Macht nur etwas, das euch wirklich Freude bereitet!

Kartenmachen.de: Einladungskarten für Ihr Fest – individuell und personalisiert

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Kartenmachen.de doch kurz vor!
Ich bin Andreas Ritter, der Gründer von Kartenmachen.de. Den Online Shop Kartenmachen.de gibt es seit 2014. Bei uns bestellen Gastgeber gedruckte Einladungskarten für ihr Fest. Wir bieten für viele Anlässe (Geburtstage, Hochzeiten, Mottoparties usw.) Einladungskarten mit den unterschiedlichsten Motiven an; laufend kommen neue dazu. Als Gastgeber kann man die Einladungen personalisieren – also einen individuellen Text auf der Karte anbringen. Das Besondere bei uns: Den Text muss man nicht selbst ins Kartendesign integrieren – das übernimmt ein professioneller Grafiker. Deshalb sehen die Karten immer perfekt aus und sind dennoch sehr günstig.

Wie ist die Idee zu Kartenmachen.de entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Kartenmachen.de hat einen sehr persönlichen Hintergrund: Die Initialzündung dafür war meine eigene Hochzeit 2010. Bewusst war mir das damals aber nicht. Ich wollte unsere Gäste auf gedruckten Einladungskarten persönlich ansprechen. Und das stellte sich als Problem heraus: Personalisierte, gedruckte Einladungen auf hochwertigem Papier waren sehr kostspielig. Aber ich wollte mich – wahrscheinlich, weil ich gelernter Mediengestalter bin – von dieser Idee nicht verabschieden. Nach einigem Grübeln fiel mir ein, dass ich unsere Karten ja selbst gestalten und ohne Text drucken lassen könnte. Diese „Rohlinge“ wollte ich dann via Bürodrucker mit den individuellen Einladungstexten versehen. Selbst bei exklusiver Papierwahl war das absolut finanzierbar und es funktionierte! Der Eindruck sah prima aus und alle waren happy. Besonders ich (und natürlich meine Frau Anna)!
Drei Jahre später machte ich mich mit einer Web-Agentur selbstständig und entwickelte für Kunden Online Shops. Und ich dachte darüber nach, wie mein Online Shop aussehen könnte. Ende 2013 machte es dann „Klick“: Die Kartenrohlinge von unserer Hochzeit lagen ja noch auf dem Dachboden! Und die bot ich bei Ebay an – zusammen mit dem Service des individuellen Texteindrucks. Ich fand schnell Kunden, die begeistert waren. Und das machte mir Mut. Deshalb verkaufte ich die personalisierbaren Karten ab Januar 2014 auch bei Amazon und Dawanda. Das klappte super. Im folgenden Frühjahr ging dann mein eigener Shop Kartenmachen.de online. Das Team bestand also zu Beginn nur aus mir. Weil mein Angebot so schnell einschlug, stellte ich bald einen Grafiker ein. Inzwischen sind wir zu acht. Mit im Boot sind auch meine Frau Anna und mein Bruder Erich. Wir sind also sowas wie ein Familienunternehmen.

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Bis vor Beginn der Crowdinvesting-Kampagne im Juni 2016 haben wir uns vollständig selbst finanziert. Wir waren ja recht schnell wirtschaftlich erfolgreich; deshalb konnten wir unser Wachstum selbst stemmen. Aber natürlich mussten wir dabei vorsichtig sein. Am Anfang reichte das Geld nicht dafür, richtig gute Produktionsdrucker zu kaufen. Da war Sparen und Geduldhaben angesagt. Ich wollte schnell wachsen, und das mit der Geduld fiel mir deshalb manchmal schwer. Die meisten Herausforderungen waren aber nicht finanzieller Natur – sie betrafen eher die Bereiche Technik, Grafik und Strategie. Auch wenn das oft fordernd war und ist: Ich brauche diese Herausforderungen. Sie sind der Grund dafür, dass der Unternehmensaufbau spannend bleibt.

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?
Wir haben den Break-even schon 2014 erreicht und schreiben seitdem nachweisbar Gewinne. Deshalb betreiben wir streng genommen kein Crowdfunding, sondern Crowdinvesting nach dem Venture-Debt-Modell: Investoren geben uns für einen bestimmten Zeitraum ein Darlehen, das wir während der Laufzeit hoch verzinsen. Bei Seedmatch sind wir erst der zweite Venture-Debt-Case.
Der Finanzierungs-Aspekt des Crowdinvestings ist für uns eher sekundär. Weil wir bereits seit 2014 Gewinn machen, hätten wir unser weiteres Wachstum auch ganz klassisch über die Bank finanzieren können. Und zwar zu niedrigeren Zinsen. Was die Bank uns allerdings nicht hätte bieten können, ist Sichtbarkeit und die Unterstützung durch die Crowd. Crowdinvesting ist ein super Marketing-Tool. Im Rahmen der Kampagne findet vor allem im Internet viel Kommunikation statt: Tausende von Usern lesen bei Seedmatch mit, verfolgen die Blog-Beiträge und die Facebook-Postings der Plattform. Wir beteiligen uns an dem großen Gespräch mit der Crowd ebenfalls via Facebook und XING und wir posten regelmäßige Updates auf Seedmatch.
Crowdinvesting ist auch eine Lernmaschine. Wir profitieren sehr von den Fragen und Ideen der Crowd. Die Leute machen sich wirklich Gedanken darüber, wie wir weiterwachsen können. Das ist großartig. Natürlich ist das Thema „Wie können wir noch besser werden“ für uns im Team ein Dauerbrenner. Aber es ist einfach ein Unterschied, ob man mit acht Leuten brainstormt oder mit Tausenden.

Hätten Sie mit diesem Erfolg gerechnet?
Gehofft haben wir, ja. Aber damit gerechnet haben wir nicht. Es hätte ja auch ganz anders kommen können. Wir sind ja kein aufregendes Tech-Startup. Bei uns geht es sehr bodenständig zu: Unser Produkt unterscheidet sich zwar von vergleichbaren Angeboten im Netz – aber im Grunde geht es da um etwas, das jeder kennt. Deshalb waren wir schon überglücklich, dass wir nach weniger als 48 Stunden die Funding-Schwelle von 100.000 Euro erreicht hatten. Während wir sprechen, haben wir das Funding-Ziel von 300.000 Euro schon überschritten und sind in der Überzeichnung. Wir können jetzt bis zu der mit Seedmatch vertraglich vereinbarten Maximalsumme – das sind 500.000 Euro – Investitionen möglich machen. Und dafür sind wir vor allem eines: dankbar.

Wie ist das Feedback aus der Crowd?
Was mich wirklich berührt, ist das Engagement der Investoren: Wir bekommen ungeheuer viel positives Feedback und die Crowd bringt uns auf neue Ideen! Ich habe auch Respekt davor, wie intensiv sich die Leute mit unserem Geschäftsmodell beschäftigen. Unsere Kampagne fiel ja mit der Brexit-Entscheidung zusammen. Weil wir nach Großbritannien expandieren wollen, haben manche Investoren besorgt nachgefragt, was das jetzt für uns bedeutet. Glücklicherweise konnten wir sie beruhigen: Die Folgen des Brexits sind für uns – Stand heute – sehr überschaubar. Investoren prüfen einen auf Herz und Nieren, was wirklich gut ist. Und es gibt auch Kooperationsangebote und Ideen fürs Marketing, die wir in Teilen schon umgesetzt haben. Die Crowd ist sehr kreativ und das ist für uns ein echter Mehrwert!

Wer ist die Zielgruppe von Kartenmachen.de?
Im Marketing sagt man ja: Was für alle ist, ist für keinen. Interessanterweise trifft das auf uns nicht zu. Und zwar deshalb, weil das Thema „Feiern und Gäste einladen“ für die meisten Menschen immer wieder ein Thema ist. Unsere Zielgruppe ist also enorm groß. Konservativ geschätzt liegt das Marktpotenzial allein bei den klassischen Festen wie Hochzeiten oder Taufen bei circa 313 Millionen Euro. Wir wollen mit Kartenmachen.de auch ins europäische Ausland gehen. Dadurch vergrößert sich unsere Zielgruppe noch mal.

Wie funktioniert Kartenmachen.de?
Wer bei uns eine personalisierte Einladungskarte bestellen möchte, wählt zunächst mal ein Kartenmotiv aus und bestimmt die Anzahl der Einladungskarten, die wir für ihn oder sie fertigen sollen. Anschließend geht der Kunde zur Kasse, hinterlegt alle notwendigen Informationen und schickt die Bestellung ab. Nach spätestens einer Stunde erhält er eine E-Mail mit den Zugangsdaten zu seinem persönlichen Designstudio. Dieses Programm vernetzt den Kunden mit unserem Grafiker. Im Designstudio hinterlegt der Kunde seinen Kartentext. Nach maximal 24 Stunden (unter der Woche, am Wochenende dauert es etwas länger) stellt der Grafiker die mit dem Text versehene, fertig gestaltete Karte im Designstudio ein. Jetzt kann der Kunde noch ändernd eingreifen oder die Karte direkt freigeben. Spätestens zwei Tage später liegen die personalisierten Einladungskarten in seinem Briefkasten.

Wo liegt Ihr USP?
Im Unterschied zu anderen Kartenanbietern im Netz, muss der Kunde seinen Text bei uns nicht selbst im Kartendesgin platzieren. Das übernimmt ein ausgebildeter Grafiker. Wer schon mal versucht hat, einen Text in die im Internet verbreiteten Web-2-Print-Programme einzugeben, weiß, wie nervenaufreibend das sein kann. Trotz der vielen Arbeit, die man sich da als Kunde machen muss, sieht das Ergebnis oft nicht gut aus. Das liegt daran, dass diese Programme einen begrenzten Leistungsumfang haben und dass die meisten von uns halt keine ausgebildeten Grafiker sind. Von unseren Mitbewerbern unterscheiden wir uns also vor allem dadurch, dass wir einen Grafiker-Service anbieten – und trotzdem nicht teurer sind!

Kartenmachen.de, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir haben noch viel vor. Wir werden laufend mehr Motive, mehr Kartenkategorien und Zusatzprodukte anbieten. Dadurch entstehen Cross-Selling-Effekte, die sich positiv auf unseren Umsatz auswirken. Unsere Marktposition in Deutschland werden wir durch konstante Marketing-Aktivitäten ausbauen, um noch mehr Menschen zu erreichen. In den kommenden fünf Jahren werden wir ins europäische Ausland expandieren. Und zwar zunächst nach Großbritannien, den Feier-Hotspot Europas. Weil wir dort eine eigenständige und unabhängige Niederlassung gründen werden, hat der Brexit auf unser Geschäftsmodell wahrscheinlich keinen großen Einfluss. Als nächste Stationen sind Frankreich und Spanien geplant. 2015 lag unser Umsatz bei 553.000 Euro; gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einer Steigerung um 150 Prozent. Das wollen wir 2016 wiederholen: Das Umsatzziel liegt bei 1,26 Millionen. Die Zahlen für das erste Halbjahr bestätigen, dass wir nicht zu hoch gegriffen haben. Von 2017 bis 2020 rechnen wir mit jährlichen Umsatz-Zuwächsen zwischen 25 und 75 Prozent.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Macht nur etwas, das euch wirklich Freude bereitet! Das Ziel, viel Geld verdienen zu wollen, reicht auf die Dauer als Motivation nicht. Am Anfang sollte man viel selbst machen, weil man so Kosten spart und ausprobieren kann, was funktioniert. Es ist gut, wiederkehrende Arbeiten sobald wie möglich zu systematisieren und an andere abzugeben. Dadurch wird Zeit frei, in der man Neues entwickeln kann. Und natürlich: Habt Geduld! Gebt nicht gleich auf, wenn etwas nicht klappt! Auch wenn sich Dinge anders entwickeln als geplant: Es kommt oft etwas Gutes dabei heraus.

Wir bedanken uns bei Andreas Ritter für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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