20. Oktober: Internationaler Tag der Souveränität

Drastische Einschnitte und wie sich diese überwinden lassen Klamm(heimlich) ist jetzt Souveränität gefragt – 3 Hacks

Klamm(heimlich) hat sich das Virus in unser Leben geschlichen und bestimmt seitdem unseren Tagesablauf ebenso wie unsere mittel- und langfristige Planung. Vieles liegt deswegen auf Eis, manches kam dadurch erst ins Rollen. Für den Einzelnen, für Teams und sogar ganze Unternehmen fühlt es sich oft an wie der Weg durch eine Klamm. Enge Steige, treppauf, treppab, kaum Tageslicht – die Schlucht im Gebirge stellt für Menschen manchmal auf ganz unterschiedliche Weise eine Herausforderung dar. Der eine mag das Gefühl – unter teils überhängenden Felswänden – eingeschlossen zu sein nicht. Von Über- oder gar Weitsicht keine Spur. Einem anderen fehlt die Trittsicherheit, wenn durch dauerhafte Nässe immer wieder Rutschgefahr droht. Gefragt ist neben dem Fitnessgrad vor allem die Ausrüstung – und darin am besten eine gute Portion persönliche Souveränität.

Teams erleben gerade zwei große Einschnitte …

Online-Phasen machen einen Großteil der gemeinsamen Zeit aus. Die Phasen des Zusammen-seins kommen dafür zu kurz. Schwierig vor allem dann, wenn es um soziale Aspekte, das gemeinsame Erleben, geht. Gelingt es nicht mehr, Motivation und Teamgeist persönlich zu fördern, flammen schnell Konflikte auf. Werden diese nicht rechtzeitig erkannt und gelöst, ist das Auseinanderleben vorprogrammiert. Ebenfalls dazu bei trägt ein unterschiedliches Werteverständnis, das sich in schwierigen Phasen weitaus deutlicher äußert als sonst. Wird dieses nicht kommuniziert und ständig abgeglichen, gelten Exoten über kurz oder lang nicht mehr als inspirierende Quelle der kooperativen Kreativität, sondern nur noch als „Störer“.  

Eine lange Klamm sozusagen, die das Team auf ihrem gemeinsamen Weg immer mehr trennt. Manchmal hat man das Gefühl, ein Teil der Mannschaft hat bereits fast das Ende der Klamm erreicht, während ein anderer noch nicht einmal den Zugang gefunden hat. Sind die einen bei der Hälfte angekommen, haben andere gerade den ersten Anstieg überwunden. Größte Herausforderung ist dabei die Kommunikation. Wer würde dem nach einigen Monaten virtuellem Dasein nicht zustimmen? Manchmal gleicht ein Zoom-Meeting jenem Weg durch die Klamm: Weil das eingeschnittene Tal inklusive Weg im Zick-Zack verläuft, hat man nicht immer Blickkontakt. Die tosenden Wassermassen, die an der einen oder anderen Stelle lautstark nach unten brausen, erschweren Gespräche. Schwierige Umstände, die uns manchmal alles an Souveränität abverlangen. 

… wie trotzdem ein wertvoller Dialog gelingt

Niemand hat uns gezeigt, wie eine gelungene Mischung aus Technik und Haltung gelingt, wenn wir uns nur noch online treffen. Von einem Tag auf den anderen saßen wir im Homeoffice und mussten uns weitgehend selbst organisieren. Neben dem Konfliktpotential, das entsteht, wenn Familien den ganzen Tag plötzlich eng zusammen verbringen müssen und doch jeder für sich seinen Aufgaben nachgehen soll, standen wir auch noch vor einem anderen Problem: Die Professionalität, die wir uns im persönlichen Gespräch über Jahre hinweg angeeignet hatten, auf die digitale Welt zu übertragen. Nicht immer gelang dies auf Anhieb.

Der eine oder andere hadert auch heute noch damit. Ob CEO oder Vertriebsmitarbeiter, Lehrer oder Professor – im besten Fall flimmerten Monologe über den Bildschirm, im schlimmsten Fall blieb dieser schwarz, weil die Technik im Kleinen (Unternehmen, Homeoffice) wie im Großen (Anbieter, Ausbau) der Entwicklung weiter hinterherhängt. Schnell geht dadurch das Pensum über die üblichen Arbeitsstunden hinaus und es wird schwer, den Ansprüchen von Arbeit und Familie, Chef und Lebenspartner gerecht zu werden. Wir verzetteln uns, mangelnde Bewegung tut ihr Übriges dazu, dass unsere Kondition in der „Klamm“ zu wünschen lässt. Drei Souveränität-Hacks helfen uns dabei, leichter durch die Enge – in unserem Kopf wie in der digitalen Kommunikation – zu kommen:    

Souveränität-Hack #1:

Nur 1/7 der Kommunikation findet auf der Sach- und Fachebene statt. Umso wichtiger ist es, diese Daten und Inhalte – gerade virtuell – gut vorbereitet mit aussagekräftigen Grafiken und emotionalen Bildern zu präsentieren. Damit die Informationen von allen nicht nur gut aufgenommen, sondern auch wirksam verarbeitet werden können, unbedingt Pausen einplanen. Online-Zeit ist eine verdichtete Zeit. Für Fragen „Wie geht es Dir?“ bleibt da oft zu wenig Zeit oder der Kreis ist zu groß. Um das spezielle Interesse am einzelnen Gegenüber zu signalisieren und ihm individuelle Wertschätzung entgegenzubringen, hilft es, zusätzliche Telefongespräche oder exklusive Online-Treffen anzubieten. Warum sich also nicht einfach mal auf einen spontanen Plausch in der virtuellen Kaffeeküche treffen?

Souveränität-Hack #2:

Der Moderator steuert das Meeting. Die Kommunikationsdisziplin dabei ist es, sich das Steuer nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Und dazu gehört auch, bestimmte Regeln – sozusagen den sozialen Kit – einzufordern: Gilt „Kamera an“ dann bitte für jeden, Handzeichen für Wortmeldung und Abstimmungen im Chat. Konflikte und Motivation lassen sich am leichtesten erkennen, wenn man die komplette Gruppe gleichmäßig einbindet. Wortführer also ruhig einmal bewusst um eine kurze Antwort bitten und diese auch rigoros einfordern. Dafür diejenigen, die im Online-Meeting völlig verstummen, aktiv zum Beitragen einladen. 

Souveränität-Hack #3:

Schaffen Sie gemeinsame wertvolle, tiefgehende Erlebnisse. Ein Ausflug, ein Zusammentreffen, ein Team-Coaching – natürlich mit Abstand – hilft, das Erlebte zu reflektieren. Lernbuddys (Kollegen aus dem Team) begleiten die kommunizierten Veränderungsziele über längere Zeiten. Ziel ist es, Feedback als Geschenk zu betrachten, Anerkennung als Investition in eine Beziehung, Konfliktlösung als Chance, situative Führung als werteorientierte Einzigartigkeit. So gelingt auch der Transfer in den Team-Alltag. 

Pläne, Routinen, Ziele, Orientierung – all das bräuchten wir eigentlich auf dem Weg durch die Klamm wie durch unseren momentanen Alltag. Auch wenn wir davon einiges, ja sogar vieles in den letzten Wochen und Monaten über Bord werfen mussten, ergeben sich durch die Veränderungen gerade souveräne Möglichkeiten. Nicht immer sind es nur Chancen, auch wenn uns das viele einreden wollen. Es ist der Wandel und Wechsel, der uns – wie in der Klamm – manchmal stresst und doch dabei hilft, aufmerksam zu bleiben. Statt irgendetwas mühsam hinterherzulaufen oder unbedingt zurückgewinnen zu wollen, sollten wir lieber souverän nach vorne blicken. Wir können die Enge – im Kopf wie im richtigen Leben – überwinden und hinter uns lassen.  Für eine souveräne Zukunft! 

Autor: Theo Bergauer

 Diplom-Bauingenieur (FH), Diplom- Wirtschaftsingenieur (FH), zertifizierter Unternehmenstrainer, Coach und Experte für Souveränität mit den Schwerpunkten Training, Coaching und Moderation – Theo Bergauer hat langjährige Führungserfahrung im Sport und Management, ist Fachbuchautor und Dozent an verschiedenen Hochschulen. Damit jeder Mensch seine individuellen Ziele nachhaltig verwirklichen und so zum Erfolg des Ganzen beitragen kann, lebt und trainiert er nach seinem Grundsatz: erleben, erlernen, erreichen. Dabei geht es ihm nicht nur um kurzfristige Wissensvermittlung, sondern vielmehr um die Begleitung von Prozessen für emotionale Leidenschaft, sichere Orientierung und wertvolle Souveränität. www.b-wirkt.de.

Bild: Quelle Peter Krinninger

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