Lin Kayser: Umgebe dich mit kompetenten Menschen

Treffen Sie Lin Kayser auf dem Startup Summit Südwest

Stellen Sie sich doch unseren Lesern kurz vor!
Lin Kayser: Ich bin ein Münchner Unternehmer und arbeite seit über 20 Jahren in den unterschiedlichsten Feldern und meistens im „Startup Mode“. Vor 6 Jahren habe ich mein letztes Unternehmen an Adobe verkauft und bin als Investor, aber vor allem wieder als Gründer unterwegs.

Was machen Sie beruflich?
Lin Kayser: Ich bin Vorstandsvorsitzender der Hyperganic AG, einem Startup im Bereich Software für additive Fertigung. Wir bauen wir ein Software Ökosystem auf, um dem 3D Druck auf weiter Front zum Durchbruch zu verhelfen. Unser Ziel ist es Produkte ausdrucken zu können die ähnlich komplex wie die Natur sind. Wir gehen davon aus, dass der 3D Druck über lange Frist die konventionelle Fertigung ablösen wird und wollen ein zentraler Angelpunkt dieser Entwicklung sein.

Treffen Sie Lin Kayser auf dem Startup Summit SüdwestWie sieht ein normaler Arbeitstag von Ihnen aus?
Lin Kayser: Meine Arbeitstage gestalten sich sehr unterschiedlich. Ich bin viel im Ausland unterwegs, rund ein Drittel des Jahres, z.B. auf Konferenzen oder Kundenbesuch in den USA, aber auch in „exotischeren“ Gebieten wie Afrika.
Ein typischer Arbeitstag im Büro fängt eigentlich am Abend vorher an, an dem ich meinen Kalender nochmal durchgehe, damit ich weiß was mich nach dem Aufstehen erwartet. Mein Kalender ist minutiös durchstrukturiert und enthält sowohl geschäftliche als auch private Termine, zusammen mit etwaigen Offset-Zeiten, wie Anreise, Vorbereitungszeiten usw., damit am Tag nicht mehr groß darüber nachdenken muss, wann ich z.B. zum Flughafen los muss. Das klingt bürokratisch, gibt mir aber sehr viel Freiraum.

Ich bin um 8 im Büro, das nur ein paar Minuten fußläufig von meiner Wohnung entfernt, eine weise Entscheidung, die meine Frau und ich ganz bewusst vor über 10 Jahren getroffen haben, um unsere große Familie und die Arbeit gut unter einen Hut zu bekommen.
Die ersten 2 Stunden des Tages versuche ich Dinge abzuarbeiten, die volle Konzentration erfordern. Da arbeite ich dann oft auch sehr Hands-On mit unseren Druckern oder im Materiallabor. An anderen Tagen arbeite ich an Strategiepapieren oder bereite einen Vortrag vor. Dann stehen Emails, Slack und direkte Kommunikation mit meinem Team im Vordergrund. Anschließend versuche ich eigentlich immer einen guten Gesprächspartner zum Mittagessen einzuladen – und wenn es meine Frau oder meine Kinder sind.

Ab Nachmittag gehen dann Skype-Calls mit Partnern in den USA und unseren ausländischen Teams los. Um 18:30, manchmal wird’s auch 19:00, gehe ich zum Abendessen nach Hause. Nach dem Abendessen gibt es oft noch eine Stunde, manchmal mehr, wo mit der Westküste kommuniziert wird, oder ich mit den Nachteulen unter den Entwicklern rede. Insgesamt komme ich auf 10-12 Stunden Arbeit pro Tag, die aber sehr vielseitig und interessant sind.

Über welches Thema werden Sie auf dem Startup Summit Südwest referieren?
Lin Kayser: Ich werde über Startups reden und über mutige Gründer. Mir ist es ein Anliegen, dass wir hier in Deutschland den Mut haben auch wirklich „Moonshot“ Projekte anzugehen. Sehr viele Startups suchen sich relativ uninspirierte Nischen, in denen sie dann sehr konkrete Probleme lösen. Daran ist grundsätzlich nichts falsch, aber es muss auch Projekte geben, die viel größer sind. Da überlassen wir das Feld ohne Not den Amerikanern und immer mehr den Chinesen, was ein Problem für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes ist.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Lin Kayser: Sie hat sich überhaupt erstmal entwickelt. Als ich vor 20 Jahren meine ersten Schritte als Gründer unternommen habe, da wusste hier eigentlich keiner was ein Startup ist. Vor 10 Jahren, ging es dann etwas flotter voran und seit 3-5 Jahren finde ich, ist Musik drin, da fühlt man sich in München oder Berlin schon eingebettet und unterstützt von einem Netzwerk von anderen Gründern.

Das hat mir vor 20 Jahren komplett gefehlt, weshalb ich mich sehr in die USA orientiert hatte. Eines der größten Vorteile von Startups im Silicon Valley oder Boston ist, dass Amerikaner viel offener und unterstützender miteinander umgehen. In der Zeit in der wir hier herausfinden, ob wir „Du“ oder „Sie“ sagen sollen, wird man in San Francisco schon mehrfach „How can I help you“ gefragt. Das fängt jetzt langsam auch hier an und ist sehr erfrischend.

Welches sind die größten Fehler Junger Gründer?
Lin Kayser: Die größten Fehler liegen oft in der Motivation. Meine Frage als Mentor ist relativ schnell: Warum machst du das eigentlich? Und oft kriege ich keine gute Antwort. Nicht jeder muss gleich die Welt retten, aber man sollte schon eine Idee haben, warum man einen signifikanten Teil seines Lebens jetzt gerade mit einem weiteren Uber-Clone verbringen will. Startups sind wirklich hart und anstrengend, wenn man dann nicht so recht weiß, warum, dann wird es selten was. Geld verdienen ist übrigens kein guter Grund, das geht meist anderswo einfacher.

Also rate ich jedem sich erstmal selbst ein wenig kennenzulernen und zu verstehen wo die Motivation liegt. Und dann ist ein großer Fehler hier in Deutschland, dass man zu klein und organisch denkt, obwohl viele Ideen auch mehr Potenzial hätten. Da fehlt dann oft der Mut.
Viele Ideen sind auch zu sehr auf den Status Quo fixiert und setzen auf irgendwelchen Trends auf. Als Unternehmer kann man aber aktiv die Welt gestalten und die Richtung vorgeben – das übersehen viele Gründer.

Generell würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen die wirklich großen Herausforderungen angehen. Wir müssen in den nächsten 20 Jahren den Klimawandel stemmen, eine Milliarde Menschen aus der Armut heben, da gibt es viele spannende Ideen für Unternehmer. Glücklicherweise gibt es da viele Vorbilder, doch die sind allesamt in den USA.

Welches war das letzte Buch das Sie gelesen haben?
Ich lese viele Biografien. Mein letztes Buch war Steel Titan, über das Leben von Charles Schwab (nicht dem Banker, sondern dem Stahl-Unternehmer). Davor habe ich „Skunk Works“ von Ben Rich gelesen, dem jahrelangen Leiter des Geheimschmiede von Lockheed Martin.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Hoffentlich weiterhin im Kreise einer glücklichen Familie. Beruflich inmitten von einem Team, dem ich vertrauen kann und auf das ich stolz bin, wo wir Dinge machen, die für sehr, sehr viele Menschen relevant sind.

Welche 3 Tipps würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?
1. Nimm dir genug Zeit, um die richtige Idee zu finden, die dich wirklich reizt und mit Leidenschaft erfüllt. 2. Umgebe dich mit kompetenten Menschen, mit denen du gerne zusammenarbeitest und behandele sie als Persönlichkeiten und nicht als Human Resources. 3. Sei viel mutiger als du es eigentlich sein willst, wenn du Schiss hast, dann liegst du normalerweise genau richtig.

Wir bedanken uns bei Lin Kayser für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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