Dienstag, November 29, 2022

Was wir von China lernen können – und was nicht!

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Mobile-Commerce, Live- und Video-Shopping-Apps

Immerhin 60 Prozent der Deutschen nutzen ihr Smartphone für den Kauf von Produkten und Dienstleistungen, wie eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom ergab. Damit ist das Smartphone die Nummer 1 für deutsche Konsumenten beim Kauf von Produkten. Mobile-Commerce ist also auch in Deutschland Mainstream. Beim Vergleich mit asiatischen Märkten, etwa dem in China, hinkt Deutschland aber weiterhin hinterher. Dort hatten Smartphones sich bereits 2016 zum wichtigsten Begleiter für den E-Commerce entwickelt. Video- und Live-Shopping sind im Reich der Mitte Daily Business.

Warum funktioniert Live-Shopping in China so gut, und wie kann Mobile-Commerce auch in Deutschland gelingen?

China: Marathon-Videostreams mit Rekordumsätzen

Nicht alle Erfolgsrezepte aus China lassen sich auf den hiesigen Markt übertragen – lernen können deutsche Onlinehändler trotzdem viel von den Chinesen. Mobile-Commerce ist in China qualitativ in einem ganz anderen Stadium. Chinesische Kunden profitieren von einem äußerst dynamischen Wettbewerb der Anbieter und sind entsprechend anspruchsvoll. Sie kaufen direkt im Live-Shopping oder per Video-Shopping, oft mit nur einem einzigen Klick. Social-Commerce mit Produktempfehlungen aus dem eigenen Freundeskreis oder Experten aus diesem Bereich schafft Vertrauen und sorgt für einen zusätzlichen Schub. 

Um die Themen Social-, Video- und Embedded-Commerce hat sich in China ein ganzes Ökosystem gebildet. Kein Wunder, dass Meldungen über immer neue Rekorde und Milliarden-Umsätze einzelner asiatischer Influencer mit Live-Video-Shopping alltäglich sind. Der Aufwand, den die Anbieter betreiben, ist immens – ihre Live-Shopping Streams dauern oft mehrere Stunden pro Tag. Belohnt werden sie dafür mit rekordträchtigen Verkäufen und Umsätzen: Bei solchen Events werden durchaus einmal 15.000 Lippenstifte innerhalb von fünf Minuten verkauft!

Goldgräberstimmung im Mobile-Commerce steht Deutschland noch bevor

Bis wir in Deutschland solche Verkaufs- und Umsatzzahlen beim Live- und Video-Shopping erzielen, ist es noch eine Weile hin. Deutschland hinkt im Vergleich zu vielen anderen Weltmärkten auch in diesem Bereich hinterher. Nichtsdestotrotz zeigen die neuesten Erhebungen immer wieder, dass der E-Commerce auch hierzulande boomt. Das Potential ist also durchaus da – nun muss es nur noch ausgeschöpft werden. Der “Direct-To-Consumer”-Trend beispielsweise hat auch hierzulande Früchte getragen, es gibt inzwischen zahlreiche Brands, die sich überwiegend oder sogar ausschließlich auf diesen Vertriebskanal spezialisiert haben. Doch in der Breite hat sich das Ökosystem (noch) nicht signifikant verändert. Die Wahrheit im Jahr 2022 lautet: Im E-Commerce dominieren – in Deutschland wie in vielen anderen europäischen Ländern –  generell die Großen. Kleine und mittlere Händler haben nur eine Chance, wenn sie außerordentlich innovativ sind oder auf verschiedene Verkaufs- und Vertriebsstrategien setzen, beispielsweise in Form von Video-Shopping oder Live-Shopping per Smartphones.

Die Konsumenten bestimmen die Art des Commerces – nicht die Händler

Eine neue Art des Vertriebs ist der sogenannte Mobile-Commerce. Wenn auch nicht ganz neuartig, liegt hier noch viel Potential für den deutschen E-Commerce, insbesondere für kleine und mittelgroße Händler. Live-Shopping lohnt sich in der Regel nur dann, wenn die potentiellen Konsumenten zahlreich sind. Der Vergleich mit China macht das deutlich. In einem Markt mit über 1,3 Milliarden Menschen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit jemand online und damit potentiell für ein live vorgestelltes Produkt erreichbar. In Deutschland hingegen sind “nur” 80 Millionen Menschen potentiell online, subtrahiert man die Menschen ohne Smartphone sowie zahlungsunfähige Personen wird diese Zahl deutlich geringer. Für den deutschen Markt macht deshalb das innovative Pendant zum Live-Shopping, nämlich das Shopping per Video, generell mehr Sinn. Und es bietet zahlreiche Vorteile!

Viele kleine Händler ergeben ein großes Netzwerk

Gerade kleine Händler profitieren von den Möglichkeiten des Mobile-Commerce. Oftmals sind sie selbst die Hersteller der vertriebenen Produkte und haben durch Video- und Live-Shopping die Möglichkeit, authentisch, nahbar und glaubwürdig auf die Produkteigenschaften einzugehen. Video-Shopping-Plattform können außerdem zu einem Netzwerk-Effekt beitragen, durch den kleine Händler neue Käuferschichten hinzugewinnen können. Denn wer auf neuartigen Shopping-Plattformen für sich und seine Produkte wirbt, lockt die eigenen Kunden an und ermöglicht somit auch nicht-konkurrierenden Händler die Möglichkeit, diese Käufer selbst für sich zu gewinnen. Wer als kleiner Händler heutzutage neben den Großen bestehen will, sollte nicht in ein Konkurrenzdenken verfallen, sondern gemeinsam ein breites Netzwerk schaffen, von dem alle profitieren.  

Shopping auf eine neue Art – mit alten Mitteln

Es ist wahrscheinlich, dass schon in wenigen Jahren Live- und Video-Shopping als selbstverständlicher Kanal für den Online-Vertrieb von Produkten wahrgenommen wird – sowohl von Händlern wie auch von der Mehrheit der Verbraucher. Das Beispiel China zeigt uns, wie effektiv diese Art des Einkaufens sein kann, und sicherlich werden auf kurz oder lang noch weitere Innovationen hinzukommen, welche die User Experience und die Customer Journey optimieren. Gerade wenn man sich als kleiner Händler braucht es Botschafter, die sowohl die Art des Verkaufens – Live- oder Video-Commerce – als auch die Produkte selbst mit Vertrauen und Glaubwürdigkeit füllen können. Influencer werden also auch hier eine große Rolle spielen. Denn in China dominieren bereits die sogenannten Key Opinion Leader (KOL) oder “Wanhong” (chinesisch für Internet-Celebrity), die sozialen Netzwerke. Laut der McKinsey & Company Studie 2021, liegt das Marktvolumen der KOL’s bei mehr als 18 Milliarden Dollar. 

Autor

Sebastian Kübler ist Mitgründer der Video-Shopping-App jooli. Der studierte Betriebswirt ist bereits seit 15 Jahren im Start-up-Bereich tätig und agierte viele Jahre als internationaler Investor im asiatischen Raum. Seit seiner ersten China-Reise im Jahr 2003 beschäftigt er sich mit dem chinesischen Markt und seinen Mechanismen. Mit jooli will Sebastian Kübler die deutschlandweit erste Anlaufstelle für Video-App-Shopping schaffen.

Titelbild pixabay

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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