Achten Sie darauf, das Sie nicht alles auf`s Spiel stellen!

Jackenbutler: Dein Butler für die Jacke

Stellen Sie sich und den Jackenbutler kurz unseren Lesern vor!
Mein Name: Rolf Schiller, geb. 1942 in Niederschlesien, aufgewachsen durch die damaligen Verhältnisse im Allgäu. Mein Maschinenbaudiplom machte ich an der Uni Stuttgart. Ich wohne in Ravensburg und Kißlegg, wo ich ein altes Bauernhaus wieder auf Vordermann brachte. Beruflich war ich drei Jahre nach meinem Diplom bei den Chem. Werken Hüls in Marl, danach ca. 7 Jahre bei Dornier-System und arbeitete in den 1970er Jahren dort auf dem damals unbekannten, neuen Feld „Umwelttechnik“. Das hatte Wirkung, z.B.: Meine Studie zum Verbleib von Quecksilber führte zum Verbot des Beizens von Saatgut mit Hg.und zur Vermeidung von Hg in Stabbatterien.

Mit dem „Modellversuch Konstanz“im Auftrag des BMI und Umweltbundesamtes wurde ich „Vater“ der Getrennten Hausmüllsammlung, die dann in ganz Europa eingeführt wurde.

Danach arbeitete ich als einer der ersten Innovationsberater in Deutschland an der IHK Bodensee-Oberschwaben und fünf Jahre gleichzeitig an der IHK Ulm, wo ich Mittelstandsfirmen, Erfinder und technisch orientierte Gründer in ihren Entwicklungsvorhaben – ins besondere zu Kooperationen, zur Finanzierung und zum Patentwesen – beriet. Mein Patente zur Rationalisierung der Getrenntsammlung von Hausmüll („Mekam“ – ein System zur Bereitstellung und Ladung von zwei Müllfraktionen in einer Tonne und Leerung in ein geteiltes Müllfahrzeug), übernahm ich von Dornier und machte mich 1996 selbständig zur Entwicklung eines deutlich besseren Zweikammer-Müllfahrzeuges, weil die am Markt angebotenen nicht optimal waren ( ja und noch sind, denn so soll es bleiben!).

Die Branche nahm das weitgehend fertig entwickelte und in der Praxis erprobte Fahrzeug nicht an. „Wir wollen den Müll mehrmals abfahren und die Bürger sollen es zahlen“ äußerte sich schon bei Dornier der größte private deutsche Müllabfahrer. Das war letztlich der Hintergrund zur Ablehnung meines neuen Fahrzeugkonzeptes.

Heute bin ich im „Ruhestand“ und erfinde Dinge, die das Leben verbessern – als Hobby. Ich leite seit 15 Jahren im Ehrenamt den Erfinderclub „Allgäu-Oberschwaben e.V. und gebe Erfindern und Gründern in unseren monatlichen Treffen heiße Tipps, auch derzeit noch auf der Seite der Wirtschaftsförderung des Landkreises Ravensburg:https://www.wir-rv.de/ProjekteNetzwerke/Projekte/Erfinderclub.

Dabei ist mir wichtig, dass die Erfinder und Gründer am Boden bleiben und nicht meinen, sie könnten schnell die Welt verändern.

Mein Buch „Kabale um Hausmüll“ (Verrai-Verlag Stuttgart) gibt ihnen tiefe Einblicke in das Denken und die geldgetreibene Handlungsweise der Großunternehmen, die einen Erfinder nur ernst nehmen, wenn er über beste Fachleute verfügt, um seine Ziele durchzusetzen. Das Buch ist ein MUSS für Gründer, Erfinder, Politiker und – ja – alle Menschen, die Hausmüll getrennt sammeln, weil es beispielhaft tiefe Einblicke hinter die Kulissen der Wirtschaft gibt.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Zusammen mit einem Investor gründete ich in den 90er-Jahren zunächst eine Firma zur Vergabe der Mekam-Lizenzen aus den Dornier-Patenten, darauf eine Firma zur Entwicklung eines neuen Zweikammer-Hausmüllfahrzeuges, weil der Markt – insbesondere in den Niederlanden – danach verlangte. Mekam war (und ist teils noch) weltweit im Einsatz, so in Skandinavien, Niederlande, Frankreich, USA, Australien u.a.m. Mein optimales Zweikammer-Fahrzeug hätte die Getrenntsammlung enorm verbilligt. Für den Jackenbutler habe ich nur ein Gewerbe angemeldet.

Welche Vision steckt hinter dem Jackenbutler?
Nachdem ich eine gute sechsstellige Summe also vergebens in das weitgehend ausgereifte Müllfahrzeug investiert hatte (das geht nur aus den vorher erworbenen Lizenzeinnahmen), überlegte ich mir, etwas zu erfinden, das jeder braucht und sich jeder leisten kann, das keine Entwicklungskosten und Produktionsinvestitionen verursacht und das Leben erleichtert.

Nach 12, spätestens 15 Minuten hatte ich ein Problem gefunden, das jeder hat und zu dem eine einfache und sichere Lösung fehlt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Unter diesen Voraussetzungen brauchte ich keine großartigen Investitionen für den Jackenbutler. Ich fand nach langen Irrwegen einen Internetvertrieb, der den Verkauf für mich abwickelt. Natürlich würde mir ein guter Partner für den Vertrieb in Ladenlokalen helfen, aber der Jackenbutler ist ein erklärungsbedingtes Produkt und somit kann man ihn nicht einfach „in den Laden hängen“.

Das ändert sich erst, wenn z.B. über die SAT1-Fernsehsendung („Wie genial ist das denn“) und die von regio tv-Bodensee das Produkt bekannter wird und danach eine Mund zu Mund Propaganda weiterläuft. Nehmen Sie doch daran teil:

regio tv Bodensee vom 5.1.2019: Den Butler betreffend ab Minute 15:45  https://www.youtube.com/watch?v=utoaknrEoiU

SAT1 vom 7.1.2019: https://www.sat1.de/tv/wie-genial-ist-das-denn/video/11-jackenbutler-ganze-folge

Wer ist die Zielgruppe vom Jackenbutler?
Einen Jackenbutler braucht eigentlich jeder, der nicht gerade im Wasser schwimmt oder im Bett liegt. Also jeder – egal zu welcher Jahreszeit, wann immer wir das Haus verlassen: Im Winter beim Shoppen, wenn es im Kaufhaus zu warm wird, beim Langlauf wenn man mal ordentlich losgelegt, bei Eislaufen etc.. Und im Sommer brauchen ihn alle, die nicht mit Rucksack unterwegs sind.: Gassigeher, Spaziergänger, Byker, Jogger u.s.w.. Später ist an die Herstellung auch dünnerer Jackenbutler für besonders leichte Kleidung gedacht – auch für Kinder.

Wie funktioniert der Jackenbutler? Wo liegen die Vorteile?
Der Jackenbutler besteht im Wesentlichen aus zwei Trageriemen, V-förmig an einem kurzen Stück angebracht, deren Enden in die Jacke eingeclips werden. Der Butler bleibt in der Jacke, denn er stört nicht. So kann die Oberkleidung wie ein Rucksack umgehängt werden, wenn es dem Träger zu warm wird. Der Trick ist, wo die Träger befestigt sind, nämlich am Kragen/ Aufhänger und – Überraschung! – am inneren Ende der Ärmellöcher. Die „Flügel“ bleiben dem Nutzer frei. Schwitzen ist Vergangenheit, der Rücken bleibt warm, die Jacke hängt sicher und die Jackentaschen bleiben griffbereit für`s Handy

Knöpft man die umgehängte Jacke am Rücken unten zusammen, hängt sie schmal und man kann ungestört nordic walking oder Langlauf machen.

Das geht mit einer um die Hüften umgeschlumpten Jacke gar nicht. Die findet man allzu schnell im Dreck wieder. Und wird der Bauch zu kalt, lässt man die Jacke umgehängt und schließt sie vorn. Ein willkommener Zusatzeffekt besteht darin: Werden die Hände bei längerem Laufen schwer, kann man sie an den Trägern einhängen und den Tag weiter genießen.

Der Jackenbutler ist übrigens auch ein tolles, bezahlbares Geschenk (mit Versand zwischen 16 und 17 Euro), das den Beschenkten ewig an den Schenker erinnert, denn er hält dauerhaft: Deutsche Qualitätsware! Hat er sich am Markt durchgesetzt, ist wie immer Nachahmung in minderer Qualität angesagt – Sie wissen, was ich meine. Achten Sie auf den Stempel im Leder, da muss „Jackenbutler“ und ziemlich klein „Schiller“ drauf stehen.

Wie ist das Feedback?
Der Jackenbutler ist auch ein interessantes Experiment für mich. Auf die Fernsehsendungen und Berichte in der Schwäbischen Zeitung habe ich ein gutes Echo erhalten – auch auf der Facebookseite Jackenbutler. Feedback ist nur möglich, wenn ein Produkt bekannt ist.

Werbung ist auch im Internet nicht billig und ohne geht es nicht, denn es sucht niemand nach etwas, das er nicht kennt . Das ist díe Crux für alle Erfinder.

Jackenbutler, wo geht der Weg hin? Wo sehen. Sie sich in fünf Jahren?
Die Antwort wird etwas überraschen. Nicht „höher, weiter , schneller…“ . Ich sehe das Projekt ganz locker – eben weil ich ja nicht wieder tief in die Tasche greifen musste oder gar Kredite benötigte und es eben ein Experiment ist. Echter Geldeinsatz hätte sicher die Idee beschleunigt, aber das bedeutet auch ein hohes Risiko und hohen personellen Einsatz, den ich aufgrund meines Alters mir nicht mehr antun möchte, zumal ich zu viele Ideen habe, die ich – auch in Hinblick auf Erfahrungen für den Erfinderclub – noch angehen möchte.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1) Hätte es diese Frage nicht gegeben, hätte ich ein Nachwort verfasst, denn ich denke nicht nur an unsere einzelnen Gründer.
Deutschland macht einen riesigen Fehler: Da wird zwar die Gründerszene (mehr oder weniger) gefördert, die Ideen der berufserfahrenen „Alten Hasen“ bleiben im Verborgenen. Gründer haben oft keine höherwertigen technischen Ideen – es genügt, einen Laden mit einem neuen Konzept aufzumachen.

Daher arbeite ich für Erfinder derzeit an einer Internetseite, um deren technischen Ideen – insbesondere aus den ca. 80 Erfinderclubs – auf eine zentrale Internetseite zu bringen, damit diese Ideen endlich wahrgenommen und gefunden werden.

Ein Doppeleffekt ergibt sich daraus, weil dann auch Gründer einen Ideenfundus vorfinden, die sie – in welcher Konstellation auch immer – übernehmen können. Natürlich wird so eine neue Internetseite nur bekannt, wenn die Presse mitspielt. Mittel für Werbung fehlen dazu, denn diese dringend nötige Initiative realisiere ich derzeit zusammen mit einem ehrenamtlich tätigen Programmierer. Die neue Internetseite soll dann in „berufenere Hände“ übergehen, wozu ich schon Kontakte knüpfe. Ich gebe zu: Meine Taktik ist es, Druck auf jene Berufene auszuüben, die das bisher nicht angehen und sich nicht rühren wollen oder können. Appelle blieben sinnlos.

2.) Wer technischer Gründer ist, muss sich unbedingt derzeit noch auf der Seite https://www.wir-rv.de/ProjekteNetzwerke/Projekte/Erfinderclub schlau machen. Tut er das nicht, ist er so beratungsresistent, dass er nicht gründen sollte. Sie bleibt in der Zukunft hoffentlich unter dem Suchkriterium „Erfinderclub Allgäu-Oberschwaben“ findbar.

3) Ein Projekt kommt häufig anders und es wird teurer, als man denkt.

Also lieber statt mit 10 % Kapitalaufschlag das Projekt mit 30 oder 40% (ich will Sie mit dem häufigen Fall von 100 und mehr % nicht allzu sehr demotivieren) rechnen und dies gleich sicherstellen. Denken Sie an die Risikostufen einer Innovation: a) altes Produkt, alter Kundenkreis wird erweitert b) alte Kunden, neuer Kundenkreis c) Neues Produkt, alte Kunden d) neues Produkt, neue Kunden. Spätestens bei c) wird es happig, bei d) braucht man einen langen, auch finanziellen Atem!

Noch etwas Ungewöhnliches: Denken Sie daran, WEN Sie mit Ihrer Gründung stören! Je wirtschaftlich bedeutender Ihr Vorhaben ist, desto mehr werden Sie (wie es mir erging) Widerstand jeder Art erleben – bis zu nicht mehr legalen Mitteln! Suchen Sie rechtzeitig Spezialisten und Verbündete. Leider müssen die auch bezahlt werden.

4) Wenn es noch ein Punkt sein darf: Achten Sie darauf, das Sie nicht alles auf`s Spiel stellen. Sie müssen auch im Alter (an das Sie jetzt eher nicht denken) finanziell sicher sein. Also weiter in der Rentenversicherung, Krankenkasse etc. bleiben! Vermeiden Sie, nach Ihrem Höhenflug zum Flaschensammler zu werden! Und sollten Sie allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich sein und die Welt bewegen, seien Sie nicht böse, wenn Sie, d.h. Ihr Werk, aufgekauft wird.

Mit herzlichen guten Wünschen für Sie und Ihr Projekt und ich hoffe, Sie nicht zu sehr erschreckt zu haben! Rolf Schiller

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Rolf Schiller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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