Die Zielgruppe im Blick haben, Reputation aufbauen und Awards nicht unterschätzen.

IDEE online einkaufen, Zahlungen autorisieren, Alter verifizieren ohne dafür eigens eine App herunterzuladen oder sich separat registrieren zu müssen

Stellen Sie sich und das Startup IDEE doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Al Lakhani und ich bin der Gründer der IDEE GmbH. Wir sind ein Software-Unternehmen mit Sitz in München, dass sich auf die Sicherung und den Austausch digitaler Identitäten spezialisiert hat. Mit unserer Technologie können Kunden online einkaufen, sich für Shops und Services anmelden, Zahlungen autorisieren oder ihr Alter verifizieren, indem sie bereits vorhandene Daten anderer Services wiederverwenden, ohne dafür eigens eine App herunterzuladen oder sich separat registrieren zu müssen. Für Nutzer schaffen wir damit die lästige Accounterstellung und Dateneingabe ab. Für Anbieter unserer Technologie beschleunigen wir die Anmelde- und Bestellprozesse. Und Unternehmen, die die Daten zur Verfügung stellen, können dies entgeltlich tun und damit zusätzlichen Umsatz generieren. 

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Um online Dienstleistungen und Produkte anbieten, Zahlungen erhalten oder personalisierte Angebote offerieren zu können, brauchen Unternehmen Daten. Und die erhält man heutzutage eben durch die Anlage von Accounts, mit Benutzernamen und Passwörtern. Dass Kunden diese für jeden Service neu anlegen und alle Daten neu eingeben müssen, ist super lästig. Plus: diese Benutzeridentität kann leicht gestohlen werden, denn Passwörter, Pins und Co zu knacken ist heutzutage ein Kinderspiel. 

Aktuelle Lösungen auf dem Markt sind entweder nutzerfreundlich, dafür aber unsicher und ein leichtes Ziel für Hacker. Oder sie sind sicherer, dafür aber sehr umständlich für die Kunden. Ich wollte deshalb einen Weg finden, die Dateneingabe zu reduzieren und die Benutzeridentität dabei gleichzeitig sicherer zu machen.

Welche Vision steckt hinter IDEE?

Wir wollen die digitale Welt und alle Transaktionen innerhalb dieser für Kunden und Unternehmen sicher machen. Deshalb mussten wir zunächst das Passwort loswerden. Mit immer mehr digitalen Services und wachsenden Angebotsportfolios in allen Branchen kommt ein zweiter wichtiger Punkt hinzu: Bequemlichkeit für den Nutzer. Wir haben heute so viele Services online, dass Dateneingabe und Account-Handling sich zu echten Pain Points für uns als Nutzer entwickelt haben, und wir dazu neigen, nur noch die Anbieter zu nutzen, bei denen wir eh schon Accounts haben. Das macht Neukundenakquise für Unternehmen teuer und aufwendig – denn die Abbruchraten in Anmelde- und Bestellprozessen sind hoch, Tendenz steigend. Das gilt übrigens nicht nur für den Handel. Wir wollen daher beides bieten: mehr Convenience bei maximaler Sicherheit – und das branchenübergreifend.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Als wir starteten, war unsere größte Herausforderung, dass wir uns mit dem Thema „Digitale Identität“ in einer Bubble bewegt haben – wer sich mit dem Thema auseinandersetzte, hat sofort verstanden, warum das, was wir anbieten, richtig und wichtig ist. Für die meisten Branchen waren wir unserer Zeit aber voraus. Unsere ersten Geschäftspartner waren daher vorrangig Finanzinstitute, die beim Thema Datensicherheit immer state-of-the-art sein müssen, und etablierte Online-Händler, die mit einem permanenten Wettbewerbsanstieg bei immer bequemer werdenden Kunden und sich schnell verändernden technologischen Möglichkeiten kämpfen müssen. Heute hat die Sicherung und der Austausch von digitalen Identitäten eine deutlich höhere Präsenz in mehr Branchen – das spiegelt sich auch in unserer zuletzt abgeschlossenen Finanzierungsrunde wider. Im Dezember 2019 haben Investoren unterschiedlichster Industrien 5,4 Millionen Euro in IDEE investiert.

Wer ist die Zielgruppe von IDEE?

Wir arbeiten mit Finanzdienstleistern, Online-Händlern, Service-Anbietern und Unternehmen im Mobility-Sektor zusammen. Im Grunde funktioniert unsere Technologie aber für jede Branche. 

Wie funktioniert IDEE? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir bringen datenbesitzende Unternehmen, z.B. Banken, mit Unternehmen zusammen, die Daten von ihren Neukunden brauchen, wie zum Beispiel Online-Händler, um ihren Kunden einfachere und sicherere Anmelde- und Bestellprozesse anbieten zu können. Mithilfe unserer Technologie können Kunden dann in Online-Shops ohne Anmeldung, ohne Kontoerstellung und ohne Passworteingabe bestellen, indem sie ihre digitale Identität von einem Service – zum Beispiel aus ihrer Banking-App – durch das Entsperren ihres Smartphones in den Online-Shop übertragen. Der Online-Händler beschleunigt seinen Bestellprozess damit signifikant und erhöht so die Conversion. Die Bank kann die Bereitstellung der Daten monetarisieren. Der Kunde muss keine Daten eingeben und sich keine Passwörter merken.

Was uns von anderen Anbietern unterscheidet, lässt sich einfach zusammenfassen: Wir sind sicherer als vergleichbare Anbieter, wir speichern keinerlei Daten und wir treten nicht wie andere Dritt-Anbieter in Erscheinung – die Kunden unserer Kunden wissen also nicht, dass sie IDEE-Technologie verwenden. Für sie ist es einfach ein toller neuer Service von ihrem jeweiligen Anbieter.

IDEE, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Das treffendste Wort ist hier „Wachstum“ – und das in alle Richtungen. Unser Team zählt aktuell 18 Köpfe, und allein bis zum Sommer dieses Jahres sollen sieben weitere hinzukommen. Wir haben sowohl neue Geschäftspartner als auch Kunden in den USA gewonnen und wollen hier neben unserem Deutschlandgeschäft weiter ausbauen. Und durch die Flexibilität unserer Technologie entdecken auch unsere bestehenden Geschäftspartner immer mehr hoch individuelle Use Cases, die wir jetzt in einer Vielzahl neuer Projekte gemeinsam umsetzen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Die Zielgruppe im Blick haben, Reputation aufbauen und Awards nicht unterschätzen. 

Einen klassischen Fehler, den viele Start-ups begehen, ist die fehlende Branchenfokussierung. Viele Gründer entwickeln Lösungen sowie MVPs und konzentrieren sich erst danach auf die Zielgruppe und die Herausforderungen der jeweiligen Branchen. Die bessere Strategie ist es, bereits bei der Entwicklung die zukünftigen Partner im Blick zu haben. Und welchen Mehrwert man für diese kreieren kann. Diesen Mehrwert sollte man dann kommunizieren können – und zwar nicht nur auf der eigenen Webseite, sondern im Netzwerk der Branche.

Da aber gerade große Konzerne sehr akribisch prüfen, wen sie in ihr Netzwerk lassen, sollten Gründer verfügbare Möglichkeiten nutzen, um für Trendscouts, Chief Digital Officers oder Innovationsmanager sichtbar zu werden. Eine vielversprechende Option sind sogenannte Innovation Hubs oder Inkubatoren, die den direkten Zugang zu relevanten Entscheidungsträgern ermöglichen. Eine weitere Option ist die Bewerbung auf renommierte Branchenawards, um sich die eigene Expertise durch eine Fachjury bestätigen zu lassen. So wird das Vertrauen aufgebaut, das Kunden brauchen, um sich auf eine Beziehung mit einem Start-up einzulassen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Al Lakhani für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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