Gründen im Doppelpack

Instaffo ist eine Reverse-Recruiting-Plattform, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Basis KI-basierter Auswahlprozesse automatisch miteinander verbindet und sie mit ihrem perfekten Job matcht.

So findet das Unternehmen den Mitarbeiter – im Gegensatz zum traditionellen Vorgehen, bei dem sich Arbeitnehmer beim Unternehmen bewerben. Gegründet wurde Instaffo 2014 von Christoph Zöller, CEO, und Daniel Schäfer, Chief Visionary Officer, in Heidelberg. In ihrer Firmenzentrale, in einem ehemaligen Heidelberger CIA-Gebäude, beschäftigen die beiden heute rund 60 Mitarbeiter, um mehr als 600 Kunden bei der Vermittlung von IT-, Sales- und Marketing-Fachkräften zu helfen.

Warum habt ihr zu zweit gegründet – was hat euch dazu bewegt, welche Gedanken hattet ihr dabei?

DANIEL: Ich glaube, was uns beide zusammengeführt hat, war der schnell erkennbare ergänzende Faktor. Mich hat es damals schon beeindruckt, wie hart und entschlossen Chris bereits in jungen Jahren vorging und genau wusste was er wollte. Die Kombination aus durchdachten Ideen und klarer Entschlossenheit war aus meiner Sicht perfekt. 

CHRISTOPH: Genau, wir ergänzen uns super, was auch die gemeinsame Arbeit einfach macht. Aber abgesehen davon, hat sich das damals auch einfach so ergeben.

In welchen Situationen und wegen welcher Fähigkeiten möchtet ihr euren Co-Gründer in keinem Fall missen?

D: Ich bin ein großer Fan unseres ehrlichen Austausches und dem konsequenten aber immer professionellen Diskurs bei strategischen Fragen. Chris ist da wirklich hart drauf, aber unsere positive Streitkultur ist genau das, was es für mich ausmacht – wir wachsen dadurch persönlich, aber natürlich auch als Firma. 

C: Stimmt, der offene und ehrliche Austausch in kritischen Situationen ist auch mir sehr wichtig. Wir sitzen immerhin im selben Boot und es ist klasse, dass wir das auch dann nicht vergessen, wenn wir mal nicht einer Meinung sind. Aber eine Fähigkeit, die ich an Daniel ebenfalls schätze, ist sein kreativer Kopf: Er hat eine sprudelnde Fantasie, dank der er oft über Nacht Konzepte und Lösungen für unsere Probleme findet. 

Hand aufs Herz: Bei welchen Themen herrscht bei euch das größte Konfliktpotenzial?

C: Darüber muss ich kurz nachdenken. (lacht)

D: Also mir fällt da gleich was ein.

C: Stimmt, unsere Rollenfindung, oder? Da hatten wir Anfang des Jahres so richtiges Konfliktpotential. Wir waren auf dem Blatt Papier beide “CEO” haben tatsächlich aber ganz unterschiedliche Dinge ausgeführt und verantwortet. Wir haben das dann aber relativ schnell mit einem kühlen Kopf zufriedenstellend für uns beide gelöst. Manchmal bin ich auch ein wenig zu voreilig, das ist zwar mit dem fortschreitenden Alter schon besser geworden, hier ist es aber gut, dass Daniel mich nochmal challenged und zum Nachdenken bringt. 

D: Ja, ich denke auch, dass Rollenthemen und klare Verantwortungsbereiche schnell mal zu Konflikten führen können. Darüber hinaus würde ich jedoch sagen, dass es unsere unterschiedlichen Herangehensweisen sind, die Reibung erzeugen. Chris ist ein Bauchentscheider, bei mir ist es der Kopf. Da die richtige Mischung zu finden ist nicht immer ganz leicht. Aber am Ende ist es doch so, dass es uns eint, dass wir beide ebenso mit dem Herzen entscheiden, also beide immer voll bei der Sache sind und auf diese Weise gemeinsam zu klaren und richtigen Entscheidungen im Sinne der Firma kommen. Und dieses gegenseitige Herausfordern ist zwar nicht immer angenehm, dafür aber notwendig und sinnvoll.

Welchen Rat würdet ihr dank eurer inzwischen gesammelten Erfahrungen anderen angehenden Gründer-Duos geben?

C: Teilt eure Rollen von Anfang an ganz klar auf und bestimmt Verantwortlichkeiten. Dabei hilft es, wenn ihr euch in euren Fähigkeiten und Persönlichkeiten ergänzt! Andernfalls könntet ihr ja schließlich auch einfach alleine gründen… Fast noch wichtiger ist aber die Kommunikation. Das hört man so oft – und doch unterschätzt man die Gefahr, wie schnell man nebeneinander her arbeitet, weil nicht miteinander gesprochen wird. Daher: Schafft euch unbedingt auch Raum für tiefgreifenden Austausch – nicht nur für einen Plausch zwischen Tür und Angel. Das hilft euch, auch im Alltagsstress den Durchblick zu behalten.

D: Ich kann auch nur betonen, wie wichtig das klare und frühzeitige Abgrenzen der Verantwortungsbereiche ist. Nehmt euch die Zeit und definiert das auf fachlicher und persönlicher Ebene. Auch gemeinsame Ziele sind wichtig! Vertretet ihr überhaupt die gleichen Werte und Sichtweisen? Solche Faktoren müssen stimmen, spielen aber häufig bei Gründungen kaum eine Rolle. Auch wir haben uns am Anfang damit gar nicht beschäftigt, aber zum Glück steuern wir trotzdem in die gleiche Richtung. Das hätte auch anders sein können. 

Wenn ihr zurückblickt, auf das, was ihr erreicht habt und auf eure Ziele, die noch vor euch liegen – hat sich das Gründen als Duo für euch gelohnt? Würdet ihr nochmal zu zweit gründen?

D: Auf jeden Fall. Abgesehen von allen genannten Gründen, ist es alleine viel schwieriger, so weit zu kommen. Zumal ab einer bestimmten Größe ein Unternehmen ohnehin keine One-Man-Show mehr sein kann und Aufgaben klar verteilt und auch kritisch hinterfragt werden müssen. Ein ergänzender Co-Founder wird da für mich immer die logische Konsequenz sein, denn dann teilt man Wissen, Expertise und Ideale von Anfang an.

C: Definitiv: Ja! Ich bereue es kein Stück. Und in den allermeisten Situationen hat es meiner Meinung nach Sinn, mindestens einen Co-Founder an seiner Seite zu wissen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Christoph Zöller und Daniel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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