In Krisen gründen – 4 Punkte, die man dabei beachten sollte

Nach der globalen Bankenkrise von 2008, die vorwiegend erhebliche finanzielle und wirtschaftliche Umwälzungen nach sich zog, beeinflussen die Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen nahezu alle Lebensbereiche. Kaum eine Angst, die nicht vom winzigen Corona-Virus getriggert wird. Freiheitseinschränkungen im bisher unbekannten Umfang, Sorge um die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden von Verwandten und Freunden sowie das Bewusstsein, das die gesamte Menschheit vor gleichen oder ähnlichen Herausforderungen steht, beschäftigen Millionen von Menschen.  

Wer sich momentan in einer Gründung befindet, diese plant oder gerade hinter sich gebracht hat, steht nun unter besonders hohem Druck. Sich der allgemein verbreiteten Unsicherheit oder negativen Emotionen hinzugeben – oder womöglich in Panik zu geraten – erscheint nun mehr als verständlich. Im wirtschaftlichen Kontext fungiert vor allem die Börse als ein sehr zuverlässiger „Verunsicherungs-Geigerzähler“, aber auch im gesamten Finanzsektor wächst das Bedürfnis nach Orientierung. Fest steht aber, dass Krisen niemals bis in alle Ewigkeit andauern, aus ihrer Natur heraus stellen sie stets einen zeitlich begrenzten Ausnahmezustand dar. Dies sollten wir uns immer wieder klar machen. Charakteristisch für eine Krisensituation ist auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Betroffenen als Verlierer, aber immer auch eine Minderheit als Gewinner heraustreten. Wie unterscheiden sich diese Personen von der Majorität? Durch ihre Einstellung und ihre Vorgehensweise:

Eine Vision, ein starkes Mindset sowie robuste, zeitlose Werte fungieren als verlässliche Entscheidungswerkzeuge und elementare Erfolgsbestandteile. 

Insbesondere Gründer benötigen zwingend eine langfristig ausgerichtete, klare Vision – ein unverzichtbarer Arbeitsauftrag, der vor der Gründung erledigt werden muss. Weiterhin lassen sich vier Punkte identifizieren, die nicht nur in einer Krise auftreten, aber gerade in Ausnahmesituationen von Gründern berücksichtigt werden müssen: 

1. Unser Denken bestimmt unser Handeln

Menschen lassen sich gerade in Krisen von Emotionen leiten – meistens leider von den negativen und destruktiven. Schnell verliert man die Hoffnung, Ängste und Sorgen gewinnen die Oberhand, das Vertrauen in die eigene Vision schwindet mehr und mehr. Ein starkes Mindset sorgt hingegen dafür, dass man diese Herausforderungen bewältigen kann. Die Art und Weise, wie wir denken, beeinflusst nachweisbar unser Handeln – dies ist keine Vermutung, sondern eine medizinisch erklärbare und nachgewiesene Tatsache! Wer in stürmischen Zeiten ruhig bleibt und einen kühlen Kopf bewahrt, tritt üblicherweise als Sieger aus der Krise hervor und findet bessere und beständigere Lösungen. Diese Fähigkeit zeichnet insbesondere erfolgreiche und vertrauenswürdige Führungspersönlichkeiten aus. Wenn ein Staatsoberhaupt in einer Krise die Nerven verliert, würde zweifellos im Land das reinste Chaos ausbrechen.     

2. Krisen stellen die bestehenden Strukturen infrage

Als Führungsverantwortlicher stützt man sich üblicherweise auf ein bewährtes und vergleichsweise effektives System – oder eine gewachsene Organisationsstruktur. Gerät man in eine Ausnahmesituation, wird dementsprechend eben auch nicht selten die Legitimation der eigenen Position hinterfragt. Hier agiert man am besten mit einer Kombination aus Stärke, Entscheidungsfreudigkeit, Flexibilität und Einfühlungsvermögen. Dabei gilt aber auch folgendes: Stärke darf einen nicht blind machen für die Defizite des bestehenden Systems, die Flexibilität nicht dazu führen, dass man sein Fähnchen nach dem Wind schwenkt. Entscheidungsfreudigkeit führt ohne Einfühlungsvermögen zu destruktivem Aktionismus, übertriebenes Hineinversetzen in jedes Teammitglied verhindert, dass man gemeinsam über sich hinauswachsen kann. Behält man also aus personalpsychologischer Sicht das System und die Interaktion der Personen genau – und mit der nötigen Ruhe – im Auge, lassen sich wertvolle Erkenntnisse und Schlussfolgerungen für die nachfolgende Optimierungsphase sammeln. Selbst wenn man temporär zur Untätigkeit „verdammt“ ist, finden sich Beobachtungs- und Dokumentations-Chancen, es gibt immer etwas zu tun.

3. Zeit nutzen, um mit der Zeit zu gehen

Bestimmte Parameter in der Finanzwelt verhalten sich stark volatil. Dementsprechend ist es enorm wichtig, stets einen Schritt weiter zu denken und zu gehen, aber niemals hinterherzulaufen. Krisensituationen forcieren oft Justierungen oder Weiterentwicklungen, die eventuell schon seit geraumer Zeit geplant, aber aufgrund fehlendem Leidensdruck gerne immer wieder zurückgestellt wurden. Die Corona-Krise hat zum Beispiel das Thema Home-Office enorm gepusht. Es gab aufgrund der Kontakteinschränkungen schlichtweg keine Alternative mehr zur „Telearbeit“.

Anstatt nun nur das absolut notwendigste in Angriff zu nehmen und zu hoffen, dass bald alles „wieder wie vorher wird“, sollte nun Nägel mit Köpfen gemacht, Updates und Prozess-Digitalisierungen proaktiv auf die Agenda gesetzt – und auch realisiert werden. Ihr Business nimmt wieder aktiv Fahrt auf, Ihre Mitarbeiter und Kunden profitieren in vielfältigster Weise, Sie bringen sich auch für zukünftige Krisen wesentlich besser in Position. Anstehende Investitionen können auch mithilfe der verfügbaren staatlichen Unterstützungsmaßnahmen (Corona-Überbrückungshilfen, Konjunkturpaket, etc.) angegangen werden, selbst wenn der Förderungsumfang noch deutlich Luft nach oben hat. 

4. Werte festigen, Mehrwerte schaffen

Mit Mut und Kreativität lassen sich gerade jetzt auch Innovationen aus der Taufe heben und realisieren, zusätzliche Qualifikationen aneignen oder Portfolioverbreiterungen durchführen. Beobachten Sie aber auch die Konkurrenz: welcher Spirit herrscht bei Ihren Mitbewerbern? Tritt man ängstlich auf der Stelle oder nutzt den Drive des Wandels, um wichtige Schritte nach vorne zu machen? Nichtsdestotrotz sollten Sie aber Ihren menschlichen und unternehmerischen Wertekanon nicht aus den Augen verlieren – gerade in Krisen und unsicheren Zeiten gewinnen zeitlose Werte wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Integrität, Nächstenliebe, Fürsorge oder Verantwortungsbewusstsein wieder enorm an Bedeutung, sorgen auch in dunklen Momenten für warmes, vertrauensvolles Licht. 

Diese 4 Punkte können Ihnen – am besten als sich gegenseitig ergänzende Werkzeuge –  helfen, globale, regionale, unternehmerische oder persönliche Krisen zu bewältigen. Gründern und Entrepreneuren dienen sie als mentale Erstausstattung, die bei keiner Neugründung fehlen sollte. Als eigene „Zutat“ müssen Sie nur noch Disziplin und Durchhaltewillen hinzufügen, um ein Erfolgsrezept zur Hand zu haben, das Sie sicher durch jede Ausnahmesituation bringt, Ihnen aber auch in „normalen“ Zeiten enorm zugute kommt.

Autor:

Mohammad Wandi ist Arzt des Fachbereiches Neurologie, Doktorand der Psychologie, Psychotherapie und Psychosomatik, Autor und Mentor, kurzum ein Visionär. Er verzeichnet einen bemerkenswerten und zugleich inspirierenden Werdegang. Mit 11 Jahren von Irak über diverse Länder mit seinem Vater nach Deutschland geflüchtet, wusste er sein Potenzial auszuschöpfen. Er eignete sich trotz der enormen sozialen, sprachlichen und finanziellen Hürden neue Fertigkeiten an, größtenteils autodidaktisch, die durch zahlreiche Zusatzzertifikate ihre Anerkennung finden. Heute arbeitet er leidenschaftlich als Arzt, publiziert, ist als Gründer und Mentor tätig, wo er Gründern, Managern und Akademikern sowohl in gesundheitlichen als auch finanziellen Bereichen Sektor übergreifend und allumfassend coacht. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen „Corona – Herausforderung oder Chance? Ein Plädoyer für mehr Mut“ in Wirtschafts-TV und Durch Achtsamkeit Chaos verhindern, Kollateralschäden vorbeugen“ in Erfolg-Magazin.

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