Der Nutzer liebt Klarheit und Einfachheit

Julian Oei CEO Holzbrinck Digital im Interview

Stellen Sie sich doch unseren Lesern kurz vor

Julian Oei, 47 Jahre, verheiratet, 3 Kinder. 

Nach 10 Jahren Strategieberatung und Investmentbanking bin ich 2010 zu Holtzbrinck gekommen. Seitdem hatte ich das Glück, intensiv an der hochspannenden Umschichtung der Gruppe in Richtung Bildung und Wissenschaft (bspw. der Merger von Springer Nature) und der Wandlung des Kerngeschäfts von Print zu Digital mitarbeiten zu dürfen. In der Zeit hat sich mein Aufgabenbereich schrittweise erweitert, angefangen bei M&A und Transaktionen, über Venture und Investments und schließlich die divisionsübergreifende Gruppen-Strategie. Vor gut einem Jahr habe ich zudem die CEO Rolle bei Holtzbrinck Digital übernommen.

Meine Leidenschaft ist bei drei Kindern und fünf Tieren das gemeinsame Familienleben. Es ist gut zuhause anzukommen und in den Trubel einzutauchen. Die Wochenenden sind meist genauso intensiv wie der Alltag, nur eben im privaten Umfeld. Das ist ein sehr gutes Gegengewicht. Für Körper und Geist gehe ich Boxen und meditiere regelmäßig. 

Was genau macht Holtzbrinck Digital? Stellen Sie uns und unseren Lesern  Holtzbrinck Digital doch kurz vor!

Holtzbrinck Digital ist die Technologie-Division der Gruppe. Das Portfolio umfasst knapp 30 Unternehmen bzw. Beteiligungen in den Bereichen Science, Content und Education. Als Stratege investieren wir um nachhaltige Geschäfte aufzubauen. Uns geht es um innovative Produkte, die bei unseren Nutzern Mehrwert schaffen. Nur so kann man nachhaltig, profitabel wachsende Unternehmen bauen. 

In welche Startups investiert Holtzbrinck Digital bzw. Digital Science?

Digital Science umfasst Daten- und Software-Produkte die Forschung und Wissenschaft effizienter und effektiver machen. Dies kann entlang des gesamten Forschungszyklus sein und alle Beteiligten betreffen – Funding Institutions, Forschungseinrichtungen, oder die Wissenschaftler selbst. Dabei investieren wir Phasen-unabhängig – von Frühphasen-Investments in noch kleine Gründerteams bis zu 100% Akquisitionen von etablierten Unternehmen mit profitablen Produkten. In jedem Fall investieren wir langfristig, um bleibende Geschäfte zu entwickeln und nachhaltige Cashflows zu bauen. Das heißt, wir nehmen herkömmlicherweise Mehrheitsanteile oder signifikante Minderheitsanteile mit einem Pfad zur Mehrheit. Dabei sehen wir uns nicht nur als Kapitalgeber sondern als starken Partner mit viel Erfahrung wie man Start-ups beim Wachstum hilft, sei es Product/Market Fit, Scaling up oder Technology Leverage. 

Welche Startups haben Sie schon im Portfolio?

Holtzbrinck Digital umfasst knapp 30 Unternehmen, davon etwa 20 im Bereich Science. Das lässt bereits erkennen, dass hier die Priorität liegt. Hier haben wir vor allem Data & Software Tools wie bspw. Figshare, das man sich als “Dropbox for Scientists” vorstellen kann, also ein Data Repository in dem Wissenschaftler ihre Daten zu einem Forschungsprojekt geordnet online vorhalten und mit anderen teilen können. Overleaf ist wie ein „Google Docs for Scientists“ also eine Cloud basierte Kollaborationsplattform. Hier können mehrere Wissenschaftler, von verschiedenen Orten aus gemeinsam an einem Forschungsprojekt arbeiten. Altmetric ist eine alternative Erfolgs-Metric die misst wie eine wissenschaftliche Arbeit in sozialen Medien diskutiert wird. Und ganz wichtig Dimensions, unser Flagschiff Daten-Produkt, das wir Anfang letzten Jahres gelauncht haben, mit bereits sehr erfreulichem Erfolg. 

Wie können sich Startups bewerben?

Gründer können jederzeit bei uns anklopfen, bei mir direkt oder dem Team (siehe Website). Für den Science Bereich vergeben wir zwei Mal im Jahr den Catalyst Grant, ein Frühphasen Ticket für besonders vielversprechende Early Stage Ventures.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt, um ein Startup zu gründen?

Ich denke jetzt. Es gab noch nie bessere Bedingungen für Gründer als jetzt: Hohen technologischen Wandel, der Industrien umkrempelt und nach neuen Lösungen verlangt;  eine Generation von Millenials die weniger Wert auf angestammte Pfade legt und viel mehr unternehmerische Umfelder sucht; und die hohe Liquidität im Markt, die günstige Finanzierungsbedingungen schafft. Für eine Gründerin mit einer Idee, hoher Umsetzungsstärke und entsprechender Leidenschaft ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Julian Oei aus?

Einen normalen Arbeitstag gibt es nicht wirklich. Es kann sein, dass ich den gesamten Tag in einem Verhandlungsmeeting sitze oder einem Strategie Workshop. Oder wir haben Budget Meetings für die verschiedenen Portfoliogesellschaften. Oder Investment Committee für Neu-Investments. Oder Management Meeting der Gesamt-Gruppe. Oder eine Reihe von Recruiting Interviews. Oder Board Meetings bei einer der Tochtergesellschaften …. Das kann jeweils in London, München, Berlin oder auch New York, San Francisco, Tel Aviv sein. Es wird nicht langweilig.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?

Die Start-up Szene hat sich hierzulande etabliert. Sie hat gewisse Formen angenommen und sich ein Stück weit professionalisiert. Dadurch ist sie greifbarer und berechenbarer geworden. Wenn Sie heute mit jungen Berufseinsteigern sprechen, geben sie häufig als Berufswunsch Gründer an oder wollen bei einem Start-up anfangen. Es ist also quasi eine Branche und fester Bestandteil des Ecosystems geworden. Für Investoren heißt das, dass die Anzahl und Qualität der Start-ups gestiegen ist, gleichzeitig auch die Preise und der Wettbewerb.

Welches sind die größten Fehler junger Gründer?

Es ist schwierig das zu verallgemeinern. Ein großer Knackpunkt ist häufig der Product/Market Fit. Also der Punkt, an dem die Idee in ein Produkt gegossen wird, so dass eine hohe Anzahl Nutzer von dem Produkt begeistert ist, dafür regelmäßig Verwendung hat und es jemanden gibt, der dafür zahlt (das muss ja nicht immer der Nutzer selbst sein). Auf dem Weg dahin gilt es sehr viele agile Entscheidungen zu treffen und häufig muss man sich von der ursprünglichen Idee weg bewegen, weil sich herausstellt, dass bestimmte Hypothesen nicht zutreffen („Pivot“). Das ist nicht einfach und fällt einigen Gründern verständlicherweise schwer.

Welche 3 Tipps haben Sie für Gründer?

1. Team: Das Team ist entscheidend. Die erfolgreichsten Teams, die ich gesehen habe, hatten gleich hohe Qualität, komplementäre Expertise, komplementäre Charaktere, hohes gegenseitiges Vertrauen und gleichzeitig eine robuste Streitkultur.

2. Simplicity: Der Nutzer liebt Klarheit und Einfachheit. Man denkt nicht lange nach bevor ein Tool oder eine App benutzt werden. Man sucht – Google; man kauft – Amazon; man recherchiert – Wikipedia; Musik – Spotify. Wenn es um das Produkt geht, klaren, einfachen Use Case definieren und den optimieren.

3. Pivot: Bereit sein, Dinge anzupassen, wenn das Nutzerfeedback dies erfordert. Das Produkt so lange anpassen, bis der Nutzer es liebt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Julian Oei für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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