Konstant an sich und seinem Projekt arbeiten und sich nicht zu wichtig nehmen

Kipepeo die Motive auf den Shirts entstehen während des regulären Schulalltags an Grundschulen in Tansania

Stellen Sie sich und das Startup Unternehmen Kipepeo doch kurz unseren Lesern vor!
Kipepeo ist ein sozial orientiertes Unternehmen, das Grundschulen in Tansania unterstützt. Dies tun wir durch das Herstellen, das Bedrucken und den Verkauf, fair produzierter Erwachsenen, Kinder- und Babybekleidung, 100% Made in Tansania. Von der Baumwolle (Bio) die wir von lokalen Kleinbauerkooperativen aus zentral Tansania beziehen, bis zum fertigen Produkt findet die komplette Wertschöpfung unserer Produkte bei einem Familienbetrieb in Arusha, Tansania statt. Das besondere an unseren Produkten sind allerdings die Motive. Sie alle entstehen während des regulären Schulalltags an Grundschulen in Tansania und werden während des Unterrichts gezeichnet. Werden beispielsweise in der Naturkundestunde die „Tiere der Serengeti besprochen“ so finden sich Elefanten, Affen oder Giraffen auf Kipepeo- Shirts wieder. Der Druck erfolgt (noch) in Deutschland per Siebdruck in Stuttgart und Münster.
Durch den Verkauf dieser einzigartigen Produkte werden die Schulen unterstützt an denen diese besonderen Motive entstehen. Die Unterstützung erfolgt durch die Bezahlung von Schulgebühren, dem Kauf von Schulutensilien sowie dem Bau neuer Schulgebäude.
Alle realisierten Projekte werden auf unserer Webseite transparent, in Form eines Zeitstrahls dargestellt.

Wie ist die Idee zu Kipepeo entstanden?
Im Jahr 2008 unterrichtete ich als Aushilfslehrer an einer Grundschule in Tansania. Während dieser Zeit führte ich Tagebuch um das Erlebte festzuhalten. Da ich selbst unglaublich schlecht darin bin Dinge aufzuschreiben, begann ich damit ein altes Hobby aufleben zu lassen und begann wieder zu zeichnen. Ich zeichnete alle möglichen Dinge aus meinem Alltag und die Kinder an der Schule hatten Freude daran die Zeichnungen anzusehen und begannen damit selbst Zeichnungen in mein Tagebuch zu zeichnen. So füllten sich in den nächsten Monaten die Seiten mit Löwen, Elefanten und Motiven von Minibussen und Fußballspielern. Kurz bevor ich nach 3 Monaten meine Reise nach zentral- Afrika fortsetzte, gab es ein großes Abschiedsfest an der Mecsons Primary School. Eine der Schülerinnen die ich unterrichtete, die 7- jährige Abigail schenke mir zum Abschied einen Briefumschlag der aus der ausgerissenen Seite eines Schulheftes gefaltet war. Darin befand sich ein Brief und die Zeichnung eines Männleins mit Kartoffelnase und ohne Arme, daneben die Worte „Love You“. Damals wie heute hat mich diese Zeichnung sehr berührt und ich druckte Sie zurück in Deutschland auf ein T-Shirt um eine Erinnerung an die prägende Zeit in Tansania zu haben. Als ich Monate später erfuhr, dass Abigails Eltern ihre Schulgebühren nicht mehr bezahlen konnten, fragte ich mich, wie ein Student der selbst wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hat, dennoch eine gewisse Unterstützung leisten und Abigail die Schulgebühren von 30 €/Monat finanzieren kann. Ich kaufte mir eine Druckpresse bei Ebay, ein Schneideplotter und begann das T-Shirt zu vervielfältigen und in meinem Freundeskreis zu verkaufen. In den nächsten Jahren folgten viele weitere Motive auf vielen, vielen weiteren T-Shirts die bis zum heutigen Tage mittlerweile 2 Grundschulen in großem Umfang unterstützen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Ich habe Kipepeo mit einer Transferdruckpresse von Ebay, einem Schneideplotter und 10 weißen T-Shirts gegründet. Bis zum heutigen Tag sind wir 100% eigenfinanziert. Durch die Teilnahme und dem guten Abschneiden bei verschiedenen (Start-up) Wettbewerben gewannen wir immer wieder ein bisschen Geld das wir gleich wieder investierten. Als wir 2012 beispielsweise den zweiten Platz beim Elevator-Pitch Baden Württemberg gewannen, investierten wir den Gewinn in die Miete eines Siebdruckateliers um somit größere Mengen an T-Shirts herzustellen. Die größte Herausforderung war wohl das Durchhaltevermögen. Auch wenn ich die Arbeit an Kipepeo immer spannend fand war es schwer das Unternehmen anfänglich noch neben einem normalen Job zu betreiben. Raffael, der Kipepeo in den Gründerjahren begleitete und ich arbeiteten jede Woche 8 Stunden in unseren normalen Jobs und jeden Abend anschließend weitere 6 Stunden für Kipepeo. Die Wochenenden verbrachten wir mit T-Shirt drucken. Ich denke aber dass das den meisten Gründern wohl bekannt vorkommt

Wer ist die Zielgruppe von Kipepeo?
Nach Jahren auf Messen und Märkten können wir sagen, dass es für uns wohl nicht „die eine“ Zielgruppe gibt. Unsere Shirts werden von Afrikainteressierten- und Menschen gekauft, die Wert auf Fairen Handel Legen. Genauso aber auch von jungen Familien die ein besonderes Geschenk für Ihren Nachwuchs suchen. Ich denke wir sprechen durch unsere mittlerweile breites Produktportfolio und unsere Transparenz einfach eine Vielzahl an Leuten an.

Was ist das Besondere an den Shirts? Wo und wer malt die Bilder?
Die Shirts werden zu 100% in Tansania hergestellt sodass die Wertschöpfung auf faire, transparente und nachhaltige Art und Weise komplett im Land stattfindet. Die Motive entstehen während des regulären Schulalltags an Grundschulen in Tansania und werden von Schulkindern gezeichnet. Ich denke, wenn man das Ziel hat soziale Projekte durch wirtschaftliches Handeln zu unterstützen dann sollte man auch die lokale Wirtschaft entsprechend fördern mit dem Ziel faire und sichere Arbeitsplätze zu schaffen. Wir freuen uns, dass wir inzwischen auf einen transparenten (wirtschafts) Kreislauf blicken können von dem alle beteiligten gleichermaßen profitieren. Vom Kleinbauern der durch biologischen Ackerbau beispielsweise noch Feldfrüchte für lokale Dorfgemeinschaften anbauen kann, der über dem Weltmarktpreis bezahlt wird und eine Abnahmegarantie auf seine Kontingente hat, bis zur Näherin die neben einem existenzsicheren Lohn auch subventioniertes Essen, medizinische Versorgung und einen kostenlosen Transportdienst erhält. Dies sind alles Dinge die man in der Textilindustrie leider oftmals selten findet und die man wohl nicht an der Ostküste Afrikas erwarten würde.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback war immer positiv und wir freuen uns jederzeit über Anregungen die durchaus kritisch sein dürfen. Unser Ziel ist es uns fortlaufend zu verbessern und zu wachsen um in Zukunft noch weitere Projekte unterstützen zu können. Das geht nur wenn man ständig an sich arbeitet.

Kipepeo, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir sind gerade dabei verschiedene Kooperationen mit anderen sozialen Projekten in Tansania und Kenia anzustoßen um kleineren Projekten die Möglichkeit zu geben auf sich aufmerksam zu machen. Wir sind aktuell auch dabei neue Produkte in Kenia herzustellen, die mit Textilien nichts zu tun haben aber dennoch hervorragend in unser Portfolio passen- Es bleibt also spannend! In 5 Jahren ist Kipepeo ein Unternehmen, das seinen Idealen und Wertvorstellungen weiterhin treu bleibt und unbeirrt seinen eigenen Weg geht um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Das ist recht schwierig da jeder Gründer so individuell ist wie sein Projekt.
Grundsätzlich denke ich dass man einfach konstant an sich und seinem Projekt arbeiten und sich nicht zu wichtig nehmen sollte. Ein Projekt ist in der Anfangszeit eben (nur) ein Projekt und es braucht Zeit, Durchhaltevermögen und Geduld alles auf die Spur zu bringen. Das Gründen eines Unternehmens hat nun mal auch mit einer gewissen Verantwortung zu tun und sollte keine Modeerscheinung sein. Wenn man mit seinem Start-up scheitert dann ist das sicherlich kein Beinbruch aber erfolgreich zu Gründen ist einfach cooler und das gelingt besser wenn man die Füße stillhält

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Martin Kluck für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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