Ihre Eskimorolle im Start-up: Damit Rückschläge Sie nicht absaufen lassen

„Das Projekt habe ich so richtig an die Wand gefahren – davon lasse ich jetzt endgültig die Finger.“

Welchem Start-up- oder Existenzgründer sind diese Gedanken nicht schon mindestens einmal in seiner Karriere durch den Kopf gegangen? Denn Rückschläge gehören nun mal dazu – sie sind Teil des Prozesses.

Aber wie schaffen Sie es, nach Rückschlägen wieder aufzustehen? Oder noch besser: Wie vermeiden Sie Rückschläge, die Sie und Ihr Business absaufen lassen?

Mutig und agil

Neulich traf ich einen Freund meines Sohnes. Tim gründete vor einigen Jahren mit Partnern ein Start-up. Am Anfang veranstalteten sie Jugendpartys und spezielle Schulevents. Jetzt, ein paar Jahre später, zeichnen sie unter anderem verantwortlich für das größte Open-Air-Festival für elektronische Musik. Im Gespräch fiel mir auf, was ich schon bei vielen Jungunternehmern erkennen konnte: Eine Kernfähigkeit, die sie alle verbindet, ist, dass sie in Unternehmungen mutig und agil sind.

Das ist eine sehr lobenswerte Fähigkeit. Allerdings birgt sie eben auch die Gefahr, dass ein Einbruch, wenn er denn kommt, besonders hart und besonders schmerzhaft ausfallen kann. Oder um in der Sprache des Kanuten zu sprechen – wie es mir als ehemaliger Vizeweltmeister im Wildwasser-Rafting gelegen ist: Dass Sie kentern und den Kopf nicht mehr über Wasser halten können.

Deshalb habe ich für Sie und alle anderen mutigen und agilen Start-up-Gründer drei Tipps, wie Sie diese Gefahr minimieren und Ihnen die Eskimorolle – das Wiederaufrichten des Kajaks nach dem Kentern – im Unternehmen gelingt.

Tipp 1: Klein starten

Starten Sie mit kleinen Experimenten, statt sich gleich größenwahnsinnig in ein Mammutprojekt zu stürzen. Zwar könnten Jungunternehmer meinen, dass dieses Vorgehen quasi fast schon in der DNA des Start-up-tums enthalten ist, allerdings kommt es nicht selten vor, dass sich Gründer verkalkulieren und alles auf eine Karte setzen. Und dann beim Kentern alles verlieren, so dass sie wieder bei Null anfangen müssen. Die ernüchternde Folge lautet dann leider meist: „Das Projekt habe ich so richtig an die Wand gefahren – davon lasse ich jetzt endgültig die Finger.“
Damit Ihnen genau das nicht passiert, sollten Sie also lieber mit Prototypen starten, die Sie nach und nach optimieren, erweitern und – im Idealfall – in Serie bringen.

Tipp 2: THINK WE!

Kein Mensch ist eine Insel. Dieser Grundsatz gilt wie im ganzen Leben auch in Start-ups. Scharen Sie ein Team um sich, mit dem Sie sich austauschen können. Sie brauchen Menschen im direkten Umfeld, die Ihnen Back-up bieten, Feedback geben und Kritik üben. Wenn Sie Ideen immer alleine jonglieren und sich im Kämmerchen den Kopf zerbrechen, fehlt Ihnen zwangsläufig die zweite, dritte, vierte Perspektive.

Haben Sie diesen Back-up immer im Hinterkopf und nutzen Sie, dass Partner oder Mitarbeiter Ihnen einen frischen Blick auf mögliche Fehler schon frühzeitig eröffnen können – bevor Sie mit Ihrem möglicherweise eindimensionalen Input kentern. Dieses Miteinander bietet Ihnen eine gewisse Sicherheit in der Unsicherheit und die mentale Wendigkeit der Eskimorolle.

Tipp 3: NOW – offen und interessiert bleiben!

Um aus einer faszinierenden Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu machen, braucht es Überzeugung, Fokus und mitunter einen schier unbändigen Willen. Die Gefahr dabei ist, dass Ihr Blick sich dabei so verengt, dass Sie weitere Chancen, die sich manchmal links oder rechts von der verfolgten Spur eröffnen, einfach nicht wahrnehmen. Deshalb: Zwingen Sie sich von Zeit zu Zeit, etwas Abstand zu gewinnen und das Geschehen mit frischen und offenen Augen zu betrachten. Dabei können Sie leichter weitere Geschäftsmöglichkeiten erkennen, stellen sich etwas breiter auf und werden nicht von der ersten großen Welle eines Fehlschlages völlig weggespült.

Mehr als Sicherheit

Bei allem Mut für Neues und Experimente sind der Back-up-Gedanke und das Steh-auf-Männchen-Prinzip wichtige Kompetenzen, die Sie nicht unterschätzen sollten. Denn so meistern Sie Risiken und bleiben offen, neue Chancen wahrzunehmen und flexibel zu nutzen. Das lässt Sie immer weiter wachsen und stärkt Sie souverän.
Nur durch die Wendigkeit und Sicherheit der übertragenen Eskimorolle schafften Tim und sein Team es, so schnell so erfolgreich zu werden. Und es auch zu bleiben.

Herbert Schreib

Herbert Schreib lebt nach dem Motto: „Oben bleiben!“ Der ehemalige Vizeweltmeister im Wildwasser-Rafting verbindet seine Erfahrung auf unruhigen Gewässern mit jenen als Unternehmensberater und unterstützt Entscheider dabei, ihre Führungskräfte für Herausforderungen in ungewissen Zeiten zu stärken. Sein Buch „Oben bleiben! Stark und souverän in unruhigen Zeit“ erschien 2018.

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