Mut, Intensität und Hartnäckigkeit an den Tag legen

Landpack umweltfreundliche Isolierverpackung auf Stroh bzw. Hanf Basis

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Landpack doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Mann und ich haben Landpack 2013 gegründet, um Styropor im Verpackungsbereich durch radikal neue – ökologische und genauso leistungsfähige – Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen zu ersetzen.
Mittlerweile sind wir ein internationales 20-köpfiges Team, mit dem es unheimlich Spaß macht, in immer kürzeren Taktzeiten neue Produkte zu entwickeln, zu produzieren und auf den Markt zu bringen.

Wie ist die Idee zu Landpack entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Wir sind 100 % Start-up: Beide Quereinsteiger in eine völlig neue Branche, in der wir mit dem Blick des Externen ein Problem gesehen haben, auf das bislang niemand eine Antwort hatte – geschweige denn an einer Antwort zu arbeiten schien.
Der Online Lebensmittelhandel ist die wahrscheinlich letzte Bastion im E-Commerce. In den nächsten Jahren werden hier Milliarden-Beträge ins Onlinegeschäft verschoben. Aber wie sollen diese Mengen an Lebensmitteln sicher, gekühlt und umweltfreundlich zum Kunden kommen? Die Antwort bislang war: In Styropor. Leistungsfähige Alternativen nicht in Sicht – und das weltweit.
Mein Mann und ich haben von Anfang an gemeinsam an Landpack und dem Geschäftsmodell gearbeitet. Thomas ist Ingenieur, ich habe einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund – wir ergänzen uns gut, kommen beide aus Unternehmerfamilien. Dass wir das zusammen durchziehen, lag auf der Hand.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war ganz klar die Entwicklung der Anlagentechnik. Wir haben ja nicht nur ein völlig neues Produkt, sondern auch das Verfahren dahinter samt der ganzen Produktion selbst entwickelt. Eine eigene Fabrik mit vollautomatisierten Produktionslinien selbst aufzubauen ist für ein Start-up schon ein Meisterwerk.
Und ohne Finanzierung unmöglich. Prototypen der ersten Produktionslinie konnten wir über das Hightech-Forschungsprogramm BayTOU des Bayerischen Wirtschaftsministeriums finanzieren. Im Anschluss haben wir eine Serie-A-Finanzierungsrunde abgeschlossen.
Wer ist die Zielgruppe von Landpack?
Prinzipiell alle Unternehmen, die Versandverpackungen für Kälte-/Wärmeisolation und/oder Schutz bzw. Stoßdämpfung brauchen und Wert auf Nachhaltigkeit legen.
Die meisten unserer Kunden sind Lebensmittelversender, die ihre hochwertigen Produkte nicht in gesundheitlich- und ökologisch-bedenklichen Styroporboxen verschicken möchten. Zudem ist die Entsorgung von Styropor über den Restmüll sehr problematisch und nur in Kleinstmengen zulässig.
Aber auch die Industrie, Elektronik und Möbelunternehmen zählen zu unserer Zielgruppe.

Aus welchem Rohstoff sind die Verpackungen gefertigt?
Unsere Landbox auf Basis von Stroh bzw. Hanf ist die weltweit erste radikal umweltfreundliche Isolierverpackung mit den Leistungsdaten von Styropor.
Landpack hat es erstmalig geschafft, den im Überfluss verfügbaren Rohstoff Stroh ohne massiven Einsatz vonKlebstoffen zu Formteilen zu verarbeiten. Das Verfahren wurde international geschützt. Unsere Technologie wird dem Rohstoff Stroh zum Durchbruch als Dämmstoff verhelfen. Denn anders als landläufig gemeint, spielt Stroh bislang keine Rolle im Dämmstoffsektor, quasi nicht-existent.
Für den Endverbraucher haben unsere Landboxen den Vorteil, dass sie im Biomüll oder Garten entsorgt werden können – auch das ein weltweites Novum.
Zudem sind sie optisch wahre Eyecatcher und ganz klare Premium-Produkte. Unsere Kunden heben sich damitab und zeigen, dass sie ganzheitlich denken – und dazu gehört eben auch eine clevere Versandverpackung.

Warum gerade Stroh?
Während Styropor auf Erdöl basiert, ist Stroh ein landwirtschaftliches Nebenprodukt, das die Hälfte der Gesamtmasse bei der Getreideernte ausmacht und damit im Überfluss vorhanden ist. Von den 30 Mio. Tonnen Getreidestroh, die jährlich in Deutschland anfallen, können 8-12 Mio. Tonnen ohne ökologische Nachteile anderen Anwendungen zugeführt werden. Die Nutzung dieses Reststoffs als Substitution für Erdöl trägt zur Ressourceneffizienz bei.
Es ist mir eigentlich völlig unerklärlich, wieso wir ständig nach neuen, vermeintlich besseren Werkstoffen suchen, wenn wir die von der Natur geschaffenen noch nicht
einmal richtig erforscht haben.
Als landwirtschaftliches Nebenprodukt der Getreideernte steht Stroh auch nicht in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion wie beispielsweise Stärke.
Stroh fällt in riesigen Mengen lokal an und minimiert damit die Transportwege.
Anders als man vermuten möchte, gibt es aber kaum Wissen um die Nutzung, die Eigenschaften, die Besonderheitenvon Stroh. Da setzt Landpack an. Denn Stroh kann viel mehr als pittoreske Landschaftsbilderliefern.

Landpack, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
2021 werden verderbliche Lebensmittel, zerbrechliche Waren, Elektronik, Möbel, Pflanzen und vieles mehr in Boxen oder mit Formteilen aus Stroh oder Hanf sicher und umweltfreundlich verschickt. Der Endverbraucher wird die Landbox als die Alternative zu Styropor wahrgenommen haben und keine Kunststoffverpackung mehr akzeptieren.
Unser technisches Know-how werden wir nutzen, um zunehmend andere Industrien und Anwendungen zu erschließen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1.) Just do it! Und dabei Mut, Intensität und Hartnäckigkeit an den Tag legen.
2.) Möglichst schnell und günstig die Marktakzeptanz testen. Wenn die Resonanz der (potenziellen) Kunden nicht überwältigend ist, dann lieber früher als später aufhören.
3.) Wenn potenzielle Zulieferer / Kooperationspartner, etc. sagen: „Geht nicht“, geht es meistens doch. Es geht alles.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Patricia Eschenlohr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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