An sich selbst glauben!

LifeCompanion: Nimm dem Tod das letzte Wort

Stellen Sie sich und das Startup LifeCompanion doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Geschäftsführer des jüngst gegründeten Startup Unternehmens TomorrowBits GmbH, das sich auf die Konzeption und den Handel mit neuartigen und disruptiven Softwarelösungen konzentriert. Da ich unter anderem katholischer Theologe bin, fiel die Wahl bei der Entscheidung für das erste Produkt, das herausgebracht werden soll, ganz bewusst auf die LifeCompanion®-App, da sie einen besonders ethischen Ansatz verfolgt. LifeCompanion® ist, wie der Name vielleicht auch erst auf den zweiten Blick vermuten lässt, einerseits ein Helfer, sozusagen ein Lebensbegleiter, der dem Nutzer an den großen Stationen seines Lebens und sogar tatsächlich in einem gewissen Maße noch darüber hinaus zur Seite stehen kann. Besonders an Punkten, wo die meisten anderen Apps nutzlos werden, nämlich, wenn es um eine schwere Verletzung, um Sterben, Tod oder um Trauer geht. LifeCompanion® bietet dem Nutzer Hilfe, jeden Tag bewusster zu leben sowie bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und erleichtert notwendige Regelungen für den Notfall, wobei vor allem auch die Unterstützung und Versorgung der Hinterbliebenen zentral ist.

Wie ist die Idee zu LifeCompanion entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee zu LifeCompanion hat sich direkt aus dem echten Leben entwickelt. Meine Freizeit gestalte ich schon immer mit Sportarten, die tendenziell dem Segment der Extremsportarten angehören, angefangen bei Motocross und in den letzten Jahren vor allem hin zum alpinen Klettern. Heute sind es ziemlich genau drei Jahre her, als mein Kletterpartner bei einer gemeinsamen Tour in der Waidringer Steinplatte zehn Meter in die Tiefe stürzte. Lebensgefährliche Verletzungen waren die Folge. Nachdem er mit dem Hubschrauber ausgeflogen wurde und ich unverletzt noch eine gefühlte Ewigkeit allein in einer Felsverschneidung zurückblieb, bis mich ein Rettungstrupp barg, hat sich für mich einiges geändert. Dieses einschneidende Erlebnis, bewirkte ein nachhaltiges Umdenken bei mir. Mir wurde schlagartig klar, dass ich selbst mit meinen 27 Jahren kaum auf meinen Tod vorbereitet war. Auf einen Schlag hätte für uns beide alles vorbei sein können oder zumindest eine schwere körperliche Behinderung aus dem Unfall resultieren können und ich hatte nicht einmal ansatzweise vorgesorgt. Seitdem habe ich mir unter anderem zum Ziel gesetzt, die Menschen für einen bewussteren Umgang mit der eigenen Sterblichkeit zu sensibilisieren.

Ich wusste, es musste ein gutes Team her für die Umsetzung dieses ersten Projektes. Dabei habe ich viele Möglichkeiten abgewogen. Von der Beantragung eines Gründerstipendiums und der Option, weitere motivierte Teammitglieder zu finden bis hin zur letztlich – wie ich glaube – für mich persönlich besseren Wahl, mich nach einem professionellen und erfahrenen Entwicklerteam umzusehen. Durch glückliche Umstände wurde ich mit Jens Wehrmann von der Mobile Software AG bekannt gemacht. Bereits nach dem ersten Gespräch war mir klar, dass er und sein Team von vielen motivierten und äußerst kompetenten Einzeltalenten die richtige Wahl für mich als Neugründer sein würden. Das war jedenfalls schon beim zweiten Treffen mein Eindruck, der bis heute fortbesteht. Mir war wichtig, als alleiniger Geschäftsführer auf der einen Seite agieren zu können, aber auf der anderen Seite auch bereits auf lauter fähige Leute zurückgreifen und mich auf sie verlassen zu können.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Gandhi sagte einst: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für die Welt wünscht“ und da gibt es so einige Veränderungen, die ich mir selbst als Nutzer sowohl im Bereich von Softwareangeboten für den Ottonormalverbraucher wünsche als auch besonders als Christ in den Bereichen Unternehmensmanagement und Wirtschaft. Als Theologe und damit im Normalfall zu gewissen Teilen auch als Philosoph und Berufsdenker kann man sich über unzählige Theorien zur Weltverbesserung Gedanken machen und hat am Ende des Tages vielleicht viel gelesen und noch mehr geschrieben, aber wenig bewirkt. Der Traum eines Denkers, der noch echtes Interesse an der Welt um ihn herum hat, ist natürlich, dass die Gedanken Wirklichkeit werden. Insofern ist die Unternehmensgründung für mich eine konsequente Folge aus diversen Ideen und Konzepten, die geradezu dazu drängen, sie auf Tauglichkeit zu testen.

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Es gab unwahrscheinlich viele Herausforderungen. Am Anfang war viel an dem Konzept von LifeCompanion zu tüfteln, vor allem, um zielgruppengerechte Funktionen zu entwerfen, die von einem niederschwelligen Einstieg in die Thematik (etwa in Sachen „Mein letzter Song“) bis hin zu handfester Vorbereitung auf den eigenen Tod reichen: Beispielsweise bei der Erstellung eines eigenen Testaments. Stichwort Markenbildung: Das war echt eine harte Nuss, weil immer wieder Vorbehalte auftauchten gegen diverse Markenbildungen, seien es rechtliche, semantische, phonetische oder einfach ästhetische. LifeCompanion ist bis auf den – scheinbaren und nicht wirklichen – Nachteil, dass die Marke erst mal nicht mit dem Thema Tod assoziiert wird, ein sehr ausgefeiltes Resultat professioneller Arbeit. Das wird schon deutlich, wenn man sich nur einmal etwas genauer das AppIcon ansieht, dessen Symbol auch im LifeCompanion Logo enthalten ist. Unternehmerisch war sicherlich die größte Schwierigkeit, sowohl das finanzielle als auch das rechtliche Risiko richtig einzuschätzen. Unternehmerisch hingegen war schon die Rechtsformwahl in diesem Fall nicht ganz leicht. Kurz vor dem Release musste ich auch noch zu einer GmbH umfirmieren. Ein Riesen-Akt. In kurzer Zeit hat man dann auf einmal ganz viel mit Finanzbeamten, Notaren, Anwälten und mit Supportpersonal von den verschiedenen Anbietern von Marktplätzen zum Appvertrieb zu tun, um alles umzuändern oder gar neu zu beantragen. Ganz zu schweigen von den Kosten, die so etwas mit sich bringt. Finanziert habe ich alles aus Eigenkapital, das ich hauptsächlich aus gewinnbringendem Handel mit Immobilien gezogen habe. Dank der eigentümerfreundlichen Entwicklung der Immobilienpreise in den letzten Jahren und einem guten Ein- sowie Ausstiegszeitpunkt aus dem Immobiliengeschäft, konnte ich mein Startkapital zu einem Großteil aus Reingewinn finanzieren.

Wer ist die Zielgruppe von LifeCompanion?
Im Prinzip jeder: Von den Patienten und deren Angehörigen auf Intensiv- oder Palliativstationen wie auch auf Hospizen bis hin zu Extremsportlern, bei denen der Tod, wie auch bei mir selbst, mal den ein oder anderen Streifschuss abgegeben hat. Ganz realistisch ist das bei LifeCompanion aber jemand im Alter von 25 bis 45 Jahren, der vielleicht erstmals ernsthaft über das Thema nachdenkt und sich die Frage stellt, was eigentlich mit Frau und Familie wäre, wenn man plötzlich nicht mehr von der Arbeit nach Hause käme…? Mit LifeCompanion kann man für den Ernstfall vorsorgen und viele Details für die Liebsten schon vorab regeln.

Wie funktioniert LifeCompanion?
Kurz gesagt: Man hinterlegt diverse Daten, Nachrichten und Wünsche in der App und am Besten auch Fundorte von Unterlagen wie: Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Testament, Versicherungs- und Bankunterlagen u.v.m. Dann folgt unser 341 („three for one“) – Prinzip: Man bestimmt man in der App mindestens zwei Personen, die den Tod in der App bezeugen. Wir nennen sie in LifeCompanion Zeugen. Hinzu kommt als dritte Person mindestens ein Vertreter, der aber kein rechtlicher Vertreter ist, sondern lediglich bei uns so genannt wird. Dieser Vertreter sollte jemand sein, dem man völlig vertraut, denn er kann nach dem von den Zeugen bestätigten Tod des Nutzers dessen hinterlegte Daten einsehen. Zum Beispiel den letzten Facebookpost.

Was kann man über die App alles verwalten?
Mit der LifeCompanion-App können Nutzer ein ganz persönliches, emotionales Testament verfassen und Bilder, Videos, einen letzten Lieblingssong und sogar persönliche Nachrichten für die Liebsten hinterlassen. Eine Checkliste hilft außerdem, wichtige Fragen zu klären und den Angehörigen den Zugang zu wichtigen Unterlagen zu erleichtern. Wenn man solche Unterlagen noch nicht hat, kann man durch die App für Hilfe bei der Selbsterstellung an kostenfreie seriöse Stellen weitergeleitet werden, die auch bequem vom Smartphone aus erreichbar sind. Dabei gilt zu beachten, dass in der App keine Dokumente hinterlegt werden, sondern nur die Fundorte! Die Liste ist lang. Man kann sich am besten die App einfach mal kostenlos herunterladen und schauen, was sie alles kann!

LifeCompanion®, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
LifeCompanion® sehe ich hoffentlich schon in höchstens drei Jahren als die gesellschaftlich relevante und wiedererkannte Marke rund um die Thematik Sterben, Tod, Trauer und Hoffnung über den Tod hinaus. Dabei setzt LifeCompanion® künftig auch auf viele in diesem Tätigkeitsfeld bereits etablierte Dienstleister und Produktmarken, die unter dieser Dachmarke einen festen Platz bekommen sollen. Mit LifeCompanion® erhält die Beschäftigung mit dem Tod einen wiedererkennbaren Markennamen, der das Leben beinhaltet.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Einer meiner Kerngedanken ist: „Gedanken sind ansteckend. Besonders geäußerte“. Das bedeutet, dass man sich Mitstreiter suchen sollte, die sich anstecken lassen, sowohl von Geäußertem, als auch von dem rein spürbaren Spirit, der bei einer guten Idee in der Luft sein kann. Wenn die dann dieselbe Vision, dasselbe Ziel vor Augen haben, dann hat man schon einmal eine gute Ausgangslage, aus der sich vieles von selbst ergeben wird.
Man sollte auch realistisch übers Geld nachdenken. Wenn man vermutete Ausgaben und geschätzte Einnahmen im ersten Jahr oder Halbjahr gegenüberstellt, rechnet man am besten bei den Ausgaben 20 Prozent drauf und zieh bei den Einnahmen 20 Prozent ab!
Und meine allererste Regel ist: An sich selbst glauben – an das Produkt und an die Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Danach konsequent vertrauenswürdige Leute nach deren Außensicht über die Dinge fragen, ohne dabei Sturköpfigkeit zu vermeiden!
3) Glaube an dich, an dein Produkt und an die Leute, die für dich oder mit dir arbeiten, aber sehenden Auges. Das heißt, frag auch vertrauenswürdige Leute nach deren Außensicht über die Dinge und vermeide Sturköpfigkeit. Zielführender ist Lösungsorientierung.

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Wir bedanken uns bei Leonhard Bichler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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