Sich frühzeitig Gedanken über die Finanzierung machen

Lernbude vermittelt private Nachhilfelehrer und Tutoren für Online-Nachhilfe über Skype

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Lernbude doch kurz vor unseren Lesern vor!
Wir, das sind Johannes Kirchner (26), Master BWL in Aachen und Benedikt Kirpes (29), Master Wirtschaftsinformatik in Mannheim, arbeiten seit Ende 2015 zusammen an dem Startup Lernbude.de. Über Lernbude vermitteln wir private Nachhilfelehrer und Tutoren für Online-Nachhilfe über Skype. Die Lehrer sind nicht angestellt, was sich positiv auf den Preis für die Schüler/Studenten auswirkt. Wir setzen dabei auf ein Marktplatz-Modell, wo sich die Lehrer mit einem öffentlichen Profil präsentieren können. Zudem ist das Ganze deutlich flexibler und spontan möglich. Auf viele Schüler kann die Anwendung moderner digitaler Lernmethoden motivierend wirken und sie lernen gleichzeitig den verantwortungsvollen Umgang mit dem Computer und wichtigen Kommunikationstools. Online-Nachhilfe über Skype kombiniert das Beste aus Online-Lernangeboten und traditionellem Einzelunterricht.

Wie ist die Idee zu Lernbude entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Wir kennen uns seit Kindheitstagen an, haben zusammen Tennis gespielt und waren zwischenzeitlich Nachbarn. Unsere beiden Eltern sind selbstständig und so war auch für uns selbst früh klar, dass unsere berufliche Zukunft in diese Richtung gehen soll. Nachdem wir beide unser Studium abgeschlossen und Erfahrung in diversen Unternehmen gesammelt haben, sahen wir nun den richtigen Zeitpunkt für ein gemeinsames Projekt gekommen.
Da uns das Thema digitale Bildung und E-Learning sehr am Herzen liegt und Deutschland dort auch noch einiges aufzuholen hat, haben wir uns für dieses Gebiet entschieden. Im Studium lernen die Studenten heute bereits häufig über Skype zusammen, in anderen Bereichen wie zum Beispiel Schule oder persönlicher Weiterbildung ist dies noch nicht so weit verbreitet. Da wir beide selbst gute Erfahrungen damit gemacht haben, stand auch schnell ein erstes Ideenkonzept.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die komplette Ausarbeitung der Idee hat einige Wochen in Anspruch genommen und war eine sehr intensive Zeit. Gleichzeitig haben wir uns über die Finanzierung Gedanken gemacht. Da bei Internet-Startups die Kosten vergleichsweise gering sind, haben wir uns gegen den oft langwierigen und zeitintensiven Prozess einer Förderung entschieden. Das Projekt haben wir durch eigene Mittel und unsere beruflichen Tätigkeiten finanziert. Da wir die Kosten minimieren wollten, haben wir uns für eine riskantere Variante entschieden und die Programmierung der Website nach Pakistan outgesourced. Trotz persönlicher Kontakte war die Auswahl des Partners und die vertragliche Situation (NDA, Werkvertrag) eine Herausforderung. Zum Glück hat uns dabei eine befreundete IT-Anwältin sehr geholfen. Auch Kommunikation und Koordination waren eine große Herausforderung, aber gleichzeitig sehr spannend. Durch diesen Schritt konnten wir die aufwändige Programmierung zu einem Bruchteil der Preise in Deutschland durchführen und das Projekt so überhaupt erst realisieren. Allerdings hat die Programmierung am Ende knapp zwei Monate länger gedauert als geplant. Zukünftige Erweiterungen werden wir gemeinsam mit einem anderen Team in Bangladesch machen. Ursprünglich war das Projekt als Lean-Startup geplant, schnell einen Prototyp, eine Test-Version auf den Markt zu werfen und danach zu optimieren. Aufgrund der Verzögerung kann man nun aber nicht mehr wirklich von „schnell“ sprechen.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Seit dem offiziellen Launch sindknapp 7 Wochen vergangen. Bei den Online-Lehrern kommt das Angebot sehr gut an. Diese nutzen die Funktionen gerne und sind begeistert von den neuen Möglichkeiten. Gerade der kostenlose Basic-Account ist aktuell sehr beliebt um die neuen Akquise-Chancen auszuprobieren.
Bei den Schülern sieht das etwas anders aus. Die Meinungen sind sehr geteilt. Viele sind, wie erwartet, skeptisch gegenüber dem Online-Unterricht. In anderen Ländern funktionieren ähnliche Konzepte bereits und die Nachhilfe über Skype wird deutlich besser angenommen als hier in Deutschland. Dies war aber vorhersehbar, wird sich mit der Zeit aber sicherlich auch ändern. Die Nutzerzahlen entwickeln sich insgesamt erwartungsgemäß.

Welche Wege gehen Sie, um Ihr Startup am Markt zu etablieren?
Aktuell setzen wir verstärkt auf guten Service und versuchen in persönlichen Gesprächen die potenziellen Lehrer sowie Schüler für unser Konzept zu begeistern. Neben der guten Kundenzufriedenheit hat das auch gleichzeitig den Effekt, dass sich die Zahlen so entwickeln, dass wir mit derTechnik und dem Supportganz gut mitkommen.Beim Marketing setzen wir in erster Linie auf persönliche Kommunikation, Social Media Marketing und SEO. Unser Fokus liegt auch darauf, dass die Tutoren selbständig tätig und nicht bei uns angestellt sind. Da gehen viele Institute einen anderen Weg, indem sie die Nachhilfelehrer anstellen und einen beträchtlichen Teil des Umsatzeseinbehalten. Der Lehrer sieht dadurch weniger von seinem Geld und die Schüler zahlen unnötig drauf. Wenn diese Transaktion direkt zwischen beiden Personen stattfindet, hat das Vorteile für beide Seiten und sollte sich langfristig durchsetzen.

Wer ist die Zielgruppe vonLernbude?
Aktuell sind unsere Haupt-Zielgruppen Schüler und Studenten, später wollen wir aber auch verstärkt auf berufliche Weiterbildung und Hobbies (z.B. Musikinstrumente) setzen.Was Online-Nachhilfe angeht, sind aktuell Studenten etwas vielversprechender als Schüler. Mittelfristig werden wir versuchen mit Universitäten, insbesondere mit Fern-Unis zu kooperieren, da Fernstudenten die perfekte Zielgruppe für Online-Unterricht darstellen.

Wie funktioniert Lernbude?
Lernbude ist eine Vermittlungsplattform für private Online-Nachhilfe. Das heißt, wir helfen Schülern oder Studenten dabei,einen passenden Online-Nachhilfelehrer zu finden. Der Unterricht wird dabei ausschließlich via Skype durchgeführt, wodurch auch bei dringenden Problemen schnell geholfen werden kann. Mitunserer Suchfunktion können die Lehrer beispielsweise nach Zielgruppe gefiltert oder nach dem Preis sortiert werden. Damit Schüler die Qualität der Lehrer bestmöglich einschätzen können, besitzen Lehrer ein detailliertes öffentliches Profil. Von großer Bedeutung für Qualität und Vertrauen ist dabei die Bewertungsfunktion; bei der die Lehrer von Ihren Schülern bewertet werden.

Lernbude, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Unser erstes Ziel ist es, möglichst viele Menschen von unserer Idee und unserem Konzept zu überzeugen. Als finanzielles Ziel wollen wir uns möglichst zeitnah ein eigenes Gehalt zahlen können, von dem wir leben können. Für die langfristige Planunghabenwir bereits eine lange Liste anFunktionen, mit der wir unser Angebot immens erweitern und ausbauen können. Geplant sind unter andere meineindividuelle Software um Skype zu ersetzen, die alle wichtigen Funktionen vereint, und ein Lernmaterialien-Hub. Unser Ziel ist es, Online-Einzelunterricht in Deutschland und Lernbude als erste Anlaufstelle dafür zu etablieren. Falls das Konzept funktioniert ist natürlich auch eine Expansion in andere Länder im Rahmen des Möglichen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Als ersten Tipp würden wir angehenden Gründern empfehlen im Team zu gründen. Verschiedene Kompetenzen die sich gut ergänzen sind sehr wichtig und wichtige Entscheidungen können diskutiert werden. Darüber hinaus ist der Spaß- und Motivationsfaktor durch die Teamarbeit erheblich höher. Zweitens ist es sehr wichtig sich frühzeitig Gedanken über die Finanzierung zu machen, da es gerade zu Beginn sehr schwer ist von dem eigenen Start-up zu leben. Als drittes empfehlen wir gute Ideen auf jeden Fall weiter zu verfolgen, ein Ideenkonzept zu entwickeln und möglichst auch auf den Markt zu bringen. In Deutschland werden gescheiterte Projekte im Gegensatz zu den USA eher negativ angesehen. Aber wir sind der Ansicht, dass man aus Fehlern nur lernen kann und diese nicht zwei Mal macht. Man sollte den Sprung wagen und das Risiko eingehen, am Ende kann man nur gewinnen.

Wir bedanken uns bei Johannes Kirchner und Benedikt Kirpes für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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