 3. Gesellschafter ein. In der „Höhle der Löwen“ konnten wir Frank Thelen und Carsten Maschmeyer als weitere Gesellschafter zu jeweils 100.000 Euro gewinnen. Insgesamt flossen so über 375.000 EUR in unser Unternehmen. Seit dem ersten Geschäftsjahr 2016 arbeiten wir auch schon profitabel und finanzieren unser weiteres Wachstum aus dem Cashflow und über Fremdkapital.

Warum haben Sie sich jetzt für ein Crowdfunding entschieden?
Das Crowdlending gibt vielen Menschen die Möglichkeit, sich zu tollen Konditionen an einem erfolgreichen Unternehmen frühzeitig zu beteiligen. Da wir schon viele hunderttausend Kunden haben, wird die Finanzierung der 1,7 Millionen Euro voraussichtlich sehr schnell abgeschlossen sein. Für uns wiederum ist der Betrag ein wichtiger Schritt in Richtung weiterer Professionalisierung. Wir sehen noch riesige Potenziale in der Weiterentwicklung des Produktes, möchten uns im Vertrieb und Marketing noch besser positionieren und Waren vorfinanzieren.

Wo sehen Sie die Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsmöglichkeiten?
Für eine junge Firma wie uns gibt es die Option “Fremdkapital” in dieser Höhe von klassischen Banken praktisch nicht. Das heißt es gibt eigentlich die Alternativen “Eigenkapital gegen Unternehmensanteile” oder “Nachrangdarlehen gegen attraktiven Zins”. Da unser Geschäftsmodell bereits viel Cashflow erzeugt, können wir im Gegensatz zu vielen digitalen Modellen die baldige Rückzahlung eines Crowdlendings gut in unserem Plan abbilden.

Der große Vorteil ist, dass die Gesellschafter-Struktur nicht weiter wächst, was das Unternehmen agil hält. Zudem verbleiben alle Anteile bei den aktuellen Gesellschaftern, die so weiter motiviert bleiben, das Wachstum anzukurbeln. Erfahrungsgemäß ist der Crowdlending Prozess auch Zeit schonender als eine Kapitalerhöhung, die sich über viele Monate ziehen und die Zeit der Geschäftsführer enorm binden kann.

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?
Die 1.7 Mio. EUR werden wir unter anderem nutzen, um Waren vorzufinanzieren, eine Tiefkühl-Lizza zu entwickeln und eine neue Verpackungsmaschine anzuschaffen, um damit noch schneller noch mehr Produkte verpacken zu können. Wir werden auch Investitionen tätigen, um unsere Distribution weiter auszubauen.

Lizza, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir arbeiten fleißig an weiteren innovativen Produkten, die zu einer bewussten Ernährung passen und super lecker sind. Darüber hinaus professionalisieren wir uns im Vertrieb und stärken die Distribution im Lebensmitteleinzelhandel – aktuell über 6.000 in Deutschland und Österreich. Zudem sind wir im April von 600 m2 in eine neue 2.500 m2 große Produktion umgezogen, um die hohe Nachfrage zu bedienen und die internationale Expansion voranzutreiben. Es bleibt spannend.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Unternehmertum ist eine lange und herausfordernde Reise, aber womöglich etwas vom aufregendsten, spannendsten und befriedigendsten was man in einem Leben machen kann. Dabei passieren unumgänglich Fehler. Wichtig ist den gleichen Fehler nicht zweimal zu machen und eine Fehler- und Lernkultur zu etablieren.

Zukünftigen Gründern raten wir:
-Liebe was Du tust: Nur so wirst Du die Tücken einer Unternehmerreise durchstehen.
-Fail early to succeed later – Frühes und günstiges Testen gibt Dir schnelles Feedback auf Deine Ursprungsidee
-Talk to the Pros – Hol Dir Rat bei den Experten ein. Investiere Zeit und Geld in die Recherche der jeweiligen Experten und versuche diese emotional für Dich und Deine Idee zu gewinnen.

Link zum Crowdfunding

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Marc Schlegel und Matthias Kramer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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