Sich extra viel Zeit für das Konzept zu nehmen

KigaClick macht Eltern und Erziehern das Leben leichter

Stellen Sie sich und das Startup KigaClick doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin einer der drei Gründer von KigaClick. Ich war selbst Erzieher in verschiedenen Kindertagesstätten und kenne daher deren Tagesablauf und die Herausforderungen denen sich die Mitarbeiter in Kitas täglich stellen müssen. Angefangen bei der Organisation des Alltags bis hin zu den Anforderungen, die Eltern an die moderne Kita stellen. Alle Gründer von KigaClick sind übrigens auch selbst Eltern mit Kindern in Kindergarten, Krippe und Hort.

KigaClick bietet eine App für Erzieher und Eltern von Kindern in Kindertagesstätten an. Erzieher werden entlastet und Eltern informiert. Wie das geht? Kinder verbringen heute immer mehr Wochenstunden in der KiTa. Damit ist auch die Verantwortung der Erzieher gestiegen; es wird erwartet, dass ihnen Entwicklungsdefizite frühzeitig auffallen. Um sicherzustellen, dass sie nichts übersehen, müssen sie immer mehr Berichte und Listen führen. Das kostet Zeit und die fehlt dann für die Arbeit mit den Kindern. KigaClick löst dieses Dilemma.

Erzieher erledigen ihren organisatorischen Alltag einfach mit 2-3 Klicks am Tablet statt wie bisher mit Bleistift und Papier. Und weil Eltern ihre Kinder nicht mehr schon mittags von der KiTa abholen, wollen sie bei der Übergabe abends mehr wissen, als nur die Standard-Antworten über das Mittagessen und die volle Windel. Eltern die KigaClick nutzen werden durch Fotos und Kurznachrichten quasi in Echtzeit über Highlights ihrer Kinder aus der KiTa auf dem Laufenden gehalten.

Wie ist die Idee zu KigaClick entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Ehrlicherweise sind wir zunächst von der Elternseite an das Thema herangegangen. Wir haben eben alle Kinder in der Kita und wollten besser informiert sein, was die Kinder den ganzen Tag über machen. Mit diesem Wunsch waren wir nicht alleine, nur die bestehenden „Lösungen“ (WhatsApp und Dropbox) waren uns etwas unheimlich. Zu groß das Risiko, dass Fotos oder gesundheitliche Daten unkontrolliert weitergegeben werden. Durch meine Erfahrung als Erzieher wurde uns schnell klar, dass die Ursache der dünnen Elterninformation der Zeitdruck auf die Erzieher ist. Die meisten von uns haben nicht viel Ahnung davon, aber in Kitas sitzen die Pädagogen nicht mit der Kaffeetasse im Sandkasten. Ganz im Gegenteil, der Alltag besteht zu einem großen Teil aus Dokumentation und Papierkram, dabei wollten sie sich doch eigentlich um die Erziehung und Bildung der Kinder kümmern.

Also sollten wir erst einmal Erziehern die Bürokratie erleichtern. Wenn dann für die Eltern auch noch ein bisschen mehr Input herauskommt, haben wir alles richtig gemacht.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Wir konnten keine Lösung am Markt finden, welche die Erzieher unserer Kinder entlastet hätte. Da wir in Europa aber ein riesiges Fachkräfteproblem haben und Bildung sich im Wandel befindet, wollten wir unseren Teil beitragen die Situation zu entspannen. Klar war aber auch, dass das „Projekt“ zu groß ist, um es als Hobby zu betreiben und so haben wir die KigaClick GmbH gegründet.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung bisher ist, dass viele Träger von KiTas kirchlich oder öffentlich sind. Da brauchen auch gute Ideen wie unsere viel Geduld um sich durch die vielen Entscheidungsgremien zu arbeiten.
Das Gründerteam besteht aus einer Controllerin, einem Ingenieur und mir als Pädagogen. Eigentlich ein perfekter Mix. Die wichtigen Kompetenzen im Bereich Marketing und Vertrieb müssen wir uns zusätzlich aneignen.
Bisher sind wir komplett eigenfinanziert. Um Sprachversionen oder andere Anwendungsbereiche wie Altenpflege etc. angehen zu können werden wir aber Investoren benötigen.

Wer ist die Zielgruppe von KigaClick?
Die wichtigsten Profiteure sind Erzieher und Pädagogen, die täglich mit den Kindern arbeiten. Auf sie ist unser Tool als moderne Arbeitserleichterung zugeschnitten.
Eltern und ihre Kinder sind natürlich auch Gewinner unserer Lösung, denn Eltern werden besser informiert und Kinder haben Erzieher, die mehr Spaß in ihrem Job haben wenn das „Reporting-Übel“ erleichtert wird. Zudem bleibt einfach mehr Zeit für Kinder.
Auf der Vertriebsseite sind die Träger der Kitas unsere Zielgruppe, denn sie müssen für ihre Mitarbeiter und Eltern die Software bereitstellen.

Wie funktioniert KigaClick?
Einfach gesagt ist KigaClick ein System aus zwei Apps; einmal der ErzieherApp und zum anderen der ElternApp. Hier können Erzieher mit 2-3 Klicks Berichte erstellen und ihre Listen über Anwesenheiten, Essen, Schlafen, etc. führen. Die Elternapp ist eher eine Zuschauerversion, bei der Eltern Fotos, Nachrichten und Standard-Informationen einsehen können. Besonders für Elternteile, die ihre Kinder nicht täglich sehen können ist es ein echter Mehrwert zu Hause, im Hotel oder am Arbeitsplatz die Entwicklung ihrer Kinder mitverfolgen zu können. Klar ist auch, dass Eltern nur Highlights ihrer eigenen Kinder einsehen können. Der Datenschutz aller Beteiligten ist uns heilig.

Welche Vorteile bietet KigaClick?
KigaClick spart den Erziehern viel Zeit für die Organisation im Tagesablauf. Dadurch haben sie dann mehr Zeit um sich um die Kinder zu kümmern. Für Eltern ist es wichtig und häufig auch beruhigend durch Bilder und Nachrichten zu wissen, dass es ihren Kindern in der KiTa gut geht.
Mit KigaClick bieten wir ein schnelles und sicheres Kommunikationstool. Dadurch stärken wir die Zusammenarbeit. Heute spricht man nicht mehr von Elternarbeit, sondern von Erziehungspartnerschaft. Die wollen wir stärken.
Das ist wahrscheinlich der größte Vorteil. Zeit an der richtigen Stelle einsparen um sie an den entscheidenden Stellen einsetzen zu können. Für die Kinder und die Zusammenarbeit mit den Eltern.
Seit Jahren haben wir in der frühkindlichen Bildung ein riesiges Fachkräfteproblem. Also sollten wir unsere Erzieher unterstützen und ihre Zeit bestmöglich zu Gunsten der Pädagogik einsetzen.

KigaClick, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir haben eine Menge Ideen, wo ähnliche spezialisierte Systeme die Zusammenarbeit zwischen Eltern, bzw. Angehörigen und Dienstleistern gut funktionieren würde, aber wir machen einen Schritt nach dem anderen.

Die Digitalisierung wird vor der Krippentür nicht Halt machen und das ist auch gut so. Es ist nicht möglich unsere Kinder von Medien komplett fernzuhalten und es ist absurd zu erwarten dass sie trotzdem später als Teenager Hackathons gewinnen. Wir sind überzeugt, dass in fünf Jahren die Kitalandschaft dank der Digitalisierung moderner, professioneller und wirtschaftlich attraktiver sein wird. Dabei wollen wir natürliche eine große Rolle spielen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Vor Allem anderen Nicht-Tekkies wie wir es sind können wir empfehlen, die vielen günstigen Tools am Markt zu nutzen. Sei es für die Webseite, Online Marketing, PR oder Flyer. Es muss (am Anfang) nicht immer gleich super professionell von einer Agentur eingekauft werden. Vor allem, weil das auch keine Garantie für gute Arbeit ist.

Tipp 2 wäre sich extra viel Zeit für das Konzept zu nehmen. Wir sind beispielsweise unser Lastenheft wieder und wieder durchgegangen bevor wir mit der Programmierung anfingen und konnten so wirklich sicherstellen, dass sich das Produkt am Ende auch genau so verhalten hat, wie wir es uns vorstellten. Wir haben uns allerdings auch gut gegenseitig erinnert, keine neuen Ideen in die laufende Programmierung einzuarbeiten.
Und daran schließt sich dann Tipp 3 auch gleich an. Akzeptiert schon vor dem Start, dass es länger dauern wird als ihr denkt. Egal wie viel Puffer ihr eingebaut habt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Florian Dasch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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