Ein möglichst diverses Team bilden

Insektenhelden für Insekten um das Insektensterben: Insektenweiden

Stellen Sie sich und das Startup Insektenhelden doch kurz unseren Lesern vor!

Das Besondere an uns als Gründerteam ist unsere Vielseitigkeit: Ein konventioneller Landwirt aus Ostwestfalen, ein Geschäftsführer einer Berliner Werbeagentur und ein Politikberater. Wir haben uns zusammengetan, um eine praktische, einfache und wirkungsvolle Antwort auf das Insektensterben zu geben. Denn wir sehen, dass sehr viele Menschen über das Verschwinden der Insekten besorgt sind und etwas tun wollen. Wir bringen diese Menschen mit Landwirten zusammen, die ebenfalls etwas für die Insekten tun wollen, indem wir eine Plattform zur Vermittlung von Blühflächen innerhalb von Landwirtschaftsflächen aufbauen. 

Wie ist die Idee zu Insektenhelden entstanden?

Der Kern der Idee ist bei unserem Landwirt Torben auf dem Trecker entstanden. Er war gerade dabei, ein Insektengift auf einem Feld zu spritzen. Dabei hörte er im Radio einen Beitrag über das Insektensterben. Da kam ihm die Idee: Wenn ich einen Teil meiner Flächen zur Insektenweide mache und an Insektenfreunde verpachte, wäre allen geholfen. Das war die Ausgangsidee. Als Team sind wir dann schnell dahin gekommen, dass diese Idee nur Erfolg haben kann, wenn sehr viele Landwirte solche Flächen schaffen und entsprechend viele Menschen dafür Pacht bezahlen. Dafür brauchen wir eine Vermittlungsplattform. Das ist die Idee der Insektenhelden. 

Welche Vision steckt hinter Insektenhelden?

Unser Vision ist es, mit unserer Plattform Insektenhelden.de einen Markt für Insektenlebensräume zu schaffen und so massenhaft Lebensräume für die bedrohten Insekten in der Agrarlandschaft zu schaffen. Wir wollen nicht beim Einzelprojekt stehen bleiben, sondern einen Vermittlungsservice bieten, der Insektenweiden zum attraktiven Produkt macht, sowohl für die anbietenden Landwirtinnen und Landwirte, als auch für die Insektenfreundinnen und Insektenfreunde, die auf diesem Wege aktiven Insektenschutz betreiben können. 

Was waren bisher die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wir sind als Gründer sehr stark in Vorleistung gegangen. Wir haben eigenes Ackerland, Landmaschinen, Zeit, Arbeit, Netzwerke und Geld zusammengeschmissen, um die Idee in die Tat umzusetzen. Die ersten 40.000 Quadratmeter blühen und sind wissenschaftlich ausgewertet. Die eigentliche Herausforderung ist nun, die Plattform so schnell wie möglich zu starten, damit wir im Frühjahr 2020 Flächen vermitteln können. Um das zu finanzieren, haben wir unter anderem die Start-Next-Kampagne gestartet. 

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?

Crowdfunding ist erstmal sehr aufwendig und bringt für den Aufwand vergleichsweise wenig Geld. Uns geht es aber nicht nur ums Geld, auch wenn wir das dringend brauchen. Insektenhelden.de kann nur funktionieren, wenn sehr viele Menschen mitmachen und sich für die Idee begeistern. Beim Crowdfunding geht es uns daher vor allem um die Crowd, also um den Aufbau der Insektenhelden-Community. Die Insektenhelden sind ja nicht wir, sondern unsere User. Eine große Finanzierung im stillen Kämmerlein würde uns da wenig nützen. 

Wo sehen Sie die Vorteile für sich?

Wie gesagt, wir brauchen zwei Dinge: Geld und UnterstützerInnen unserer Idee. Das Crowdfunding bringt beides zusammen. Außerdem wird das eingeworbene Geld sehr unbürokratisch und vertrauensvoll gegeben. Das gibt uns viel Freiheit bei der Umsetzung und ist daher unglaublich effizient eingesetzt. Zudem haben wir das Glück, dass wir uns für den Krombacher Naturstarter qualifiziert haben. Das heißt: für jeden Start-Next-Euro kriegen die Insektenhelden nochmal 25 Cent dazu. 

Insektenhelden für Insekten um das Insektensterben Insektenweiden

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?

Vor allem werden wir die Plattform auf die Beine stellen, damit es mit der Flächenvermittlung losgehen kann. Dazu gehört neben der Programmierung auch das naturschutzfachlich fundierte Design der Insektenflächen. Und wir müssen unsere eigene Fläche refinanzieren, damit wir dort weiter unsere Forschung und Entwicklung durchführen können. 

Wer ist die Zielgruppe von Insektenhelden?

Wir haben im Kern zwei Zielgruppen: LandwirtInnen und InsektenfreundInnen, also Menschen, die sich für den Insektenschutz engagieren möchten. Diese beiden Gruppen sind entscheidend für erfolgreichen Insektenschutz und wir wollen sie zusammenbringen. Wir glauben, dass unser Ansatz beiden Seiten viel zu bieten hat. Als Insektenfreundin oder Insektenfreund schaffe ich aktiv und schnell Lebensraum für Insekten. Und für mich als Landwirtin oder Landwirt bedeutet es eine attraktive Alternative zum Anbau von Getreide oder Mais. Der größte Mehrwert ist aber vielleicht, dass es eine gemeinsame Aktion ist. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Dieser Aspekt ist uns sehr wichtig. 

Wie funktioniert Insektenhelden?

Ganz einfach: Eine Landwirtin oder ein Landwirt bietet eine Fläche als Insektenweide an, eine Insektenfreundin oder ein Insektenfreund pachtet sie. Zum Beispiel 100 Quadratmeter für 50 Euro im Jahr. Insektenhelden.de vermittelt die Fläche, kümmert sich um die Pachtverträge und stellt das Saatgut zur Verfügung. Vor allem aber entwickeln wir gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten Strategien, um die Insektenflächen in ihren Betrieb so zu integrieren, dass langfristig hochwertige Insektenbiotope entstehen. Wir achten also auch darauf, wie die umliegenden Flächen bewirtschaftet werden, dass neben Blühpflanzen auch Bäume und Sträucher da sind und dass nicht nach einem Jahr schon wieder Schluss ist. Damit unterscheiden wir uns deutlich von den einfachen Blühstreifen-Programmen. 

Insektenhelden, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir wollen eine Art Immoscout für Insektenlebensräume werden. Unser erstes Ziel ist es, 10 Millionen Quadratmeter Insektenweide in Deutschland zu vermitteln. Aber das ist nur der Anfang. Langfristig wollen wir, dass Insektenweiden zum festen Bestandteil der landwirtschaftlichen Fruchtfolgen in Europa werden. So gestalten wir als Zivilgesellschaft Europas Agrarlandschaft mit. 

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Einfach anfangen. Ein möglichst diverses Team bilden. Und das Crowdfunding nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das ist harte Arbeit, die sich aber auszahlt. Sogar schon vor Abschluss der Kampagne. 

Link zum Crowdfunding

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Tobias Leiber für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar