Essenziell zur Unternehmensgründung ist es eine Vision zu verfolgen

IZUBA kombiniert farbenfrohe Stoffe mit moderner, urbaner Mode

Wie ist die Idee zu IZUBA entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Ich, Paul Böger, habe von 2015 – 2016 für ein Jahr in der ruandischen Hauptstadt Kigali gelebt und bei zwei Nicht-Regierungs-Organisationen gearbeitet.
Während meiner Zeit in Ruanda bin ich häufig über die vielen Stoffmärkte in Kigali und Umland geschlendert und habe ein besonderes Faible für die in Ostafrika weit verbreiteten „Wax-Prints“ entwickelt.
Inspiriert von den Stoffen habe ich verschiedenste Outfits von Hosen über Taschen bis hin zu Sakkos entworfen und nähen lassen.
Von Freunden und Bekannten aus Deutschland und Europa habe ich sehr viel positives Feedback erhalten. Dies hat mich in der Idee bestärkt, extravagante Mode in Ruanda unter fairen Bedingungen zu produzieren und in Deutschland zu vertreiben.
Die Idee hinter IZUBA war geboren und es fehlte nur noch ein konkreter Plan das Vorhaben umzusetzen. Gemeinsam mit Emmanuel Ndagijimana, einen Freund den ich während meiner Zeit in Ruanda kennenlernte, arbeiteten wir an der Umsetzung des Plans. Während Emmanuel Ndagijimana sich um Kommunikation und Organisation in Ruanda kümmerte, bereitete ich alles Weitere für die Produktion notwendige vor.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Vor der Gründung IZUBAs war mir nicht bewusst, wie Zeitaufwendig eine Firmengründung sein kann. Häufig habe ich, neben meinem Studium, bis drei oder vier Uhr in der Nacht an meinem Computer gesessen und alles Mögliche organisiert, deutsche und ruandische Gesetze und Verordnungen für den In- und Export von Textilien sowie dessen Produktion gelesen. Teilweise kam mir die Frage, wieso ich einen solchen Aufwand betreibe – für Was? Ich habe mir dann immer wiedermein eigenes Ziel vor Augen geführt und weitergemacht.
Ich will mehr als nur Textilien produzieren und diese vertreiben. Ich will ein anderes Bild von Afrika – genauer von Ruanda vermitteln. Meiner Meinung nach hat der Großteil der Europäer ein vollkommen falsches Bild von Afrika. Dieses wird häufig mit Krieg, Armut und Hunger assoziiert. Meine Vision ist es dem entgegenzuwirken und mit IZUBA zu einer realitätsnahen, sachlichen und objektiven Darstellung Afrikas beizutragen.
Ich habe versucht mit einem relativ geringen Gesamtbudget IZUBA ins Leben zu rufen. IZUBA wird aus Eigenkapital, sowie Privatkrediten finanziert.

Wer ist die Zielgruppe von IZUBA?
IZUBA soll vor allem junge, weltoffene und modeinteressierte Menschen anzusprechen. Langfristiges Ziel ist jedoch die breite Masse für unsere Mode zu begeistern, mit einem höheren Anteil von dezenter Kleidung im Sortiment. Im Fokus steht dabei die Beibehaltung von hoher Qualität und guten Arbeitsbedingungen.

Wo und aus welchem Material werden die Outfits produziert?
Alle Textilien von IZUBA werden in Ruandas boomender Metropole Kigali in Handarbeit gefertigt. IZUBA hat zwei selbstständige Partner in Kigali, die für die Produktion zuständig sind. Einer unserer Partner beschäftigt sich ausschließlich mit der Manufaktur der IZUBA-Anzüge, wohingegen unsere zweite Partnerin sich um die Produktion von allen weitern Textilien kümmert und die Veredlung von unseren Textilien koordiniert. Der Großteil unseres Sortimentes wird komplett in Ruanda hergestellt.Wohingegen unsere Basics von einem Mitglied der „Fair Wear Foundation“ unter der strikten Einhaltung von internationalen Arbeitnehmerrechten produziert und in Ruanda veredelt werden.
Die Materialien zur Produktion werden allesamt in Ruanda eingekauft und strengstens auf Qualität und Beschaffenheit geprüft. Die bunten Stoffe („Wax Prints“) sind aus Baumwolle und werden in einem Wachsverfahren eingefärbt und erhalten dadurch ihr einzigartiges und extravagantes Flair.

Welche Outfits werden produziert?
Wir bieten Sakkos, kragenlose Hemden und T-Shirts für Herren und verschieden Tops für Frauen sowie Ohrringe an. Jedoch arbeiten wir schon an einer zweiten Kollektion mit Hotpants, neuen Leinenhemden und Kleidern. Ein Zeitpunkt für die Veröffentlichung steht jedoch noch nicht fest.

Was ist das Besondere an den Outfits?
Alle unsere Outfits werden von erfahren und hochqualifizierten Schneidern in Ruanda genäht und sind in Europa definitiv ein Hingucker. Für alle die sich gerne extravagant kleiden, bietet IZUBA eine optimale Alternative zu der gegenwertigen Modeszene. Wir kombinieren farbenfrohe Stoffe mit moderner, urbaner Mode und erschaffen somit etwas Neues. Vergleichbares wird man in Deutschland kaum zu sehen bekommen. Außerdem ziehen unsere Kunden mit ihren extravaganten IZUBA-Outfits definitiv den einen oder anderen Blick auf sich.

Wie ist das Feedback?
Ich bekomme häufig ein sehr positives Feedback. Viele Kunden oder Interessenten gefällt der Gedanke eines Unternehmens mit Textilproduktion in Ruanda, ein Land welches bei vielen Leuten weniger für extravagante und moderne Mode bekannt ist. Zudem wurde ich häufig von Menschen angesprochen, die begeistert von den intensiven Farben und der gleichzeitigen Extravaganz der Bekleidungen waren.

IZUBA, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich habe eine Vision von einer eigenen Textilmanufaktur, welche die Produktion von Stoffen ebenso wie das Nähen der Outfits umfasst.
Jedoch will ich mich erst einmal auf die nahe Zukunft konzentrieren und an Konzepten zur Vertriebserweiterung und an weiteren Finanzierungsmöglichkeiten, für eine eigene Produktionsstätte, über Crowdfunding-Plattformen arbeiten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Essenziell zur Unternehmensgründung ist es eine Vision zu verfolgen und sich sein eigenes, persönliches Ziel fest vor Augen zu führen, um sich immer wieder bewusst machen zu können, wieso man so viel Zeit aufwendet und investiert.
Unverzichtbar ist ebenfalls ein starkes Durchhaltevermögen. Ich bin mir sicher, dass jeder angehende Gründer mindestens einmal an einen Punkt stößt, an dem dieser mit dem Gedanken aufgeben zu wollen spielt. Man sollte sich dabei jedoch immer bewusst sein, wie viel Zeit, Bemühung und Arbeit schon in das Vorhaben geflossen ist. Hoch und Tiefs sind eben auch in der Unternehmensgründung allgegenwertig, aber aus einem Tief heraus kann es doch nur besser werden. Also: Kopf Hoch und Durchhalten!
Zögere nicht damit Hilfe anzunehmen. Mir persönlich haben unglaublich viele Leute geholfen und mich auf dem Weg der Gründung unterstützt. Ohne die zahlreiche Unterstützung wäre ich mit Sicherheit nicht dort, wo ich jetzt bin. Außerdem gibt es auch viele Gründerförderungen oder Institutionen, wie die Industrie und Handelskammer (IHK) bei der du dich kostenlos beraten lassen kannst.

Fotograf Picasa

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Paul Böger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

X