Wir möchten gemeinsam Gutes tun.

Klimawiese: Klimaschutz zum Erhalt der Artenvielfalt

Stellen Sie sich und das Startup Klimawiese doch kurz unseren Lesern vor!

Hallo und vielen Dank zunächst für die Möglichkeit, uns hier vorzustellen. „Wir“ – das sind vier Großstädter, die sich ursprünglich in Berlin kennengelernt und dort die letzten zehn, elf Jahre in der Startup-Szene „getummelt“ haben. Vor Kurzem hat es zumindest schon mal drei von uns dann aber hinaus „ins Grüne“ gezogen. In der Natur fühlen wir uns einfach wohler. Und hier ist auch die Idee zu Klimawiese entstanden. 

Klimawiese ist – kurz gesagt – ein Unternehmen, das sich für den Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt einsetzt. Wir kaufen brachliegende Grundstücke und wandeln sie in Streuobstwiesen um. Daran kann sich jeder beteiligen: Wir finanzieren uns, indem wir Privatpersonen und Unternehmen die Möglichkeit geben, Patenschaften für Bäume, Insektenwiese und Sträucher zu übernehmen und sich so für die Umwelt zu engagieren. 

Streuobstwiesen sind doppelt gut für die Umwelt: Die Bäume filtern CO2 und geben Sauerstoff ab. Zudem bieten Streuobstwiesen bis zu 5.000 Tieren und Pflanzen Lebensraum und Nahrung. Sie sind also ein echtes Kontrastprogramm zu den ganzen Siedlungen, Wäldern und Ackern, die sonst so typisch für Deutschland sind.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Uns ging es nicht so sehr darum, ein Unternehmen zu gründen. Viel wichtiger war und ist es für uns, Etwas zu bewegen und uns für den Schutz des Klimas und den Erhalt der Artenvielfalt zu engagieren. Wir haben lange überlegt, wie wir uns möglichst nachhaltig und wirksam engagieren können. Herausgekommen ist die Idee, eine Organisation ins Leben zu rufen, die Umweltprojekte anschiebt, an denen sich viele beteiligen können. 

Welche Rechtsform wir nun wählen, war da nicht so entscheidend. Anwälte haben uns aber abgeraten, einen klassischen Verein zu gründen. Vereine tun sich wohl schwerer, Grundstücke zu kaufen. Wir haben uns deshalb entschieden, eine UG zu gründen. 

Klimawiese unterscheidet sich aber deutlich von klassischen Unternehmen: Unser Unternehmen ist nicht in sich geschlossen und auch nicht gewinnorientiert. Wir sind umweltorientiert. Und wir laden jeden herzlich ein, sich gemeinsam mit uns für Klima, Pflanzen und Tiere einzusetzen.

Welche Vision steckt hinter Klimawiese?

Mit Klimawiese verfolgen wir ganz klar zwei Ziele: Wir möchten unseren Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Artenvielfalt leisten und wir möchten es Personen und Unternehmen möglichst leicht machen, sich ihrerseits für die Umwelt zu engagieren. Wir realisieren deshalb Projekte, an denen alle teilhaben können, denen unser Klima und unsere Umwelt am Herzen liegen: Jeder kann bei uns Baumpate werden oder zum Beispiel eine Patenschaft für ein Stück Insektenwiese übernehmen und sich so für die Umwelt einsetzen.

Alle Einnahmen nutzen wir, um möglichst viele brachliegende Flächen in Streuobstwiesen zu verwandeln. Auf unseren Streuobstwiesen pflanzen wir bewusst selten gewordene Obstbäume. Sie sind schon für sich schützenswert und haben zusätzlich einen positiven Einfluss aufs Klima: Die Bäume binden CO2 und geben Sauerstoff ab. Zudem ist eine Streuobstwiese für Tiere und Pflanzen deutlich dankbarer als ein Wald oder eine Obstplantage: Auf ihr finden Tausende Pflanzenarten und Tierarten wie Bienen, andere Insekten, Vögel und Säugetiere Lebensraum und Nahrung.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung war sicherlich die Ideenfindung und der Feinschliff dieser Idee. Uns vier Gründern war klar, dass wir uns für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren möchten. Wir wussten nur nicht, wie wir mit unseren Mitteln und Fähigkeiten einen möglichst nachhaltigen und wirksamen Beitrag leisten können. Wir haben uns in den letzten Jahren deshalb viele Ideen angehört und Projekte und Initiativen analysiert, bis wir auf die Idee gekommen sind, Klimawiese zu gründen. Den Kauf des ersten Grundstücks haben wir aus eigenen Mitteln finanziert. Generell verstehen wir Klimawiese aber als Angebot und Sammelbecken für alle, die sich als Pate gemeinsam mit uns für die Umwelt einsetzen möchten. Alle Einnahmen und Spenden nutzen wir dabei zweckbestimmt, um bestehende Streuobstwiesen zu pflegen und neue anzulegen.

Wer ist die Zielgruppe von Klimawiese?

Eine Zielgruppe im engeren, klassischen Sinne haben wir nicht. Klimawiese ist als Projekt bewusst offen konzipiert. Gemeinsam mit uns kann sich jeder für die Umwelt und für Artenvielfalt engagieren. Wir freuen uns über jeden, dem unser Klima und die Natur am Herzen liegen. Das können Privatpersonen sein, die selber Baumpate oder Wiesenpate werden oder eine Patenschaft verschenken möchten. Genauso willkommen sind aber auch Unternehmen, die ihre CO2-Bilanz durch Investitionen in unsere Projekte besser gestalten möchten.

Wie funktioniert Klimawiese? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Diese Frage bekommen wir recht häufig gestellt und verstehen sie ziemlich gut: Es gibt ja tatsächlich einige Projekte und Organisationen, bei denen man Baumpatenschaften oder andere Patenschafen übernehmen kann. Weil wir so häufig gefragt, werden, was Klimawiese so besonders macht, haben wir hierzu vor kurzem einen Blogpost https://www.klimawiese.de/baumpatenschaft-kaufen-das-unterscheidet-klimawiese-von-anderen-umweltprojekten/) geschrieben. Er gliedert sich in vier Punkte: Nachhaltigkeit, Regionalität, Transparenz und Artenvielfalt. 

„Nachhaltigkeit“ steht dafür, dass wir Projekte schaffen möchten, die Bestand haben und auch noch in fünf, zehn und zwanzig Jahren einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben. Wir kaufen deshalb die Grundstücke, auf denen wir Bäume pflanzen und Streuobstwiesen anlegen. So haben Bäume, Pflanzen und Tiere Zeit zu wachsen und sich auszubreiten. Und nur so können wir Leuten, die eine Patenschaft übernehmen, auch garantieren, dass es den Baum oder die Wiese auch in vielen Jahren noch gibt. Viele andere Organisationen können das nicht: Sie pflanzen die Bäume auf Grundstücke, die sie nur gepachtet haben oder mit deren Eigentümern sie ein anderes Agreement haben. Ob der Eigentümer nicht irgendwann einmal eigene Pläne mit dem Grundstück verfolgt, ist völlig unklar. 

„Regionalität“ bedeutet, dass wir unsere Projekte ausschließlich in Deutschland realisieren.

Wenn Sie sich online ein wenig umgucken, stoßen Sie auf die exotischsten Gegenden: Man kann so Baumpatenschaften für Bäume übernehmen, die angeblich in Ecuador, Ghana oder Australien gepflanzt werden. Bitte verstehen Sie uns nicht falsch: Solange diese Projekte dem Klima und der Umwelt nützen, finden wir das super. Wir fragen uns nur, ob man Bäume wirklich nur am anderen Ende der Welt pflanzen kann. Wenn wir das damals im Bio-Unterricht richtig verstanden haben, dann wachsen Bäume ja auch hier bei uns ganz gut. Wir denken, dass es genauso gut möglich und vor allem notwendig ist, hier vor Ort einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der für unsere Breitengrade typischen Artenvielfalt zu leisten. Unsere erste Streuobstwiese, der Liebenwalder Naturgarten, entsteht so sehr bewusst fünfzig Kilometer nördlich von Berlin, also mitten in Brandenburg.

„Transparenz“ ist der dritte Punkt, der uns besonders wichtig ist:

Klimawiese kann als Projekt nur dann gelingen, wenn uns möglichst viele Leute vertrauen, denen die Umwelt am Herzen liegt. Wir schenken den Leuten deshalb reinen Wein ein. Bei uns erfahren sie sehr genau, wo der Baum oder der Strauch gepflanzt oder die Wiese gesät ist, für die sie eine Patenschaft übernehmen. Die genaue Adresse und ein Kartenausschnitt finden sich direkt auf unserer Seite. Es gibt zudem die Möglichkeit, personalisierte Baumpatenschaften zu übernehmen. Bei ihnen bringen wir ein Namensschild direkt am Baum an. Wir laden auch jeden ein, sich vor Ort ein Bild zu machen, wie gut sich unsere Streuobstwiesen entwickeln. 

Und nicht zuletzt engagieren wir uns für Artenvielfalt. Andere Projekte und Organisationen, bei denen Sie Baumpate werden können, pflanzen diese Bäume in einem Wald und nehmen dabei viel zu oft nur Bäume von einer einzigen Sorte. Für die Projektbetreiber ist das besonders billig und praktisch. Für viele Tiere und Pflanzen ist das aber katastrophal: Sie werden durch die Monokultur verdrängt, finden keine Nahrung und haben keinen Lebensraum mehr. Beides bieten wir ihnen, indem wir Streuobstwiesen anlegen. Im Vergleich zu Wäldern, Äckern und Obstplantagen sind Streuobstwiesen wesentlich artenreicher. Hinzu kommt, dass wir bewusst sehr alte und seltene Obstbäume pflanzen, wie den Edelborsdorfer Apfelbaum oder den Birnbaum „Garrns Bunte“. Das sind Bäume, die zu langsam für industrielle Obstplantagen wachsen und deshalb vom Aussterben bedroht sind. Im Übrigen sind die Früchte dieser Bäume auch geeignet für Allergiker.

Klimawiese, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir sind angetreten, um unseren Beitrag zum Klima- und Artenschutz zu leisten und ein Gegenwicht zur Verwertung unserer Böden zu bilden, die ja leider immer weiter um sich greift. Wenn man sich ansieht, wie viele Flächen heute schon land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden oder besiedelt sind, ist das schlimm. Die Natur wird Stück für Stück verdrängt. Dem möchten wir entgegentreten. 

In fünf Jahren sind wir diesem Ziel hoffentlich einen großen Schritt nähergekommen und haben viele Streuobstwiesen in unterschiedlichen Bundesländern geschaffen, auf denen alte Obstbäume und Pflanzen wachsen und auf denen sich Insekten und Wildtiere wohlfühlen. Und wenn es ganz gut läuft, haben wir auch unseren Beitrag dazu geleistet, dass die Gesellschaft insgesamt und mit ihr auch die Politik umdenken: Klima- und Artenschutz gehen uns schließlich alle an. Sie sind unsere Lebensgrundlage.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Angehende Gründer sollten sich klar sein, dass die Gründung eines Unternehmens kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Das heißt, dass man sich die Leute gut aussuchen sollte, mit denen man sich auf die Reise begibt. Und man sollte voll hinter der Idee stehen, die man realisiert. Durststrecken gibt es häufig und viele. Kraft geben einem in solchen Momenten die Mitgründer und das Wissen darum, dass man sich für die richtige Sache einsetzt. Uns vieren ist zum Beispiel völlig bewusst, dass ein Umwelt-Startup nicht sonderlich sexy ist und uns Klimawiese nicht reich machen wird. Das ist uns aber völlig egal: Wir möchten gemeinsam Gutes tun. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Kay Zilliges für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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