Hypothesen oder Vermutungen – Entwicklung lässt sich nur erahnen

Wie schön wäre es, wenn wir immer zu 100% wüssten, ob unsere Idee und unsere Planung aufgeht? Doch egal, wie sorgfältig eine Planung ist, es ist und bleibt eine Hypothese voller Annahmen.

In den letzten Artikeln haben wir ausführlich darüber berichtet, was man alles benötigt, um ein möglichst erfolgreiches Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Wir haben über Kosten, Partner, Ressourcen, Wissen, Aktivitäten, Verkaufskanäle, Einnahmequellen, Kunden und noch einiges mehr gesprochen. Wir haben uns darauf hin für jeden dieser Punkte einen ausführlichen „Schlachtplan“ erstellt und dabei all unser Wissen und unsere Quellen genutzt, um ein richtig tolles Werk zu kreieren. Jetzt kann ja im Grunde nichts mehr schief gehen. Es steht da, Schwarz auf Weiß…

Vor vielen Jahren bat man mich, in einem kleinen Unternehmen mitzuwirken und mein KnowHow mit einzubringen. Ich war in einigen Meetings dabei und zwei der Kollegen haben über Wochen hinweg einen unfassbar (man möge mir den Ausdruck verzeihen) geilen Businessplan erstellt. Sie haben sich förmlich gefeiert. Gute 40 Seiten lagen da nun auf meinem Tisch voller Tabellen, Statistiken, Auswertungen, Analysen, Planungen…. Ich sollte wohl beeindruckt sein, was mir jedoch sehr schwer fiel. Aber ich überflog den Plan trotzdem. Einige Tage später wurde ich darauf angesprochen und teilte lediglich mit, dass ich ihn überflogen hätte. Zu einer weiteren Bemerkung wollte ich mich nicht durchringen. Blicke sagen mehr als 1000 Worte und so wurde ich förmlich gegrillt.

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Nach den ersten drei Monaten bekam ich den Businessplan wieder auf den Tisch und ich fragte, was denn der Grund hierfür sei. Man habe den Plan den aktuellen Begebenheiten angepasst. Dies wiederholte sich noch zwei weitere Male innerhalb der nächsten sechs Monaten. In einem darauf folgenden Meeting wurde ich dann gebeten, meine Meinung einzubringen. Ich hatte über Monate immer wieder geäußert, dass ein Businessplan in dieser Phase und in dieser Ausführlichkeit – und den daraus entstandenen Kosten – für mich wenig Sinn ergäbe. Wir waren viel zu klein, um ein derartiges Zahlenwerk auf valide Säulen zu bauen. Uns fehlte die Erfahrung, das Produkt und die Glaskugel. Eigentlich ist das gar nicht so selten und so schlimm, wären da nicht die Jungs gewesen, die sich wie Rocky haben feiern lassen.

Sie haben den Fehler gemacht, den viele begehen. Ein Businessplan ist in erster Linie – und dies trifft BESONDERS auf ein StartUp, in einer solch frühen Entstehungsphase, zu – eine Hypothese, eine Annahme dessen, was sein KÖNNTE. Die kleinste Verschiebung kann zu großen Unbekannten führen und damit das gesamte Zahlenhaus zum Einsturz bringen. Aber warum sollte ich mir dann überhaupt die Mühe machen?

Ganz so unrecht hatten die Jungs nicht. Sie lagen einfach mit den Zahlen (teilweise leider sehr) daneben. Aber die positive Seite war etwas ganz Wichtiges. Es gab einen Plan und es gab ein Ziel, welches man anvisierte. Darauf aufbauend kann man sich einen guten ERSTEN Schlachtplan erstellen und die jeweiligen Schritte festlegen, wie man vorgehen möchte. Wenn wir also alle Faktoren aus den letzten Beiträgen der Serie nehmen und daraus ein Ziel und den Weg definieren, damit einverstanden sind, dass es nur Annahmen sind und beginnen zu handeln, dann ist das ein sehr guter Anfang. Hier kommt vielleicht noch hinzu, dass eine gute Mischung aus Visionär, Realist, Macher und Draufgänger viel zur Umsetzung beitragen kann.

Zu allen Beiträgen von Steve Blank

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Bernd Korz

Dieser Artikel wurde von unserem CEO, Bernd Korz, geschrieben. Mit seiner Erfahrung als Unternehmer und Geschäftsmann, teilt er mit uns seine Sicht der Lektionen von Steve Blank. Folge unserer wöchentlichen Artikelreihe über die Lehren von Steve Blank!

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