Donnerstag, Dezember 2, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

KistenKrämer verbessert mit Selbstbedienungsshops die Nahversorgung in ländlichen Regionen

Stellen Sie sich und das Startup KistenKrämer doch kurz vor!

Mein Name ist Christoph Mayer, ich bin Gründer des österreichischen Startups KastlGreissler und Geschäftsführer unserer in Deutschland tätigen KistenKrämer GmbH. Das Problem fehlender Nahversorger am Land gibt es da wie dort – in Österreich genauso wie in Deutschland. Unsere Lösung, mit modernen Selbstbedienungsshops die Nahversorgung in ländlichen Regionen zu verbessern und den Einkauf direkt um die Ecke wieder attraktiv zu machen, funktioniert in beiden Ländern. Für unseren Markteintritt in Deutschland gab es eine logische sprachliche Anpassung. Denn was in Österreich als Greißler bezeichnet wird, ist in Deutschland der gute alte Krämer.

Der KistenKrämer versteht sich als Antwort auf das Nahversorger-Sterben in kleinen, infrastrukturschwachen Gemeinden. Gleichzeitig können wir durch unsere dezentrale Struktur bei Kleinstbetrieben aus der unmittelbaren Umgebung einkaufen und bieten so einen attraktiven Vertriebsweg für Bauernhöfe und Manufakturen. Am grundsätzlichen Angebot frischer und regionaler Lebensmittel mangelt es hier ja nicht. Unser Konzept lautet daher, diese gemeinsam mit weiteren wichtigen Dingen des täglichen Bedarfs in kleinen (knapp 15m2 Fläche) und dennoch ein komplettes Vollsortiment bietenden Shops (bis zu 500 Produkte) zu vereinen.

Wie ist die Idee zu KistenKrämer entstanden?

Insbesondere in ländlichen Regionen wird für den Einkauf leider viel zu oft das Auto benötigt. Ein Widerspruch an sich, wenn man bedenkt, dass die Produkte sprichwörtlich vor der Haustüre liegen. Und dennoch ist – oder hoffentlich war – es in der Realität vielfach so, dass der nächste Supermarkt viele Kilometer entfernt liegt oder auch das Abklappern einzelner Direktvermarkter mit dem Auto unnötig Ressourcen verbraucht. Kurzum braucht es eine Einkaufsmöglichkeit, wo du Gutes aus deiner Umgebung und alles, was du täglich brauchst, vor der eigenen Haustür bekommst. Aber auch die Inbound-Logistik der großen Supermärkte sorgt auf Grund der großen Einkaufsorganisationen für unnötige Transport-Kilometer. Tatsächlich gibt es in ganz Deutschland keinen Ort, an dem ein Ei mehr als 30 Kilometer vom Huhn zum Eiskasten zurücklegen muss.

Mindestens genauso wichtig ist bei unserer Idee aber auch, dass wir zwischen den Konsumenten und Produzenten wieder eine Verbindung herstellen möchten, die es seit Anbeginn der Menschheit immer gab. In den letzten Jahrzehnten ist hier durch die anonymisierende Kraft der Supermärkte eine Entfremdung entstanden. Es ist einfach schade, dass die Konsumenten oft wenig bis gar nichts über die Produzenten wissen, sozusagen anonyme Produkte kaufen. Bei wirklich regionalen Produkten – also solchen, die aus der unmittelbaren Umgebung aus der eigenen oder aus benachbarten Gemeinden stammen – sind der Bezug, aber auch Wertschätzung und Wertschöpfung jedenfalls ganz anders.

Welche Vision steckt hinter KistenKrämer?

Mit jedem KistenKrämer mehr verhindern wir, dass Menschen für 2 Liter Milch 2 Tonnen Autoblech 20 Kilometer weit bewegen müssen. Durch eine Verbesserung der Nahversorgung wollen und können wir auch die Umweltsituation positiv beeinflussen. Und genau dafür haben wir eine neue Möglichkeit geschaffen, die noch dazu den Anteil regionaler Produkte deutlich steigert.

Wer ist die Zielgruppe von KistenKrämer?

Wenn wir von den Konsumenten sprechen, sind das natürlich all jene, die möglichst viele regionale Produkte in ihrem Einkaufskorb haben möchten. Es geht aber auch darum jene zu versorgen, die weniger mobil sind. Genauso wie um jene, die sich bewusst dafür entscheiden beim täglichen Einkauf auch mal gerne auf das Auto zu verzichten.

Da der KistenKrämer als Franchisesystem funktioniert, wollen wir viele weitere Mitstreiter finden, die unsere Vision teilen und diese mit ihrem eigenen Selbstbedienungsshop Realität werden lassen.

Wir freuen uns aber selbstverständlich auch darüber, wenn kleinbäuerliche Betriebe und regionale Manufakturen mit uns Kontakt aufnehmen, die mit einem unserer KistenKrämer kooperieren möchten.

Zu guter Letzt ist uns aber auch der direkte und gute Draht zu Bürgermeistern und Gemeinden sehr wichtig. Viele sind hier bereits auf der Suche nach einer modernen und zukunftsträchtigen Lösung und wollen in Sachen Nahversorgung aktiv eine Verbesserung für die eigene Bevölkerung herbeiführen. Es gibt hier bereits schöne Beispiele aus Österreich, wie gemeinsam der richtige Franchisenehmer gefunden wurde.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für die Sendung 2 Minuten 2 Millionen zu bewerben?

Hierzu gibt es eine Geschichte dahinter: Jener Mann, der bei „2 Minuten 2 Millionen“ teilnahm, heißt Markus Wegerth und ist Mitgründer von KistenKrämer. Mit seinem Vorgängerprojekt war er auf Bundeslandebene bereits sehr erfolgreich. Um das Konzept jedoch darüber hinaus, sprich österreichweit verbreiten zu können, brauchte es einen Investor und ein Team, das von der Idee genauso überzeugt war wie er selbst.

Wie haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?

Diese Frage müsste Markus Wegerth beantworten. Feststeht, dass er hervorragend vorbereitet war und so meinen Geschäftspartner und „2 Minuten 2 Millionen“ Jury-Mitglied Martin Rohla überzeugt hat. Woraufhin wir entschieden haben, uns mit unserem Unternehmen Goodshares am KistenKrämer zu beteiligen. Oberste Prämisse bei Goodshares ist, dass wir ausschließlich in nachhaltig agierende Unternehmen investieren.

Wie wichtig war dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch „2 Minuten 2 Millionen“ viele Interessenten und auch Medien auf KistenKrämer aufmerksam werden?

Ohne „2 Minuten 2 Millionen“ gäbe es den KistenKrämer in dieser bereits erprobten und optimierten Form heute wohl noch nicht. Denn natürlich hat uns auch das unglaublich positive Feedback vorangetrieben. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die ersten interessierten Franchisenehmer gemeldet, die das Konzept mittragen wollten. Enormen Zuspruch und Bestätigung gab es aber auch von Seiten der Konsumenten ebenso wie von den Medien. Und zu guter Letzt konnten wir durch diese Aufmerksamkeit in zwei Crowdfundings mit Greenrocket in Rekordzeit über 400 Menschen motivieren, in unsere Idee zu investieren.

Welchen Investor hatten Sie im Fokus?

Ob Markus Wegerth in Martin Rohla von Anfang an den bevorzugten Geschäftspartner gesehen hat, hat er uns nie verraten und wird wohl ein gut gehütetes Geheimnis bleiben. Wir gehen aber davon aus.

Wie ging es nach der Sendung weiter?

Schlag auf Schlag. Im April 2020 erfolgte die erste erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne und damit die Finanzierung für den österreichweiten Start. Es galt den Container samt Ladenbau, Warenwirtschafts- und Kassensystem und Sicherheitssystem zu professionalisieren. Aber natürlich auch die Strukturen für ein funktionierendes Franchisesystem auf die Beine zu stellen. Bereits im Oktober 2020 konnten wir unseren ersten Selbstbedienungsshop eröffnen. Heute stehen wir bei insgesamt 10 Standorten in 5 Bundesländern und die nächsten Container sind bereits in Auslieferung.

Aufgrund dieses erfolgreichen Starts in Österreich haben wir uns dazu entschlossen, bereits 2021 mit unserem modernen Nahversorgungskonzept auch nach Deutschland zu kommen. Gestützt wurden wir dabei einmal mehr von der Crowd, die uns dafür sage und schreibe 250.000 Euro für die Expansion zur Verfügung gestellt hat. Wie sehr die KistenKrämer Fans an uns glauben, zeigt auch, dass die Kampagne in weniger als 36 Stunden ausfinanziert war. Die Eröffnung des ersten KistenKrämer in Deutschland steht übrigens kurz bevor.

KistenKrämer, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Die Richtung hin zu mehr gesunden, hochwertigen und regionalen Lebensmitteln stimmt schon mal. Das sieht man auch an den aktuellen Konsumentenwünschen. Deshalb haben wir auch für Deutschland ambitionierte Ziele: Diesem steigenden Interesse Rechnung tragend sind rund 400 solcher Selbstbedienungsshops keine Utopie.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Nachhaltigkeit ist ein Gebot der Stunde. Dementsprechend sollten sich auch Startups ganz genau überlegen, ob sie mit ihren Produkten oder Dienstleistungen eine soziale und/oder ökologische Verantwortung übernehmen.
Geschäftspartnern auf Augenhöhe zu begegnen, macht Sinn und Spaß! Wir sehen das in der täglichen partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Franchisenehmern und unseren bereits mehr als 200 Lieferanten in Österreich.
Suche ein Team, das die Werte deines Unternehmens nicht nur einfach gut findet, sondern diese tatsächlich selbst lebt. Und vor allem umgib dich im Team mit Menschen, die dir Energie geben und dich stets offen hinterfragen.

Wir bedanken uns bei Christoph Mayer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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