LITTLE BIRD vernetzt Eltern mit Kinderbetreuungsanbietern

Anke Odrig LITTLE BIRD Gründerin wird auf der herCAREER ihre Erfahrungen zum Thema Frau und Muttersein plus Karriere weitergeben

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen LITTLE BIRD doch kurz vor!
Anke Odrig: Viele Eltern in ganz Deutschland kennen die Probleme bei der Suche nach einem Betreuungsplatz: Das ist oft unübersichtlich,zeit- und nervenaufreibend und so unsicher wie ein Pferderennen: Man weiß nie, wer zuerst ins Ziel kommt. Genau da setzen wir an. Wir revolutionieren die Kitaplatzvergabe in den Kommunen, indem wir alle miteinander vernetzen: Eltern, Betreuungsanbieter und Jugendämter bzw. Verwaltungen. Damit verliert keiner mehr den Überblick und von der Suche bis zum Vertrag herrscht endlich mehr Transparenz und Planungssicherheit.
Die Basis dafür ist unsere webbasierte Verwaltungssoftware mit angeschlossenem Elternportal(www.little-bird.de). Mehr als 80 Kommunen in 8 Bundesländern arbeiten bereits mit unserem System, egal ob Groß- oder Kleinstadt. Mehr hier: https://business.little-bird.de/referenzen/.
Da es im Bereich der Kitaplatz-Vergabe und –Verwaltung in den meisten Kommunen tatsächlich große Schwierigkeiten gab und gibt, wie zum Beispiel unfaire Vergabemethoden, Verwaltungschaos, Platzmangel, weil keiner weiß, wie viele Plätze überhaupt gebraucht werden,und so weiter, konnten wir mit LITTLE BIRD dabei helfen, ein tatsächliches gesellschaftliches Problem zu lösen.
Mittlerweile beschäftigen wir mehr als 30 Mitarbeiter an den Standorten Berlin und Dresden im Bereich Entwicklung, Projektmanagement, Training und Support.

Anke Odrig
Anke Odrig

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Anke Odrig: 2006 machte ich mich als junge Mutter auf die Suche nach einem Betreuungsplatz für meinen ersten Sohn, um nach der Elternzeit wieder arbeiten zukönnen. Dabei stellte ich fest, dass es unheimlich zeitaufwändig war, Informationen zu sammeln und mir einenÜberblick zu verschaffen, abgesehen von der umständlichen Anmeldung, den langen Wartezeiten und der Unsicherheitbezüglich der weiteren Lebens- und Jobplanung nach der Elternzeit. Ich wollte erreichen, dass andere Eltern es in Zukunft leichter haben, einen Platz für ihr Kind zu finden.
Bei meinen Recherchen musste ich feststellen, dass auf der anderen Seite auch die Kommunen und Kitas große Probleme an unterschiedlichen Stellen im Prozess hatten – sowohl bei der Vermittlung und Vergabe von Betreuungsplätzen als auch bei der Bedarfsplanung und dem Kita-Ausbau. Aus den vielen Informationen, die ich nach einigen Monaten gesammelt hatte, entstand die Idee zu LITTLE BIRD und der Wille, ein funktionierendes Produkt zu schaffen, das alle Beteiligten glücklich macht.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?
Anke Odrig: Die größte Herausforderung war es anfangs, Unterstützerinnen und Unterstützer zu finden, die mir als Mutter eine solche Unternehmung zutrauten und bereit waren, mir finanziell durch die erste Zeit zu helfen.
Little Bird befand sich erst im Ideenstadium, als ich mit klassischen VCs sprach. Deshalb waren die Gespräche wohl auch nicht allzu fruchtbar. Man hat mir nicht einmal so lange zugehört, um zu verstehen, dass mir nicht nur eine soziale Problemlösung vorschwebt, sondern ein technologiebasierter Ansatz. Dazu kommt, dass die Kommunen bei diesem Konzept eine zentrale Rolle spielen. Das war wohl alles viel zu neu zum damaligen Zeitpunkt. Wir haben alle Akteure an einen Tisch geholt – die Eltern, die Kitas und die Stadt. Uns war bewusst, dass niemand unsere Software nutzen und Datenpflege betreiben würde, wenn nicht alle Beteiligten einen Nutzen davon hätten.
Mit diesem prozessbasierten, technologischen Ansatz überzeugten wir damals die IBB und bekamen die erste Finanzierung durch ProFIT. Für mich der erste Meilenstein, da ich den Nachweis über die technologische Innovation erfolgreich erbracht hatte und nicht jeder diese Hürde schafft.
Und noch später durfte ich sogar die Erfahrung machen, dass Investoren auf mich zukamen, um mir ihre Unterstützung anzubieten.
Ich war aber doch einigermaßen beeindruckt von der Erfahrung, dass es im Deutschland des 21. Jahrhunderts nach wie vor derart ungewöhnlich ist, dass eine Frau, in meinem Fall auch Mutter, eine IT-Firma gründet. Damit habe ich anscheinend gegen gewisse gesellschaftliche Regeln verstoßen, denn der Anfang war trotz des tollen Produktes doch schwierig und hürdenreich.
Umso mehr freue ich mich, dass ich durchgehalten habe, inzwischen viel Anerkennung habe und bis heute als Geschäftsführerin meine Firma leite.

Wer ist die Zielgruppe von LITTLE BIRD?
Anke Odrig: Unsere zahlenden Kunden sind momentan vor allem Städte, Gemeinden, Landkreise und große Kita-Träger, wie zum Beispiel das DRK. Die Zielgruppe ist aber viel weiter gefasst, denn außer der öffentlichen Verwaltung arbeiten auch die Betreuungsanbieter und Träger-Organisationen mit der Software. Eine ganz wichtige Zielgruppe sind auch die Eltern, die mit LITTLE BIRD nach Betreuungsplätzen suchen und die unser Elternportal für Kommunikation mit den Einrichtungen nutzen. Es gibt bei uns also nicht die eine Zielgruppe, sondern ganz unterschiedliche, mit verschiedenen Ansprüchen und Blickwinkeln. Für uns ist das in vielerlei Hinsicht spannend, zum Beispiel müssen wir unsere Aktivitäten nach außen sehr vielseitig gestalten und uns die unterschiedlichsten Dinge überlegen, damit wir alle erreichen und im Blick behalten.

Wie funktioniert LITTLE BIRD?
Anke Odrig: LITTLE BIRD ist ein interaktives System, das aus zwei Elementen besteht: Erstens dem Online-Portal für Eltern. Das funktioniert im ersten Schritt wie eine regionale Suchmaschine für Kitas und Tagespflegen. Wir haben dort unterschiedlichste Filtermöglichkeiten eingebaut, damit jeder genau die Angebote findet, die zum Kind und zur Familie passen. Also beispielsweise gibt es Filter bezüglich der Öffnungszeiten oder des pädagogischen Konzepts. Im zweiten Schritt können sich Eltern dann registrieren und Plätze parallel bei verschiedenen Einrichtungen anfragen. Sie landen dann auf einer digital vernetzten Warteliste, die alle Anfragen bei sämtlichen Einrichtungen umfasst und die in Echtzeit Kinder von der Warteliste löscht, die einen Platz erhalten haben. Das ist quasi der Clou bei LITTLE BIRD. Keiner muss mehr händisch Wartelisten pflegen, die dauernd veraltet sind. Keiner muss sich mehr fragen, ob es genügend Kitaplätze gibt oder zusätzlich welche gebraucht werden. Die Eltern haben es viel leichter, weil sie jederzeit von überall aus – übrigens auch mit Smartphone oder Tablet – Plätze anfragen können und ab dann immer auf dem neuesten Stand bleiben.
Quasi im Hintergrund arbeiten die Verwaltungen von Kitas und Kommunen dann ebenfalls vernetzt mit dem zweiten Element, der LITTLE BIRD – Software, an die das Elternportal angedockt ist. Die Software erledigt zum Beispiel die komplette Vertragsverwaltung, kann auf Knopfdruck Statistiken liefern und viele Dinge mehr.

Sie werden auf der herCAREER im Rahmen eines Karriere-Meetups zum Thema Frau und Muttersein plus Karriere sprechen. Was sind die wichtigsten Tipps, die Sie Frauen hier auf den Weg mitgeben möchten?
Anke Odrig: Meine größte Erkenntnis war, dass der Anspruch an ein gutes Produkt sehr wichtig ist. Qualität setzt sich langfristig durch, auch wenn sie in den Kriterien der Kommunen zunächst hinter dem Preis rangiert. Mittlerweile wenden sich schon einige Kommunen, die sich zuerst für eine preiswertere Lösung entschieden hatten, wieder an uns. Mit Geduld und dem richtigen finanziellen Rahmen kann man diese sensible Phase aussitzen. Eine weitere Erkenntnis ist aber auch: Social Entrepreneurship ist harte Arbeit. Das Soziale macht einem das Leben als Unternehmer nicht gerade leichter.
Ich glaube, dass eine Gründung und besonders das Durchhalten sehr viel einfacher sind, wenn die Idee und das Produkt oder die Dienstleistung wirklich einen Mangel beseitigen oder einen echten Mehrwert haben.

Ist es aus Ihrer Sicht so, dass Frauen sich nicht in die von Männern dominierte IT Welt trauen?
Anke Odrig: Das ist bis zu einem gewissen Grad bestimmt so. Umgekehrt ist es auch so, dass Frauen eher belächelt oder gar nicht erst hinein gelassen werden in die von Männern dominierte IT Welt. Mit diesem Status Quo will ich mich aber gar nicht unbedingt beschäftigen. Für mich und auch für mein Team gibt es dieses Thema gar nicht so richtig– und das hat es auch nie. Ich bin eher immer von außen darauf angesprochen worden. LITTLE BIRD ist unter anderem eine Software, aber eben auch ganz viel Projektmanagement, Vertrieb, Dienstleistung, Marketing, PR. Ich habe genauso viele Frauen wie Männer beschäftigt. Und sie alle arbeiten in der IT-Branche. Knapp die die Hälfte meines Teams sind Entwickler – und selbst da sind Frauen mit dabei.

Werden Sie auf der Messe für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen?
Anke Odrig: Ja, ich werde bestimmt nach meinem Vortrag noch vor Ort sein. Ich will ja nicht nur reden, sondern mich auch selber ein bisschen umschauen und inspirieren lassen.

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?
Anke Odrig: Ich sehe mich an meinem guten alten Platz als Geschäftsführerin meines noch um einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter gewachsenen Teams. In 5 Jahren haben wir auch unser digitales Produktportfolio deutlich erweitert – wir planen gerade einige neue Produkte rund um LITTLE BIRD, die wir in den nächsten Jahren auf den Markt bringen wollen.

Bilder: LITTLE BIRD GmbH

Wir bedanken uns bei Anke Odrig für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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