Spricht mit so vielen Leuten wie möglich über euer Vorhaben

InnoCow: Das Gesundheits-Trackingsystem für Milchkühe

Stellen Sie sich und das Startup InnoCow doch kurz unseren Lesern vor!
Wir, InnoCow, glauben, dass in dem ungenutzten Potenzial einer digitalisierten Milchwirtschaft der Schlüssel steckt, die Lebensbedingungen der Milchkühe und die wirtschaftliche Situation der Landwirte gleichermaßen zu verbessern. Mit Hilfe von modernen Technologien und neuesten Forschungsergebnissen wollen wir die Milchwirtschaft digitalisieren und sie so in das 21. Jahrhundert bringen. Dazu entwickeln wir ein automatisiertes Gesundheitsdiagnosesystem für Milchkühe. Das System erfasst die Vital- und Aktivitätsdaten der Kühe in Echtzeit und analysiert diese mit unseren selbstlernenden Algorithmen. So können wir Landwirte vor sich anbahnenden Krankheiten ihrer Tiere warnen. Das kommt der Gesundheit der Tiere zugute und spart den Landwirten teure Behandlungskosten.

Wie ist die Idee zu InnoCow entstanden?
Die zu InnoCow ist mir eher auf einer Gründerveranstaltung der Universität Ende 2014 gekommen, wo ich mich aktiv mit anderen Gründungsinteressierten unterhalten habe. Einer von meinen Gesprächspartner kam von einem Familienbetrieb mit Milchkühen und so bin ich eher „zufällig“ auf das Thema gestoßen. So erfuhr ich, dass es zwar durchaus Produkte zur automatisierten Brunsterkennung bei Milchkühen am Markt gab. Diese waren jedoch teuer und schöpften nicht die Möglichkeiten moderner Technologien aus, wie sie aus anderen Bereichen mittlerweile alltäglich sind. Zur gleichen Zeit hatte ich am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) an einem Forschungsprojekt mitgearbeitet, welches Busse im Stadtverkehr in Kaiserslautern getrackt hat. Wen ich Busse zur Fahrplanoptimierung verfolgen kann, dann kann ich auch Kühe im Stall zur Gesundheitsdiagnose tracken – und so war die Idee zu InnoCow geboren.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Es war schon immer mein größtes Ziel, ein eigenes Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Es sind vor allem die Selbstverwirklichung und der gestalterische Aspekt, welche mich faszinieren und motivieren zu gleich. Bei InnoCow kann ich zusätzlich meine fachlichen Fähigkeiten aus der Informatik nutzen und auch meine Forschungsergebnisse aus meiner Dissertation einbringen. Dies ist für mich die perfekte Grundlage, um meine eigenen Ziele und Visionen für die Zukunft zu verwirklichen. So kann ich meinen Teil dazu beitragen, die Welt ein „klein wenig“ besser zu machen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war und ist es immer noch, Mitstreiter zu finden. Alleine kommt man nur bedingt weit. Vor allem für InnoCow wurde von Anfang an Informatik, Elektronik, BWL und Agrarwirtschaft gleichermaßen benötigt. Gleichgesinnte zu finden und dann auch noch davon zu überzeugen, an der eigenen Idee mitzuarbeiten, ist nicht leicht. Am Anfang hatte ich nur Ideen und Visionen zu vergeben. Leider bezahlt sich davon noch keine Miete, aller guten Ambitionen zum Trotz. Dank des EXIST-Gründerstipendiums konnten wir uns jedoch InnoCow ab Sommer 2016 in Vollzeit voranbringen. Jetzt steht die erste „richtige“ Finanzierungsrunde an und nun wollen wir schon wieder das Team verstärken. Jedoch können wir dieses Mal Mitarbeiter suchen und eine Vergütung anbieten. Das macht es etwas leichter.

Wer ist die Zielgruppe von InnoCow?
Wir konzentrieren uns auf landwirtschaftliche Betriebe mit Milchviehhaltung. Allein in Deutschland existieren rund 70.000 solcher Betriebe mit über 4,2 Millionen Milchkühen. Jedoch müssen die Landwirte den im Vollerwerb von der Milchproduktion leben. Jemand, der sich nur ein, zwei Kühe für tägliche Milch zum Kaffee hält, benötigt unser Produkt nicht. Ab 30, 40 Tieren pro Herde profitiert der Landwirt jedoch von unserem Produkt.

Wie funktioniert InnoCow?
Für unser Produkt nutzen wir die Architektur von Kuhställen aus, in denen sich Milchkühe frei bewegen können. Das alltägliche Bewegungs- und Aktivitätsverhalten der Tiere stellt einen wichtigen Indikator für ihre Gesundheit und Brunst dar. Bildlich gesprochen bewegt sich eine Kuh mit Klauenproblemen weniger, als wenn sie völlig gesund wäre. Um dies zu erfassen, haben wir ein Trackingsystem entwickelt haben, welches automatisiert die Aktivitäts- und Vitalparameter der Kühe erfasst. Dazu haben wir Sensoren an Halsbänder angebracht, welche kontinuierlich Sensordaten sammeln und die drahtlos an unsere Server über das Internet schicken. Dort werten wir die Daten aus und sehen, wenn die Kuh erste Symptome einer Krankheit zeigt. Dies teilen wir dem Landwirt über sein Smartphone oder PC mit.

Welche Vorteile bietet InnoCow?
Wir verbessern die wirtschaftliche Situation der Landwirte und steigern gleichzeitig die Lebensqualität der Kühe. Mit den Informationen über Brunst und Gesundheit der Herde kann der Landwirt seine Milchproduktion optimieren. Durch eine Brunst- und Krankheitsfrüherkennung lässt sich der Ertrag im Durchschnitt um über 100 Euro pro Kuh und Jahr steigern. Unnötige Besamungs- und Behandlungskosten können eingespart und die Milchleistung durch gesündere Kühe erhöht werden.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback war bisher ausnahmslos positiv. Zwar gab es am Anfang noch leichte Zweifel bzgl. der Realisierbarkeit, als ich ganz am Anfang mit Experten über meine Ideen gesprochen habe. Unsere Konzepte und Prototypen konnten jedoch schnell überzeugen, was vor allem am Anfang ein „Problem“ war. Viele Landwirte, mit denen wir gesprochen haben, wollten das Produkt gleich im Anschluss kaufen. Da mussten wir sie jedoch bisher immer noch um etwas Geduld bitten.

InnoCow, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft keinen Halt. Die pflanzliche Produktion ist diesbezüglich schon recht weit gekommen. Autonome Traktorflotten sind schon lange keine Fiktion mehr. Im Gegensatz zum Pflanzenbau befindet sich die Viehhaltung jedoch erst am Anfang der Digitalisierung. Auf diesem Weg unterstützen wir die Landwirte mittels intelligenter Datenanalyse und digitalen Assistenzsystemen. In nicht allzu ferner Zukunft wollen wir ihnen viele Arbeiten abgenommen und automatisiert haben, sodass die Landwirte wieder mehr Zeit für sich und natürlich ihre Tiere haben. In fünf Jahren sehen wir uns als internationales Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, welches Landwirte weltweit die Möglichkeit gibt, am technischen Fortschritt zu partizipieren.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Überlegt euch eine klare Vision für die Zukunft eures Produkts und eurer Branche, die deutlich über den heutigen Stand der Dinge – und vermutlich auch eurer ersten Produktversion – hinausgeht. Spricht mit so vielen Leuten wie möglich über euer Vorhaben und holt euch Hilfe sowie Feedback, wo es nur geht. Es klaut euch niemand eure Idee und wenn doch, war sie nicht gut genug. Am aller wichtigsten ist jedoch auf das zu hören, was andere Leute euch zu eurer Idee sagen. Fragt euch selbst immer wieder, ob eure Konzepte bereits gut genug sind und überarbeitet sie kontinuierlich. Dann ist der Erfolg auch nicht mehr weit.

Bildquelle InnoCow

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sebastian Baumbach für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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