Verbiegt euch niemals

J.Kinski: Brühen, Suppen und Saucen aus natürlichen Zutaten, ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern und in bester Bio-Qualität.

Stellen Sie sich und das Startup J. Kinski doch kurz unseren Lesern vor!

Kurzgefasst: Wir sind ein Produzent von Gründen, Gründen zu kochen. Wir stellen die Basis für unzählige Gerichte her, die normalerweise in Zeitaufwand und Qualität derart aufwendig sind, dass es zuhause schnell stressig werden kann. Alles aus natürlichen Zutaten, ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern und in bester Bio-Qualität.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Das war eigentlich keine Entscheidung, die mit unserem jetzigen Unternehmen zu tun hat. Wir haben vor viel zu vielen Jahren die Lohnarbeit abgewählt und in der Gastronomie, der Veranstaltungsbranche, mit Streetfood und mit Tee – kein Witz – unseren Lebensunterhalt verdient. Jeder Selbstständige weiß, dass das unfassbar viel Zeit beansprucht und oft nicht immer lustig ist. Aber wir wollten tun, was wir lieben und uns dabei nicht verbiegen – und das konnten wir jede Minute in unserer Selbstständigkeit umsetzen.

Welche Vision steckt hinter J. Kinski?

Vision ist sicher etwas hochgegriffen. Wir sind ja keine Raketenwissenschaftler. Aber unser Anspruch ist es, das herzustellen, was wir selbst gerne essen würden. Und das gab es so bisher nicht auf dem Markt. Dabei sind unsere Grundsätze das, was uns Grenzen aber auch Profil gibt. Wir kennen all unsere Lieferanten und setzen auf biologische Landwirtschaft. Aber eben nicht á la Discounter-Bio, sondern in Verbindung mit Nachhaltigkeit und Regionalität, unbedingtem Tierwohl und überragender Qualität. Die Politik ist sehr zögerlich, wir und unsere Kunden sind es nicht.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Gute Frage, wo sollen wir da anfangen? Am Anfang standen wie immer die Idee, ein Konzept und erste Kontakte. Dann haben wir als Startup natürlich nach Risikokapitalgebern gesucht. Gar nicht so leicht, denn in unserem Fall hieß es zur Bank zu gehen und nach ein paar hunderttausend Euro für Brühe zu fragen. Da kam es nicht selten vor, dass man eher ausgelacht als ernstgenommen wurde. Die Antwort: „Gibt’s schon, kennen sie Maggi?“ war da nur eine der Standard-Abfuhren. Letztendlich hat uns aber sicher auch unser großes Netzwerk aus der Streetfood-Zeit geholfen, die richtigen Finanzierungs- und Förderpartner zu finden, die an uns geglaubt und investiert haben. 

Natürlich sind auch wir beim Start auf die ganz klassischen Probleme wie Versandschwierigkeiten mit zahlreichen Anbietern, Kommunikationsstrukturen, defekte Maschinen und Gegenwind der „Großen“ im Einzelhandel etc. gestoßen. Nichts, davon hat uns überrascht hat, jedoch ging es teilweise zu sehr um unnötige/lösbare Probleme und zu wenig um das eigentliche Produkt. Ein Learning, das wir uns bewusst abgewöhnen mussten.

Wer ist die Zielgruppe von J. Kinski?

Jeder, der gerne, gut isst. Unsere Produkte sollten in einer perfekten Welt eigentlich genau dort stehen, wo bei den meisten die Brühwürfel liegen. Es ist nichts Verwerfliches daran, fertig hergestellte Produkte zu verwenden. Allerdings sind viele der verwendeten Inhaltsstoffe gerade aus gesundheitlichen Gründen nicht wirklich „cool“ und heutzutage auch nicht mehr zeitgemäß. Uns ist natürlich bewusst, dass der Preis unserer Produkte auf den ersten Blick vielleicht eine bestimmte Klientel anspricht. Wer jedoch ganz generell seinen Konsum verändern und bewusster leben und genießen will, der wird auch unabhängig vom Budget gute Brühen verwenden, um Soßen, Suppen etc. zu kochen. Es ist also vielmehr eine Frage der Einstellung zu guten Zutaten und zu gutem Essen insgesamt.

Wie funktioniert J. Kinski? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Scheinbar hat es viel mit Geschmack, Qualität und ehrlicherweise auch modernem Marketing zu tun. Aber letztlich sind auch wir Gründer, die jeden Tag lernen. Wir lernen, dass auch ein scheinbar unbedeutender Social Media-Account gehackt werden kann, das Maschinen eben nicht ohne Menschen funktionieren, das Kinder wichtiger sind als alles andere und man sie trotzdem manchmal zurückstellen muss. Das einem dabei das Herz bricht aber ohne Geld eben nichts funktioniert. Wir lernen, dass man sich am besten vorerst auf sich selbst verlässt und dass das Universum einen fiesen aber verlässlichen Plan hat.

Dabei unterscheidet uns die absolute und strikte, beinahe ideologische Einstellung zu unseren Produkten. Keine Kompromisse, bestmögliche Rohstoffe, Hände die arbeiten, um ein ehrliches Erzeugnis zu erschaffen – denn gerade Ehrlichkeit scheint in diesen Zeiten ein rares Gut zu sein. Die Menschen können über Geschmäcker streiten aber Qualität ist skalierbar. Daran messen wir jede Flasche, die unsere Manufaktur verlässt. Und das ist der Grund, warum J. Kinksi funktioniert. 

J. Kinski, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Die beste Frage beinahe zum Schluss. Wir leben auf einem Bauernhof im Weimarer Land, arbeiten etwas weniger und kaufen uns von all dem Reichtum goldene Schuhlöffel. Spaß bei Seite: ein Hof wäre fantastisch, Tiere, Familie und ein kleines bisschen mehr Regelmäßigkeit. Glückliche Angestellte, ein funktionierendes und stabiles Unternehmen und die Gewissheit, dass wir ein kleines bisschen dazu beigetragen haben, einen Wandel in der Lebensmittelindustrie zu realisieren und voranzutreiben. Naja, und wenn wir in diesen fünf Jahren auch nocht ganz viel Brühe verkaufen, wäre das natürlich auch nicht schlecht 😉 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Tipp 1: Schnappt euch einen sicheren Beamtenjob, kauft euch ein Haus und kümmert euch um die Häppchen, die ihr eurem Chef serviert, wenn er am Samstag zum Essen kommt.

Tipp 2: Wenn ihr die Vorstellung genauso gruselig findet wie wir, denkt nach. Sucht euch Verbündete, sammelt gemeinsam Ideen, spinnt ein bisschen herum und brainstormt, was das Zeug hält. Filtert die guten von den bescheuerten Ideen. Die paar guten knüllt ihr dann zusammen und schmeißt sie in den Müll. Das macht ihr so lange, bis euch irgendwas so brutal ins Gesicht springt, dass es nur funktionieren kann.

Tipp 3: Verbiegt euch niemals, für niemanden. Egal was ihr tut, tut es zu 100 Prozent. Essentielle Kompromisse sind der erste Schritt zum persönlichen Scheitern. Das muss kein wirtschaftliches Scheitern bedeuten, vor allem nicht heutzutage. Aber was nützt das tollste Unternehmen, wenn man beim Blick in den Spiegel erstmal 20min Rechtfertigung braucht, bevor man schlafen kann.

Tipp 4: Lasst euch von keinem vorschreiben, was ihr tun sollt oder wie viele Tipps ihr geben dürft!

Fotograf: ©Nicky Hellfritsch

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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