Für die eigene Mission brennen!

Jens Schmelzle Mentor in der Meisterklasse im Interview

Stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Jens Schmelzle, ich bin 37 Jahre alt und Unternehmer. Vor über zehn Jahren habe ich aus dem Zufall heraus mein erstes Startup gegründet und das Thema hat mich so gepackt dass weitere Gründungen folgten.

Was ist Ihre Rolle in der Meisterklasse?

Ich bin als Lead Mentor verantwortlich für das Coaching. Das heißt ich stelle sicher, dass die studentischen Startup-Teams möglichst viel Wissen von erfahrenen GründerInnen an die Hand bekommen, aber auch von externen MentorInnen wie z.B. VCs oder AnwältInnen. Wie jeder in unserem Kernteam betreue auch ich ein paar Teams selbst.

Warum haben Sie sich entschieden als Mentor bei der Meisterklasse mitzuwirken?

Weil es mir am Herzen liegt, junge Menschen fürs Gründen zu begeistern. In meiner Schul- und Studienzeit war es für mich keine Option, eine eigene Firma zu gründen. Es hat einfach keiner meiner Lehrer oder Professorinnen darüber geredet. Heute ist das glücklicherweise anders, aber es muss noch ganz viel passieren, um das Thema Unternehmertum als realistischen Zukunftsweg für junge Leute ins Bewusstsein zu rufen. Die Gründermotor Meisterklasse leistet hierzu einen Beitrag, indem sie Hochschulen, Industrie und Startups vernetzt und vor allem erfahrene GründerInnen mit einbezieht. Das Ganze in meiner Heimat Baden-Württemberg – das finde ich klasse.

Mit welchem Thema werden Sie die Meisterklasse begleiten?

Ich hatte das Glück, bereits jede Phase eines Startups am eigenen Leib mitzuerleben. Von der Gründung im Keller über verschiedene Finanzierungsrunden, Wachstumsschmerzen, weltweite Expansion bis hin zum Exit. Ich kenne aber auch das Scheitern von Ideen oder Teams und die Investorenperspektive. Diesen sehr umfassenden Erfahrungsschatz versuche an die Teams weiterzugeben und sie vor Fehlern zu bewahren.

Wie ist das Feedback?

Von den Studierenden erhalten wir Mentoren sehr viel persönliche Wertschätzung. Sie merken, dass wir unser Wissen nicht nur angelesen haben, sondern unsere eigenen Startup-Erfahrungen an den Tisch bringe. Richtig schön ist es natürlich zu sehen, wenn unsere Ratschläge Resultate zeigen und die Teams in kurzer Zeit Fortschritte am Markt erzielen.

Wie bewerten Sie die Startup-Szene in Baden- Württemberg?

Wir haben in Baden-Württemberg exzellente Hochschulen und eine der stärksten Wirtschaftsregionen in Europa, vor allem im B2B-Bereich. Das ist einerseits toll, andererseits eine Herausforderung. Denn jungen Talenten stehen so viele lukrative Karriereoptionen offen, dass das Gründen eines eigenen Startups häufig unter den Tisch fällt. Wir haben hier im Süden eine eher konservativ geprägte Gründerhistorie. Mittelständische Familienunternehmen sind zwar oft innovative Weltmarktführer, aber es ist Ihnen wichtig, nachhaltig etwas aufzubauen und an die nächste Generation zu übergeben.

Das ist nicht gerade ein klassischer Venture Capital-Case, deshalb kann das Risikokapital nicht mit Berlin mithalten. Trotzdem können wir eine “Tüftler”-DNA vorweisen und wecken gerade in den letzten Jahren einen neuen Pioniergeist. Baden-Württemberg ist mit seinem flächendeckend starken Wirtschaftsstandort einzigartig, das sollte man als Stärke ausspielen, indem Industrie und Startups noch enger zusammenarbeiten.

Welche Ziele hat die Meisterklasse?

Das übergeordnete Ziel der Initiative Gründermotor ist es, die Gründerzeit in BW wieder zu erwecken und zu einer Stärkung der Gründungsdynamik an den Hochschulen und Universitäten entscheidend beizutragen. In unserer Vorstellung bedarf es hierfür eines hochschulübergreifenden Startup-Ökosystems mit internationaler Strahl- und Anziehungskraft. In der Gründermotor Meisterklasse schließen wir die Lücke zwischen Hochschullandschaft und freier Wirtschaft. Außerdem unterstützen wir motivierte Studierende dabei, investment- und skalierfähige Startups zu entwickeln. Mittelfristig versprechen wir uns davon einen nachhaltigen Impuls auf die Wirtschaftsdynamik der Region, weil wir die Mittelständler von Morgen entwickeln.

Wie bewerten Sie die Gründer in der Meisterklasse?

Insgesamt ist das Feld an Ideen aus unterschiedlichen Bereichen und vielseitigen Persönlichkeiten sehr breit. Was alle eint ist der Spirit gemeinsam etwas erreichen zu wollen. Das beschränkt sich keinesfalls auf das eigene Team, sondern auf die gesamte Meisterklasse. Das ist sehr wichtig, da die Gründer natürlich auch mit Rückschlägen konfrontiert werden. In diesen Momenten hilft der Gruppenspirit besonders. Was ich darüber hinaus wahrnehme, ist eine hohe Rezeptionsfähigkeit. Jeder Einzelne ist reflektiert und offen für die Erkenntnisse am Markt. Das Gleiche gilt für die Aufnahme von Feedback seitens der Mentoren.

Wie sind Sie mit der Startup-Szene in Kontakt geraten?

Eigentlich hatte ich nie den Plan zu gründen, sondern wollte immer Musiker in einer Rockband werden. Wir hatten sogar neben den Studium an der Hochschule der Medien in Stuttgart eine recht erfolgreiche Rockband und ein eigenes Label. Um Letzteres zu finanzieren habe ich mit Bandkollegen eine Medienagentur gegründet. Hier haben wir sehr verschiedenartige Aufträge angenommen. Per Zufall ist dabei das Startup simpleshow entstanden.

Welches Unternehmen haben Sie selbst gegründet?

Meine erste Firma war simpleshow, mittlerweile größter Erklärvideo-Anbieter der Welt. Danach folgte u.a. die Craftbeer-Marke Kraftpaule. Meine aktuelle Unternehmung ist das Urban Farming-Startup farmee.

Welche Branche bedienen Sie mit Ihrem Startup?

Mit farmee.io entwickeln wir Lösungen für den Nahrungsmittelanbau im städtischen Raum. Das machen wir sowohl im Profibereich für Indoor Farmen und Gewächshäuser, aber auch für HobbygärtnerInnen mit dem Online-Beetplaner www.alphabeet.org.

Was wünschen Sie sich von Politik und Wirtschaft für die Gründerszene?

Insgesamt mehr Verständnis für die Anforderungen von Startups, z.B. hinsichtlich einer fehlenden Planbarkeit in der Frühphase.

Welche Bücher können Sie unseren Lesern empfehlen?

Rob Fitzpatrick – The Mom Test

Ben Horowitz – The Hard Thing about Hard Things

Rolf Dobelli – Die Kunst des klaren Denkens

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Enthusiasmus: für die eigene Mission brennen!

Die Kunden wirklich verstehen

Groß denken, klein anfangen

Wir bedanken uns bei Jens Schmelzle für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Markus Elsässer

Markus Elsässer ist 48 Jahre jung, Verleger und Herausgeber des StartupValley Magazins. Seine Karriere startete er, in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Er ist ein Auto und Technik begeisterter Querdenker. Verliebt in die Startup-Szene, was Ihn dazu bewogen hat, mit StartupValley Magazine ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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