Sonntag, September 25, 2022

Turbulente Zeiten: Wie Start-ups aktuell Investmentrunden realisieren können

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Klarna verliert 85 Prozent an Wert, Gorillas entlässt 300 Mitarbeiter:innen, große Investoren wie Sequoia sprechen von harten Zeiten, die auf Start-ups zukommen werden. Die erfolgsverwöhnte Start-up-Community hat es aktuell nicht leicht. Die Gründe für die Krise muss man nicht lange suchen: Inflation, Krieg in der Ukraine und die Zinspolitik treffen natürlich auch aufstrebende Jungunternehmen enorm. Für Gründer:innen muss die Devise nun lauten: cool bleiben. Denn so schlimm, wie die Situation auf den ersten Blick scheint, ist sie nicht. Auch jetzt können Start-ups noch Investmentrunden realisieren und trotz Krise ihr Business weiter voranbringen. 

Nicht alle Start-ups sind gleich stark betroffen

Zunächst einmal dürfen Gründer:innen nicht generalisierend an die derzeitige Situation herangehen. Denn auch wenn natürlich die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft von den Auswirkungen der Inflation, der Zinspolitik und deren Nebeneffekten betroffen sind, sieht es doch beim Thema Start-up-Finanzierung schon wieder anders aus. Entscheidend ist, dass nicht jede:r Investor:in direkt in den Krisenmodus schaltet und Finanzierungsrunden streicht.

In den letzten Wochen hat sich dennoch abgezeichnet, dass vor allem VCs defensiv agieren und damit Start-ups mit VC-Finanzierungen um eine Anschlussfinanzierung zittern müssen. Diese Entwicklung hat sicherlich mit dem Geschäftsmodell der Risikokapitalgeber:innen zu tun, sind sie doch viel stärker von schnellen Renditen abhängig. Dementsprechend sollten sich Gründer:innen aktuell vielleicht eher nach Private-Equity-Investoren oder Family Offices für eine Finanzierung umschauen. 

Auch interessant: Frühphasen-Fonds wie Cherry Ventures oder Creandum haben trotz Krise in jüngster Zeit sehr hohe Beträge eingesammelt, teilweise sogar die höchsten Beträge ihrer bisherigen Firmengeschichte. Start-ups, die auf der Suche nach ihrer ersten großen Finanzierungsrunde sind, haben deshalb gute Chancen, dass sie von Investment-Kürzungen gar nichts mitbekommen. Anders sieht es natürlich bei Start-ups aus, die bereits im letzten Jahr eine enorm hohe Bewertung erhalten haben. Sie stehen nun vor der Herausforderung, diesen Erwartungen im Hinblick auf Wachstum und Rendite gerecht zu werden. 

So können Start-ups aktuell bei Investoren punkten

Besonders im letzten Jahr hatte man den Eindruck, dass es bei Finanzierungsrunden häufig allein darum gegangen ist, ob ein Start-up ein aktuelles Hype-Thema besetzt. Gerade in gefeierten Branchen wie Mobility oder auch FinTech wurde viel investiert und die einzige Devise schien zu lauten: Wachstum um jeden Preis. Nun aber der Stimmungsumschwung, der dennoch keinen Grund zur Panik bedeutet. Denn die Suche nach Investor:innen an sich wird nicht zwingend schwieriger, die Geldgeber:innen haben nur einen anderen Fokus. Wenn in den letzten Jahren Themen wie Profitabilität und Effizienz unter dem Wachstumscredo vernachlässigt wurden, achten Investoren im aktuellen Marktumfeld sehr viel mehr auf ein gesundes und funktionierendes Geschäftsmodell. Schwierig wird es sicher hingegen für Start-ups, deren Businesskonzept sich bisher am Markt noch nicht so recht bewährt hat.

Den Weg zur Profitabilität deutlich machen

Braucht ein Start-up jetzt also frisches Geld, sehen sich die Gründer:innen vor allem mit der Frage konfrontiert: Wie sieht euer Pfad zur Profitabilität aus und ab wann macht ihr Gewinne? Die Herausforderung für Gründer:innen ist nun, Investoren plausibel zu erklären, wie sie es schaffen wollen, zu wachsen und gleichzeitig schwarze Zahlen zu schreiben. Dazu können Start-ups an verschiedenen Stellschrauben drehen. Eine dieser Schrauben könnte beispielsweise die Preisstrategie sein, schließlich ist der Preis die Grundlage, um Gewinne zu erwirtschaften. Gründer:innen können im Vorfeld der Finanzierungssuche also z. B. schon einmal checken, ob ihr Preismodell valide ist, ob die verlangten Preise realistisch sind oder wie die Zahlungsbereitschaft der Kund:innen wirklich aussieht. 

Um den Weg in die Profitabilität deutlich zu machen, sollten Gründer:innen auch in der Lage sein, Investor:innen einen tiefen Einblick in das eigene Unternehmen zu geben. Das bedeutet: Wirklich alle wichtigen KPIs aktuell parat haben und fähig sein, detailliert über sie zu sprechen. Denn: Allein über eine gute Story lassen sich Start-ups nicht mehr finanzieren. Es spricht nichts gegen einen Forecast mit enormen Wachstumsprognosen, sofern sie realistisch sind. Für die Cash- und Lifetimeplanung sollte jedoch aktuell eher ein konservativer Ansatz gefahren werden. Dieser etwas moderatere Case sollte im aktuellen Marktumfeld eine Lebensspanne von mindestens 24 Monate bringen.

Die Erwartungen anpassen

Daneben müssen Gründer:innen ihre Erwartungen anpassen. Start-ups, die beispielsweise im letzten Jahr mehr Geld eingesammelt, als sie wirklich benötigt haben, stehen nun mit einer enorm hohen Bewertung in ihrer Equity-Story da und könnten Probleme haben, Investor:innen von einer Anschlussfinanzierung zu überzeugen bzw. erstmal in diese Bewertung reinzuwachsen. Wer außerdem erwartet, in einer weiteren Investmentrunde eine ähnlich hohe oder vielleicht sogar noch höhere Bewertung zu erhalten, wird angesichts der aktuellen Entwicklungen enttäuscht werden. Start-ups müssen sich darauf einstellen, mit niedrigeren Bewertungen auszukommen. Das bedeutet: Weniger ins Risiko gehen, Burnrate senken und Kosten in Bereichen wie z. B. Marketing einsparen.

Finanzierungsrunden sind immer noch möglich

Fazit: Ja, die Zeiten für Start-ups haben sich verändert, aber gute Finanzierungsrunden sind immer noch möglich. Billiges Geld von VCs mag nicht mehr im Überfluss vorhanden sein, doch zu einem Kollaps wie nach dem Platzen der Dotcom-Blase wird es nicht kommen – dafür ist das deutsche Start-up-Ökosystem gerade zu gut aufgestellt. Gründer:innen müssen nun den Fokus klar darauf legen, profitabel zu werden. Dies kann aber auch eine Chance sein. Denn je schneller sich ein Geschäftsmodell von alleine tragen kann, desto eher sind Gründer:innen nicht mehr auf Investments angewiesen.

Autor

Nikbin Rohany ist CEO des SaaS-Anbieters Shore, der eine Terminbuchungs- und Shoplösung für KMU anbietet. Die Digitalisierung und der Erfolg von KMUs sind seine Vision und Leidenschaft.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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